indoor-Dreherlaubnis- generell ein größeres Problem ?

    • indoor-Dreherlaubnis- generell ein größeres Problem ?

      Ich portraitiere mit Video als Beispiel Städte, z.B. zur die Highlights unserer Stadt. Und da lege ich den Schwerpunkt mehr auf das normale tägliche menschliche Leben am Drehort als auf die tot-fotografierten und gefilmten Bauwerke und Plätze. Da sich in unteren Breitengraden anders als in tropischen Ländern das eigentliche Leben vorwiegend indoor abspielt, also in geschützten Privataphären mit Hausrecht (ich meine da nicht gleich die Privatwohnungen), wo man nicht ohne weiters einfach die Kamera zücken darf, wie im öffentlichen Raum, stoße ich da als Privatmann erheblich auf Verbote. Z.B. die Atmosphäre einer angesagten Kneipe, Treffpunktes, die Eingangshalle eines berühmten Hotels and so on. Auch selbst im Flughafen oder Bahnhof ist es nicht ganz unproblematisch, Videos zu machen. Fotografieren ist weit eher möglich, aber Video geht gar nicht.

      Natürlich weiss ich, das die Inhaber des Hausrechts ihre Gäste schützen wollen, die sich nicht irgendwo in facebook wieder finden wollen. Andererseits sind solche indoor-Szenen oft das Salz in der Suppe, wenn ich so mal Phoenix-Reportagen als Vergleich heranziehe.

      Gibt es da Strategien, die Hausrechtsinhaber zu überzeugen oder ist das Tabu so groß, dass man als privater Video-Filmer grundsätzlich auf Granit beißt ? Versteckte Kamera ist auch nicht so einfach, wenn die Aufnahmen technisch gelingen sollen.

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    • Du hast grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

      1. Du drehst einfach Guerilla-Style und setzt darauf:
      - dass der Hausherr beim Dreh nicht einschreitet,
      - der Hausher dich nicht belangt, wenn er deinen Film auf Youtube oder sonstwo sieht
      - dito Einzelperson, die sich nicht als Beiwerk sondern ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sieht.

      Ich habe schon unglaubliche Drehs selbst mit RED und großen ARRI-Scheinwerfen gesehen, die sind damit durchgekommen. Frechheit siegt. Wobei die hatten ihre eigenen Schauspieler dabei, da waren Persönlichkeitsrechte nicht tangiert.

      Manche haben auch einen Filmstudenten im Team, der eine irgendwie geartete allgemeine Drehgenehmigung für das Universitäts-XY-Projekt hat und versuchen damit, die anrückende Staatsmacht zu beruhigen.

      2. Mit Genehmigung:
      - Du gehst zur Bahn, Stadtverwaltung usw. und beantragst eine Drehgenehmigung - mit Vertragswerk, meist auch Versicherung usw. Da würde ich aber bei den Filmclubs etc. in deiner Region vorher vorbeischauen und fragen, welche Erfahrungen sie haben. Welche Behörden und private Gesellschaften eher kooperieren. Das spart viel Frust.

      Was dir passieren kann? XYZ, auf dessen Grund du gedreht hast, verlangt Geld dafür, droht mit Klage. Dito. eine Einzelperson, die ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sieht.
      Was das kostet? Keine Ahnung.

      Wobei ich ich das immer kritischer sehe. Ich hatte einen kleinen Streifen (privat, non profit) über eine Person mit deren Einverständnis gedreht. Ich hatte der Person angeboten, dass sie den Film auch nutzen kann, war eh eine öffentliche Veranstaltung. Das ging ein halbes Jahr gut, bis die Person nachdrücklich verlangte, den Film im Netz komplett zu löschen, da das Video nicht mehr ihren Interessen diente.

      Ich habe der Person erklärt, dass sie mit dem Dreh einverstanden war, dass mein Werk kein Werbevideo in ihrem Auftrag ist und dass ich die Rechte daran habe. So sind wir dann auch verblieben.

