"Virtueller" Vergleich von Kamerafahrt, Zoomen und nachträglichem Zoom in ein Standbild

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    • PeterC schrieb:

      Nur wenn der Nodalpunkt nicht auf dem Drehpunkt liegt.
      in

      fotomagazin.de/technik/was-ist-eigentlich-ein-nodalpunkt

      finde ich:

      "Als Nodalpunkt wird fälschlich auch der parallaxfreie Drehpunkt bezeichnet, um den man eine Kamera bei der Aufnahme eines Panoramas drehen muss, damit sich die Perspektive zwischen den Aufnahmen nicht ändert. Dieser Punkt ist aber weder mit dem ersten noch mit dem zweiten Nodalpunkt identisch und liegt durchweg an einer ganz anderen Stelle"


      Stimmt das?

      Gruß Jürgen
    • Nachschlag:

      Eine kleine Animation, die den Unterschied zwischen einer von links nach rechts bewegten Kamera und einer horizontal schwenkenden Kamera (-45 bis +45 = 90 Grad) einerseits und einer vertikal steigenden (100 Meter) und einer vertikal schwenkenden Kamera (-15 bis +75 = 90 Grad) andererseits zeigt. Die Brennweite war in allen Fällen 24 mm KB.

      Greetings,
      ro_max

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    • Mir sind obige Unterschiede durchaus klar. Die Originale (bewegte Kamera) sind anzustreben, doch nicht immer zu erfüllen. Auf Reisen in einer Gruppe drängt die Zeit, da bleibt häufig keine Möglichkeit für Kamerafahrten oder Kameraschwenks. Da behelfe ich mich auch mit Fahrten im Standbild in der Nachbearbeitung. Bei meinen Filmvorträgen hat das noch keinen Zuschauer gestört.
    • Wenn es nicht geht, dann gehts nicht, klar.

      Die Debatte über Kamerafahrten, Zoom und Schwenks versus Standbild abfilmen ist hier aufgekommen, da einmal die Kamerafahrt nicht verstanden wurde und dann die Meinung geäußert wurde, "Jetzt in der UHD-Videozeit sind doch die meisten Bewegtbilder im Video auch nur Standbilder."

      Das ist im genannten Detail (Kamerafahrt) falsch und diese Position übersieht insgesamt völlig, welche Ausdrucksmöglichkeiten man mit echten Kamerafahrten usw. hat.

      Beste Grüße, Uli
    • Rod schrieb:

      "Jetzt in der UHD-Videozeit sind doch die meisten Bewegtbilder im Video auch nur Standbilder."

      Da müsste man den Autor dieses Satzes mal fragen, was er unter Standbildern versteht.
      Ich verstehe auf jeden Fall unter diesem Begriff ein fest stehendes Bild ohne Bewegungen darin.
      Das hätte dann natürlich mit Video nichts mehr zu tun und würde ja auch völlig anders wirken.

      Hier mal ein älteres Video von mir, in dem nur in der ersten Szene Bewegung in der Kamera (Zoom) zu sehen ist, ansonsten steht die Kamera immer fest.
      Stelle ich mir das ganze nur mit Fotos vor, hätte ich mir dieses Video mit Sicherheit sparen können.

      Gruß

      Hans-Jürgen
    • bei Dir steht die Kamera, im Bild bewegt sich was. Das ist ja ein filmischer Idealfall. Bei meinen Standbildern dachte ich an Aufnahmen von Bergen, Gebäuden, auch z.B. Innenaufnahmen von Kirchen usw.

      Ich glaube so langsam ist zu diesem Thema fast alles gesagt. Es gibt wohl kaum noch Widersprüchlichkeiten, aber ausreichend Anregungen um über die eigene Videoarbeit nachzudenken.

