Warum ein Liebesfilm für Urlaubsfilmer wichtig ist.

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    • Warum ein Liebesfilm für Urlaubsfilmer wichtig ist.

      Liebesfilm? Interessiert mich nicht. Im Zusammenhang mit dem Filmerforum hörte man bisweilen diese Meinung.

      Stellt man sich die Frage, wie mache ich meinen XYZ-Film interessanter, dann kann ein Reisefilmer auch von einem Liebesfilmer lernen. Es sind zwar zwei unterschiedliche Filmgattungen, doch die darunter liegenden Strukturen ähneln sich.

      In den allermeisten Fällen hilft ein Spannungsbogen die Zuschauer im Film zu halten. Dem Hauptdarsteller, das kann auch eine Sache, ein Stadt z. B., sein, steht vor einem Problem: "Unsere Stadt soll schöner werden". Jetzt liegt es am Filmemacher, die Herausforderung an die Stadt in einer Eingangsszene umzusetzen. Das kann er so machen, dass er Anspruch und Wirklichkeit vergleicht.

      Meist sieht der Zuschauer, da klafft ne Lücke, so dolle ist es mit der Stadt noch nicht. Ist der Einstieg filmisch gut umgesetzt, dann will der Zuschaer wissen, wie geht es weiter? Diese Neugierde muss geweckt werden, sonst zippt er zum nächsten Film. Und um diese grundlegenden Fragen des Filmaufbaus geht es auch im Filmerforum.

      Beste Grüße, Uli
    • Sowohl ein Urlaubsfilm, als auch ein Film über eine Stadt etc, wie von Dir als Beispiel genannt wurde, rücke ich eher in die Kategorie Dokumentarfilm. Einen Spannungsbgen bei einem Dokumentarfilm brauch ich glaub ich nicht, um beim Film zu bleiben - das Thema interressiert mich oder es interressiert mich nicht. Urlaubsfilm ist i.d.R. ohnehin immer ein Kompromiss zwischen den Wünschen der Beteiligten und dem, der es schneidet und oft anderer Meinung ist, weil er eher Dinge interressanter machen würde, oft auch kürzer. Mitunter setzen die Beteiligten dann auch hin und wieder Vetos gegen die eine oder andere Szene ein...
      old_det auf https://www.turbosquid.com/Search/Artists/old_det
    • Damit es kein Kuddelmuddel gibt: Es geht mir nicht um Urlaubsfilme für Freunde und Bekannte. Die haben ihre eigenen Regeln, wie wir sie hier diskutiert haben. Mir geht es um einen Film, den jemand, z. B. über Google, findet und anschaut. Der geht völlig anders an das Video ran, als ein Freund oder Bekannter. Der schaut den Film wie wenn er den Fernseher anmacht und guckt, ob er das spannend findet, oder eben nicht.

      Butter bei die Fisch: Du willst einen Film über eine Woche Urlaub auf Rügen machen. Das sind 168 Stunden die du natürlich nicht nonstop aufnimmst. Du wirst in bestimmten Situationen die Kamera rausholen und aufnehmen. Du wählst hier schon die Szenen aus, die deinen (unbekannten) Zuschauer interessieren könnten.

      Angenommen, du bringst zwei Stunden (120 Minuten) Material nach Hause, aus denen du einen 15 minütigen Film schneiden willst. Jetzt musst du nochmals auswählen, denn in deinen 15-Minüter passen nur knapp 13 Prozent der aufgenommenen Clips.

      Nur, wonach wählst du diese 15 Minuten inhaltlich aus? Nach deinem Maßstab sollten diese Aufnahmen so sein, dass du sagst: "das Thema interessiert mich (oder es interessiert mich nicht.)"

      Quetscht du alles in die 15 Minuten rein, was passiert ist, dann sieht das so aus: Ich bin nach Rügen gefahren, dann bin ich zum Hotelzimmer gefahren, dann haben wir das Zimmer inspiziert, dann ging es ... dann

      Viele Urlaubsfilme sind so, oder so ähnlich aufgebaut. Sie haben überhaupt keine Überraschung, langweilige Bilder stehen zusammenhanglos neben interessanten Aufnahmen, man weiß schon vorher, wie die nächste Aufnahme aussehen wird. :sleeping:

      Sooo umgesetzt interessiert dich das Thema vermutlich nicht. Du überlegst kurz und hast folgende Idee: Über Rügen erwartet jeder Meeresbilder. Du steigt aber mir einem wogenden Meer an Sonnenblumen ein, die sich in der Brise wiegen, die Kamera fährt auf ein altes Bauernhaus zu. Aha, unerwartete Bild von Rügen, der Zuschaer merkt auf und freut sich über das Gelb der Sonnenblumen und den schönen alten Bauernhof. Du hast seine Aufmerksamkeit geweckt.

      Die Sonnenblumen kannst du nicht 15 Minuten lang zeigen, sonst ist der Zuschaer weg. Du überlegst, was könnte eine interessante Alternative zu der ländlichen Idylle sein? Du wählst das Seebad Binz. Jetzt hast du elegante Bilder von den Bürgerhäusern aus dem 1900 Jahrhundert und eine wunderbare Ostsee.

      Zu elegant ist auf Dauer auch langweilig, also ab zu den spektakulären Kreidefelsen auf Rügen und du zeigst deine Wanderung durch die spektakulären Felsformationen.

