Was ist ein cinematisches Bild?

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    • Was ist ein cinematisches Bild?

      Was ist ein cinematisches Bild?

      Einige knappe Bemerkungen, die als erster Aufschlag zu verstehen sind. Anhand der Stichworte und Links kann sich jeder weiter durch das Netz hangeln und hier diskutieren.


      Wenn ein Begriff unter Amateuren heute Hautausschlag, Wutanfälle oder zumindest ein genervtes Schulterzucken auslöst, dann ist es cinematisch oder cinematisches Bild.

      Auslöser des Hypes ums cinematische Bild unter Amateuren war das Erscheinen der Canon 5D II im Jahr 2008. Mit dieser Kamera konnten auch Hobbyfilmer die Schärfentiefe steuern. Mit dem Vollformatsensor der 5DII kann man für kleines Geld ein Bild erzeugen, das vom Eindruck dem der großen Filmkameras für zigtausend Euro nahe kommt.

      Vincent laForets Kurzfilm „Reverie“ mit der Canon 5DII befeuerte den ganzen Hype ums cinematische - noch immer sehenswert!

      In der aktuellen Diskussion im Amateurlager wird der Begriff cinematisch unglücklicherweise meist auf die Möglichkeit reduziert, dass man die Schärfentiefe einer Kamera steuern kann. Noch unsinniger ist, dass dabei meistens nur eine geringe Schärfentiefe als cinematisch angesehen wird.

      Danach wäre einer der nach Kritikermeinung besten Filme „Citizen Kane“von Orson Wells nicht cinematisch. Und das, obwohl viele seiner Einstellungen gerade wegen ihrer cinematischen Wirkung von Filmemachern später kreativ weiter verwendet wurden.

      Bitte nach Wells Kameramann Gregg Toland schauen, hier z. B.: „Depth of Field: Gregg Toland, Citizen Kane and Beyond“. In diesem Artikel seht ihr im 3. Bild, wie Wells und Toland eine große Schärfentiefe - alles scharf - cinematisch einsetzen

      Das Bild hat mehrere Ebenen: Vorn die Mutter, die ihren Sohn gegen den Willen seines Vaters, der eine Ebene weiter hinten steht, in die Hände eines Vormundes weg gibt. Im Fenster, dritte Ebene, sieht man den jungen Kane, wie er nichts ahnend fröhlich im Schnee spielt. Alle Ebenen der Einstellung sind scharf.

      Bitte schaut euch auch hier diese Bilder an „20 inspired visual moments in Citizen Kane


      Wenn eine geringe Schärfentiefe allein nicht ein cinematisches Bild ausmacht, wie kommt man dann zu einem solchen Bild?

      Der Begriff cinematisch ist in der Fachsprache nicht so genau gefasst, wie zum Beispiel Bildsprung (Jump Cut), Gegenschuss (Reverse Angel) oder Eröffnungseinstellung (Establishing Shot) usw..

      Fragt man Regisseure und Kameramänner, was ein cinematisches Bild ist, dann sind die Antworten differenziert. Es wird klar, dass sich solch ein Bild nicht mit einer einzigen Technik erzeugen lässt.

      Grundsätzlich sagen alle, ein Bild kann man nachträglich kaum cinematisch machen. Dagegen kann man ein cinematisches Bild aufnehmen. Der Unterschied liegt darin, vor der Aufnahme dafür zu sorgen, dass eine Einstellung cinematisch wird.

      Dafür nutzen Regisseure und Kameramänner eine, ich sach ma, cinematische Komposition, die aus folgenden Herangehensweisen und Techniken bestehen kann:

      Einstellungsgröße (shot size)
      "Einstellungsgrößen", via Referenzfilm
      Was wird in der Aufnahme sein und wie groß wird sie sein? Von der Supertotalen bis zu Detail (Extreme close Up)

      Bildkomposition
      "Bildkomposition", via Moviecollege
      Wie werden Schauspieler zueinander und im Verhältnis zu ihrer Umgebung positioniert. Bildformat? Geometrie? Beweging im Bildformat? Bildtiefe?
      Auch sehr gut: „Raumgestaltung bei Murnau

      Licht und Farbe
      Welches Licht unterstützt die Geschichte des Films? High-key? Low-key? Welcheche Farben? Warme? Kalte?
      "5 Comon Film Color Schemes - Learning Cinematic Color Design", via Cinema5D.

