Ein Lidschlag, ein Schnitt

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    • Die Texte werden beim Schnitt, noch ohne an sie zu denken, immer konkreter. Vorher liegt die Wissensreserche (hauptsächlich über das Internet und teilweise über Bücher), aber der eigentliche Text, was ich für wichtig halte, entsteht beim Schnitt.
      vg Ian
    • aber der eigentliche Text, was ich für wichtig halte, entsteht beim Schnitt.


      Mir gehen da beim Schnitt insofern schon mal Gedanken durch den Kopf, ob ich Platz (Zeit) schinden muss, um hier unbedingt etwas konkretes reinzupacken oder ob da keine begleitenden Worte nötig sind. So gesehen unterscheiden sich die Arbeitsweisen nur um Nuancen.

      Beispiel: Hinter den Niagarafällen filmte ich länger den Wasservorhang, bei dem man mit einiger Phanatsie meinen könnte, besagte Lelawala, die sich einstmals in die Fluten stürzte, um einen alten Greis nicht heiraten zu müssen, schemenhaft zu erkennen (bewegte Schatten). Das schwebte mir sogar schon bei der Aufnahme vor. Damit wurde dann diese Szene ca. 20 Sekunden lang - Zeit genug, um die Story mit wenigen Worten aus der Kiste zu holen.

      Ich hatte da schon folgende Geschichte im Hinterkopf:

      "Indian legend tells of Lelawala, a beautiful maid betrothed by her father to a brave she dispised. Rather than marry, Lelawala chose to sacrifice herself to her true love, He-No, the Thunder God, who dwelled in a cave behind the Horseshoe Falls. She paddled the canoe into the swift current of the Niagara River and was swept over the brink. He-No caught her as she plummeted and together their spirits are said to live forever in the Thunder God's sanctuary behind the Falls."- The Magic of Niagara, by George Bailey

      Solche alten Geschichten faszinieren mich und damit kann man Leben in Szenen einhauchen..
    • Original von Wenzi
      Je öfters ich das sehe, umso mehr Gefühl bekomme ich für den Gesamtfilm.


      Das kann aber auch trügerisch sein.
      Ich lasse daher den fertigen Film immer etliche Tage liegen und schaue ihn mir dann noch einmal an. Meistens sieht man ihn dann doch mit anderen Augen und fängt nochmals mit Korrekturen an.
      Gruß

      Hans-Jürgen
    • Wenn auf eine alte Geschichte/Sage/Legende zurückgegriffen werden kann ist das das Optimum. So entsteht ein schönner Handlungs/Spannungsbogen.
      vg Ian
    • Original von einsiedlerMeine Quintessenz: Beim Filmen immer ans Schneiden denken.

      Ich hatte letztens das Privileg erstes digitales Material eines "alten" Schmalfilmers zu schneiden. Ich war verblüfft: Das Material war bereits so gefilmt, daß wenig inhaltlich geschnitten / umgruppiert werden mußt. Lediglich Überlängen und mißlungene Aufnahmen mußten weg.

      Das einfach Prinzip jeder "Szene":
      Menschen befinden sich irgendwo, gehen irgendwo hin und machen etwas und gehen dann wieder irgendwo hin.

      Die Szenen waren inhaltlich "rund" und selbsterklärend. Werde ich auch versuchen. Ansonsten schneide ich grundsätzlich 6 - 8 Sekunden und versuche Anschlußbilder zu setzen. Also, der Akteur schaut nach rechts, Schnitt ... und die neue Handlung wirkt, als wenn der Akteur sie sich anschauen würde.
    • Ich hatte letztens das Privileg erstes digitales Material eines "alten" Schmalfilmers zu schneiden. Ich war verblüfft


      Das kommt von daher, weil die guten alten Schmalfilmer sehr auf's Geld schauen mussten. Zweieinhalb Minuten Bildmaterial (24-er Gang) für rund 15 Mark - das war eine menge Kohle. Ich hatte damals in Kanada 50 Kassetten dabei, ein kleines Vermögen also. Dennoch ging das Material in den 5 Wochen weg wie warme Semmeln. Also plante man die Szenen entsprechend und überlegte sich deren Länge sehr gut. Diese Schule der Aufnahmetechnik würde heute so manchem jüngeren Videofilmer ganz gut tun.

      Aber ich weiche heute auch schon deutlich von diesen Gewohnheiten ab. Leider, denn ich hocke an meinem letzten Reisefilm bereits seit 3 Monaten und bin immer noch am Kürzen. Weniger wäre manchmal besser...
    • erstes digitales Material eines "alten" Schmalfilmers zu schneiden.

      Vermutung: Schmalfilm war nicht ganz billig, da hat man schnell gelernt, vor der Aufnahme das Gehirn einzuschalten - und das sah man den Clips auch an.

      Heute, so geht es mir zumindest, filmt und fotografiert man oft nach dem Motto: Was solls, machen wir halt ein paar Aufnahmen mehr, kost ja nix. Mit dem Ergebnis, dass meine Diafilme ein wesentlich besseres Verhältnis von guten zu schlechten Aufnahmen hatten als ihre digitalen Nachfolger. Und wenn man wg. "kost ja nix" zu schlampig war, hat man hunderte von Aufnahmen/Clips, die alle mittelmäßig sind.

      Beste Grüße, Rod

      PS: Da war Lothar schneller :)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Rod ()

    • Da war Lothar schneller


      Aber wir meinen das Gleiche... :beer:

      Und wir regen uns heute auf, dass eine Speicherkarte für 80 Minuten Videofilm in höchster Auflösung "satte" 30 Euro kostet. Das wären damals bei einer inflationären 1:1-Umsetzung (Euro -> DM) gerade mal zwei Filmrollen gewesen, als 5 Minuten. Und zwar in der Gestalt, dass man diese nicht wiederverwenden konnte wie heute die Speicherkarten. Für viele normale Filmer war das also wirklich Luxus. Andererseits hatten wir unsere Filmkameras damals mindestens 3-4 Jahre oder sogar noch länger. Das schafft heute keine Videokamera mehr.
    • Original von Rod
      Schmalfilm war nicht ganz billig, da hat man schnell gelernt, vor der Aufnahme das Gehirn einzuschalten - und das sah man den Clips auch an.


      So hat er es mir auf Nachfrage auch erklärt. Diese Technik hat mir beim schneiden auch viel Zeit gespart :)
    • Jetzt bin ich mit dem Murch fertig und er war schön zu lesen. Ob es meine Filme verbessert - keine Ahnung (schön wär´s) - trotzdem: eindeutig lesenswert.
      vg Ian