      Gruß Zirbe
    • Die BBC setzt bei ihrer "Earth 2" stark auf die Bewegung der Kamera!
      Das macht das Osnabrücker Land nicht schlechter weil es passt.
      Ich mag sowieso Videos die wie ein Foto stehen sehr gerne wenn dann irgendwo ein Grashalm sich bewegt....
      Es muss ja nicht ein ganzer Film so sein - aber das Auge braucht gerne mal Ruhe.
    • Rod schrieb:

      Die Debatte über Kamerafahrten, Zoom und Schwenks versus Standbild abfilmen ist hier aufgekommen, da einmal die Kamerafahrt nicht verstanden wurde und dann die Meinung geäußert wurde, "Jetzt in der UHD-Videozeit sind doch die meisten Bewegtbilder im Video auch nur Standbilder."
      Da ist durchaus was dran. Was mir oft auffällt ist der Drang zu weitwinkligen Bildern in den letzten Jahren. Nah- oder Detailaufnahmen bzw. oftmals generell wechselnde Einstellungsgrößen findet man teilweise immer weniger.

      Hängt vielleicht auch mit der Verbreitung von DSLM bzw. generell Kameras mit (Foto-)Wechselobjektiven zusammen. Dort sind i.d.R. die Zoomfaktoren "begrenzt" somit muss man für einen Wechsel der Einstellungsgröße entweder näher ran bzw. weiter weg (was oft nicht geht) oder müsste um z.B. von einer Halbtotale in eine Detailaufnahme zu "springen" das Objektiv wechseln - was nicht immer funktioniert. Also wird auf einen Wechsel der Einstellungsgröße oftmals verzichtet.

      So entstehen oftmals Bilderteppiche die an Standbilder erinnern....

      Zirbe schrieb:

      bei Dir steht die Kamera, im Bild bewegt sich was. Das ist ja ein filmischer Idealfall. Bei meinen Standbildern dachte ich an Aufnahmen von Bergen, Gebäuden, auch z.B. Innenaufnahmen von Kirchen usw.

      Auch bei solchen Motiven kann man mit statischen Einstellungen arbeiten, allerdings wird das sehr schnell langweillig wenn man immer nur bei einer Einstellungsgröße bleibt. Auch hier gilt dann das obige - dank vieler DSLM sind Wechsel der Einstellungsgrößen oftmals nur begrenzt möglich, z.B. habe ich arge Probleme in einer Kirche von einer Totalen der Wand- oder Deckenmalerei auf eine Naheinstellung aus eben dieser Malerei zu wechseln - entweder ich verwende ein (meist lichtschwaches) Superzoom oder ich muss gezwungenermaßen einen Objektivwechsel machen. Das hält auf, verlängert den Aufenthalt bzw. die Drehdauer und das kann ich nicht immer machen, gerade wenn ich auf andere Mitreisende Rücksicht nehmen will bzw. muss.

      Gleiches gilt aber auch für den Einsatz von Mitteln wie Slider oder Stativ - auch da bleibt oft nur wenig Zeit dafür. also "schnell" ein paar Fotos und die dann im Film mit Bewegung versehen. Sozusagen als Kompromiss - besser wäre natürlich das gleich "bewegt" aufzunehmen ;)
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    • MacMedia schrieb:

      generell wechselnde Einstellungsgrößen findet man teilweise immer weniger.
      Ich glaube, dies liegt vor allem daran, dass wir Amateure nicht in Szenen und ganzen Geschichten denken. Wenn wir unterwegs sind, dann ist meist - bewusst oder unbewusst - letztlich das schöne Bild das Ziel. Und damit erzeugen wir meist Postkartenbilder, auch wenn sich im Bild was bewegt - is ja Video, nä?

      Diese (Postkarten)Bilder werden dann aneinandergereiht. Zuerst war ich da, dann dort, dann ging es ins Flugzeug... Meist bleibt einem am Schneidetisch auch nichts anderes übrig, als aneinanderzureihen, denn man hat keine anderen Einstellungen als die "Postkartenmotive": Totale des Berges, Totale des Autos und, nicht vergessen, totale der Gattin.

      Man merkt schon, das ist eintönig, aber, es fehlen andere Einstellungen. Man hat einfach keine Clips mit denen man überleiten könnte.