      Immer mehr US-Filmer sagen mittlerweile: Selbst wenn du was nur aus Spaß an der Freud, kostenlos, non profit und zur Unterstützung von einer Person oder Organisation drehst: SCHLIESSE EINEN VERTRAG! :wallbash:

      Beste Grüße, Rod

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    • Und dieses Schließe einen Vertrag braucht es halt einfach, wenn man das Material wirklich weiter verwenden will. Sonst steht man immer vor dem Risiko dass nachher die Rechtslage nicht klar ist.

      Beispiel: für die Hochzeiten, die ich heuer gratis gefilmt habe, habe ich das im Austausch gegen das Recht gemacht, das als Referenzen nutzen zu dürfen. Na dazu gabs einen Vertrag. Wer das nicht wollte hat - und das waren schon auch einige - hat eben nicht den Gratisfilm bekommen.

      Bei Städten und öffentlichen Plätzen kann das auch durchaus problematisch sein, wenn man das Material kommerziell nutzen will. Eigentlich brauchst dann immer die Dreherlaubnis - und die ist meist kompliziert einzuholen. Von der Stadt, von Eigentümern, von vorkommenden Privatpersonen... schrecklich.

      Gerade einen Wirten würde ich aber damit ködern, dass in dem Video sein Lokal namentlich genannt wird - und das einen Werbeeffekt hat. Da muss man nicht auf Granit beißen, man muss das halt verhandeln. Das kann soweit gehen, dass aus den Gesprächen heraus sogar weitere Aufträge entstehen - etwa der Gusto auf ein eigenes Imagevideo für so einen Wirten entsteht.
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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      Der Rest ist meine Privatmeinung
    • Ich will die Videos nicht kommerziell nutzen, dh. nicht verkaufen, aber im Internet und evtl. über einen lokalen Fernsehsender veröffentlichen . Es sind keine Auftragsarbeiten. Und da ist mir der Aufwand mit formalen Dreh-Genehmigungen und Verträgen für eine ca. 30 sec.-Sequenz zu unverhältnismäßig.

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    • Ich befürchte, bei einer öffentlichen Präsentation, selbst wenn nicht kommerziell verwertet, gelten die gleichen (eher unguten) Spielregeln. Es ist ja für die hier berührten Rechte wie z.B. Personenrechte einerlei, ob du deine Arbeit verschenkst - die Sache wird für sie im lokalen TV oder auf youtube präsentiert.

      Wenn du also vermeiden willst, dass nachher einer kommt und von dir was dafür will, dass er oder sie im Bild waren, oder seine Lokation genutzt worden ist- dann wäre der Nachweis über die Erlaubnis vorhanden war, und dass alle Forderungen abgegolten sind, sinnvoll.

      Ach ja, das kann natürlich keine Rechtsberatung sein - bin ja kein Anwalt! :D
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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    • Hallo Wolfgang u.a.,

      "... Ich befürchte, bei einer öffentlichen Präsentation, selbst wenn nicht kommerziell..."

      Laut Urheberrechtsgesetz ist das zeigen von Fotos und auch Videos dritten Personen gegenüber bereits eine "Veröffentlichung" im Sinne des Gesetzes. Ausgenommen sind (bei Personen) nur diejenigen, die nicht Bestandteils des Films sind und sich als Hintergrund nur zufällig und nicht bewußt gewollt dort befinden. Im Rahmen von Facebook etc. könnte aber auch das kritisch sein, wenn der gefilmte/fotografierte zwar zufällig im Bild, aber heimlich und ohne Wissen seiner Frau sich dort mit der Freundin getroffen hat. - Dann könnte es schon schwierig werden und man muß sich dann eben mit der Person einigen und die Szene ggf. herausschneiden.

      Weitere Einschränkungen gibt es in Bayern, dort ist das Fotografieren von öffentlichen Gebäuden untersagt. Im Hofgarten Würzburg muß der Hochzeitsfotograf, gleich ob Amateur oder Profi, dafür bezahlen! Das Gilt aber nicht, wenn ein "Bekannter" ein paar Schnappschüsse macht. - Kommt also auf die "amateurmäßige Ausrüstung" an, die man dabei verwendet...

      Ein Tip könnte ggf. auch sein, einen schriftlichen Beweis mit sich zu führen, so z.B. die Gesellenbriefbescheinigung, daß ich Schweißer, Bäcker oder sonst etwas bin und eben kein Profi. - Ob es was nützt? - Ich weiß es nicht.

