Angepinnt Was macht Videos zu etws Besonderem?

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    • Was macht Videos zu etws Besonderem?

      Abseits von HD(V) Hype, den ich zwar gerufen habe, der mir aber manchmal selbst auch etwas unheimlich wird, :D , also mal abseits davon sehe ich immer wieder Beispiele von Videos, wo ich mir denke: da fehlt noch irgend etwas.

      Und wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, dann ists im Kern doch die Frage, was eigentlich Videos zu etwas "Besonderem" macht. Wodurch sie sich von dem einfachen, eher mechanischen Zusammenschneiden von (zwar auch gut gefilmten) Clips unterscheiden.

      Meine These, was Videos von einer eher rein mechanischen Produktion abhebt, ist halt folgende:

      - Beim Filmen selbst braucht man schon eine interessante Mischung aus Totalen, Halbtotalen, Nahaufnahmen und auch Großaufnahmen . Und auch mal Aufnahmen aus ungeöhnlichen Perspektiven. Ein Film, der immer nur die Totale zeigt, wird schnell langweilig. Das ist der Aspekt, den Vielmuth als Filmgestaltung bezeichnet, und auf den man halt schon beim Drehen achten muß. Übrigens ein sehr guter Buchhinweis auf sein altes, aber exzellentes Werk, findet sich noch HIER.

      - wenn man mal bewußt so eine Mischung aus Totalen, Halbtotalen und Nahaufnahmen gedreht hat, gehört das ohne Kompromisse zusammen geschnitten . Da fliegen Teile raus, wo man Rücken von Menschen sieht. Wo mal ein Auto vor dem Zielobjekt stand. Also all das, was nicht wirklich erstklassiges Material ist. Ich neige dazu, hier immer weniger Kompromisse zu akzeptieren. Bedeutet, daß man beim Filmen halt bewußt mehr filmen muß, Material für Zwischenschnitte benötigt , usw. Den wir alle machen Fehler beim Filmen, uns allen passiert was, wir alles kaschieren Dinge mit dem Schnitt.

      - der Schnitt hat dann die Funktion, hier mal ganz beinhart das schlechte Material rauszuwerfen, und eine interessante Mischung zu erzeugen.

      - So, was mir aber noch wesentlich erscheint, daß ist der Ansatz, daß Video eine Geschichte erzählen soll. Die Bildersprache sollte einen Handlungsablauf haben. So trivial das klingt, aber das fehlt in vielen Videos! Wie feiern Weihnachten - nun, das kann beim Einkauf des Christbaums, beim Aufstellen des Christbaums, bei der Fahrt zu den Eltern usw anfangen; wie sich Kinder für so eine Fahrt anziehen, vorbereiten. Die Geschenke werden verteilt und geöffnet. Das Fest endet. Die Kinderaugen glänzen. Egal wie man es macht, man sollte einem ungeschriebenen oder auch geschriebenen Drehbuch folgen, und einen Ablauf erzählen.

      - Ganz toll werden Filme, wenn sie aber noch weiter gehen. Wenn sie uns emotional berühren . Wenn sie Bilder bringen, die uns mehr als nur gefallen. Für sowas gibts wahrscheinlich kein wirkliches Rezept, hier kommen wir in den Bereich des primär kreativen, des Elementes, wo wir mit der Kamera anfangen Kunst zu machen. Hier spielen wir noch stärker mit Licht, Aufnahmewinkel, Bildausschnitt, Geschwindigkeit usw. Ich habe mal einen download im Sony Forum gesehen, von GmElliott, der war einfach phantastisch. Das war eine kleines Hochzeitsvideo, welches derart professionel war, derart die Gefühle berührt hat, daß es mich wirklich vom Hocker gehauen hat. Leider hat er das Video nicht mehr im Netz stehen - aber so sollten unsere Videos sein. Ich versuche mal, ihn zu kontaktieren, vielleicht bekomme ich die Erlaubnis, das für diese Diskussion mal ins Netz stellen zu dürfen.

      Und das war eine Mischung aus den hier genannten Dingen, plus eine extrem gut passende und stimmige Musik. Überhaupt kommt mir mehr und mehr vor, daß die Musik und Nachvertonung - auch die Tonmischung mit Kommentar- und Originalton - eine enorm wichtige Rolle spielen. Zumindest, wenn man den hohen Grad an Professionalität anpeilt, von dem ich hier sprechen will.

