Haie

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    • Ich habe bislang alle Haie als extrem vorsichtig und ängstlich in bezug auf Taucher erlebt.

      Das macht es für gute Fotos oder jetzt Videos sehr schwer.

      Kommt es aber zu Aktionen die bei den Haien vom "Angst-Modus" im Gehirn auf den "Futter-Modus" umstellen - dann kann es doch recht Spannend werden.

      Bei Hai-Fütterungen und ähnlichen Veranstaltungen würde ich eher nicht mitmachen - das ist nicht das was ich will.

      Obendrein gab es für einen Bekannten bei einer solchen Aktion ein unliebsames Erlebnis, was nur knap gut ausgegangen ist.

      Ach ja, die Aiptek HD geschichte habe ich auch in einem Flyer schon gelesen - nur werfe ich so was sofort weg.

      mfg
      Roland
    • Lieber Detlev

      Leider muss ich Dich enttäuschen: viele Deiner Bemerkungen lassen mich stark an einer guten wissenschaftlichen Grundlage zweifeln und ich möchte Dich mal versuchen hier ein bisschen aufzuklären.

      Möglicherweise hast Du gute Bücher gelesen, aber das Buch, welches Du zitierst, ist nicht gerade geeignet, darin nach gültigen Informationen zu suchen, denn


      1. das Buch ist genau 30 Jahre alt (was älter als 10 Jahre ist, ist in vielen Wissenschaften "Science-History") - gerade in den letzten Jahren wurde betr. Haimythen kräftig aufgeräumt

      2. der Verlag publiziert keine Bücher für die Wissenschaft - es ist ein Zeitschriftenverlag

      3. die Autoren sind keine renommierten Haiforscher, wenn auch sicherlich Ichtyologen...


      Aus so einem Buch würde ich keine Informationen (ernst) nehmen und so wundert es nicht, dass Du ein paar merkwürdige Dinge zitierst.

      Die Anzahl Haitote pro Jahr wurde bekanntlich desto mehr übertrieben, je weiter die Untersuchungsperiode zurückliegt. Es gibt viel zu viele verschiedene Haiunfall-Listen, aber nur wenige wirklich seriöse. Bei den "seriösen" kommt keine Liste jemals auf über 15 Tote (als Maximum) pro Jahr. Wir sprechen nicht über die Dunkelziffer - die gibt es überall und je weiter zurück, desto mehr tödliche Haiunfälle wurden auch vermutlich gar nicht von Haie verursacht oder es wurden ertrunkene Menschen attackiert und das wurde als Haiunfall registriert, was auch heute noch geschieht. Heute ist man da aber zum Glück genauer. Die Dunkelziffer kann man übrigens gut einschätzen, weil man nur drei Faktoren braucht: 1) Länge der Künsten bei denen mit Dunkelziffern gerechnet werden muss, 2) Haie, welche dort leben, 3) Anzahl "Badeereignisse" die dort stattfinden. Das ergibt eine Schätzung von 1-3 Haitoten als Dunkelziffer. Jene Küsten sind nicht vergleichbar mit den Küsten von Kalifornien und Südaustralien wegen der Haiarten und Anzahl Badeereignisse, weshalb die Zahl nicht höher sein dürfte. Man weiss ja, welche Haie für 99% der Unfälle verantwortlich sind. Gute Links mit verschiedenen Zahlen folgen weiter unten...

      Meine "4" sind sehr weit (vermutlich zu weit) unten angesetzt - ich glaube die Zahl von E.R. zu haben - kann mich aber auch irren, nur siehst Du an den Listen, dass die Zahl wenigstens von der Grössenordnung her stimmt (auf so und so viel Milliarden "Badeereignisse" pro Jahr). Es kommt sicherlich auch auf den Jahrgang an - die US-Soldaten hatten da schon böse Überraschungen, aber wenn immer wieder die gleichen Schiffsunglücke erwähnt werden, dann glauben die Leute, dass ständig Soldaten von Haien bei Schiffsunfällen getötet worden sind. In Wirklichkeit zeigen die Statistiken, dass dies nicht der Fall ist und dass ausserdem die Soldaten oft tagelang von Haien umkreist worden sind, ertrunken sind und erst die Leichen attackiert worden sind. Einige Soldaten wurden auch getötet, aber das sind sehr kleine Zahlen, wie man aus den Statistiken (Link unten) sehen kann. Für die US-Armee ist kein Blödsinn zu fern, Geld in seine Untersuchung zu stecken und falls ein Kriegsschiff mal untergeht möchte man gewappnet sein, darum wird immer noch darin investiert (wie auch in Ufo-Forschung...), anstatt den Soldaten die Körpersprache der Haie näher zu bringen, Überleben in Seenot beizubringen und Gadgets zum Überleben zu entwickeln. Die kalte See, Hunger etc. sind da grössere Probleme in Seenot... Alle Gadgets, die man in den letzten 50 Jahren entwickelt hat, haben x Haken und darum sind sie bis heute allesamt im Ernstfall unbrauchbar. Schon zu oft hat man nach erfolgreichen Experimenten plötzlich Rückschläge erlebt, bei Chemikalien, Abwehren mit Strom etc. .