      Kameraposition und Kamerawinkel
      Wo steht die Kamera im Verhältnis zu Schauspielern und Raum?
      "Die Kameramperspektive",via Filmemachen.de
      "Einführung in die Filmsprache", via Filmpuls

      Welches Objektiv einsetzen?
      Was wird im Fokus stehen? Welcher Bildwinkel ist für welche Bildaussage geeignet?
      Im Forum am Beispiel von "Emotionen mit Objektive erzeugen" diskutiert.

      Kamerabewegung
      Wie soll sich der Schauspieler, die Kamera bewegen? Statische Kamera? Bewegte Kamera? Tracking Shots? Dolly? Kran? Glidecam? Usw.
      "Cinematography Tip: Working with Motivates Camera Movement", via PremiumBeat


      Aus diesen Herangehensweisen und Techniken entsteht insgesamt ein cinematisches Bild. Wobei meist eine Kombination aus verschiedenen Techniken das Cinematische entstehen lässt.

      Am ehesten lernt man was ein gutes cinematisches Bild ist, wen man sich möglichst viele gute Filme ansieht. Ist nicht so trocken und macht auch noch Spaß:

      Wie gesagt, ein erster Aufschlag zum Thema, damit man einen Startpunkt hat.

      Beste Grüße, Uli
    • Ein "cinematisches Bild" wird doch heute teilweise durch einen geringen Schärfebereich, durch einen entsprechenden Farblook und durch ein Breitbildformat, eventuell noch kombiniert mit "künstlichem" Filmkorn definiert....und Du erzählst da was von Einstellungsgrößen, von Bildkomposition, von Licht und Farben.

      Dabei weiß doch heute jeder das gerade Licht und Farbe erst später am Schnittplatz beim Grading kommen, aufgezeichent wird doch mit völlig flachem Bildprofil um später im Schnitt alle Möglichkeiten offen zu haben....und auch die Einstellungsgröße, den Bildausschnitt, den kann man doch im Schnitt noch heranzoomen wenn man aus 4K dann FHD macht.... ;)

      Spaß und Sarkasmus beiseite, ein "cinematisches Bild" fängt schon viel viel früher an und ist wesentlich umfangreicher..... (wobei die o.g. "Aussagen" allesamt nicht erfunden sind, diese wurden alle mal hier im Forum getätigt....)

      Ich bin gespannt ob sich hier eine entsprechende Diskussion entwickelt - spannende Sache !
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    • Rod schrieb:

      Einstellungsgröße (shot size)
      "Einstellungsgrößen", via Referenzfilm
      Was wird in der Aufnahme sein und wie groß wird sie sein? Von der Supertotalen bis zu Detail (Extreme close Up)
      Irgendwas ist mit dem Link im 1. Post schief gegangen. Hier ist der richtige:

      referenzfilm.de/filmwissen/einstellungsgroessen/

      Beste Grüße, Uli
    • Rod schrieb:

      Vorn die Mutter, die ihren Sohn gegen den Willen seines Vaters, der eine Ebene weiter hinten steht, in die Hände eines Vormundes weg gibt. Im Fenster, dritte Ebene, sieht man den jungen Kane, wie er nichts ahnend fröhlich im Schnee spielt. Alle Ebenen der Einstellung sind scharf.
      Es ist eine Weile her, dass ich diese Szene gesehen habe. Aber ich finde es bei einem komplexeren Bildaufbau eher hilfreich, wenn mir die jeweilige Schärfenebene (ggf. verlagert) "sagt", auf welchen Teil ich mich konzentrieren soll. Aus heutiger Sicht, sieht die Szene für mich eher aus wie mit dem Smartphone gedreht (kleiner Sensor, großen Schärfentiefe), obwohl ich natürlich weiß, dass dem nicht so ist. Vielleicht bin ich ja eine Ausnahme, aber für mich ist Citizen Kane eine Aneinanderreihung von einigen einigermaßen interessanten Einstellungen (die dann auch gern mal in der Literatur oder von anderen Filmemachern zitiert werden), aber insgesamt ein Film, der mich nicht mitnimmt. Auf der Liste meiner Lieblingsfilme (also Filmen, die ich schon x-mal gesehen habe und mir alle 1-2 Jahre gern wieder anschaue) taucht der unter den ersten 100 oder so nicht auf; aus meiner Sicht fällt Citizen Kane eher unter "Pflichtübung" für Filminteressierte.

      Zum Thema cinematisches Bild allgemein: geht es um eine eher theoretische Diskussion an Hand von Beispielen aus Hollywood oder ähnlichen Profi-Produktionen oder um die Umsetzung für uns Amateure?

      Vielleicht liege ich ja falsch, aber ich glaube, da hier nur wenige szenisch arbeiten und z.B. Reisefilme eher unter Zeitdruck, oft mit minimaler Planung und begrenzter Wiederholbarkeit der Aufnahmen entstehen, ein "cineastisches Bild", was über die Wahl von einem Format von 2,35:1 in der Post hinausgeht, in der Praxis für die meisten hier vermutlich eher eine Wunschvorstellung ist. Ich kann mich jedenfalls so auf Anhieb an kein hier gepostetes bzw. verlinktes Video eines Mitglieds erinnern, dem ich ein "cineastisches Bild" attestieren würde. Falls jemand meint, dass es so etwas hier schon gegeben hat, bitte ich, mir den entsprechenden Link mitzuteilen.

      Daher ist meine Vermutung bzw. Befürchtung, dass die Diskussion um ein "cinematisches Bild" eher eine theoretische Übung mit begrenzter Umsetzbarkeit in der Praxis bleibt.
      Greetings,
      ro_max

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    • ro_max schrieb:

      Zum Thema cineastisches Bild allgemein: geht es um eine eher theoretische Diskussion an Hand von Beispielen aus Hollywood oder ähnlichen Profi-Produktionen oder um die Umsetzung für uns Amateure?
      Die Idee hinter meinem Beitrag ist, sich über das Thema cineastisches Bild klar zu werden und dann zu schauen, was wir davon als Amateure umsetzen können.

      Das können wir so oder so angehen. Schaun mer mal.

      Beste Grüße, Uli
    • Rod schrieb:

      Die Idee hinter meinem Beitrag ist, sich über das Thema cineastisches Bild klar zu werden und dann zu schauen, was wir davon als Amateure umsetzen können.

      Ich habe mir auch schon oft überlegt, was ein filmisches Bild ausmachen könnte. Darüber wird ja ständig irgendwo diskutiert, weil viele von uns Amateuren ja das gute Kinobild als unseren Erfolgsmaßstab im Hinterkopf haben.

      Ich habe dabei neben guter technischer Qualität und guter Bildkomposition noch den Eindruck, dass ein Kinobild i.A. interessant ist und die Kameraführung die Handlung unterstützt.

      Ein noch so gutes Landschaftsbild ist höchstens für mich interessant, weil es eine Erinnerung hervorruft.

      Im Kino ist ein Bild oft deshalb interessant, weil es die Handlung voranbringt und - ganz wichtig - weil es Menschen zeigt. Ein Urlaubsfilm, der auch uns Urlauber zeigt, ist auch für unsere Gäste viel interessanter als die noch so tolle Landschaft. So einen Film zeigt man allerdings meistens nicht öffentlich.

      Und die Kameraführung ist im Kino einfach beeindruckend. Die machen super beeindruckende Steady Shot, Fahraufnahmen, Kranfahrten und Kopteraufnahmen, wo ich als Amateur überhaupt keine Chance habe(außer vielleicht ro_max virtuell). Und das auch noch in aufwendigst hergerichteten Sets mit optimaler Beleuchtung und oft mit guten Schauspielern.