      Ich meine, dass es bei uns Amateuren an filmischer Denke fehlt. Was will ich eigentlich zeigen? Sind halt zu sehr mit dem jüngsten Kameratest beschäftigt. ;)

      Beste Grüße, Uli
    • Rod schrieb:

      MacMedia schrieb:

      generell wechselnde Einstellungsgrößen findet man teilweise immer weniger.
      Ich glaube, dies liegt vor allem daran, dass wir Amateure nicht in Szenen und ganzen Geschichten denken. Wenn wir unterwegs sind, dann ist meist - bewusst oder unbewusst - letztlich das schöne Bild das Ziel. Und damit erzeugen wir meist Postkartenbilder, auch wenn sich im Bild was bewegt - is ja Video, nä?
      Diese (Postkarten)Bilder werden dann aneinandergereiht. Zuerst war ich da, dann dort, dann ging es ins Flugzeug... Meist bleibt einem am Schneidetisch auch nichts anderes übrig, als aneinanderzureihen, denn man hat keine anderen Einstellungen als die "Postkartenmotive": Totale des Berges, Totale des Autos und, nicht vergessen, totale der Gattin.

      Man merkt schon, das ist eintönig, aber, es fehlen andere Einstellungen. Man hat einfach keine Clips mit denen man überleiten könnte.

      Ich meine, dass es bei uns Amateuren an filmischer Denke fehlt. Was will ich eigentlich zeigen? Sind halt zu sehr mit dem jüngsten Kameratest beschäftigt. ;)

      Beste Grüße, Uli

      Sehr gut ausgedrückt! :) :thumbup:
    • Rod schrieb:

      MacMedia schrieb:

      generell wechselnde Einstellungsgrößen findet man teilweise immer weniger.
      Ich glaube, dies liegt vor allem daran, dass wir Amateure nicht in Szenen und ganzen Geschichten denken. Wenn wir unterwegs sind, dann ist meist - bewusst oder unbewusst - letztlich das schöne Bild das Ziel. Und damit erzeugen wir meist Postkartenbilder, auch wenn sich im Bild was bewegt - is ja Video, nä?
      Diese (Postkarten)Bilder werden dann aneinandergereiht. Zuerst war ich da, dann dort, dann ging es ins Flugzeug... Meist bleibt einem am Schneidetisch auch nichts anderes übrig, als aneinanderzureihen, denn man hat keine anderen Einstellungen als die "Postkartenmotive": Totale des Berges, Totale des Autos und, nicht vergessen, totale der Gattin.

      Man merkt schon, das ist eintönig, aber, es fehlen andere Einstellungen. Man hat einfach keine Clips mit denen man überleiten könnte.

      Ich meine, dass es bei uns Amateuren an filmischer Denke fehlt. Was will ich eigentlich zeigen? Sind halt zu sehr mit dem jüngsten Kameratest beschäftigt. ;)
      Das ist quasi das Kernproblem!

      Als Amateur will man schöne Bilder machen, möglichst technisch perfekt und mit der möglichst besten Qualität die aktuell geht.

      Das "filmische" Denken, das einbauen einer Story bzw. eines roten Fadens - oder auch vieler, kleiner Fäden und "Storys" - das wird sehr oft nicht gemacht.

      Und ja, wir versteifen uns oftmals auf viel zu viel Technik, bewerten diese höher wie eine gute Filmidee.... ;)
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    • MacMedia schrieb:

      Was mir oft auffällt ist der Drang zu weitwinkligen Bildern in den letzten Jahren. Nah- oder Detailaufnahmen bzw. oftmals generell wechselnde Einstellungsgrößen findet man teilweise immer weniger.

      Ich denke mal, das hängt damit zusammen, dass Video in FHD und nun sogar UHD mit ihrer Qualität dazu verleiten, solche Totalen vermehrt abzubilden. Und dabei vergisst man nur zu gerne, dass man da auch noch ran ans Motiv kann. Details kann man einfach nicht aus weiter Ferne mit 1000mm Brennweite (KB) aufnehmen. Ich ertappe mich selbst in letzter Zeit dabei und versuche das (wieder) zu ändern. Denn das WW, zu häufig eingesetzt, erzeugt auf Dauer langweilige Videos. Wie das halt mit all den Dingen passiert, die man zu häufig einsetzt.