      So, das war mal eine lange Einleitung. Wer hat Lust, diese Aspekte mal mit zu diskutieren?
      :))
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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    • Wolfgang!
      Ich hab mir deine Einleitung ausgedruckt und neben meine Kamera und PC gelegt!
      Mehr will(kann) ich dazu (derzeit) noch nicht beitragen. Du hast viele meiner Gedanken hier aufgelistet und in Worte gefaßt.
      Andere können hoffentlich mehr dazu schreiben - da sie aus ihren (langjährigen) Erfahrungen sprechen können. Ich leider noch nicht.

      Gruß, Franz
    • Franz,

      klar kannst du mit diskutieren - nur keine falsche Scheu! Ich selbst sage nämlich nicht, daß ich das schon alles Umsetzen könnte. So ein Video, wie das, was ich von Elliott gesehen habe, schaffe ich definitiv auch noch nicht.

      Aber vielleicht wäre es auch mal gut darüber zu sprechen, was uns daran hindert, solche Videos zu machen? Was ist den deine Erfahrung, etwa direkt beim Drehen? Was haut gut hin, was haut weniger gut hin?
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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    • Hallo,

      ein wirklich guter Film ensteht zu 50% im Kopf. Weitere 45% kommt auf den Kameramann an und höchstens 5% ist der Schnitt.

      Ich hab mal bei einer Edius-Schulung angefangen über das richtige Filmen mit der Kamera zu erzählen und was man, wenn man richtig filmt, beim Schnitt sparen kann (so ca. 60% Zeitauwand). Die haben mich angeschaut wie ein Auto. Gut, ich ging auch ziemlich in die Tiefe, das kann man beim Hochzeitsfilm sicher nicht so einfach umsetzten.

      Die schlimmsten Fehler sind die, wo der Zuschauer noch nicht mal sagen kann warum der Film nicht gefällt, er hat nur so ein Gefühl das da was nicht stimmt.
    • Also daß ein guter Film im Kopf entsteht - kein Zweifel daran, daß dies weitgehend stimmt.

      Weitgehend, den muß man kann vermutlich schon unterscheiden, ob ein Film regiemäßig planbar ist? Gibts ein Drehbuch, das nachgespielt wird? Oder ist der Film in geringerem Umfang planbar, und werden die Ereignisse halt so aufgezeichnet, so wie sie passieren? Das sind zwei grundlegende Fälle, beides gibt es, halt in anderen Situationen.

      Aber selbst wenn das Element des nicht-Planbaren groß ist, so kann man doch einen gewissen Ablauf im Kopf haben; kann man doch gestalterisch wirken. Etwa, indem man Vormaterial filmt, welches man später verwendet. Indem man den Film in gewisse Abschnitte zerlegt, die man haben will. Das geht auch bei einem Erstkommunions oder Hochzeitsfilm. Beispiel: zeigt man die Vorbereitungen zu einer Feier mit her oder nicht? Oder was nach der Feier geschieht?

      Die besten Filme werden aber vermutlich immer einen gewissen konstruierten Ansatz benötigen. Sowas passiert nicht zufällig. Egal, obs ein geschriebenes Drehbuch gibt oder eben nicht - der Ablauf kann ja auch im Kopf vorher vorhanden sein, ohne je niedergeschrieben zu werden.
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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    • Hallo liebe Filmfreunde,
      hier eine Auswahl dessen, was ich mir im Laufe der Zeit zum Filmemachen notiert habe:

      Filmemachen = Faszination an allem Lebendigen, diesem Festhalten von Augenblicken, von Momenten des Lebens.

      Da wo Film glaubwürdiges Leben vermittelt, geht es nicht um Kunst oder Kitsch.

      Der Ursprung der Freude am Film war nicht das Interesse an Inhalten, sondern einfach die Faszination der Bewegung.

      Der Inhalt oder die Botschaft soll die Gestaltung vorgeben, nicht umgekehrt.

      Kreativität kommt von Technik, Intuition von Erfahrung.

      Eine herausragende künstlerische Leistung ist nicht das Resultat eines genialen Moments, einer höheren Eingebung. Sondern das Produkt von Fleiß und hart erarbeitetem Können.

      „Werd’ ich zum Augenblicke sagen, verweile doch, du bist so schön..“ Auch wenn es banal klingt: Film, insbesondere Amateurfilm, ist festgehaltenes Leben. Der Amateurfilm ist ein wichtiger Bestandteil des visuellen Gedächtnisses der Menschheit.

      Ich habe gegrübelt, weshalb dieser oder jener Film mich emotional nicht angepackt hat. Ich glaube zu wissen weshalb. Es fehlt das ICH. Das glaubwürdige Eingeständnis, dass ich so erlebt, gefühlt und gedacht habe. Freilich, ohne dieses Eingeständnis ist man auf der sicheren Seite. Ich-Filme gleichen einem Seelenstriptease, sie machen verletzlich. Dann doch lieber die ich-neutrale Dokumentation?