      Die "Drohgebärden" von denen Du schreibst findet man auch heute noch in Büchern... in schlechten Büchern .... leider in fast allen Büchern... Dabei ist es praktisch schon bewiesen, dass das Buckeln keine Drohgebärde sein kann und die nach unten gedrückten Flossen die Flucht einleiten und nicht den Angriff:

      Von E.R. darauf aufmerksam gemacht, habe ich das Buckeln (Hunching) und auch da Gähnen (Gaping) gefilmt. Dies ist mir sehr oft schon gelungen, solche Aufnahmen habe ich zu Hauf und sie zeigen alle dasselbe: bei JEDEM Fall von Hunching klebt eine Remora am Hai und zwar an einer hydrodynamisch sehr ungünstigen Stelle, wie z.B. der Brustflosse. Der Hai möchte die Remora loswerden und windet sich deshalb. Solchen Haien bin ich gefolgt, habe die Remora gefilmt und wurde vom Hai nicht attackiert, wie das Cousteau schreibt und nach ihm tausende Autoren kopierten, sondern ich konnte filmen, wie der Hai aufhört zu zucken und sich zu winden, sobald sich die Remora etwas verschoben hat. Remora sieht man auch auf Fotografien in jenen Büchern, die Buckeln als Drohgebärde beschreiben... kein Zufall also...

      Das Gaping kann man provozieren, in dem man den Hai füttert. Fertig. So einfach ist das! - Es ist ebenfalls wie das Hunching KEINE Drohgebärde, wie es in tausenden Büchern steht, sondern es kommt praktisch nur nach dem Fressen vor, wenn der Hai seine Kiefersehnen wieder zurechtrückt (wie einige Menschen ihren Kopf knacksen lassen). Die Haie "gähnen" direkt nach dem Fressen für das sie die Kieferteile wie gewisse Schlangen voneinander trennen (darum gähnen sie beim Einrenken...).

      Ich davon Framegrabs, die ich bei einer Fütterung mit 100 Riffhaien gemacht habe. Diese könnte ich raussuchen...

      Framegrabs über Buckeln/Hunching hätte ich auch, nur reicht hoffentlich der Artikel - Link unten - zur Aufklärung.

      Flossen nach unten drücken leitet eine mögliche Flucht ein, nicht einen potentiellen Angriff.... das hat auch hydrodynamische Gründe: je weiter die Flossen unten sind, desto schneller kann der Hai entscheiden, in welche Richtung er abdreht. Dies wurde auch untersucht - die Haie, welche die Flossen nach unten drückten sind alle seitlich abgedreht.

      Nein, ich will Haie auch nicht verharmlosen, aber ich will, wie alle modernen Haiforscher, die ANGST vor den Haien nehmen. Man soll Respekt vor den Haien haben und nicht Angst. Die Angst der Menschen legitimiert u.a. Hainetze, in denen Millionen Haie sterben.... manchmal auch gezielte Hetzjagden...

      Katzen, Hunde, Kaninchen etc. etc. beissen Menschen ständig - auch wenn man seit Jahren mit ihnen zusammen lebt: einmal die Katze am Bauch kraulen/kitzeln, schon beisst sie zu... Haie schwimmen weg, wenn man sie bedrängt/kitzelt. Sie beissen bei extremer Bedrängnis nur, wenn sie keinen Ausweg haben (z.B. Höhle). Warum also Angst haben, wenn man sie nicht bedrängt? - Weil sie von sich aus beissen? - Natürlich gibt es das auch, aber da nützt auch kein Wegschwimmen :)

      Falls Du wieder in einer so heiklen Situation bist, rate ich Dir dringend, den Hai anzuschauen, damit Du wenigstens Deinen Körper ihm gegenüber kontrollieren kannst. Du hast keine Kontrolle, wenn Du ihn nicht siehst. Um den Tigerhai beispielsweise wegzudrücken, wie ich das geschrieben habe muss man natürlich sehen, dass er immer näher kommt und gleich auf einem hockt... das macht der Tigerhai ja nicht blitzartig - dafür ist er ein viel zu langsamer Schwimmer (gilt natürlich nicht z.B. für einen Mako...) : in einer Doku haben sie übrigens mal eine Schildkröte gezeigt, die von einem Tigerhai angegriffen worden ist... sie dreht sich um und schwimmt dem Tigerhai auf die Kiemen zu und beisst/frisst sich gemütlich in die Kiemen rein, während der Tigerhai keine Verteidigung unternimmt. Vielleicht ist er daran gestorben, jedenfalls ist er zu langsam um sich schnell umzudrehen und die Schildkröte zu vertreiben oder selber wegzuschwimmen. Das Wegdrücken seiner Schnauze muss also rechtzeitig erfolgen - er hat oft die Kiefer mehrere Sekunden vor dem Beissen schon etwas weiter geöffnet - dann hat der Tigerhai keine Lust mehr. Ansonsten lädt man ihn ja geradezu ein, mal zu schauen, was da so interessante elektrische Impulse von sich gibt, denn die UW-Gehäuse sind für einen Hai natürlich sehr interessant - vielleicht sogar penetrant...

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    • Ich möchte nun noch auf Namen und die Links verweisen, wobei ich die besten Links im Internet sharkinfo und sharkproject finde. Bei beiden sind renommierte Haiforscher im Vordergrund und/oder Hintergrund involviert - ihre Namen sind aber nicht immer / nicht einfach zu finden. Bei den renommierten Haiforschern gibt es ein "Netz" - so haben kommt man vom einen automatisch zum anderen.