      Ich denke, dass wir Amateure uns vielleicht eher auf Dokumentarisches fokussieren sollten, da haben wir bessere Chancen.

      Oder sehe ich das zu eng?

      Gruß Jürgen
    • HJS schrieb:

      Ich denke, dass wir Amateure uns vielleicht eher auf Dokumentarisches fokussieren sollten, da haben wir bessere Chancen.
      Das ist auch mein bevorzugtes Videoaufnahmefeld..., natürlich mit Familienaufnahmen,
      Impressionen, meiner "Momente-Kurzfilmreihe"..., daneben bin ich auch langbrennweitig
      unterwegs in ausgewiesenen Schutzgebieten auf Aussichtstürmen und natürlich auch
      in unserem Garten das ganze Jahr über mit all dem was dort so passeiert und sich verändert.

      Szenisch ausgebaute Videoaufnahmen überlasse ich den Profis. :thumbsup:
      Beste Grüsse;
      Es kommt darauf an wie kreativ man mit der Kamera umgeht, nicht wie teuer sie ist...
    • HJS schrieb:

      Ich habe dabei neben guter technischer Qualität und guter Bildkomposition noch den Eindruck, dass ein Kinobild i.A. interessant ist und die Kameraführung die Handlung unterstützt.
      Ein filmisches Bild wird für mich aus den im 1. Beitrag genannten Herangehensweisen und Techniken erzeugt: Einstellungsgröße (shot size), Bildkomposition, Licht und Farbe, Kameraposition und Kamerawinkel, Objektivwahl und Kamerabewegung. Hoffentlich habe ich nichts vergessen.

      Ein cinematisches Bild entsteht meist aus einer Kombination einiger dieser Techniken.

      HJS schrieb:

      Im Kino ist ein Bild oft deshalb interessant, weil es die Handlung voranbringt und - ganz wichtig - weil es Menschen zeigt.
      Natürlich schielen wir alle aufs Kino: Tolle Bilder, tolle Geschichten, tolle Farben, toller Sound - ok, oft mehr oder weniger. ;)

      Einerseits, wir werden da nie dran kommen, dazu fehlt uns zu viel, fast alles. Andererseits kann man sich die eine oder andere Idee, Technik oder Kniff abschauen, "klauen". :evil: Darum geht es mir, mehr nicht! :D

      Zu Handlung und Menschen bitte Antwort weiter unten schauen.

      HJS schrieb:

      Ein Urlaubsfilm, der auch uns Urlauber zeigt, ist auch für unsere Gäste viel interessanter als die noch so tolle Landschaft. So einen Film zeigt man allerdings meistens nicht öffentlich.

      HJS schrieb:

      Ich denke, dass wir Amateure uns vielleicht eher auf Dokumentarisches fokussieren sollten, da haben wir bessere Chancen.

      Oder sehe ich das zu eng?
      Ich würde immer zwischen privatem Film und öffentlichem Film unterscheiden. Weil, sie funktionieren unterschiedlich, dazu bitte hier schauen.

      Zu Urlaubsfilm, Dokumentarfilm: Ich sehe das auch so, dass wir als Hobbyfilmer meist Urlaubsfilme machen und denken, das könnte auch andere interessieren. Oder wir machen eine Art Dokumentarfilm über eine schöne Stadt, das Dorfleben oder sonst was nettes und stellen es öffentlich.

      Doch, unsere privaten Filme sind oft nach dem erlebten Zeitablauf (linear) organisiert: 1. Bild: Wir sind nach Bielefeld gefahren. 2. Bild: haben mit Freund Niklas Kaffee getrunken. 3. Bild: danach die Kirche besucht. 4. Bild, zum Schluss laaanges feucht fröhliches Treffen der ganzen Familie im Hirschen - bis in den Morgen, 300 Clips ... usw ... :sleeping: Grottenlangweilig, interessiert ausser der Familie keine Sau niemanden.