      Wie vermittelt man dem Zuschauer den Filminhalt interessant und packend?

      Durch den persönlichen Bezug des Autors zu den gezeigten Objekten,
      Personen und zu ihren Einstellungen,

      die Bedeutsamkeit einer Einstellung lässt sich aufwerten durch eine
      GESCHICHTE, in der sie eine Rolle spielt.

      der persönliche Bezug, die große Chance des Amateurfilms.

      Amateurfilme können zu etwas Heiligem werde. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, wenn ich an die über 60 Jahre alten Aufnahmen z.B. von meinem Großvater denke. Keine andere „Zeitmaschine“ vermittelt mir so deutlich die Mimik, Gestik und den Habitus dieses längst toten Vorfahren wie diese alten, schwarzweißen (leider) Stummfilmaufnahmen.

      Das Problem ist nämlich nicht, dass wir zu wenig haben. Sondern, dass wir das Vorhandene nicht nutzen.

      Kürze und Tempo gegen Länge und Langeweile

      Film ist rhythmische Organisation der Zeit mit optischen Mitteln.

      Film ist nicht das, was ich dem Anderen sagen möchte, sondern das, was beim Anderen ankommt.

      Das gilt auch für den Urlaubsfilm: Suche nach einer GESCHICHTE, die DU erzählen kannst.

      Das derzeit knappste Gut: AUFMERKSAMKEIT

      Filmer, insbesondere Amateurfilmer sollten sich als Chronisten des Lebens verstehen.

      Bilder zum Hören, Musik zum Sehen.

      Wes das Herz voll ist, dem fließt der Film über.

      Eine Botschaft ist angekommen, wenn sie Reaktionen auslöst.

      Zu kurze Filme gibt es nicht. Zu lange sieht man immer wieder.

      Leider hatte ich keine Zeit, mich kurz zu fassen.

      Nur der Besessene kann die Welt mit seinen Bildern noch aus dem Plüschsessel reißen.
    • Original von jürgen roller
      Eine herausragende künstlerische Leistung ist nicht das Resultat eines genialen Moments, einer höheren Eingebung. Sondern das Produkt von Fleiß und hart erarbeitetem Können.


      Viele gute Punkte, aber ich greife mal dieses Zitat heraus. Weil es nämlich klar zum Ausdruck bringt, wie auch ich "Kunst" - die Kunst des Filmes - interpretieren würde. "Kunst" kommt vom "Können", und "Können" kann man lernen. Eine wesentliche Annahme ist für mich, daß man das Filmen tatsächlich erlernen kann.

      Und so theoretisch und abstrakt das vielleicht klingt, die Konsequenz ist ganz banal: man muß Filmen und Schneiden, um die Sache zu erlernen. Man muß sich die Grundlagen aneignen, was die Technik des Filmes angeht, dem Umgang mit dem Camcorder, dem Erstellen eines Konzepts, was man filmt, und wie man es filmt. Und man muß mit seinem Schnittprogramm umgehen können, um die Sachen umsetzen und fertig machen zu können. Das ist für mich die Basis, das Werkzeug.

      Aber wo ist die Grenze zwischen der Technik, dem Werkzeug, und der Kunst?

      wenn man richtig filmt, beim Schnitt sparen kann auch das entspricht zutiefst meiner Erfahrung. Ich habe mir mal kürzlich Videomaterial angesehen, noch in Video8 gefilmt. Von einer USA-Reise, wo ich zwar einen Camcorder, aber keine Ahnung vom Filmen hatte. Grauslich. Wenn man das Material überhaupt retten kann, dann nur mit extrem viel Mühe. Wenn überhaupt.

      Aber wodurch man eindeutig am meisten lernt, das ist, wenn man Filme anschaut und bespricht. Videoclubs sind da ideal, vielleicht schaffen wir es auch mit Kurzfilmen in Foren.
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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    • Original von Stephan Kexel
      Weitere 45% kommt auf den Kameramann an und höchstens 5% ist der Schnitt.


      Ich zitiere mich mal hier selbst.