      Andre Hartmann ist DER Mann wenn es um Weisse Haie geht. Immer wieder in guten Dokus zu sehen mit seinem dunkeloliven Neoprenanzug... Er geht ohne Käfig mit den Weissen Haien schwimmen. Ich bin übrigens auch ein Gegner des Käfigs, weil das Metall die Haie stark irritiert: es gibt im Meer kein reines Metall in dieser Grösse und die parallelen Stäbe machen daraus wie bei einem Farradayschen Käfig ein Gebilde mit sehr regelmässigen elektrischen / magnetischen Felder, welche dem Hai sicher von "interessant" über "nicht geheuer" bis "provozierend" vorkommen. Darum lehne ich persönlich Käfige in Verbindung mit Haien ab. Ein weiterer Grund ist ein psychologischer: die Menschen verbinden dann den Hai für ewig mit "Gefahr" - Hai und Käfig sollten aber keine Assoziation erzeugen, was sie so aber leider tun... Wenn der betreffende Weisse Hai nervös / erregt ist, sollte man einfach nicht ins Wasser gehen. Wer Angst hat sollte auch nicht rein und wenn der Hai ruhig ist und man Respekt aber keine Angst hat, dann ist ein Käfig unnötig. "Käfigtourismus" halte ich für das Hai-Image eher für schädlich.

      Samuel Gruber ist DER Mann betreffend Zitronenhaie, Hai-Hypnose, Lebendgeburten bei Haien.

      Erich Ritter ist DER Mann, wenn es um Hai-Angriffe geht. Wie, wann, warum etc. Haie angreifen - und dann fliegt er auch möglichst selber gleich hin...
      Von ihm darfst Du die besten Bücher über die Körpersprache der Haie erwarten.


      Vergiss Hans Hass und J. Cousteau... ich habe die Bücher auch gelesen - angefangen in den 80ern weil ich da auf dem Hans Hass Evolutionsbiologie-Trip war (vom Fisch zum Mensch) und ich finde heute auch noch Hans Hass einen genialen Evolutionsbiologen. Er und Cousteau haben viele Haie gesehen, viel wichtige Pionier-Arbeit geleistet aber gerade Cousteau hat viele Vermutungen zu Behauptungen gemacht und so gelangten viele Fehlinformationen über Haie während vieler Jahrzehnte in die Hai-Literatur. Er kann natürlich nichts dafür: er war der erste... und niemand hat ihm gesagt, dass er auch ohne Eisenstange an Riffhaie hätte rangehen können und durch Interaktion mehr über die Haie erfahren hätte, als durch Sezierungen, welche natürlich auch zum Gesamtbild gehören.

      Haibücher sollten nicht älter als 10 Jahre sein. Ab 15-20 Jahren kann man nur noch die hübschen Bilder brauchen.... Die Quellen / Autoren sollten ausserdem möglichst nahe am Puls der Wissenschaft sein.

      Neben guten Büchern gibt es auch gute Links:

      Fatality-Rate: flmnh.ufl.edu/fish/sharks/stat…worldwidefatalityrate.htm

      Laut diesem Link gab es in ganz Florida total 13 Tote durch Haiunfälle seit 1882 !! (Und das in der Heimat der Bullenhaie... und vieler Riffhaie, Hammerhaie, etc.)



      von den Tauchzeitschriften (tauchen, Unterwasser) kennst Du sicher:

      hai.ch/Stiftung/FAQs/index.html

      Danach gibt es pro Jahr 5-15 Haitote.... ein Zitat daraus: "Auf der anderen Seite werden vom ISAF auch harmloseste Kratzer als Haiattacken verbucht, obwohl dies eigentlich nur "Haiberührungen" wären."



      Ein "seriöser" Link betreffend Haiangriffe weltweit
      sharkinfo.ch/SI3_96d/angriffe.html


      Aufklärung über die vermutlich wirkliche Bedeutung von Buckeln (Hunching) etc.
      sharkproject.org/html/infoteil/drohverhalten.htm

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    • Original von uwknipser

      Bei Hai-Fütterungen und ähnlichen Veranstaltungen würde ich eher nicht mitmachen - das ist nicht das was ich will.


      Hai-Fütterungen sind sehr fragwürdig: einerseits helfen sie zwar den Wissenschaftlern Dominanzverhalten etc. zu untersuchen, aber es ist immer eine künstliche Situation, auch wenn man die Köder nur irgendwo platziert und sich im Hintergrund aufhält.

      Bei meinen direkten Kontakten waren nur ca. 10% Fütterungen. In 90% der Fälle habe ich mich selber den Haien bis auf Körperkontakt genähert. Das ist nicht schwer, wenn man weiss, wie man Haie entweder neugierig macht, oder wie man Haie "beruhigt", oder aber wie man sich Haien unbemerkt nähern kann:

      Haie haben einen "toten Winkel" bei dem keiner ihrere Sinne wahrnimmt, wenn man sich nähert. So kommt man genug nahe ran, dass man sie z.B. hypnotisieren könnte - sprich: tonisch immolisieren. Dabei kann man z.B. einen Sender anbringen während die Haie sich nicht bewegen und in einer nachweislich für sie angenehmen Starre bleiben. Gerade Riffhaie und Weisse Haie haben diese Hypnose gerne und kommen zurück zum Taucher, der sie ihnen zugefügt hat um nochmals eine erfahren zu können.

      Die Haihypnose (tonische Immobilisation) funktioniert bei ALLEN Haien. Ich nehme an, dass sie beim Walhai nicht funktioniert, weil er als Plankon-Fresser keine gut ausgebildeten Lorenzinischen Ampullen braucht, welche man zur Hypnose reizen kann und auch nicht auf den Rücken zu drehen ist, was bei kleinen Haien zur Hypnose führen kann.

      Ich nutze aber die direkten Haikontakte zum Filmen. Dabei muss man jede Sekunde die Körpersprache des Hais ablesen und dann kann man ihn oft für 30Sek. bis 1 Minute in Ruhe mit >1m Abstand begleiten und der Hai bleibt dabei ruhig. Wie bei vielen Tieren, so reicht auch beim Hai manchmal, dass man einfach nur in seiner Nähe ist über mehrere Minuten. Dann kann man sich in geeigneten Winkeln dem Hai nähern und er wird dies zulassen.