      Ich sah neulich im TV einen Film über Neuseeland ("Neuseeland von oben" in ARTE), der war ausschließlich nur von einem Copter aus gedreht, praktisch alles in der Totalen. Nach spätestens 5 Minuten regte mich das Video nur noch auf, selbst wenn einzelne Szenen als fantastisch zu bezeichnet waren. Ich wünschte mir zusehends, regelrecht in das Bild hinein fliegen zu können - nur um endlich ein paar Details zu ergattern.
    • MacMedia schrieb:

      z.B. habe ich arge Probleme in einer Kirche von einer Totalen der Wand- oder Deckenmalerei auf eine Naheinstellung aus eben dieser Malerei zu wechseln - entweder ich verwende ein (meist lichtschwaches) Superzoom oder ich muss gezwungenermaßen einen Objektivwechsel machen.
      Du kannst es auch so handhaben wie die (Profi)Fotografen: mehr als eine Kamera und dann Objektive aus unterschiedlichen Brennweitenbereichen dran. Ich habe das schon mit einem 24-70 und 70-200 beide f2.8 an zwei Bodies gemacht. Mit 24-200 mm ist man dann schon etwas flexibler (war allerdings Foto und nicht Video, aber das Prinzip ist ja identisch).

      MacMedia schrieb:

      Das hält auf, verlängert den Aufenthalt bzw. die Drehdauer und das kann ich nicht immer machen, gerade wenn ich auf andere Mitreisende Rücksicht nehmen will bzw. muss.
      Einer der Gründe warum ich keine (Gruppen)reisen mache. ;)

      Rod schrieb:

      Ich glaube, dies liegt vor allem daran, dass wir Amateure nicht in Szenen und ganzen Geschichten denken. Wenn wir unterwegs sind, dann ist meist - bewusst oder unbewusst - letztlich das schöne Bild das Ziel
      Ich habe noch nie versucht, mit Video eine (im Voraus geplante) Geschichte zu erzählen. Auch aus diesem Grund beschränke ich mich auf "schöne Bilder". Aber das ist ein ganz anderes Thema und sollte hier nicht weiter vertieft werden.
      Greetings,
      ro_max

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    • Wenzi schrieb:

      Ich denke mal, das hängt damit zusammen, dass Video in FHD und nun sogar UHD mit ihrer Qualität dazu verleiten, solche Totalen vermehrt abzubilden. Und dabei vergisst man nur zu gerne, dass man da auch noch ran ans Motiv kann.
      Vielleicht liegt es auch an unseren Sehgewohnheiten. Da unsere Augen nicht zoomen können und man häufig zu bequem ist, sich etwas wirklich aus der Nähe zu betrachten (da müsste man ja ein paar Schritte mehr machen und, ja, bestimmte Distanzen kann man nicht so leicht überwinden, z.B. die Kirchendecke in 12 Metern Höhe oder die Sicherheitsabsperrung) und man lieber die "optische Übersicht" behält, macht man eben auch entsprechende Foto- oder Videoaufnahmen in der (Halb)Totale. Motive bewusst anzuschneiden, kostet manchmal Überwindung. Dann lieber "alles mit drauf", damit sich keiner beklagen kann, dass da etwas fehlt.
      Greetings,
      ro_max

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    • ro_max schrieb:

      Ich habe noch nie versucht, mit Video eine (im Voraus geplante) Geschichte zu erzählen. Auch aus diesem Grund beschränke ich mich auf "schöne Bilder". Aber das ist ein ganz anderes Thema und sollte hier nicht weiter vertieft werden.
      Dies Art von Vorausplanung klingt irgendwie, tja, furchtbar.

      Mit filmischer Denke meine ich, dass wir etwas Gehirnschmalz in die Frage investieren: Was will ich zeigen? Was soll der Schwerpunkt meines Filmes werden? Wenn ich immer den zeitlichen Ablauf des Urlaubes "erzähle" oder zur Darbietung bringe, dann wirds langweilig.

