NEX-7, NEX-5N, HDC-SD300 und JVC GZ-HD7 - EDIUS - Deshaker, ein Workflow

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • NEX-7, NEX-5N, HDC-SD300 und JVC GZ-HD7 - EDIUS - Deshaker, ein Workflow

      Zu den Sony NEX-5N und NEX-7 siehe ganz unten.

      Zum HDC-SD300 siehe weiter unten.


      Software: Edius 4.51c

      Tutorial von Harald, alle Rechte bei ihm. Danke für die Erlaubnis, das hier in den Tutorialbereich zu stellen.

      ********************


      Da der JVC GZ-HD 7 dem HDR-HC1 nach meiner Einschätzung in den meisten Belangen mehr oder weniger überlegen ist, habe ich ihn vor einiger Zeit gekauft.

      Der OIS des GZ-HD7 ist zur Vermeidung von Verwackelungen aber schlicht unbrauchbar. Da die Schwenkstabilisierung funktioniert, solange es nicht um Reißschwenks geht, sollte er eingeschaltet bleiben.

      Wie bekommt man die Sache nun mit EDIUS Pro 4.5x und dem Deshaker 2.4 von Gunnar Thalin stabilisiert?

      EDIT20070831: Deshaker-Einsteigern empfehle ich die Lektüre der beiden über PV VIDEO zu beziehenden Berichte "Stabilbaukasten" und "Beruhigungspillen". Obwohl nicht die neueste Deshaker Version behandelt wird, kann man dadurch sehr viel Einarbeitungszeit sparen.
      1.
      Laden aller 1920 x 1080 Pixel JVC TODs in eine VA Spur von EDIUS. (Ab Version 4.5 ist ein Umbenennen der Endung nicht mehr notwendig.) Grob vorschneiden.

      2.
      Export der gesamten Timeline im HQ Codec. Dabei beachten, dass bei dem folgenden Ablauf die letzen 12 Frames der Timeline verloren gehen werden. Wenn da wichtiges Material sein sollte, irgendwie auffüllen. Siehe aber EDIT20080623 weiter unten.

      3.
      In VirtualDub 1.7.2 folgende Parameter für Pass 1 des Deshakers verwenden. Bei großen konturlosen Flächenanteilen muss "Skip Frame if >" kleiner gewählt werden. Man benötigt sehr viel Rechenzeit. Ein W64 Server mit 2 Xeon 5160 CPUs benötigt für eine Stunde canopus HQ 1920 x 1080 Pixel Material etwa 70 CPU-Stunden. VirtualDub kann auf einem PC mit dem freien canopus Codec-Set für die Wiedergabe laufen.


      4.
      In VirtualDub unter "Video - Compressing" Canopus HQ anwählen und in "Audio - Interleaving - Delay audio track by" 480 ms einstellen. Siehe aber EDIT20080623 weiter unten.

      Pass 2 des Deshakers mit folgenden Parametern anwenden -> F7 drücken.
      (Hier reicht der freie Wiedergabecodec nicht aus.) Mit den Einstellungen verhält sich das stabilisierte Bild nun etwa wie bei einem Canon XL H1. (Die Auflösung ist natürlich schlechter.) "Vertical panning" ist doppelt so groß wie "Horizontal panning" da sich dieser Wert auf ein Halbbild bezieht. Bezogen auf das ganze Bild entspricht das dann ebenfalls "1 %".
      Falls es sich um "Monopod" Material handelt, kann für "Vertical panning" auch "1" gewählt werden, da es vertikal weniger als horizontal gewackelt haben dürfte.


      5.
      Das Ergebnis in eine weitere VA Spur von Edius laden und gegenüber der ersten Spur um 12 Frames nach links verschieben. Die neue Spur leicht schärfen.

      6.
      In EDIUS fertigschneiden. Dabei den Direct3D9 Anzeigetyp mit Field-Aktualisierung und "Ansicht - Pause-Halbbild - Bild" einschalten. Dadurch werden Bewegungen auch bei stehendem Timeline-Cursor sichtbar. Bei den Entscheidungen ob nun für die einzelnen Clips das "deshakte" oder originale Material besser geeignet ist, den neuen Multikam-Modus von EDIUS einsetzen. Obwohl der Multikam-Modus sicher nicht hierfür gedacht ist, klappt das genial gut.

      Ergänzung:
      Die Werte für "Vertical panning" und "Horizontal panning" von 2 bzw. 1 % unter Punkt 4 verwende ich für den Betrieb mit dem originalen WW-Konverter GL-V0746. Ohne Konverter mögen 1.5 und 3 % besser geeignet sein. Bzw. 1.5 und 1.5 % bei Nutzung mit Monopod. Das hängt natürlich auch am überwiegend eingesetzten Brennweitenbereich und an der Ruhe der eigenen Kameraführung.

      Mit dem Ergebnis bin ich i.A. sehr zufrieden.

      EDIT20080623: Wenn sich Bildinhalte besonders in Randnähe ändern, wird das Ergebnis mit der Einstellung "Extra zoom factor: 1.02" i. A. besser. "Use previous and future frames ..." und "Delay audio track ..." können dabei abgewählt werden, wenn die "correktion limits" auf "1" stehen.


      Beispiele:
      Die JPGs sind sehr stark komprimiert. Die m2p-Dateien sind mit dem ProCoder 3 als Highest Quality 18000 kbps (max. 25000 kbps), 2 pass VRB exportiert worden.