      Wir brauchen irgendwie eine halbwegs interessante Handlung. Aber, meist ist der Hauptdarsteller in unserem Urlaubsfilm ein Berg, der idyllische See, das pittoreske Dorf, das rauschende Meer usw.

      Also müssen wir unsere Hauptdarsteller zumindest gut in Szene setzen, tolle Bilder müssen her, damit überhaupt jemand länger guckt. Wir wissen schon vor den Aufnahmen, dass wir den Film thematisch (nicht linear) gliedern. Wir werden z. B. das Dörfchen in einer Sequenz zeigen, obwohl wir im Urlaub vier Mal dort waren. Wir verdichten das im Film auf einen Besuch per nicht linearem Schnitt.*

      Und damit die Bilder gut werden, können wir z. B. einige Techniken anwenden, wie sie in "Bildkompositipn in Filmen verbessern" genannt werden. Schaut euch in den verlinkten Beispielen ab, wie Führungslinien funktionieren, wie eine spannende Flächenverteilung aussieht, wie man die Drittelregel praktisch umsetzt, usw.

      Wenn man sich das öfters anschaut, dann sinkt das ins Gedächjtnis ein. Und wenn ihr das nächste Mal auf einem alten Marktplatz steht, dann seht ihr fast automatisch, wo diese Linien sind, die das Auge führen. Wo man stehen muss, damit die marschierende Blaskapelle gut in den Bildaufbau rein passt.


      Bildkomposition ist natürlich nur ein Bündel an Techniken, mit denen man cinematische Bilder erzeugen kann. Andere werden am Anfang dieses Beitrags oder im allerersten Beitrag dieses Threads genannt.

      * Das seht ihr auch daran, dass in der Bezeichnung unserer Schnittsoftware als NLE-System schon die Idee der zeitlichen Komprimierung und der Ablaufveränderung drin steckt: NLE => Nichtlinearer Schnitt.

      Beste Grüße, Uli
    • HJS schrieb:

      Die machen super beeindruckende Steady Shot, Fahraufnahmen, Kranfahrten und Kopteraufnahmen, wo ich als Amateur überhaupt keine Chance habe(außer vielleicht ro_max virtuell).
      Ja, solche Kamerafahrten sind "virtuell" nicht das Problem, aber schon eher, die Szene selbst "cineastisch" bzw. "cinematisch" zu gestalten. Man muss schließlich alles bewusst vor die virtuelle Kamera bringen, einfach eine vorhandene Szene (auch z.B. eine Landschaft oder Gebäudeaufnahmen) kann man ja nicht abfilmen, sondern muss diese erst in der virtuellen Welt erstellen (bzw. erstellen lassen/fertig einkaufen, wenn man - so wie ich - nicht in 3D modellieren kann).
      Greetings,
      ro_max

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    • Der Bayerische Rundfunk (BR) zeigt in einem Film: "Wie wird durch die visuelle Ebene eines Films die Wahrnehmung des Zuschauers gelenkt? Es geht hier um einiges, das auch im 1. Beitrag hier angesprochen wird.

      • "Visuelle Ebene", via BR / ARD-alpha, Deutsch. In 15 Minuten geht es um: "Bildbestimmend sind die verschiedenen Einstellungsgrößen, die Kameraperspektive, die Kadrierung und die Kamerabewegung. Regisseur und Kameramann eines Films setzen all das ganz bewusst ein, denn die Kamera entscheidet, was der Zuschauer auf welche Weise und zu welchem Zeitpunkt zu sehen bekommt - und damit auch, ob er eine Szene versteht und welche Gefühle eine Szene in ihm auslöst.".