      Gruß
      Winfried
    • Original von Albireo
      Ein Tip könnte ggf. auch sein, einen schriftlichen Beweis mit sich zu führen, so z.B. die Gesellenbriefbescheinigung, daß ich Schweißer, Bäcker oder sonst etwas bin und eben kein Profi. - Ob es was nützt? - Ich weiß es nicht.


      Warum soll das was nützen?? Auch für die von dir genannten Berufsgruppen gelten die rechtlichen Rahmenbestimmungen!

      Nein, du kommst um das Einsammeln von schriftlichen Verträgen nicht herum. Dazu gibts ja diverse Vertragsvorlagen, die man nutzen kann - etwa in Form von Büchern.
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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      Der Rest ist meine Privatmeinung
    • Hm, mal ein paar Links auf Seiten, auf denen sich Rechtsanwälte zu dem Problem äussern.

      - "Darf ich, darf ich nicht?” – Ein Interview mit Rechtsanwalt Philipp Dorowski zum Fotografieren auf der Strasse"

      Dort könnt ihr auch lesen, dass vor der Aufnahme einer einzelnen Person deren Einwilligung zum fotografieren eingeholt werden muss. Wollt ihr euer tolles Bild auch noch veröffentlichen, dann muss die betreffende Person das zusätzlich genehmigen.

      - "Fotoverbote" bei Fotorecht aktuell. Hier geht es vor allem darum, wo man fotografieren/filmen darf.

      - "Panoramafreiheit: Fotografieren in der Öffentlichkeit – Was ist rechtlich zu beachten" Der Titel sagt es.

      Ich musste mir z. B. eine schriftliche genehmigung der SETE - Société d'Exploitation de la Tour Eiffel besorgen, damit ich privat und non profit Bilder des Eiffelturms mit der Beleuchtung von Pierre Bideau veröffentlichen darf - dieses tolle Blitzlichtgewitter. Deshalb steht auch bei all meinen betreffenden Fotos: «Tour Eiffel-Illuminations Pierre Bideau ». Einige Reisewebseiten-Admins waren von der Gesellschaft abgemahnt worden und die Admins wollten die Genehmigung sehen, die Société kontrolliert das und kassiert gegebenenfalls. :D

      Noch ne grundsätzliche Überlegung: Wenn ich mit meinem Rad in Berlin zu meiner Arbeitsstelle fahre, dann würden sich pro Fahrt mit Sicherheit eine bis drei Situationen ergeben, die ich vor Gericht verhandeln lassen könnte. Dazu hat niemand Lust, auch ich nicht. Deshalb schätze ich immer ab, was ist mit halbwegs menschlichem Maß ok - und danach handele ich. Was mich halt nicht vor nervigen Überraschungen schützt, siehe oben.

      Beste Grüße, Rod

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rod ()

    • Die rechtlichen Fragestellungen kenne ich, bin selber Anwalt Nimmt man diese genau, dürfte man in der Praxis nur seine eigene Familie oder die Natur filmen. In Fernsehreportagen z.b. im Karneval werden so viele Einzelportraits ungefragt gesendet ohne das es da Stress gibt. Das ganze wird in der Praxis nicht so heiß gegessen wie gekocht, daher filme und fotografiere ich ich so, wie es am wirkungsvollsten ist.

      Mein Anliegen war, die Kamera im privaten Bereich zu zücken, wo der Hausherrr oder dessen Vertreter über ein ausdrückliches oder ungeschriebenes Videoverbot vor Ort wacht. Um dessen Erlaubnis geht es mir und nicht um die der anwesenden people.
    • An deiner Stelle würde ich einfach mit Fingerspitzengefühl filmen. Aus eigener Erfahrung reagieren eher einzelne Personen direkt bei der Aufnahme empfindlich. Ich habe dann immer mit ihnen gesprochen und je nach Gespräch Aufnahmen gemacht oder nicht. Institutionen, Organsationen, Geschäfte ragieren entweder sofort - "hier sind keine Aufnahmen erlaubt - oder gemächlich, wenn überhaupt.

      Beste Grüße, Rod