Auf was bei einem Video achten - einige Ideen:

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    • Auf was bei einem Video achten - einige Ideen:

      Auf was bei einem Video achten. Einige Ideen:

      Grundsätzlich gilt auch für Amateurfilme:
      1. Langweile nicht!
      2. Was willst du sagen?

      Wie anfangen?

      Ausgangslage: Man hat einen Ausflug, Urlaub oder sonst was gemacht und schöne Aufnahmen geschossen. Jetzt soll daraus ein Film entstehen. Die wenigsten Amateure machen vor den Aufnahmen einen Drehplan oder so.

      Deshalb lauern auf der Festplatte 300 Clips und es graut einem davor, daraus ein Video zu schneiden. Wie soll man vorgehen?

      Einfachste Lösung: Man reiht im Schnittprogramm alle Clips aneinander, so wie man sie zeitlich aufgenommen hat. Erst war ich hier, dann dort, dann habe ich das gesehen und dann jenes, und dann - und dann - und dann ... Schnell merkt man, dass diese Aneinanderreihung nicht funktioniert. Die Zuschauer zippen weg und die Foren-Kommentare sind auch nicht überschwänglich.

      Man muss in die Reihenfolge der Aufnahmen irgendwie Spannung reinkriegen, nur wie?


      Grundlagen – einen Schritt zurück:

      Seit Texte geschrieben, Lieder gesungen, Bilder aufgenommen und Filme gedreht werden findet das Publikum Geschichten am interessantesten, das ist einfach so. Oder liest jemand gerne Gebrauchsanweisungen ?

      Ja, jetzt kommt wieder dieser Geschichten (Story) -Scheiß -Mist.

      Damit das keine trockne Theorie wird, nehme ich als Beispiel mein kurzes Video „Eisbach & Surfer - hier diskutiert“. ACHTUNG: Ich finde das Video als Ergebnis eines Spaziergangs gut, aber es ist kein rpt kein Musterbeispiel oder sonst was Dolles. Psst, natürlich spekuliere ich auf mehr Clicks.

      Die nachfolgenden Ausführungen sind für diesen kurzen Film deutlich überzogen, sie sollen das grundsätzliche Herangehen zeigen.


      Um die Clips inhaltlich zu organisieren, habe ich mich an der einfachen Drei-Akte-Struktur (Akt, als Sinn- und Gliederungseinheit) orientiert. Vorsicht, das ist sehr vereinfacht, fast holzschnitzartig:

      Erster Akt:

      Auch Ausgangssituation, Einleitung, Einführung, Exposition: Da wird gezeigt, wo man ist, wie es aussieht, worum es grundsätzlich geht. Durch die Licht- und Tonsetzung sowie Kameraführung wird die Stimmung des Films bestimmt, das gibt dem Zuschauer Orientierung.

      Inhaltlich, was will ich sagen? (siehe 2. Frage ganz oben): Ich will den Eisbach vorstellen, weil ich ihn schön, vielfältig und mit den Surfern auch spannend finde. Es sollte im Film – hoffe ich - nicht langweilen.

      Filmisch setzt man das mit der Eröffnungsszene (establishing shot) um. Für Beginner lässt sich das am ehesten mit Weitwinkelaufnahmen umsetzten. ACHTUNG: Weitwinkelaufnahme heißt nicht automatische Eröffnungsszene, sie lässt sich auch anders umsetzen.

      Konkret
      00:01 bis 00:17 Mit drei Clips (Eröfnungsszene) stelle ich den Eisbach und die Atmosphäre vor.
      00:18 bis 00:25 mit Inserts (B-Roll), grüne Pflanze und Totale, Badende im Eisbach, wird der Bach und seine Besucher gezeigt.

      Die Musik ist beschwingt, sommerlich.

      Bemerkungen:
      Hätte der Eisbach nicht mehr zu bieten, dann könnte ich noch ein paar Clips vom Englischen Garten einfügen und der Film wäre nach 30 bis 40 Sekunden zu Ende.


      Zweiter Akt:

      Inhaltlich: Üblicherweise wird hier der Held (Eisbach) herausgefordert und muss sich entscheiden, ob er die Herausforderung annimmt.