      Beste Grüße, Uli
    • Nur mal kurz zwischendurch angemerkt....weil ich momentan beruflich ziemlich eingespannt bin und mich erst ab Oktober wieder mehr um die Filmerei kümmern kann......ich finde die Tips, Links und das Wissen von Uli, McMedia und anderen immer sehr hilfreich und anregend. Bitte neben den technischen Aspekten auch mit den filmischen und gestalterischen Hinweise so weitermachen. Vielen Dank euch für eure Beiträge!
      viele Grüße: Burkhard
    • Rod schrieb:

      Der Bayerische Rundfunk (BR) zeigt in einem Film: "Wie wird durch die visuelle Ebene eines Films die Wahrnehmung des Zuschauers gelenkt? Es geht hier um einiges, das auch im 1. Beitrag hier angesprochen wird.

      Unten auf der Seite gibt es noch weitere Beiträge des BR zu den Themen:

      - Erzählebenen im Film;
      - visuelle Ebene - Licht und Farbe;
      - visuelle Ebene - Kamera;

      ich habe mir diese Beiträge noch nicht angesehen, denke aber das diese ggf. auch interessant und nützlich sein können. Vor allem für diejenigen welche sich mit den ganzen englischsprachigen Publikationen schwerer tun. Und viele fachlich interessanten Beiträge zu dem Thema erscheinen eben auf Englisch...

      rico77 schrieb:

      .....ich finde die Tips, Links und das Wissen von Uli, McMedia und anderen immer sehr hilfreich und anregend. Bitte neben den technischen Aspekten auch mit den filmischen und gestalterischen Hinweise so weitermachen. Vielen Dank euch für eure Beiträge!

      Das Problem sind nicht die ganzen Infos, die gibt es zahlreich im Internet und in Büchern bzw. Onlinekursen. Problem ist eher diese Angebote zu finden und die guten von den weniger guten zu trennen denn es gibt genügend gute Beiträge und Filme zu dem Thema, aber auch viel Schrott....

      Dazu kommt das man in dem Bereich eigentlich nie auslernt, es kommt immer wieder was neues dazu, schon alleine wenn man zu gewissen Themen die Meinungen und Standpunkte anderer Leute hört bzw. sieht.

      Bei mir sind es inzwischen gute 40 Jahre die ich mich mit dem Medium "Film" beschäftige und davon über 30 Jahre auch auf professioneller Ebene. Und ich lerne trotzdem immer wieder was dazu, bekomme neue Impulse und Eindrücke dazu.

      Man lernt halt nie aus ! ;)

      Eines ist aber auch wichtig bei der Sache - es reicht nicht sich theoretisch in Form von Büchern oder Videos mit dem Thema auseinander zu setzen. Man muss auch gerade was die "handwerkliche" Seite angeht üben und selbst probieren, experimentieren und Erfahrungen sammeln. Das muss jeder für sich selbst tun, hier kann kein Forum helfen....



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    • Rod schrieb:

      Der Bayerische Rundfunk (BR) zeigt in einem Film
      vielen Dank für den Link! :beer:

      das ist ja eine super tolle kompakte und leicht verständliche Einführung. Die anderen Filme zum Thema sind genauso gut!

      Da bin ich wieder beeindruckt, wie ansprechend, logisch und sympathisch man so ein Thema mit (scheinbar) einfachen Mitteln gestalten kann. Daran haben aber auch die Moderatoren einen sehr großen Anteil. Wenn die junge Dame spricht, ist das eine sehr einfache Szene, doch außerordentlich wirkungsvoll gemacht! Das sind halt alles Profis.

      Gruß Jürgen
    • HJS schrieb:

      Wenn die junge Dame spricht, ist das eine sehr einfache Szene, doch außerordentlich wirkungsvoll gemacht! Das sind halt alles Profis.

      Das was Du mit "außerordentlich wirkungsvoll" bezeichnest kommt von einigen wenigen Dingen.

      Da wäre einmal der Raum. Das Bild hat "Tiefe" durch die beiden Wände die fast hinter der Dame in der Ecke zusammenlaufen. Der Bildhintergrund ist leicht in der Unschärfe, es ist aber immer noch erkennbar das dort Bilder an den Wänden hängen und hinter der Protagonistin eine Tür ist.