      Ich habe da auch kein Patentrezept. Ich bin am überlegen, ob ich meinen Urlaubsfilm, also nicht den Familienfilm, anhand der verschiedenen Espressi (Mehrzahl von Espresso) und den Bars und Märkten erzähle, in denen ich das wunderbare Gesöff trinke. Da sind spannende Ecken dabei. ;)

      Oder ich lege einen Schwerpunkt auf die Nächte. Nee, nicht was Ihr denkt. Im Süden sind wir immer lang draußen, es ist warm, die Nieren frieren einem um Mitternacht nicht ein. Die Stimmung in den Bars und Restaurants wird lockerer, verändert sich. Man schlendert draußen am Hafen entlang, schwatzt...

      Wenn man so "vorplant", dann macht man das Übliche eben intensiver. Kurz: Mehr Espresso, mehr Grappa, häufiger flanieren usw. Mit so einer Vorplanung, wenn man das noch so nennen will, fallen einem auch die Zwischenschnitte, B-Roll usw leichter. Und, man hat was zu erzählen.

      Beste Grüße, Uli
    • Ein netter kleiner Artikel passend zu Motivwahl, Brennweite, Standort usw.:

      cinema5d.com/understanding-foc…ss&utm_term=Smarter+Queue

      Ja, ich bin auch der Meinung, dass zu viel Wert auf das letzte Quentchen Pixelanzahl, Bittiefe usw. gelegt wird und viel zu wenig auf den Film, die Geschichte, die Aussage selber.

      Dabei ist doch gerade das Gestalten des Films, das Erzählen einer Geschichte, das Nutzen von Wirkungen um die Geschichte zu untermauern, Gefühle zu transportieren - das ist es doch, was den Spaß am Filmemachen bringt.


      Aber ich glaube das habe ich schon das eine oder andere Mal geschrieben. :)


      Viele Grüße
      Peter
    • PeterC schrieb:

      Ein netter kleiner Artikel passend zu Motivwahl, Brennweite, Standort usw.:
      Nun ja, dieser Artikel, genau wie ähnliche Übersichten in Fotobüchern, ist auch eher "technisch" orientiert.

      Ich fände es wirklich interessanter zu erfahren, welche (emotionale) Wirkung sich mit verschiedenen Brennweiten oder Kamerafahrten erzielen lassen. Wann ist es z.B. sinnvoll, die Bildtiefe zu komprimieren? Wenn man klaustrophobische Enge signalisieren will? Benutze ich ein extremes Weitwinkel nahe am Motiv um eine Verzerrung der üblichen Wahrnehmung zu erreichen und dadurch negative Gefühle zu produzieren? Oder was ist die "Aussage" einer bewegten Kamera?

      Nehmen wir mal die Animation aus #22. Dort wird mittels "tracking shot" und "panning shot" eine Person am rechten Bildrand sichtbar gemacht. Die Aussage erscheint mir aber unterschiedlich. Beim "panning shot" bleibt die Kamera (der Beobachter) auf Distanz, die Betrachtung ist eher "objektiv" (da geht zufällig einer den Bürgersteig entlang). Beim "tracking shot" rückt die Person stärker in das Interesse, denn der Beobachter scheint sich hinter die Person (ungeschützte Rückseite) zu bewegen, vielleicht um diese zu verfolgen? Dazu passt auch, dass die Kamera sich schon fast in einen Eingang drückt, quasi, um von der verfolgten Person nicht bemerkt zu werden. Eine IMO deutlich "subjektivere" Aufnahme.