      Beispiel 1 mit starkem Deshakereingriff:

      Gebaeude_mit_Deshaker
      Gebaeude_ohne_Deshaker

      Beispiel 2 mit mittlerem Deshakereingriff:

      Delfine_mit_Deshaker
      Delfine_ohne_Deshaker

      Beispiel 3 ohne besonders offensichtlichen Deshakereingriff. Lowlight Aufnahme mit sehr geringen Kontrasten:

      Hai_mit_Deshaker
      Hai_ohne_Deshaker




      Diskussion HIER.

      Dieser Beitrag wurde bereits 25 mal editiert, zuletzt von Harald ()

    • Ab VirtualDub 1.83 habe ich Probleme mit beiden obigen Deshaker Alternativen. Es gibt größere Ausgabefehler.

      Bis VirtualDub 1.7.8 und 1.8.1 klappt es.

      Inzwischen ziehe ich die Version unter EDIT20080623 vor. Mit diesen Einstellungen für Pass 2. (Evtl. mit leichten Optimierungen für das gerade vorliegende Material):

    • Obigen Ablauf kann man auch verwenden um Rolling Shutter Effekte von CMOS Camcordern zu beseitigen, soweit es um die Bewegung von bildbestimmenden großen Geometrieen geht. Ein durchs Bild fahrendes, möglicherweise verzerrtes Auto wird also nicht "repariert".

      Die Option, den Rolling Shutter Effekt beim Deshaker einstellen zu können, gibt es erst ab der Version 2.4. Für den SD300 sollte man 73 % eintragen. Der restliche Ablauf bleibt wie oben beschrieben.

      Beispiel des HDC-SD300 mit eingeschaltetem OIS, 1/500 s:

      Sandbild, verkleinerter Frame:


      Extrem schneller seitlicher Schwenk (deshalb unscharf), verkleinertes Field:


      Und perfekt korrigiert mit Rolling Shutter Amount 73 % und obigem VirtualDub Ablauf unter Version unter EDIT20080623, verkleinertes Field:


      Man sieht, dass die Vergrößerung um 2 % hier nicht ganz ausreicht, da in der linken oberen Ecke etwas Geometrie fehlt. Bei normalen Camcorderbewegungen reichen die 2 % aber aus.


      Zusätzlich wird der SD300 weiter beruhigt. Das Bild verhält sich bei sorgfältigen Freihandaufnahmen etwa wie bei Stativaufnahmen mit einem teuren, fluidbedämpften Videokopf.
      Das soll jetzt nicht heißen, dass der SD300 beim "normalen" Betrieb eine Stabilisierung verlangen würde. Dessen OIS ist wirklich richtig gut.

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Harald ()

    • Original von Harald
      Ab VirtualDub 1.83 habe ich Probleme mit beiden obigen Deshaker Alternativen. Es gibt größere Ausgabefehler.

      Version 1.9.2 funktioniert wieder.

      Es gibt übrigens inzwischen die Möglichkeit, bestimmte MPEG-2 Daten direkt mit VirtualDub zu bearbeiten: MPEG-2 plugin. Zumindest bei HD-Daten habe ich damit aber noch gewisse Farbfehler.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Harald ()

    • Nach längerer Zeit eine kurze Ergänzung.

      Die PCs sind inzwischen viel schneller und Speicher billiger geworden. Der Deshaker ist dem in EDIUS integrierten Mercalli 2.0 aus meiner Sicht immer noch stark überlegen. Es macht also Sinn, ihn bei Bedarf weiter zu Nutzen.

      Ein paar NEX-5 bzw. NEX-5N Freihandaufnahmen mit dem stabilosen SEL-16F28 und dem SEL-18-55 (für Videozwecke unbefriedigender Stabi) haben mich veranlasst, eine Verbesserung umzusetzen. (Das SEL-18200 besitzt einen perfekten Stabi.)

      Obiger Workflow führt zu einem gewissen Verlust der Brillanz von Spitzlichtern. Ursache ist die scheinbar nicht vermeidbare YUV-RGB-YUV Wandlung in VirtualDub, die den Bereich oberhalb 235 staucht.


      Folgende Ergänzung des Workflows löst das Problem:

      1. Die in attachmentid=2111 gezeigte Filtereinstellung kann vor dem Export aus EDIUS heraus angewendet werden.

      2. Dann folgen oben beschriebene Abläufe.

      3. Nach dem Import des Stabilisiertem Materials kann die Filtereinstellung in attachmentid=2112 verwendet werden.

      Für mich ist jetzt bei progressivem Material und Einsatz der zusätzlichen EDIUS Filter nahezu keine nachlassende Bildqualität mehr feststellbar.


      Der richtige Wert für die Rolling Shutter Korrektur der Sony NEX-5N im 1080p50 Modus ist übrigens 74 %.
      Bilder
      • YUV-Kurve_Y255-235_Y_nach_unten.jpg

        120,23 kB, 843×658, 248 mal angesehen
      • YUV-Kurve_Y233-255_Y_rekonstruieren.jpg

        122,27 kB, 843×658, 243 mal angesehen
    • Der Wert für die Rolling Shutter Korrektur der Sony NEX-7 im 1080p50 Modus ist 86 %.


      Die allgemeine NEX-7 Abbildungsqualität von schnell bewegten Objekten sind bei Einzelframeansicht meiner bisherigen, wenigen Aufnahmen besser als bei der NEX-5N. Scheinbar gab es in der kurzen Zwischenzeit schon wieder eine Verbesserung im Encoderbereich. Der größere Rolling Shutter Effekt ist leider auf der negativen Seite. Etwas besser als der HC1 ist die NEX-7 aber immerhin doch.