      Mich wundert das obige Aussage so einfach geschluckt wird. Meine Erfahrung ist das der Amateurfilmer eher andersrum denkt. Was grundlegend falsch ist. Ein Profi benötigt im Schnittprogramm eine gute Farbkorrektur und ggf. noch den Spiegelfilter und natürlich die "Schere".
      Alles andere macht der Kameramann. Ich rede jetzt hier von einem Film mit Handlung, kein Enterprise oder einem Trailer.
      Die Stimmung macht der Kameramann zusammen mit der Regie und dem Beleuchter, wobei das beim Amateurfilm eine und die selbe Person ist. Der Cutter spielt in dieser Sache eher eine untergeordnete Sache.
    • Also Stephan, ich sage sowas ungern, aber die oben genannte Aussage ist dermaßen jenseits von Gut und Böse, dass es mir den Boden unter den Füßen wegzieht. Wer das sagt, hat nicht die leiseste Ahnung davon, wie extrem stark der Anteil des Schnitts daran ist, aus einer Halde von nichtssagendem Chaos ein Film zu machen. Solche extrem polarisierenden Aussagen sollte man nicht treffen, wenn man die Berufsbilder nicht ausreichend kennt.
    • Ich denke ähnlich wie Marco.

      Ich kenne einen professionellen Cutter, der von sich sagt, aus jedem Schrott noch etwas machen zu können.

      Im übrigen wäre das gerade für uns Amateurfilmer sehr deprimierend. Regie zu führen ist oft schwierig. Vom Beleuchter ganz zu schweigen. Und wer kümmert sich um den Ton?

      Da muss in der Nachbearbeitung schon noch manches "gerettet" werden. Das geht heute mit moderner Schnittsoftware besser als je zuvor.
    • Original von Marco
      wie extrem stark der Anteil des Schnitts daran ist, aus einer Halde von nichtssagendem Chaos ein Film zu machen.


      Der Cutter ist doch auch nur ausführendes Organ. Ich wollte ja auch nicht ausdrücken das der Kameramann den Inhalt des Filmes bestimmt aber er kann z.b. die Stimmung des Filmes bestimmen.

      Sicher, ich denke es hat hoffendlich jeder gemerkt das ich mit meinen Aussagen provozieren will bzw. wollte.

      Was mir halt immer auffällt das hier und auch in anderen Foren, sowie in unserem Forum viel über Schnittsoftware geredet wird, über Funktionen die es gibt oder nicht gibt. Fast gar oder gar nicht über Kameraführung oder die Entstehung an sich. Da hat Wolfgang mit diesem Thread einen sehr guten Anfang gemacht.

      Ich bin sehr viel bei unseren Kunden unterwegs. Die produzieren super Sachen mit unserer Software und Hardware. Die sind froh und glücklich über das Ergebniss. Das ist eben nicht im Consumerbereich und nicht nur in Deutschland. Die schlimmen Fehler, (aus den Foren) die das Arbeiten unmöglich machen, kennen diese Kunden nicht. Warum? Weil Sie arbeiten und nicht von Morgens bis Abends den letzten Parameter des Emboss-Filters testen (da ist jetzt nicht Wolfgang mit gemeint).
    • Original von Marco
      Solche extrem polarisierenden Aussagen sollte man nicht treffen, wenn man die Berufsbilder nicht ausreichend kennt

      @ Stefan
      Gib 5 verschiedenen Cuttern identisches Material eines "guten" Kameramannes. Alle sollen einen Film daraus machen. Dann siehst Du, wie groß der Anteil des Cutters an einem Film ist.

      Noch besser:
      Gib 5 verschiedenen Cuttern identisches Material eines "schlechten" Kameramannes.
      Dann wirst Du den Stellenwert des erfahrenen Cutters richtig einschätzen.
      Gruss Wiro
    • Original von wiro
      Original von Marco
      Solche extrem polarisierenden Aussagen sollte man nicht treffen, wenn man die Berufsbilder nicht ausreichend kennt

      @ Stefan
      Gib 5 verschiedenen Cuttern identisches Material eines "guten" Kameramannes. Alle sollen einen Film daraus machen. Dann siehst Du, wie groß der Anteil des Cutters an einem Film ist.

      Noch besser:
      Gib 5 verschiedenen Cuttern identisches Material eines "schlechten" Kameramannes.
      Dann wirst Du den Stellenwert des erfahrenen Cutters richtig einschätzen.
      Gruss Wiro
      Moment, moment, ich glaube wir gehen hier von falschen Vorrausetzungen aus.

      Ich rede hier vom Film. Im Film würde 5 Cutter mit einem und dem selben Material 5 fast gleiche Filme produzieren. Denn, die haben Vorgaben!

      Hab ich mich wirklich so so unverständlich in meinem Postiong ausgedrückt?

      Dann wirst Du den Stellenwert des erfahrenen Cutters richtig einschätzen.

      Hab ich je behautet das es keine gute oder schlechte Cutter gibt?

