Weißabgleich & Farbtemperatur

    • JoeT schrieb:



      ich hab den Link wieder gefunden: vimeo.com/150779470


      "wieder gefunden" ? - Wann hattest du den gesucht? Was genau willst du damit zeigen?

      Was ich Interessantes daran sehe und was man auch den Nicht-UW-Filmern damit zeigen kann: Der Barsch bei ca. 1:26 zeigt ein typisches Farbkorrekturproblem: Seine Spitzlichter sind zu türkis, während seine Lichter bereits zu rosa sind. Bei Unterwasseraufnahmen kommt man eben nicht darum, mehrere Filter über ein Bild zu legen. Hier wurde der Filter zu früh geclippt (deshalb noch Türkis bei den Spitzlichtern) und ausserdem ist er nachher kurz zu stark (Lichter rosa) und danach erst ideal (helle Grauwerte). Der Barsch ist so nah an der Kamera und bei so geringer Tauchtiefe, dass man seine Farben alle wieder zurückholen kann. Bei dem einfachen Hintergrund ist das auch kein Problem. Ist der Barsch korrigiert, muss man das Wasser im Hintergrund gegenkorrigieren: Blauwerte herauslösen und isoliert filtern. So kompliziert ist das beim UW-Filmen. Man kann das je nach Software in wenigen Filtern vereinen, aber sogar wenn man einen einzigen Filter hätte, reicht es, wenn der Barsch relativ zur Lichtquelle etwas weiterschwimmt und schon sind die Farben wieder völlig falsch. Das gibt es überwasser nicht.

      @Achilles: Ich gehe davon aus, dass das der erste Schritt von mehreren ist.... Die Wolken sind ja noch ein wenig grün...
    • cici schrieb:

      wenn der Barsch relativ zur Lichtquelle etwas weiterschwimmt und schon sind die Farben wieder völlig falsch. Das gibt es überwasser nicht.


      Mmmhhhh - aber ist das denn nicht die Realität, die man da sieht? Unter Wasser sind halt die Farben ins Blaugrüne verschoben, je tiefer man geht. Und sie sind abhängig vom Abstand zu den Lampen, wenn welche benutzt werden (was ja sehr oft der Fall sein dürfte). Natürlich ist es schön, wenn die wahre Farbenpracht zurückzuholen wäre - und auch filmisch wirksamer -, aber eigentlich entspricht das dann auch nicht mehr der Realität. Nur so am Rande... :gruebel:
    • Nein:

      Das menschliche Auge macht den Weissabgleich - die Kamera nicht. So ist sämtliches Unterwasservideomaterial sehr stark blaustichig (pauschal gesprochen). Diesen Blaustich muss man korrigieren, was leider mit EINEM Filter nur unzureichend geht, denn das menschliche Auge macht für jedes Zäpfchen einen eigenen Weissabgleich - sprich: Millionen von lokalen Weissabgleichen. Überwasser fällt das nicht auf und ein einziger Weissabgleich reicht schon für ein einigermassen gutes Bild. Unterwasser ist das Farbstichmuster aber sehr komplex, weil der Farbstich von Objekt und Distanz abhängt. Deshalb reicht auch ein Filter nicht, um ein Bild hinzukriegen, wie es der Taucher sieht. Macht man gar nichts, hat man ein Bild, welches man als Taucher so nie gesehen hat. Bei der Korrektur kommt es dann zu einem Rosa-/Orangestich wenn sich der Barsch bewegt.... Das ist NOCH unnatürlicher.

      Konkretes Beispiel: Der Barsch im Video hat ohne Korrektur einen Farbstich. MIT Korrektur (siehe Video auf 1:26) hat er nun einen Teil des Farbstichs korrigiert, aber seine Spitzlichter sind noch zu blau (türkis), während seiner Lichter bereits zu rosa sind. Obwohl das Kontrastfarben sind, hat der Barsch beide Stiche in sich vereint. So komplex ist das unterwasser ;) - Man kann nicht mehr sagen: X ist zu grün... sondern: Während X zu grün ist, ist Y zu rot.