      Der Eisbach strömte weiter oben deutlich schneller als zuvor, das nahm ich als Herausforderung (im weitesten Sinne). ^^

      Filmisch/konkret:
      00:26 bis 00:54 Starke Strömung, vier Jugendliche springen in den kalten Eisbach. Die Schwimmer werden vom Wasser fast mitgerissen, Gejohle. Schnelle Bewegungen im Film, wechselnde Brennweiten.

      Musik: Neues Musikstück mit mehr Dynamik. Anfangs sogar passend im Takt mit den Springern. Hier passt es, auf Takt schneiden vermeide ich sonst, Grund siehe hier.

      Bemerkungen:
      Nach einer Minute hätte man es hier belassen können, aber ich hatte ja noch die Surfer.


      Dritter Akt:

      Inhaltlich: Die Clips mit den Surfern und ihrer Dynamik passen gut zum 3. Akt. Am Höhepunkt des Filmes wird die Schlacht entschieden, der Schurke niedergestreckt, die Blonde gerettet oder Rick (Humphrey Bogart) sagt zu Capitaine Louis Renault (Claude Rains) als seine große Liebe (Ilsa, Ingrid Bergmann) zwar vom Capitaine gerettet wird, aber mit einem anderen Mann (ihrem) im Flugzeug entschwindet: „Louis, ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“ („Casablanca“)

      Hüstl, ok, den Kampf der Surfer mit der Eisbachwelle habe ich zum Höhepunkt gemacht.

      Filmisch/konkret:
      00:56 bis 01:00 Übergang mit den Bildern des Wasserfallszu den Surfern
      01:01 bis Schluss: Mit harten, schnellen Schnitten und mit unterschiedlichen Einstellungen versuche ich die Dynamik einzufangen, alle Brennweiten.

      Musik: Wechsel zum dritten Stück mit noch mehr Schwung. Ok, ob's gefällt, ist auch Geschmackssache.


      Bemerkungen:
      • Die Bildkomposition war insofern nicht so schwierig, da sich aus den Fluchtlinien der Ufer des Eisbaches zusammen mit den Bäumen schnell ein schönes Bild komponieren ließ. Im zweiten Teil konnte ich mit den Schwimmern mitschwenken, ohne dass es unnatürlich wirkte. Die Eisbachwelle bietet mit der Linie des Wellenkamms, der Gischt und den schnell fahrenden Surfern fast immer ein gutes Bild. Auch die wartenden Surfer geben mit ihren Brettern starke grafische Bilder.
      • Anfangs war das Video nur mit Atmo-Ton. Das wurde zurecht kritisiert, deshalb habe ich Musik unterlegt, wobei sie nicht jedem gefällt.
      • Perspektive mehr von unten war leider wegen der baulichen Gegebenheiten nicht möglich.
      • Zeitlupe, fand ich während des Spazierganges zu viel. Muss aber im Nachhinein sagen, ja, doch, ein paar Zeitlupenstudien wäre gut.
      • Über die Frage, ob und wie die Bilder auf den Takt der Musik geschnitten werden sollten, haben wir hier diskutiert. Ich setze dies, aus den dort genannten Gründen, sehr sparsam ein.
      • Über Anschlussfehler haben wir hier diskutiert.
      • Ist die Drei-Akte-Struktur nicht wie malen nach Zahlen, völlig mechanisch? Ja, wenn man es knochentrocken nimmt. Nur, diese Akte-Struktur bildet die Basis der eher klassischen Filmtheorie.
      • (weiter zu Akt-Struktur) In der Praxis reicht die Spannbreite von Blake Snyder's „Save the Cat“ mit zig „beats“, wie er es nennt, bis zu Werner Herzog, dem Akte herzlich wurscht sind. Nur, Herzog erwartet von seinen Studenten, dass sie neben vielem anderen die „Edda“ gelesen haben. Wer sie studiert hat, der hat die Struktur von Geschichten mit der Muttermilch eingesogen.