      Gerade folgende Aussage meinerseits sagt doch genau das Gegenteil:

      Ein Profi benötigt im Schnittprogramm eine gute Farbkorrektur und ggf. noch den Spiegelfilter und natürlich die "Schere".
    • Hallo zusammen,

      ich möcht mich in diesem Thread nochmal allgemein davon distanzieren das ich in irgendeiner Form das Berfufsbild der Cutter schlechtmachen möchte. Das war/ist nicht meine Absicht.

      Wer mich und meinen Hintergrund kennt sollte normalerweise sich denken können das ich mich damit auf Glatteis bewegen würde. 8)

      Ich habe in diesem Thread versucht zu provozieren und das ist wie man sieht in die Hose gegangen.
    • Da möchte ich nun auch mal meinen Senf dazugeben.

      Im Grunde hat Stephan Recht: Die meisten Fehler und den meisten Zeitaufwand kann man durch vorherige Planung einsparen. Zwar stimmen auch die Argumente von Marco und Jürgen, aber nur insofern, daß man mit dem Schnitt aus nahezu jedem Schrott einen Film - also eine plausible Geschichte - basteln kann, aber das ist doch im Grunde nur ein Ausbügeln vorher gemachter Fehler.

      Diese Fehler werden dadurch unterstützt, daß Videoband so herrlich billig im Vergleich zu "richtigem Film" ist und sich notfalls etliche Male verwenden lassen kann. Da ist die Verführung sehr groß, einfach mal drauf los zu drehen, denn man kann ja später die nicht benötigten Takes ohne finanzielle Kraftakte weglassen.

      Das war zu 8- oder 16mm Filmzeiten ganz anders. Da mußte echtes Geld fürs Material in die Hand genommen werden ( 1 Super8 Kasette mit 3,5 Minuten Spielzeit = ca. DM 15,- !) Das führte dazu, daß der Amateur, wenn er nicht gerade mit Rockefeller eng verwandt war, sich i.d.R. schon vorher recht genau überlegte, was er eigentlich mit seinem Film aussagen wollte und daher viel gezielter den Auslöser bediente, als es heute üblich ist.

      Um das hinzukriegen, boten Anfang / Mitte der 70er Jahre gute Filmclubs alle möglichen Praxisseminare an. Eines davon hat bei mir das Aha-Erlebnis gebracht und ist auch heute noch im Hinterkopf, auch wenn ich "nur" einen Urlaubsfilm oder ein anderes nicht wirklich von vornherein exakt durchplanbares Filmchen mache.

      Wir bekamen die Aufgabe, mit einer oben erwähnten 3,5- Minutenkasette einen kompletten Film zu drehen, ohne ihn zu (zer)schneiden. Da mußten ein Titel, eine einführende und sich steigernde Handlung, sowie ein plausibler Abschluß und ein Abspann drauf sein.

      Ihr könnt mir glauben, das war verflucht schwer und ich habe dafür etliche Super8-Kasetten verbraten, bis das Ergebnis einigermaßen stimmig war. Aber andererseits hilft mir diese Übung auch heute noch und ich kann nur jedem empfehlen, sie auch mal auszuprobieren. Ihr werdet staunen, wie wenig Nachbearbeitungszeit dann noch benötigt wird.

    • Es kommt doch immer darauf an was für ein Film entsehen soll. Mein Hobby ist beispielsweise die Tier- und Naturfilmerei. Da filme ich häufig einfach alles, was mir so vor die Linse kommt. Da kann man häufig auch nicht so genau planen wie was kommen soll sondern man muss sich den Gegebenhaeiten vor Ort anpassen. So habe ich z.B. aus mehreren Urlauben aus Kroatien sehr viel Material (ca. 25 Stunden), aus dem ich nun einen 45 min Film machen will. Das ist natürlich eine irre Arbeit am Schnittplatz, die 5% mit Sicherheit weit überschreiten wird.
      Wenn ich dagegen eine kleine Reportage mache überlege ich mir vorher ganz genau was wie kommen soll und filme entsprechend. Dann kommt das angegebene Verhältnis von Stephan ungefähr hin.
      Gruß

      Hans-Jürgen
    • Interessant, was aus so einem kleinen Thread wird, wenn man mal 2 Stunden nicht rein schaut...
      :D

      Freunde, ihr habt doch alle Recht - von einer bestimmten Perspektive aus. Im Grund genommen ist doch die Video- und Filmproduktion ein Prozess. Da will einer einen Film machen. Da schreibt einer ein script (oder überlegt sich nur was, was wohl im Amateurbereich eher hinkommt). Dann wird mal gefilmt, vielleicht sogar mit 2 Kameras. Da sind wohl massive Unterschiede in der Art des Videos/Films, ob wir eben von einer mehr kommerziellen Produktion oder einem Geburtstagsvideo reden. Aber in all diesen Fällen wird anschließend geschnitten, nachvertont, editiert.