      Wie stark man den Blaustich korrigiert, ist eine andere Sache, aber ganz ohne Korrektur sind die Bilder unansehnlich und haben nichts mit der blauen Welt zu tun, wie sie Taucher wahrnehmen. Selbst wenn man nur "ein wenig" korrigieren will, kommt es sofort zu anderen unansehnlichen Farbverschiebungen an anderer Stelle im Bild. Bei 50m Tiefe korrigiere ich immer noch. Aber ich hole keine Farben zurück (die sind dann alle ganz weg), sondern mache das Bild ansehnlich - mindestens so, wie ich es wahrgenommen habe, bzw. beim Editieren glaube, es damals wahrgenommen zu haben.

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    • uli22 schrieb:

      wabu schrieb:

      Die Verbindlichkeit ist in den Fernseh-Standards gegeben.
      Rec 709 ist sRGB für HD, für UHD ist es rec 2020.


      Korrekt. Das sind die Normen für die Wiedergabe von FHD und UHD am Fernseher.

      Dabei gibt es allerdings zwei Probleme: Wie weit halten sich die Wiedergabegeräte an diese Norm - und inwieweit werden heutzutage Filme auch auf anderen nicht der Norm entsprechenden Wiedergabegeräten angesehen wenn sie z.B. via Youtube o.ä. verbreitet werden.

      In der Fotografie ist es wenn man von einem Print als "Zielmedium" ausgeht deutlich einfacher die Farbwiedergabe durch "Kalibrierung" zu fixieren. Einen entsprechend kalibrierten Workflow vorausgesetzt weiss der Fotograf wie sein Bild später im Druck/der Aubelichtung aussehen wird.

      Im Filmbereich kann ich mir da nur sicher sein wenn ich die kpl. Wiedergabekette kenne....

      JoeT schrieb:


      mich würde noch der Monitor interessieren - RGB Parade / Vektorscope - zu Beurteilung des richtigen Weissabgleichs
      denke da an Atomos/Videodevices/Convergent
      hat jemand Erfahrungen damit?
      würde man die Farben der Padi Farbtafel am Monitor im Vektorscope/RGB Parade erkennen?


      Um am Vectorscope die Farben beurteilen zu können bzw. danach passend via Vectorscope korrigieren zu können benötige ich eine SMTP/EBU-Farbtafel - das "schreckliche" Ding was manche Schnittprogramme als Vorlage einblenden können.

      Bei korrekten Farben hat jede Farbe ihre Richtung (vom Mittelpunkt ausgehend) und ein Zielfeld. Darin muss der Farbvector "enden" damit alles normrichtig passt - dann ist Farbton sowie auch die Intensität korrekt eingestellt.

      Von kalibrieren mag ich nicht so recht sprechen, denn das was wir im Endeffekt machen ist nur ein "einstellen" und eben kein kalibrieren (rein messtechnisch gesehen....entsprechende Messtafeln sind nochmal deutlich teurer wie alles das was man von Spyder o.ä. bekommt, dazu kommt das auch die ganzen Colorimeter die man als normaler Fotograf verwendet nicht für eine Kalibration geeignet wären von ihren internen Toleranzen her usw. ) ;)
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    • cici schrieb:

      Das menschliche Auge macht den Weissabgleich - die Kamera nicht.


      Das wiederum leuchtet eigentlich ein, denn das passiert ja auch an Land mit Kunstlicht (z.B. Glühlampenlicht): Wir erkennen es in der Nacht als Weiß an, in Wirklichkeit ist es rötlich. Schon kapiert. Das macht aber in der Tat die Filterung unter Wasser höchst komplex, da von mehreren Faktoren abhängig - die sich obendrein noch ständig verändern können. Wer sich damit intensiver befasst, hat sicher alle Hände voll zu tun. :yes:
    • So kompliziert ist das beim UW-Filmen