      Der letzte Absatz ist in dieser Form speziell für Riffhaie gültig. Jeder Hai hat seinen eigenen "Dialekt" in der Körpersprache - so nützt z.B. das meiste, was oben steht bei Weissen Haien zwar nichts, dafür wird es der Weisse Hai sein, welcher sich dem Taucher nähert und der Taucher kann in Ruhe abwarten. Wie der Hai dann so "drauf" ist, kann man gerade bei Weissen Haien relativ gut an seinem Schwimmstil etc. ablesen. Das wurde in den letzten Jahrzehnten sehr gut über hunderttausende Stunden untersucht.

      Die schönsten Erlebnisse finde ich, wenn man mit dem Hai direkt interagiert - z.B. wenn man erlebt, wie man vom Hai "beschnuppert" wird. Wie bei Pferden führt dabei die geringste hektische Bewegung zur Flucht - also bleibt man still und dreht sich mit dem kreisenden Hai um seine eigene Achse, während der Hai sichtbar immer wieder die Pupille nachrückt beim Kreisen. Da sieht man bei Riffhaien dann teils sehr schöne Augen, vergleichbar mit den Augen von Schlangen und teils mit farbigen Mustern.

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    • Original von Wenzi
      Das liest sich alles wirklich sehr interessant! Du scheinst zu den Tieren einen sehr guten "Draht" zu haben. :respekt:


      Dem Kompliment schließe ich mich gerne an! Da hast Du Dir aber viel Mühe gemacht. Ich werde jetzt in Ruhe Deine Links studieren, damit Deine Aufklärung auch Früchte trägt.

      Gruß
      Detlev
      VG Det

      Fuji-XT2/XE3/XE2+GX80+RX10II/RX100IV/HX90V/YI 4K+/GoPro3-Black+(HC1/HV10/SD707/)+ viel Glas
    • Danke Wenzi. Ich bin nur besorgt um das Image der Haie... und ich bin ironischerweise Haifan seit ich in den frühen 80ern "Der Weisse Hai I" gesehen habe.

      Darf ich eine kleine Anekdote zum Film bringen, die auch auf der DVD ist?

      Die Aufnahmen mit echten Haien im ersten W.H. sind von Ron & Valery Taylor gemacht worden. Sie haben schon in den 70ern vom Boot aus Weisse Haie per Hand gefüttert und haben zwar einen sehr unwissenschaftlichen Zugang zu Haien, dafür einen sehr intimen.

      Bei den Dreharbeiten zur Szene mit dem Käfig verfing sich ein W.H. im Drahseil des Käfigs und zappelte wild rum. Dies wird im Film verwendet um zu zeigen, wie der Hai den Käfig mit Gewalt zerstören will... ;)

      Ron & V. Taylor haben einen Weissen H. (war's der?) einmal von einem Drahtseil befreit. Viele solcher Aktionen sind bekannt und viele Leute glauben, der Hai sei dann erst recht aggressiv. Das ist aber interessanterweise bei Haien nicht der Fall. Bei Krokodilen oder Hunden würde ich nicht versuchen wollen, ein wildes Tier, das zappelt von einer misslichen Lage zu befreien. Bei Haien wird das immer wieder gemacht (Netze, Seile etc.) und die Haie - ob Tigerhai oder was auch immer - beissen dabei NIE um sich. Das Beissen wird zu Unrecht mit Haien in Verbindung gebracht, denn Haie beissen im Vergleich zu den meisten Raubtieren wirklich fast nur, wenn es um's Fressen geht.

      Wenn so ein Idiot, wie Manny Puig - der sogenannte "Sharkman" vor einem Millionenpublikum in seinen Fernsehdokus auf einem Hammerhai reitet oder einen Tigerhai aus dem Wasser stemmt, dann sieht man (mit Bedauern) dass die Haie sich zur Verteidigung lediglich freizuwinden versuchen um möglichst schnell davon zu schwimmen. Die Haie beissen nicht, wenn sie von M.P. immer wieder umklammert werden. Ein noch so kleiner Hund hätte wohl längst zugebissen... ein Nagetier auch...

      Dieser Mann spricht auch immer wieder von "Aggression" bei den Haien, wobei er selber wohl die penetrantere und aggressivere Spezies ist. Und dann trägt er noch Haizähne um den Hals.... dieser Mann ist ein Dorn im Auge des Tierschutzes und der Hai-Aufklärung.

      Steve Irwin, der "Krokodiljäger" hat auch immer wieder solche Spässchen gemacht. Und dann wurde er durch einen Stachelrochen getötet...

      Wie kommt der Stachel am Schwanz eines Stachelrochens in die Herzgegend eines Menschen? - Klar: Irwin hat immer wieder Tiere umklammert und einige Leute machen sich einen Spass daraus Rochen zu umklammern. In dieser Position ist der Stachel des Rochens direkt in der Herzgegend des Menschen...

      Darum sind bei den meisten Unfällen mit Stachelrochen auch die Beine betroffen: man steht aus Versehen auf das Tier und der Rochen peitscht einem den Schwanz mit dem Stachel um die Beine - das gibt tiefe und höllisch schmerzende Wunden. So kommt der Stachel niemals in die Nähe des Herzens / Brustkorbs, bei normalem Verhalten.

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    • Original von MovieDet


      Dem Kompliment schließe ich mich gerne an! Da hast Du Dir aber viel Mühe gemacht. Ich werde jetzt in Ruhe Deine Links studieren, damit Deine Aufklärung auch Früchte trägt.


      Danke Detlev!