      So, und wer will mir jetzt ernsthaft sagen, daß ausschließlich einer der Prozessschritte wesentlich sein soll? Was macht den der Cutter, wenn er kein Filmmaterial hätte? Was macht der Kameramann, wenn er niemanden hat, der das nachbearbeitet, sichtet und so manches "rettet". Diese Teile gehören zusammen, je nach spezifischer Produktion wird wohl mal da, mal da der Schwerpunkt liegen.

      Und jetzt kommt doch mal zum Ausgangspunkt zurück: was macht nun ein Video/einen Film zu etwas Besonderem? Es ist wohl die Güte dieser Prozessteile zusammen.

      Ich hatte beim Initiieren dieses Thread sicherlich mehr den Privatfilm im Hinterkopf, wo Kameramann und Cutter oft in einer Person alles machen muß. Abgesehen davon, daß ich mich jetzt nicht mit mir selbst streite, wer von mir jetzt wichtiger ist ... :)) ... abgesehen davon glaube ich tatsächlich, daß ein guter Schnitt für das besondere Video genauso wichtig ist, wie eine gute Kameraführung.

      Die Kameraführung liegt mir deshalb sehr am Herzen, weil ich genau weiß, daß es gar nicht so einfach ist, die Motive halbwegs richtig zu erwischen. Hier wird beträchtlich entschieden, ob der Film lebendig ist; ob er Aufmerksamkeit erregt; ob er gefällt. Und der Schnitt setzt darauf auf, korrigiert was vorne vielleicht verbokt worden ist. Beim Schnitt entscheidet man wohl, was nun wirklich besonders gelungen ist, und drinnen bleibt; wo wir uns mit Insertschnitts helfen und kaschieren müssen; der Schnitt ist nicht minder wichtig, etwa bei mehreren Kameras gehts wohl gar nicht ohne.

      Für mich ist daher das Fazit, daß diese Prozeßteile von "Wir stellen ein Video/einen Film her" einfach alle zusammen passen müssen. Und "besondere Güte" kann ich auf all diesen Prozeßstufen erzeugen, oder maßgeblich dazu beitragen. Wobei die vorderen Prozessschritte - etwa auch eine Regie - wohl mitbestimmt, was in den hinteren Schritten noch mach- und rettbar ist.

      In diesem Sinne für eine gleichgestellte Wertigkeit...
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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    • "ich denke es hat hoffendlich jeder gemerkt das ich mit meinen Aussagen provozieren will bzw. wollte."

      Na, das ist auch gelungen. :D

      "Der Cutter ist doch auch nur ausführendes Organ."

      Soviel und so wenig wie jeder andere im Produktionsteam auch, Kameraleute eingeschlossen.

      "Ich wollte ja auch nicht ausdrücken das der Kameramann den Inhalt des Filmes bestimmt aber er kann z.b. die Stimmung des Filmes bestimmen. "

      Auf die Stimmung hat der Kameramann in der Tat teils großen Einfluss, Dekorateure, Bühnenbildner, Maskenbildner, Schauspieler und nicht zuletzt die Regie (u.a.) haben da aber auch noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Und die Bild- und Lichtstimmung ist wiederum nur ein Teil dessen, was ein Film zu einem Film macht.

      "Ich rede hier vom Film. Im Film würde 5 Cutter mit einem und dem selben Material 5 fast gleiche Filme produzieren. Denn, die haben Vorgaben! "

      Die erste Aussage ist so einfach nicht korrekt, weil das einfach von zu vielen Rahmenbedingungen abhängig ist. Das hat nicht nur damit zu tun, ob es sich z.B. um Spiel oder Doku handelt.
      Die zweite gilt wiederum genauso für alle anderen Produktionsbeteiligten. Jeder in einem Team hat erstmal sehr präzise Vorgaben, die aber immer auch gewisse Spielräume bieten und die auch durchaus gebrochen werden können. Das ist nicht abhängig davon, ob jemand Cutter oder Kameramann ist, sondern von der Genauigkeit des Drehbuchs, Drehplans, Storyboards und auch von der Art und Weise, wie z.B. Regie, Kamera und Schnitt eingespielt sind. Ich kenne Produktionen, wo der Regisseur dem Cutter framegenau den Schnitt vorgeben mag, aber genau so präzise sind dann auch die Regieanweisung an das Kamera- und Lichtteam. Umgekehrt habe ich Fälle erlebt, bei denen der Regisseur jeweils kurz morgens vorm Dreh und Abends nach dem Dreh über den Schnitt geschaut hat, fröhlich genickt hat und so lief die Produktion bis zur Abnahme.