      In der zweiten Gegenüberstellung dieser Animation schwebt die Kamera einerseits über den Dingen und zeigt immer mehr Bildinformationen, da nun Bereiche sichtbar werden, die aus der vorherigen Perspektive (Augenhöhe auf der Straße) gar nicht erkennbar waren.
      Das Neigen der Kamera dagegen bringt weniger neue Bildinformation und reduziert gegen Ende der Bewegung sogar die Information, weil hauptsächlich noch Himmel zu sehen ist. Hier bleibt der "Beobachter" am Boden kleben und auf eine "normale" Betrachtungsweise beschränkt und wirkt hierdurch klein. Im anderen Beispiel kann er fliegen und wirkt mächtig.
      Greetings,
      ro_max

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    • Rod schrieb:

      ro_max schrieb:

      Ich habe noch nie versucht, mit Video eine (im Voraus geplante) Geschichte zu erzählen. Auch aus diesem Grund beschränke ich mich auf "schöne Bilder". Aber das ist ein ganz anderes Thema und sollte hier nicht weiter vertieft werden.
      Dies Art von Vorausplanung klingt irgendwie, tja, furchtbar.
      Das ist einer der (vielen) Missverständnisse die in dem Satz "Überlege Dir vor dem Dreh Deinen Film!" stecken. Viele Filmer denken dann gleich an ein detailliertes Drehbuch, genaue Auflösungen, Einstellungen, vielleicht sind auch alle Kommentare schon fertig - dabei ist das völlig in die falsche Richtung gedacht.

      Vorplanung bedeutet ausschließlich sich Gedanken zu machen welche Orte, welche Dinge will ich in meinen Film bringen, wie kann ich zwischen einzelnen Handlungen bzw. Orten überleiten, was sind vielleicht Gemeinsamkeiten die einen roten Faden ergeben können usw. - und eben kein fertiges und abzuarbeitendes Drehbuch.

      Komplett vorher durchgeplant - das wäre ja furchtbarer Arbeitsaufwand im Vorfeld und würde etwa im Falle eines Urlaubsfilmes ja den kompletten Urlaub dominieren. Das wäre ja furchtbar !


      Rod schrieb:

      Mit filmischer Denke meine ich, dass wir etwas Gehirnschmalz in die Frage investieren: Was will ich zeigen? Was soll der Schwerpunkt meines Filmes werden? Wenn ich immer den zeitlichen Ablauf des Urlaubes "erzähle" oder zur Darbietung bringe, dann wirds langweilig.

      Genau das sind die Kerngedanken die ich mir im Vorfeld machen soll - an welchem Thema will ich arbeiten. Am Beispiel Urlaubsfilm wären das Themen wie Land und Leute, bin "Ich" der Protagonist als Urlauber, erzähle ich meine Geschichte aus der Ich-Form, nehme ich als Leitfaden die kulinarischen Genüsse, die Landschaft - es gibt da zig Möglichkeiten.

      Mache ich einen großen, langen Urlaubsfilm über den kompletten Urlaub - oder mache ich eher kurze, kleine Filmchen von wenigen Minuten Dauer über meinetwegen einzelne Ausflüge, einzelne Städte. Bei ersterem (komplettem Film) mache ich mir Gedanken wie ich evtl. verschiedene Orte und/oder Handlungen miteinander verknüpfen kann. Brauche ich dazu immer bestimmte Bilder, bestimmte Motive - dann kann ich vor Ort gezielt diese Motive suchen und aufnehmen.

      Trotzdem, bei jeder Vorausplanung, der Spruch "Und ist ein Plan auch noch so gut gelungen, bestimmt verträgt er Änderungen!!!" hat auch bei einer Filmplanung seine Berechtigung. Merke ich vor Ort das ein anderes Thema, eine andere Sache interessanter oder besser ist - na dann schwenke ich um, schmeiße meine alten Pläne über Bord und plane eben neu.

      Ich habe vor Jahren mal einen Urlaubsfilm erstellt der eigentlich von der Vorplanung her landschaftlich geprägt sein sollte - vom Badesee zum Bergausflug sozusagen, von den Tälern auf die Gipfel. Vor Ort hat mich an einem der ersten Urlaubstage dann der krasse Gegensatz von lautem, hektischen Verkehr an einer Bundesstraße (wo das Auto geparkt war) zu der ruhigen Atmosphäre eines wenige hundert Meter daneben liegenden Parks an einem See beeindruckt. Und schon war der daheim festgelegte "rote Faden" gekippt und ich bin auf diesen Gegensatz hektisch-ruhig eingestiegen, habe die laute Bundesstraße wo das Leben tobt im Gegensatz zu der ruhigen Erholung am Seeufer gesetzt. An einem weiteren Ort wurde dieser Unterschied durch die Aufnahmen am Badestrand und der ruhigen Athmosphäre eines nicht weit entfernten Klosters mit schönen Innenaufnahmen der Kirche wieder aufgegriffen. Und auch in einem weiteren Drehort habe ich das geschäftige Treiben am Stadtplatz dem ruhigen Stadtpark gegenüber gestellt - und schon war der "rote Faden" da, nämlich der Gegensatz zwischen Hektik und Ruhe.