      Wieviele Haitote es jetzt pro Jahr genau gibt ist ja auch eigentlich völlig egal. Wichtiger ist es, das Verhalten der Haie kennenzulernen. Es gibt sicher auch jährlich 50 Tote durch falsche Handhabung mit Korkenziehern, aber das sind nur Zahlen.

      Wir können uns ja bei den Haitoten auf 20 pro Jahr als Grössenordnung einigen. Damit sind wir über dem Maximum der offiziellen Listen, dafür haben wir noch die Dunkelziffer drin und eine runde Zahl, die man sich gut merken kann. Es sind im Gegensatz dazu immer noch Abermilliarden von geschätzten Badeereignissen im Meer pro Jahr.

      Konkrete Todesfälle braucht man auch nicht für Diskussionszwecke in einem Videoforum auseinander zu nehmen. Sie sind traurig genug und gerade weil Kinder deutlich weniger Blut als Erwachsene haben, sind sie oft unverschuldet Opfer von Todesfällen durch Verbluten. Auf der anderen Seite die vielen provozierten Fälle - oft von respektlosen Speerfischern.

      Es gibt so interessantes Wissen über die Haie, sodass die Haiunfälle und deren Studie IMHO gerade die langweiligste Sparte darstellen. Tote haben wir auch bei Bienen, aber Tiere, welche beim normalen täglichen Fressen die Zähne verlieren, damit neue Zähne sofort nachrücken können um immer scharfe Zähne zu haben.... DAS ist doch spektakulärer, als der Surfer mit den Verletzungen die an einen leichten und völlig unspektakulären Motorradunfall erinnern, wie er täglich x-fach alleine in Deutschland passiert.

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    • Es gibt so gewisse Mythen, die sich über Jahrzehnte hartnäckig halten. So z.B. auch über den bösen Wolf. Bestes Beispiel dafür ist die Geschichte von Peter Rossegger über seinen Urgroßvater, der vor einem Wolf auf die Tanne flüchten musste. Total unrealistisch, besonders weil es nur ein Wolf war und kein Rudel.
      Tatsache ist jedenfalls, dass von herabfallenden Kokosnüssen x-mal mehr Menschen getötet werden als von Haien.
      Des weiteren sind auch Kühe und Jungstiere auf der Alm nicht zu verachten, besonders wenn man einen Wolfsspitz mit auf Wanderung hat. Alles selbst erlebt und bisher viel mehr Troubles mit den braven Wiederkäuern gehabt als mit Haien.
    • Das deckt sich alles exakt mit dem, was ich mal vor einem Jahr (oder mehr) in BR2 gehört habe - ein Bericht über Haie und deren wahres Wesen und natürlich auch über Todeszahlen. Es war, glaube ich, ebenfalls so um die 20. Und der Vortragende erzählte auch davon, dass durch herabfallende Kokosnüsse erheblich mehr Todesfälle zu verzeichnen sind als durch Haie. Ist wirklich wahr!

      /Edit: Upppsss, war war jemand schneller... :Applaus:

      Zugegeben, wenn ich mal durch ein Seeaquarium gehe (es gibt da sehr schöne, z.B. in Melbourne), wo man den Haien extrem nahe sein kann (Plexiglasröhre), dann sehen diese Tierchen schon nicht gerade sehr friedlich aus - rein optisch. Man meint etwas "mörderisches" in ihrem Gesicht zu sehen. Das ist wohl ein Trugschluss. Obwohl mir dann diese eingefangenen Fische wieder sehr leid tun.
    • Original von domain

      Des weiteren sind auch Kühe und Jungstiere auf der Alm nicht zu verachten,


      Oh ja... Kühe! ... hmmmmm die haben schon diese bösen Hörner - das sagt alles! ;)

      Scherz beiseite - ich habe auch von verjagten Wanderern gelesen, aber zum Thema Kühe sage ich mal nichts, weil ich mich da weder auskenne, noch riskieren will, das meine geliebte tägliche Kuhmilch plötzlich so nach Bittermandeln schmeckt.

      Thema Kokosnüsse:
      In der Südsee ist mal 1m neben mir bei einem (offensichtlich unvorsichtigen) Pick-Nick eine Kokusnuss auf den Boden gefallen. Der Boden auf dem ich sass erzitterte dabei und das Geräusch macht einem auch klar: "das hätte Deine Schädeldecke nicht überlebt!" ... Gerade Kokospalmen sind extrem hoch und die Kokosnüsse beinhalten, da sie dann noch sehr frisch sind, (randvoll) ca. 0,5-0,75 Liter Wasser! (nicht zu verwechseln mit Kokosmilch) - Also fällt da total mindestens 1kg aus x Metern Höhe runter. Stichwort: Aua!

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    • Original von Wenzi
      aus - rein optisch. Man meint etwas "mörderisches" in ihrem Gesicht zu sehen. Das ist wohl ein Trugschluss.


      Richtig erkannt: das nennt man in der Wissenschaft "Anthropomorphismus". Es geht darum, dass der Mensch eigene Gefühle etc. auf Tiere überträgt, in dem er glaubt, in ihnen ähnliche Mimiken / Gestiken etc. zu erkennen, die er von sich selber kennt. Rückschluss auf sich selber also. Ich bin übrigens auch nicht immun dagegen: bei Haibegegnungen glaube ich immer die Neugier in ihrem Gesichtsausdruck ablesen zu können. Vermutlich werde ich getäuscht. Das Nachführen der Pupille auf mich, wenn mich der Hai umkreist ist für mich eindeutig - das ist aber alles andere als wissenschaftlich.

      Delphine sind darum immer "glücklich" und Haie immer "schlecht gelaunt"... So ein Blödsinn... Interessanterweise haben gerade Weisse Haie ein "Lächeln" wenn man sie von horizontal, leicht unten anschaut. Darum auch der Buchtitel "Das Lächeln der Haie" von E. Ritter..... Meistens schauen sie aber "böse" drein - folglich glauben viele Leute eben auch, dass er böse ist...