      Das Problem bei der Einordnung, Beurteilung und auch bei der Wertschätzung des Schnittes ist, dass ein guter Schnitt meist der ist, den der Zuschauer eigentlich gar nicht bemerkt (das ist besonders bei Spiel so). Es gibt viele verschiedene Wege, das umzusetzen, jeder Weg kann dabei sehr individuell sein und typische "Handschriften" eines Cutters hinterlassen, aber dennoch wird der Zuschauer die Qualität des Schnittes gar nicht spüren - und genau deshalb ist der Schnitt dann so gut. Und genau das führt dann auch leicht zu der Aussage, der Anteil des Schnitts an der Filmgestaltung ist ja doch eher nebensächlich. Einfach verkehrt.

      Ich hatte damals lange Zeit als Praktikant beim TV gearbeitet, dabei in den verschiedensten Bereichen und bei den verschiedensten Genres, von News bis Spielfilm. Eigentlich schielte ich vor dem Praktikum auf eine Ausbildung zum Kameramann. Als ich dann am Ende des Praktikums in den Bereich Schnitt kam und auch hier wiederum verschiedene Cutterinen bei verschiedensten Produktionsarten sehen konnte, war ich unglaublich erstaunt darüber, wie groß der Anteil des Schnitts an der Gestaltung des Filmes ist und wie deutlich die "Handschriften" der einzelnen Cutterinen dabei zu erkennen waren. Das hatte mich damals derart gefesselt, dass ich meinen Berufswunsch umschwenkte, und dann schließlich auch Cutter wurde.

      Die Art und Weise, wie der Cutter gestalterisch auf die Filmwerdung einwirken kann, ist natürlich meist eine ganz andere als die des Kameramanns, aber "anders" darf hier keinesfalls gleichbedeutend sein mit "weniger". Ein Beispiel ist z.B. eine Verfolgungsjagd. Wieviel Einfluss hat der Kameramann darauf, dass die Verfolgungsjagd spannend und dynamisch wird? Er kann für dynamische Kamerabewegungen sorgen. Für Bildgrößen, die später einen schnellen Schnitt erlauben (obwohl die eigentlich meist schon wieder vorgegeben sind). Für dynamische Lichtwechsel. Dieses Material wird vor dem Schnitt trotzdem immer langweilig und langsam sein, jede Wette. Die Verfolgungsjagd entsteht erst beim Schnitt. Der Cutter bestimmt die Rhythmik, er kann die Dramaturgie sehr genau steuern, er kann dabei Höhepunkte einleiten und abfallen lassen, er kann sie "chipsknabbernd unterhaltsam" machen oder atemanhaltend schockierend, er kann durch die Geräuschewahl (die in Deutschland beim TV-Schnitt auch bei Spiel weitestgehend beim Cutter liegt) vollkommen verschiedene Stimmungen schaffen, etc. Natürlich kann es da Vorgaben des Drehbuches und des Regisseurs geben. Genauso viel wie es hier Vorgaben für die Kameraführung geben kann und wird. Gerade solche Szenen werden aber oft so gedreht, dass beim Schnitt ein großer Spielraum bleibt. Ich möchte den Regisseur erleben, der es dem Cutter verwehrt, sein Veto auszuspielen, wenn er (der Cutter) findet, dass der bisher nach Plan durchgeführte Schnitt der Verfolgung viel zu langweilig ist. Und genau so ist das Zusammenspiel an allen Stellen des Teams. Es gibt Vorgaben, überall, und wer weiß, diese Vorgaben bewusst zu brechen, um dem Produkt damit Gutes zu tun, dem wird es gewährt, sofern es kein zusätzliches Geld oder zuviel Zeit kostet und sofern das Team sich genügend kennt. Sind diese guten Voraussetzungen nicht vorhanden, sollte ein Regisseur vor Ort sein, der sein Fach extrem gut beherrscht und ausnahmslos jeden präzise zu dirigieren weiß.