      Rod schrieb:


      Wenn man so "vorplant", dann macht man das Übliche eben intensiver. Kurz: Mehr Espresso, mehr Grappa, häufiger flanieren usw. Mit so einer Vorplanung, wenn man das noch so nennen will, fallen einem auch die Zwischenschnitte, B-Roll usw leichter. Und, man hat was zu erzählen.

      Genau das ist der Grund sich vorher mit dem Film zu beschäftigen - bevor man die Kamera auspackt. Weil man dann vor Ort leichter Bilder und Motive für Zwischenschnitte findet. Weil man weiß was man vorher will, auch ohne alles bis ins Detail vorher zu planen.
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    • ro_max schrieb:

      Ich fände es wirklich interessanter zu erfahren, welche (emotionale) Wirkung sich mit verschiedenen Brennweiten oder Kamerafahrten erzielen lassen. Wann ist es z.B. sinnvoll, die Bildtiefe zu komprimieren? Wenn man klaustrophobische Enge signalisieren will? Benutze ich ein extremes Weitwinkel nahe am Motiv um eine Verzerrung der üblichen Wahrnehmung zu erreichen und dadurch negative Gefühle zu produzieren? Oder was ist die "Aussage" einer bewegten Kamera?

      Da kann ich das Buch "FIlm verstehen" von James Monaco empfehlen. In diesem "Wälzer" (Achtung Dick!) weden verschiedene bekannte Kinofilme zerlegt und die Wirkung der einzelnen Bilder erklärt.

      Technisch total veraltet und noch von Chemiefilm ausgehend, die Filmsprache aber ist weitgehendst gleich geblieben.

      Viele der in dem Buch beschriebenen Dinge wird man kaum selbst umsetzen können, es ist kein "Kochbuch zum besseren Film" sondern gibt Anregungen die Filmsprache besser zu verstehen.
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    • MacMedia schrieb:

      Das ist einer der (vielen) Missverständnisse die in dem Satz "Überlege Dir vor dem Dreh Deinen Film!" stecken. Viele Filmer denken dann gleich an ein detailliertes Drehbuch, genaue Auflösungen, Einstellungen, vielleicht sind auch alle Kommentare schon fertig - dabei ist das völlig in die falsche Richtung gedacht.
      Das meinte ich mit meiner Aussage: "Ich habe noch nie versucht, mit Video eine (im Voraus geplante) Geschichte zu erzählen." auch nicht. Sonst hätte ich geschrieben, ich hätte noch nie versucht, ein Video auf Grundlage von Drehbuch, Storyboard, Drehplan, etc. zu machen.

      Normalerweise versuche ich überhaupt nicht, mit Video eine "Geschichte" zu erzählen; dass ich mir vorher Gedanken zu Aufnahmen mache, ist eher die Ausnahme. Meine übliche (aber natürlich nicht optimale ;) ) Vorgehensweise ist, mehr oder weniger willkürlich und nach dem Zufallsprinzip Aufnahmen zu machen und bei der Bearbeitung zu sehen, ob und was ich daraus machen kann. Wenn das klappt gut, wenn nicht, auch gut. Das Endergebnis ist mir i.d.R. nicht sonderlich wichtig, es wird ohnehin kaum jemand sehen.

      Nun muss man natürlich wissen, dass ich so gut wie keine "strukturierten" Videos mache, also keine Reise- oder Urlaubsvideos, keine Tier- oder sonstige Dokumentationen, keine "Familienvideos" (mehr) und natürlich erst recht keine szenischen Arbeiten.
      Greetings,
      ro_max

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