      Interessant finde ich auch, dass Delphine genauso ein Gebiss mit spitzen Zähnen haben wie Haie (einfach andere) - sie sind ja auch Raubtiere - ihr gesamtes Gebiss ist auch VOLL von diesen Fleischfresser-Zähnen, die Männchen beissen in Australien bei öffentlichen Fütterungen immer wieder Touristen (harmlose Wunden), sie töten und fressen manchmal ihre eigenen Jungen, sie gehen mit der Beute so grob um wie eine Katze mit halbtoten Mäusen und doch bleibt der Delphin immer der liebe (Jäger) und der Hai immer die Killermaschine.

      Wie der Orca, Liebling von Millionen von Menschen der die Robbe durch die Luft schleudert..... Und wenn der Weisse Hai die Robbe durch die Luft schleudert, ist er eine grausame Bestie. Weisse Haie sind übrigens sehr verspielt und können sehr lange mit Schiffsbojen spielen, ohne sie wirklich kaputt zu machen. Ich glaube auch, dass der Spieltrieb in Form von Neugier für viele Unfälle mit Surfern verantwortlich ist. E. Ritter glaubt schon lange nicht mehr daran, dass der Weisse Hai mit seinen guten Sinnen den Surfer mit einer Robbe verwechselt. Ich bin da eher unschlüssig, aber E.R. hat gute Argumente und der W.H. ist eben sehr neugierig und verspielt...

      Und dann steht in der Zeitung immer wieder: "Wie durch ein Wunder überlebte der Surfer" manchmal noch mit völlig blödsinnigen Erklärungen, wie "weil er auf den Hai einschlug" oder "weil er dem Hai die Finger in die Augen drückte". Der Hai ist das aber von den Robben gewohnt: wenn man auf Fotos von Weissen Haien KRATZER neben seinen Augen sieht, dann sind das deutliche Spuren der Krallen seiner Opfer, die sich wehren. Er lässt aber nicht ab und auch Surfer die auf das 6m Tier einschlagen (dazu noch mit Wasserwiderstand) lassen den Hai kalt. Er dreht ab, weil ihm das Spielzeug nicht gefällt / schmeckt. Das nennt sich "Gaumenprobe".

      puuuhhhh, ich schreib schon wieder ohne Ende...

      Sorry!

      Noch ein letzter Hinweis: eben habe ich eine sehr unseriöse Sendung über Haie gesehen (Extrem Wild - RTL2 - kommt morgens - nehme ich auf...). Man erkennt die Unwissenschaftlichkeit an ihren Zeichen.... einige Zeichen von Unwissenschaftlichkeit sind:

      - Verallgemeinerung ("Haie sehen so und so" - in Wirklichkeit kommt es auf die Spezies an...)

      - Anthropomorphismus: der Hai schwamm sehr aggressiv (wissenschaftlich beschreibt man mit anderen adjektiven - z.B. relativ schnell, im Zick-Zack etc.)

      - Dokus, die von emotionaler Musik unterlegt werden (bei Haien oft mit dramatischer bzw. spannender Musik - so werden Emotionen mit Wissenschaft vermischt - das darf nicht sein. Es gibt auch emotional neutralere Musik)

      In Büchern und Fernsehdokus wird viel Falsches gezeigt. Auch auf Sendern wie Discovery Channel. Gute Dokus erkennt man, wenn man sich etwas mit Wissenschaft beschäftigt. Man braucht nichts über Haie zu wissen um eine Doku oder ein Buch auswerten zu können: man "riecht" von Weiten, wie gut die Qualität der Informationen sind. Bei den Links die ich schon angegeben habe, sind auch teils widersprüchliche Informationen (z.B. betreffend Hunching) aber wenigstens ist das Allgemeinbild der Seiten sehr wissenschaftlich und renommierte Haiforscher haben damit zu tun. Wissenschaft kostet Zeit und Geld. Kopieren ist da einfacher... und so werden gerade die unseriösen Mythen seit Jahrzehnten "recycled", ob in Büchern oder im TV.

      Jeder ist Fachmann für irgendetwas, darum weiss jeder auch, dass es in seiner Branche viel Unbrauchbares gibt: der Automechaniker weiss, warum ein 50-Cent-Schraubenschlüssel nicht zu gebrauchen ist. Das darf man ruhig auf alles übertragen: billigen Mist gibt es überall. Qualität zu erkennen sollte aber einem erwachsenen Menschen in keinem Gebiet schwer fallen. Und wenn es um etwas komplizierteres geht, wie von mir aus Wein, dann haben wir Berater und können mit unserer Menschenkenntnis spüren, wie kompetent diese sind.

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    • :Applaus:
      Na das nenn ich doch mal einen wirklich interressanten OT-Thread.

      @cici :yes:
      Schliesse mich meinen Vorpostern an. Super geschrieben.



      DV- it's not just a job, it's an adventure!

      (Signatur seit 2004...und das bleibt auch so)

      INFO: Grüne Kommentare sind aus der Admin-Funktion geschrieben
      Der Rest ist meine Privatmeinung
    • Danke für das Kompliment.

      Dabei zittere ich immer, wenn ich beim Schreiben daran denke, wie die Leute ihre Augen verdrehen, weil ich SCHON WIEDER so lange Beiträge poste...