      Angenommen, du hast so oder so ähnlich deinen Film zusammengestellt, dann hast du Spannungsbögen verwendet, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu halten. Von den ländlichen Bildern ging es zu dem eleganten Seebad. Damit nutzt man den inhaltlichen und optischen Gegensatz, um das Interesse des Zuschauers weiter zu halten. Der gleiche Gegensatz zwischen elegantem Seebad und schroffer Felsküste hält ihn dann weiter im Film.

      Erinnern wir uns, du musstest deine Urlaubswoche auf 15 Minuten Film eindampfen. Und wenn du deinen Maßstab für einen guten Film anlegst, "das Thema interessiert mich (oder es interessiert mich nicht.)", dann musst du das inhaltlich irgendwie umsetzen. Und wenn das mit den Spannungsbögen besser funktioniert als mit einer losen Ansammlung von Clips, dann machen Spannungsbögen einen guten Job.

      Ich hoffe, das macht etwas klarer, warum u. a. die Spannungsbögen auch für den Dokumentarfilm so wichtig sind.

      Beste Grüße, Uli
    • old_det schrieb:

      Einen Spannungsbgen bei einem Dokumentarfilm brauch ich glaub ich nicht, um beim Film zu bleiben - das Thema interressiert mich oder es interressiert mich nicht.
      Also wenn eine Dokumentation eine Geschichte erzählt, damit also einen Spannungsbogen hat, hebt sie sich geradezu wohltuend von dem ganzen Einheitsbrei ab, den man sonst im Regelfall so sieht (und dann gerne wegschaltet). Würde ich also eher als best practice betrachten dass da eine Geschichte drinnen ist.
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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      Der Rest ist meine Privatmeinung
    • Zusammenfassung der Argumention im "Rügen"-Beispiel aus Beitrag Nr. 3:
      1. Nach einem Urlaub ist man sowieso gezwungen die besten Bilder auszuwählen. Verwackelte und nicht gelungene Aufnahmen (laufende Füße ;) ) fliegen zuerst raus.
      2. Dann wählt man die "schönen" Aufnahmen und diejenigen, die einem wichtig sind aus. Das sind meisten noch recht viele.
      3. Die kann man mit Vegas usw. aneinanderreihen. Das ergibt meist diesen 30 minütigen Filmaufbau nach dem Motto: Zuerst habe ich das gemacht, dann das, dann das, dann das ... :sleeping: -> Zuschauer weg! -- Wie oben gesagt, bei Freunden und Bekannten kann dieser Filmstil funktionieren!
      4. ODER: Man konzentriert sich auf die allerbesten Aufnahmen. ZUERST: Das Hotelzimmer, der Gang zum Bäcker, die Joggingrunde, der Pferdewagen, der Schwenk über Blumen, der Leierkastenmann fliegen raus.
      5. In meinem Beispiel hat man dann drei große Szenen, mit jeweils mehreren Aufnahmen: 1. Sonnenblumen im Abendlicht mit Bauernhof. 2. elegantes Seebad Binz, 3. spektakuläre Kreidefelsen
      6. Spannungsbögen: 1. Gegen die Erwartung der Zuschauer eröffnet man mit einem leuchtenden Sonnenblumenfeld. 2. Übergang von dieser lieblichen Landschaft ins mondäne (naja) Seebad. 3. Gegenschnitt in die zerklüfteten Kreidefelsen. Man kann auch mit den Kreidefelsen anfangen und mit den Sonnenblumen rausgehen. Gute Aufnahmen, alles in drei Minuten, da bleiben die Zuschauer eher dran.
      Der drei-Minuten-Streifen mit seinen kleinen Spannungsbögen erzählt nicht unbedingt ein Geschichte. Eine kleine vielleicht mit dem Thema: "Gegensätzliches Rügen". Das ist aber spannender als 30 Minuten über alles, was einem Schönes über den Weg lief.

      Beste Grüße, Uli
    • wolfgang schrieb:

      Also wenn eine Dokumentation eine Geschichte erzählt, damit also einen Spannungsbogen hat, hebt sie sich geradezu wohltuend von dem ganzen Einheitsbrei ab,
      Ob eine Dokumentation eine Geschichte erzählt ( oder erzählen muß) hägt vielleicht auch vom Thema ab. Für mich ist eine Dokumentation eher ein Sachfilm, der Informationen in Bild und Ton überbringen soll. Mich nerven eher solche, die durch zu viel "Geschichten erzählen" zu wenig Information bieten und sich oftmals die Essenz für die letzten zwei Minuten aufheben, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Es gibt unzählige Dokumentationen die man locker auf ein Viertel ihrer Laufzeit kürzen könnte ohne das dabei Informationen verloren gehen würden.Ich möchte - sofern mich das Thema interressiert - die Fakten wissen und kein in Geschichten gepackten Füllstoff.
      old_det auf https://www.turbosquid.com/Search/Artists/old_det
    • old_det schrieb:

      Für mich ist eine Dokumentation eher ein Sachfilm
      Also eher sachlich so über Rügen:

      Verkehr auf Rügen
      • 5.1Bahn
      • 5.2Bus
      • 5.3Autoverkehr
      • 5.4Fahrrad
      • 5.5Schiff
      • 5.6Luftverkehr
      Mein Rügen Beispiel, mit der Konzentration auf drei Szenen, wäre dir zu viel Füllstoff?

      Beste Grüße, Uli
    • Ich habe zugegeben Deinen Beitrag gar nicht gelesen und mich nur auf Wolfgangs Beitrag bezogen. Das war also zunächst mal eine allgemeine Aussage. Das kann im Einzelfall sicher auch anders sein.
      old_det auf https://www.turbosquid.com/Search/Artists/old_det