      Für mich ist die UW Welt ein Thema für sich. Bei Filmen/Fotografieren unterhalb der Schnorchelzone war Kunstlicht mein absolutes Muss. Schwebstoffe im Wasser schränken die Transparenz des Wassers im Vergleich zu Luft deutlich ein. Erst in größeren Tiefen sieht das besser aus und auch erst ab hier ist das Kunstlicht angebracht. In dem Beispiel Video sind diese Schwebestoffe gut zu erkennen. Hier wäre Bilitz oder Scheinwerfer fehl am Platze. Wer hat schon gerne Schneegestöber vor seinem Motiv.
      Warum Kunstlicht? Es ist sicher allgemein bekannt. Rot wird ab einer Tiefe von etwa 1 Meter und ab einer Tiefe von etwa 5 Metern ist das orange Licht weitgehend ausgefiltert. Weiter ab etwa 10 Metern Tauchtiefe ist der Gelbanteil, ab etwa 20 Metern Grünanteil, ab 30 m läßt auch das blaue Licht sichtbar nach. Wie sieht es nun dabei mit dem Weißabgleich bzw. Farbkorrektur aus?
      Meine Erfahrungen stammen noch aus dem Super-8 Zeitalter. :saint:
    • @ macmedia: da bin ich (leider) falsch zitiert worden. Das war der Beitrag von cici der das beinhaltete.
      Mein Ansatz war deinem ähnlich.
      Das mit dem Auge ist auch nett. Diese Video ist dafür in den ersten 2 min interessant

      Und hier lasse ich mich zur Farbbearbeitung auch aus:
      magix.info/de/colorgrading-fil…ine-training.1122933.html
    • wabu schrieb:

      @ macmedia: da bin ich (leider) falsch zitiert worden. Das war der Beitrag von cici der das beinhaltete.
      Mein Ansatz war deinem ähnlich.


      Sorry, da ist was durcheinander gekommen....
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    • Die beste optische Täuschung bezüglich Weissabgleich im menschlichen Auge habe ist ausgerechnet von Datacolor vor 2 Tagen gepostet worden.

      DAS sollten sich alle mal anschauen, bei 48:06 auf KEINE Fall vorspulen, sondern ab 48:06 schauen und den Blick nie abwenden - Best optical illusion EVER! (IMHO)
      youtube.com/watch?v=y_3DRBF4LUY

      (Der Rest des Videos ist auch nicht uninteressant und behandelt das Thema hier, aber die optische Täuschung ist wirklich der Hammer) Viel Spass damit!
    • @cici

      cici schrieb:

      "wieder gefunden" ? - Wann hattest du den gesucht? Was genau willst du damit zeigen?


      das pdf File, dass ich dazu habe erklärt wie und mit welchem UW Filter gearbeitet wurde und zeigt auch die Weissabgleichstafel.

      aber es ist der Hammer welche Fehler Du in diesem Clip findest, Chapeau :servus:
    • Meinst du den X-Rite Colorchecker Video? Oder den X-Rite Colorchecker Passport Video?

      Erfahrungen: Ich hätte den gerne.... sobald er endlich mal mit diversen NLEs kompatibel ist. Bisher nur kompatibel mit:
      DaVinci Resolve
      Color Finale (Final Cut Pro Plug-In)
      3D LUT Creator

      Mehr wurde seit Langem versprochen, aber nie gehalten.

      Mit Premiere geht also die Karte NICHT automatisch.

      Vom Spydercheckr sind übrigens die LAB-Werte verfügbar. In Premiere könntest du also die LAB-Werte der Felder auslesen (Pipette, Farbmodus LAB) und entsprechend korrigieren. So kannst du ein Profil der Kamera erstellen - auch wenn ich dieses eher in Lightroom erstellen und in Premiere anwenden würde.

      Wenn du es automatisch willst, kannst du auch DaVinco Resolve als "Light"-Version kostenlos herunterladen, weil dann das Plugin für die beiden X-Rite Karten auch funktionieren sollte. Schau mal das Video "Editing" an, da wird in der Minute 1:45 gezeigt, wie die X-Rite-Karten die Farben sofort korrigieren können: blackmagicdesign.com/products/davinciresolve (herunterscrollen bis zu den Videos)

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    • cici schrieb:

      Meinst du den X-Rite Colorchecker Video? Oder den X-Rite Colorchecker Passport Video?