      Es fliesst aus den Fingern - so schnell, dass ich manchmal das Gefühl habe, die Gedanken, die ich schreibe kommen direkt von den Fingern...
    • Werden Haie oder andere Tiere im Meer gefüttert, ist das nicht mehr mein Ding. Bei Haien steigt die Gefahr für den Menschen dramatisch, es wird (meist) zum Zirkus.
      Obendrein wird das Verhalten der Tiere dann gegen Sie verwendet.

      Die Wade, besser die fehlende Wade von E.R. ist ein Beweis dafür, das der Mensch hier ganz fix aus versehen mal was abbekommt.
      Bullenhaie sind nicht zu unterschätzen......

      Nicht, das ich mich davon freisprechen könnte schon mal mit Tieren im Wasser interagiert zu haben, nur hat mir meine liebe Frau ein Versprechen abgerungen das zukünftig zu unterlassen sofern die Tiere:
      a. lange Zähne
      b. kurze Zähne aber kräftige Kiefer
      c. tödlches Gift
      besitzen.

      Meine wenigen Aufnahmen von Haien die erst schlafen, dann durch die Taucher gestört werden und abhauen, werden also nie bei RTL gegen die Tiere verwandt - das ist auch gut so.

      Lustig der Hinweis zum Walhai - da musste ich wirklich lachen.

      Ich war schon froh, das der Walhai erkannt hat, das ich kein Plankton bin -------- von wegen so ein Koloss an der Nase fassen.......

      Da kannst Du Dich auch vor einen Zug werfen ........
      Der Stoppt so schnell nicht ........ :teufel:

      Sehr gut gefallen hat mir der Film über Haie von R. Kiefner, da werden die Tiere korrekt dargestellt. Wobei auch hier sicher der eine oder andere den Film ansieht, weil er "Blut sehen will"

      Wer sehen will was Fütterungen für fatale Folgen haben können, hier nur mit einer kleinen Muräne, der klickt hier:
      erijazz.multiply.com/video/item/1

      Ist sehr lehrreich in Bezug auf Tiere, verschafft aber auch Einsicht in die Fähigkeiten von Ärzten --- einfach mal ansehen.
      Ist sogar mit Ton - für die ganz harten ......

      mfg
      Roland

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von uwknipser ()

    • Original von uwknipser
      1) Sehr gut gefallen hat mir der Film über Haie von R. Kiefner, da werden die Tiere korrekt dargestellt.

      2) Wer sehen will was Fütterungen für fatale Folgen haben können, hier nur mit einer kleinen Muräne, der klickt hier


      1) ja, das habe ich auch so in Erinnerung.... das ist auch einer der Namen, die man sich gerne merken darf...

      2) dieses Video kannte ich und liebe ich, weil es zeigt, wie GEDULDIG trotz allem die arme Muräne mit dem Mann ist, der sie einfach wieder und wieder mit Fressen lockt und dann das Fressen vor der Nase wieder wegzieht - ein paar Mal die Muräne wegschubst....

      Vor dem Tauchgang hat der Mann sicher den Touristen gesagt: "keine Angst, ich mache das seit Jahren, die Muräne kennt mich, sie würde mich nie beissten..." . Tja und jahrelang hat sich die Muräne gedacht: "Irgendwann beiss ich diesem Idioten den Finger ab, wenn er mich glaubt täglich so ärgern zu können...".

      In diesem Stil gibt es auch Haifütterungen. Davon ist natürlich abzuraten.
    • Das Video ist ja ja unglaublich, erinnert mich aber leider an an unsere eigenen Fischfütterungen. Hatte z.B. Reste von unserer Fischmahlzeit in der Brusttasche meiner Schwimmweste, die mir eine extrem dreiste Muräne direkt aus der Tasche rauben wollte. Erst ein heftiger Schlag mit meiner Eumig Nautica auf ihren Kopf trieb sie in die Flucht.
      Habe dann später nochmal ein unangenehmes Erlebnis mit einem Napoleon gehabt, der mir das gekochte Ei samt Hand mit seinem Staubsaugermaul einsaugen wollte und danach habe ich es für alle Zeiten aufgeben. Ist einfach zu gefährlich und stört außerdem das ökologische Gleichgewicht auf dem Riff wenn die Allesfresser andauernd von Tauchern gefüttert werden und die hochspezialisierten Fische nichts bekommen.



      Im Bild übrigens mein Tauchpartner, der bei der Fütterung etwas vorsichtiger war
    • Also bei Muränen wäre ich extrem vorsichtig, weil sie sich nicht alles gefallen lassen. Gerade im Roten Meer habe ich in den Tauchschulen viel (mehr oder weniger glaubwürdige) Geschichten gehört über Muränen, die penetrante Störenfriede erst angegriffen haben, als es diese aufgegeben hatten, zu versuchen die Muränen aus der Höhle zu holen. Solche Geschichten hatte ich mehrmals gehört (manchmal machen Leute auch aus einem Ereignis 10 Geschichten...).

      Die Muränen haben (laut Tauchlehrer) jeweils gewartet, bis die Touristen ihnen den Rücken zugekehrt hatten und kamen dann heraus um sie zu beissen. Man liest auch in den Fischatlanten des Roten Meeres, dass Muränen sehr hartnäckig sein können und beim Zubeissen manchmal auch nicht mehr loslassen und zusammen mit dem Touristen ins Spital wandern...