      Hier einige Links zu den oben angeschnittenen Themen, konnte sie nicht alle prüfen, bitte schaut, ob es euch passt:


      Beste Grüße, Uli
    • Vielen Dank für Text und links.
      Daraus könnte eine Struktur entstehen wie Filme "begutachtet" werden.
      Durch das "Alte Lager" habe ich einen Kreis von Videomachern unterschiedlichster Art.
      Wenn ich einen Film fertig habe wird er bei YT hochgeladen, auf "nicht gelistet" gestellt und der link unter diese Menschen gebracht mit der Bitte um Korrektur.
      Wenn ich das gelesen habe und etliches umgesetzt habe - anderes wieder nicht - dann wird der neue Film bei YT hochgeladen und öffentlich gemacht.
      Dann ggf hier auch vorgestellt.
      Da gibt es dann noch genug an Kritik. Das bringt weiter und muss nicht den eignen Stil verbiegen.
      Vor geraumer Zeit hatte ich mal ein Film vorgestellt der dieses Prozedere noch nicht hatte.
      Da musste/wollte ich mit den Fehlern leben. Da hatte ich auch ein Teil Frust weil fertig und Stolz drauf. Das fällt bei diesem Weg weg.
      Bei Vimeo kann übrigens ein Film ausgetauscht werden.
      lerne nie aus
      mein Kanal: https://www.youtube.com/user/wabuddel?feature=mhum
    • wabu schrieb:

      Vielen Dank für Text und links.
      Danke.

      wabu schrieb:

      Daraus könnte eine Struktur entstehen wie Filme "begutachtet" werden.
      Durch das "Alte Lager" habe ich einen Kreis von Videomachern unterschiedlichster Art.
      Wenn ich einen Film fertig habe wird er bei YT hochgeladen, auf "nicht gelistet" gestellt und der link unter diese Menschen gebracht mit der Bitte um Korrektur.
      Die Idee finde ich gut. Ein Video-Besprechungsraum, der "geschützt ist, war ja hier schon als Filmgruppe in der Diskussion. Es hatten sich damals nicht genug Teilnehmer gefunden.

      wabu schrieb:

      Da gibt es dann noch genug an Kritik. Das bringt weiter und muss nicht den eignen Stil verbiegen.
      Das isses, so war obiges auch gedacht.

      wabu schrieb:

      Bei Vimeo kann übrigens ein Film ausgetauscht werden.
      Ja, das ist komfortabel. Habe ich so bei meinem Eisbach & Surfer-Video gemacht, als ich nachträglich die Musik unterlegt hatte.

      Beste Grüße, Uli
    • Ich würde unbedingt noch die 5-shots Regel anführen.
      redgo.tv/die-five-shot-regel/

      Denn wenn man sich an die hält, dann gelingt es auch einfacher beim Schnitt nicht nur passende Anschlußschnitte zu finden, sondern man hat auch genug Material um auch ohne Take-für-Take Planung einen spannenden Film zusammen zu bekommen. Dass ein einfacher 3-Stufen Plot Sinn macht, ist davon in keiner Weise in Frage gestellt. ABER damit bekomme ich genug Material mit um dann am Schnittplatz auch noch viel retten zu können, selbst wenn ich nicht alles durchgeplant habe.
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

      Grüne Kommentare sind aus der Admin-Funktion geschrieben
      Der Rest ist meine Privatmeinung
    • Ja, absolut. Die Regel beißt sich auch nicht mit mit der Akt-Struktur.

      Ein Filmer sagte mir mal, dass er in jeder Doku versuche, mindestens in zwei Szenen die Five-Shot-Regel anzuwenden.

      Beste Grüße, Uli
    • Neu

      Sehr interessanter Thread. Da kann man noch viel für sich mitnehmen.

      Den Weg der Verbesserung durch einsammeln konstruktiver Kritik gehe ich auch. Wie wabu.

      Dabei ist es echt doof dass man in YouTube den Film nicht austauschen kann.
    • Neu

      befe schrieb:

      Dabei ist es echt doof dass man in YouTube den Film nicht austauschen kann.
      Nun ja, es hat auch Vorteile: Stell Dir vor, es schreibt jemand einen Kommentar unter das Video, der sich auf etwas in der alten Version bezieht und in der neuen ist das geändert. Wäre doch verwirrend für Leute, die die vorherige Fassung nicht kennen, oder?
      Greetings,
      ro_max

      Grüne Kommentare sind als Mod, der Rest als User geschrieben.
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