      Ich meine in der Tat den Passport. Der ist sehr klein, man muss im Programm leider dann immer reichlich reinzoomen. Aber den habe ich sicher dabei. Der Colorchecker Video (ohne Passport) ist sehr groß und praktischer in der Anwendung, weniger reinzoomen. Aber, ob ich den immer dabei habe?

      cici schrieb:

      Schon alleine herauszufinden, welche Software ihn unterstützen ist absolut mühsam.

      Da fängt das Elend an. Soweit ich das sehe, wird er in der Tat nur von Davinci Resolve und Color Finale, einem Final Cut pro Programm unterstützt. Und bei Resolve sehen die Beispielfilme nicht nach automatischer Abstimmung aus. Ich schaue mir deinen gleich mal an, danke!

      Hintergrund: Ich neige für die Videobearbeitung immer mehr dazu, doch Resolve zu verwenden. Momentan benutze ich noch die CS6 Suite. Als Amateur scheue ich das Adobe-Abo. Das kostet mich pro Jahr 720 Euro und für den Videoschnitt ist mir das zu viel. Wie gesagt, ich bin mir noch unsicher. Aber es zeichnet sich ab, dass ich bei Fotos irgendwann das Adobe-Foto-Abo für Lightroom und Photoshop nehme und den Videoschnitt mit Resolve mache.

      cici schrieb:

      Schau nach, ob er überhaupt mit Premiere kompatibel ist (sprich: Automatisch die Farben anpasst).

      Da habe ich auch noch nichts gefunden.

      NACHTRAG: Bei dem Color Correction Video auf der Davinci-Seite bekomme ich den nur Hinweis: "Es tut uns leid.Aufgrund seiner eigenen Datenschutzeinstellungen kann dieses Video nicht hier gespielt werden."

      Nachtrag 2: Habe den Browser gewechselt, jetzt geht es.

      Beste Grüße, Uli

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Rod ()

    • Rod schrieb:


      Da habe ich noch nichts gefunden.

      Beste Grüße, Uli


      Habs jetzt gefunden und oben rein-editiert.

      Ich sehe aber, dass DaVinci Resolve auch den Spydercheckr unterstützt. Der hat IMHO das deutlich bessere Preis- / Leistungsverhältnis, weil er nämlich in Lightroom auch noch sämtliche Änderungen in Form der korrigierten Zahlen angibt (das kann X-Rite bei keiner Karte) und ausserdem funktionieren die beiden Videokarten von X-Rite vermutlich nicht in Lightroom. Ausserdem hat der Spydercheckr wie schon oft erwähnt eben 48 (!) Felder, ist deutlich grösser als der Passport und hat zudem noch ein Referenzfeld, ob die Karte noch "frisch" ist, oder ob man die inneren Elemente (kostengünstig) ersetzen muss. Das gibt es bei X-Rite auch nicht.

      In diesen Video siehst du (bei Minute 0:24) , welche Karten von DaVinci Resolve unterstützt werden:

      Da DaVinci Resolve kostenlos ist (für Farbkorrektur), werde ich es vielleicht mal ausprobieren - und zwar mit dem Spydercheckr.
    • PSSSST!

      Grosses Geheimnis:

      Für nur 58 Euro (!) kannst du zwei "Ersatztafeln" von Datacolor kaufen. Anstatt für über 100 Euro den Rahmen UND die Karten (oder X-Rite), tust du so, als hättest du den Rahmen schon. Sowohl Lightroom, als auch DaVinci Resolve sollten die Ersatzkarten problemlos erkennen, weil du sie ja in DV Resolve mit der Maus markierst (in LR werden sie automatisch erkannt).

      spyder.datacolor.com/de/portfo…checkr-replacement-cards/

      Das ist wohl finanziell unschlagbar, ausserdem sind die Felder ca. 4x grösser, als die von X-Rite (= höhere Genauigkeit) und schliesslich sind sie absolut flach - da sie ja als Ersatzkarten zum Einsetzen in den Rahmen gedacht sind...

      Habe soeben herausgefunden, dass DV Resolve vermutlich nur die 24 üblichen Felder erkennt (da es vom Spydercheckr 2 Versionen gibt: 24 oder 48 Felder)