      Nach solchen Geschichten hatte ich dann selber mal ein beängstigendes Erlebnis, welches ich auf Video festgehalten habe:

      ich filmte die freischwimmende grosse Muräne, welche eine Höhle suchte... sie war zu gross für die meisten Höhlen, also schwamm sie halb rein, blieb stecken, wandt sich wieder raus, schwamm weiter, suchte nächste Höhle usw. - 18 Minuten lang habe ich sie so verfolgt und mich geärgert, dass ich sie immer nur von hinten filmen konnte. Mit Müh und Not habe ich dann die weitere Schwimmrichtung geschätzt und bin in vollem Tempo neben ihr geschwommen. Mit all den Kurven war das richtig ermüdend. Nach genügend Material wollte ich sie mal filmen, wie ich dort bin, wo sie hin will - um sie frontal zu filmen, wie sie auf mich zuschwimmt. Das irritierte sie stark und sie blieb erst ganz stehen und schwamm dann schnell direkt auf mich zu. Dies irritierte nun mich und ich machte einen Kreis mit ca. 2m Durchmesser im Rückwärtsgang.... doch die Muräne folgte mir egal wohin ich wollte und ich erinnerte mich plötzlich an all die Geschichten...

      Sie hätte mich beissen können, es wäre meine Schuld gewesen - ich rückte ihr ja schliesslich 18 Minuten lang auf die Pelle... aber sie schwamm dann ihren Weg weiter und ich schwamm weg... :)

      Darum glaube ich, dass Muränen so lange absolut harmlos sind, wie man sie in Ruhe lässt. Ich halte sie aber für deutlich gefährlicher als Haie im Falle der Interaktion. Sie atmen glücklicherweise sehr deutlich (Maul auf und zu), sodass man sehen kann, ob sie ruhig und regelmässig atmen oder etwas angespannt sind... Simples Beobachten vor ihren Höhlen wo sie den Kopf rausstrecken lassen sie über sehr lange Zeiträume zu. Alles andere würde ich auch unterlassen...

      Und bei Haifütterungen gibt es viele Varianten:
      die welche wohl am ehesten noch vertretbar sind (z.B. um Fressverhalten zu untersuchen oder um den Tauchern Haie zeigen zu können, die sonst nicht in ihre Nähe kommen würden... ist immerhin auch ein Stück Demystifikation) sind meiner Meinung nach

      1) grossen toten Fisch in eine Spalte (Fels, Riff) reindrücken oder mit Seil festmachen und mit genügend Abstand die Szene beobachten, wie die Haie kommen, kreisen und sich den Fisch holen. Dabei aber sicher nicht weitere Fischteile bei sich tragen, wie in sehr vielen Videos / Dokus zu sehen ist. Das kommt den Speerfischern gleich, welche die Fische auf sich tragen...

      2) Chumsicle: ein halber Kubikmeter gefrorene Fischerei-Reste und Meereswasser werden als Klotz ins Wasser gelassen und per Seil am Boden verankert. Die Szene, wenn 100 Haie verschiedenster Arten sich an dem Brocken zu schaffen machen wird aus mindestens 10m Abstand beobachtet.

      Der Mensch ist bei beiden Methoden nicht selber direkt der Fütterer... (der betreffende Hai könnte es aber kapieren, weil er als Raubtier ja nicht gerade dumm ist und immer Taucher sieht, wenn der Klotz da ist...) Jedenfalls ist die Sache nicht natürlich und sehr fragwürdig. Ich selber bin da gespaltener Meinung, denn ich finde immerhin gut daran, dass man Leuten wörtlich "Haie näher bringt", sie demystifiziert und sehr eindrücklich zeigen kann, dass Haie beim Fressen sehr ruhig an die Sache gehen. Eine Meute Hunde wäre da nicht so gemütlich...

      Man schaue sich dazu dieses Beispielvideo an: (DAS VIDEO IST NICHT VON MIR!) LINK

      Dies ist eine kommerzielle Fütterung auf den Bahamas nach schlechtem Vorbild (direkt vom Stock) auch wenn die Firma noch so bekannt ist (James Bond Filme etc.). Die Stimmung ist aber die Selbe wie bei dem von mir erwähnten und einige Male erlebten Chumsicle - bei meinen alten Framegrabs (Link vom 5.3.) entspricht das übrigens dem 4. Bild...

      Für 100 Haie, welche von nur einem Mann gefüttert werden, ist die Sache doch ziemlich geordnet, oder? - Fast schon langweilig über die gesamte Länge des Videos (vor Ort machen sich die Leute teils fast oder ganz in die Hosen...). Man bedenke, dass diese Haie nicht rückwärts schwimmen oder anhalten können... also ist immer etwas Bewegung drin - wie wenn 100 Menschen vom fahrenden Fahrrad aus ein Stück Torte holen wollten - , aber nicht so, wie in den Horrorfilmen, wo man das Filmmaterial etwas beschleunigt. Schnelles Zuschlagen gibt es bei Haien natürlich auch, aber hier wird dokumentiert, dass kein so grosser Konkurrenzkampf und Gerangel herrscht, wie man es annehmen könnte.

      Welche anderen Tiere sind so "höflich" bei einem einzigen Stück zu Fressen und 100 Konkurrenten? - Man sieht auch, dass sie sich gegenseitig nicht etwa beissen oder hinterherschwimmen. Es sieht mehr aus nach

      "oh!... Pech gehabt, da war einer wohl schneller..."

      Und was der Taucher dabei auch lernt: Riffhaie sind stets von vielen kleinen Fischen umgeben, die mit ihm durchaus oft auch im Konkurrenzkampf stehen, aber der Hai ignoriert sie, weil die meisten Haie (gerade Riffhaie) einen strengen Diätplan haben und der Hai denkt nicht daran sie zu fressen. Einige Taucher glauben ja, dass wenn ein Hai auftaucht sich alles schnell versteckt...

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von cici ()

    • cici, ich glaube du bist nobelpreisverdächtig.
      Ist ja sensationell, wie viel Wissen du zusammengetragen hast und wie motiviert du uns zu Haispezialisten ausbildest. So manches davon hätte ich gut brauchen können in meiner aktiven Zeit