      "Ein Profi benötigt im Schnittprogramm eine gute Farbkorrektur und ggf. noch den Spiegelfilter und natürlich die "Schere". "

      Dem stimmte ich absolut zu. Fast. ;)
      Ein guter Schnitt braucht gar nichts ausser der Schere! Farbkorrektur ist ein eigenes Fachgebiet. Und wenn Korrekturen wie Spiegelungen notwendig werden, dann hat irgendwo beim Dreh irgendjemand geschlampt und sollte dafür einen kräftigen Tritt in den Hintern bekommen. Der Cutter ist nicht derjenige, der die Fehler des Drehs ausgleichen sollte, auch, wenn das leider der Alltag ist.
      Das mit der Farbkorrektur ist natürlich so eine Sache. Das gehört zum Thema "Berufsbild im Wandel". Aber der Cutter (und tatsächlich gibt es diese Fälle immer häufiger), der wirklich auch Farbkorrekturen machen soll, der kann und wird damit z.B. auch wieder maßgeblich auf die Stimmung der einzelnen Bilder einwirken. Im guten Team wird das der Cutter dann zusammen mit dem Kameramann tun. Sowas wird man eher bei Low-Budget-Produktionen antreffen. Und da wird vom Cutter heutzutage auch immer mehr im Bereich der Tonbearbeitung abverlangt, was wiederum noch größere Einflussnahmen auf die Gestaltung erlaubt.
    • Diesem informativen Erfahrungsbericht eines Profis ist wohl kaum noch was hinzuzufügen. Gerne schau ich auch mal über den Tellerrand des Amateurfilms hinaus.

      Die Situation des Amateurfilmers, diesem Alleskönner im Einmannbetrieb, ist jedoch i.a. eine ganz andere.

      Ich finde, wir sind davon etwas abgekommen. Ich gehe davon aus, dass ich mich hier in einem Forum für ambitionierte Filmemacher primär ohne kommerzielle Absichten befinde, um den geschmäcklebehafteten Begriff des Amateurs mal zu vermeiden.
    • Marco,
      ebenfalls Dank für die Ausführlichkeit und die umfassende Erläuterung der Zusammenhänge.
      Gut, das war jetzt die Stellungnahme eines Profis, der beim SR arbeitet.
      Hier noch die Stellungnahme eines Nicht-Profis, der wie fast alle hier im Forum keine Kino-Spielfilme herstellt sondern die für Amateure üblichen Zeitdokumente aus dem näheren Umfeld - und der sich im Laufe vieler Jahre auf Filmschnitt spezialisiert hat.

      Grund für diese allmähliche "Spezialisierung" ist die Tatsache, daß
      a) mir persönlich der Schnitt besser liegt als die Aquisition
      b) von mir eigentlich gar nicht beabsichtigt immer öfter Leute zu mir kamen, um ihr "Rohmaterial" in einen vorzeigbaren Zustand bringen zu lassen - eben zu cutten.

      Ich spreche nicht von Filmproduzenten, die zusammen mit dem Rohmaterial auch gleich einen Szenenplan und ein Drehbuch mitliefern, sondern von Filmamateuren, die zwar filmen, anschliessend jedoch recht wenig mit dem Material anzufangen wissen.
      Setze ich das, was mir als Cutter/Filmgestalter dabei oft blüht, in Relation zum Aufwand, der beim Dreh getrieben wurde, dann dreht sich die Aussage von wegen 5%-Anteil prompt ins Gegenteil um. So unterschiedlich können die Betrachtungsweisen sein.

      Ich hatte in einem früheren Thread einmal berichtet, daß es in meinem Club einen Profi-Kameramann gibt, mit dem zusammen ich so manche Doku/Report gemacht habe. Daß sich dabei die "Arbeit" des Schnitts drastisch verringert, liegt einfach daran, daß er weiß, worauf es beim Dreh ankommt und worauf für den späteren Schnitt zu achten ist. Da paßt eben einfach alles, und die Diskussionen, die sich während des Schnitts entwickeln, sind oft herzerfrischend.
      Beispiel:
      Cutter: "Das ist zwar gut und schön, aber diesen Schwenk kannste in der Pfeife rauchen - am Anfang des Schwenks haste an Deine Frau gedacht und gezittert."
      Kameramann: "ja schon, aber genau dieser Schwenk hat mich eine halbe Stunde meines Lebens gekostet - eigentlich ist er doch gar nicht so schlecht."
      Cutter: "Mach die Augen zu, ich drück jetzt auf die Taste ENTFERNE."
      (Kameramann schließt die Augen)
      (Cutter drückt auf ENTFERNE)
      Beide sehen sich entspannt an und fahren mit dem Videoschnitt fort.
      :D :D :D
      Aber um zum Thema des Threads (Was macht Videos zu etws Besonderem?) zurückzukommen: genau dieses Zusammenspiel zwischen Aufnahme und Schnitt ist es, was letztendlich das ergibt, was man einen "stimmigen" Film nennt.

      Aber natürlich ist das alles längst bekannt.
      Sollte an dieser Stelle nur noch einmal herausgestellt werden.
      Gruss Wiro