      Das nächste wären die Lichtstimmungen. Auf der rechten Seite eher warm und links eher kühler. Es gibt im Hintergrund Lichtinseln und nicht nur eine homogene Ausleuchtung. Auch der helle "Lichtstreifen" der von links auf die Wand fällt schafft Raum und lenkt nebenbei auch den Blick auf die Protagonistin, füllt aber gleichzeitig auch den leeren Raum.

      Die Protagnositin selbst bekommt von rechts oben ein Spitzlicht bzw. Hairlight. Das ist "künstlich" gesetzt, fügt sich aber harmonisch in die Lichtgestaltung des Hintergrundes ein. Durch so ein Spitzlicht bekommt das Bild auch noch etwas Tiefe und die Protagonistin löst sich optisch vom Hintergrund. Die rstliche Ausleuchtung ist eher klassisch mit einem Führungslicht leicht seitwärts und einer fast gleich hellen Aufhellung. Eine klassische Dreipunktbeleuchtung.

      Wenn jetzt jemand kommt und sagt das sowas für einen Amateur nicht machbar ist weil dafür ja teures Equipment verwendet wird - das geht auch mit relativ kostemgünstigem Equipment im Gegenwert von vielleicht einem ordentlichen Kameraobjektiv oder sogar noch billiger. Für so eine Ausleuchtung reicht ein normaler Lichtkoffer mit drei Scheinwerfern, ein paar Filterfolien und ein Reflektor sowie eine geschickte Nutzung des Umgebungslichtes, ideal sind nochmal ein bis zwei weitere Scheinwerfer für den Hintergrund.

      So ein Setup lässt sich mit einem billigen Halogen-Lichtset aus China mit 3x Redhead-Nachbauten für 150-180€ realisieren, dazu nochmals 30 oder 40€ für ein paar Filterfolien - man kann dafür aber auch einen Dedolight-Koffer für 5000€ verwenden....

      Aufbauzeit sind für so ein Lichtsetting auch nur wenige Minuten (wenn man weiß wie und wo man damit anfangen muss) bis zu einer halben Stunde, also auch kein riesiger Aufwand....auch mit kostengünstiger Technik nicht.

      Das nächste ist dann natürlich der vermittelte Inhalt - das ist dann aber ein anderes Thema hier die Informationen leicht verständlich aufzubereiten ;)
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    • HJS schrieb:

      das ist ja eine super tolle kompakte und leicht verständliche Einführung. Die anderen Filme zum Thema sind genauso gut!
      Wie MacMedia schon schrieb, es gibt reichlich Material, aber leider sehr viel unbrauchbares. Manchmal suche ich zu einem Thema was uns muss nach mehr als zehn Filmen sagen, nicht brauchbar. :(

      Es gibt zudem eine Lücke zwischen zu einfachen Erklärstücken (watt is ne Dampfmaschin?) und Beiträgen für spezielle Fragen. Es fehlt die Mitte, die anspruchsvoll und breit genug erklärt.

      Und, viele gute Beiträge werden gleich in Englisch ?( produziert, da hat man ein weltweites Publikum. Das nutzen oft jüngere Filmer, denen Englisch leichter fällt.

      Außerdem, niemand schaut von aussen auf den deutschen Film, der wird kaum wahrgenommen. Mit Ausnahmen wie "Derrick" - "hol schon mal den Wagen,Harry" - und so.

      Hier werden kaum bemerkenswerte Blockbuster (erinnert ihr euch: Straßenfeger), spannende Unterhaltungsfilme noch innovative Experimentalfilme gedreht. Das versinkt alles im Mittelmaß - "Ich bin dann mal weg". :sleeping:

      Beste Grüße, Uli
    • Rod schrieb:

      Hier werden kaum bemerkenswerte Blockbuster (erinnert ihr euch: Straßenfeger), spannende Unterhaltungsfilme noch innovative Experimentalfilme gedreht.
      Meinst Du mit "hier" Deutschland oder Europa allgemein? IMO ist es doch um den französischen, italienischen, spanischen, etc. Film nicht besser bestellt.
      Aber, ich muss auch gestehen, als Filmkonsument /-sammler machen europäische (nicht englischsprachige) Filme schätzungsweise 1-1,5% der gesehen bzw. in meiner Sammlung befindlichen Streifen aus.
      Greetings,
      ro_max

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    • ro_max schrieb:

      Meinst Du mit "hier" Deutschland oder Europa allgemein? IMO ist es doch um den französischen, italienischen, spanischen, etc. Film nicht besser bestellt.
      Damit mein ich Deutschland. Entsprechend gering ist auch das Interesse an deutschen Blogs oder deutschen Erklärvideos, die Filmthemen oder Filmtheorie besprechen. Interessante Filme kommen heute aus dem Ausland und dort werden sie auch zuerst besprochen, entsprechend groß ist dort auch die Debatte, wie diese Filme "funktionieren".

      Deutschsprachige Filme haben letztmals in 1920er Jahren weltweit eine Rolle gespielt. Filme des Deutschen Expressionismus wie "Das Cabinet des Dr. Caligari", 1920, Robert Wiene, "Dr. Mabuse, der Spieler", 1922, Fritz Lang oder "Metropolis", 1927, Fritz Lang waren weltweit stilbildend. Dann übernahmen die Nazis die Macht und die meisten Filmschaffenden flohen ins Ausland, oft nach Hollywood.

      Zu Deutscher Espressionismus im Film:
      Beste Grüße, Uli
    • Neu

      Zum Thema des Threads habe ich mal einen kleinen Test bzw. Versuch gebastelt (25 Sekunden, nur in Testqualität und 1080p sowie noch ohne Sound, damit nur das Bild "wirkt"):

      CPT Scene 1: "Aftermath"

      Ist das ein "cinematisches" Bild? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

      Was könnte man an Bild/mise-en-scène noch verbessern (es geht nicht um sehr um den Inhalt per se, sondern um den "filmischen" Look der Bilder)?
      Greetings,
      ro_max

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    • Neu

      Hi,

      den Anfang, bis zu dem "Trümmerhaufen" im Vordergrund finde ich absolut sehr gut gelungen. Die Wirkung ist selbst in dieser Testqualität sehr realistisch. Chapeau! :thumbup:

      Danach stimmt irgendwie der "Bildeindruck" nicht mehr so ganz.
      Insbesondere am Schluss fehlt etwas "Vordergrund" für die vermittelte Totale. Die beiden Soldatinnen "stehen" direkt auf dem "Balken". Das sieht nicht so gut (realistisch) aus.

      Hierbei fällt dann auch ein krasser Fehler auf - die "Damen" müssten ja schon bereits während des Schenks vor dem Zelt zu sehen sein. Tun sie aber nicht.
      Dass sie dann erst durch den Schwenk ins Bild geraten, fällt irgendwie sehr stark auf und stört (für mich) irgendwie den Eindruck.

      Hier würde es (m.E.) besser aussehen, wenn der "Trümmerhaufen" kürzer hinter dem LKW käme und somit zwar nicht den Helikopter, aber die betreffende Zeltecke mit den Personen abdecken würde.
      Am Ende des Trümmerhaufens sollten dann die Beiden vor dem Zelt zu sehen sein und der Schwenk sich klar auf diese ausrichten, damit sie erkennbares "Ziel" werden.

      Je nach Intension der Szene kann der Schwenk zwar auch in der gewählten Totale (dann aber mit mehr Vordergrund) enden, aber ich denke im Film würde man etwas anderes wählen.
      Wenn jetzt die Damen (und ihr Gespräch) nämlich eine filmische Rolle spielen, würde man wohl eher in einer Halbtotalen (Personen komplett, aber weniger Umgebung) oder Halbnahen (Personen oberhalb Hüfte) enden.

      Aber trotzdem, das ist ein toller Clip, der sicherlich eine ganze Menge Arbeit (und Kosten) gemacht hat.

      Gruß
      Peter