Voller Helligkeitsumfang im MSP

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  • Tutorialentwurf - bitte ignorieren

    1. Einleitung

    Es gab den Wunsch nach einer praxisorientierten Einführung, wie man im MSP alternative DV-codecs einsetzen könne. Hier soll daher mal kurz erläutert werden, wie man alternative DV codecs im MSP zur Anwendung bringt, und das dazu erforderlichen Grundwissen über die Verwaltung von Videocodecs im System vermittelt werden.

    Das Ausgangsproblem ist ja klar: der MSP geift in den bisherigen Versionen immer auf den Microsoft-DV-codec zu, wodurch die vom Camcorder mit aufgezeichneten Anteile im Superweiß-Bereich beim Decodieren mit diesem Codec irreversibel aus dem Videomaterial entfernt werden. In anderen Worten: der Helligkeitsumfang wird hier immer von 0...255 auf 16..235 eingeschränkt. Da dies für den privaten Heimandwender eher unerwünscht ist - weil hier Bildinformation verloren geht - wird das Arbeiten mit alternativen DV-codecs grundsätzlich empfohlen.

    Für Sendeanstalten ist dies anders - diese wünschen einen Helligkeitsumfang von 16...235, arbeiten aber auch eher selten mit DV-avi. Die wenigsten Videoamateure dürften ihr Material senden, sodaß sich dieses Problem in der Praxis nicht stellen dürfte.

    Es sei aber auch darauf hingewiesen, daß dies letzten Endes nur dann Sinn macht, wenn man die gesamte Verarbeitungskette darauf auslegen kann. Daher muß auch der TV und der verwendete DVD-stanalone player dieses Material darstellen können - was mit geeigeneten Testbildern ausgelotet werden kann. Für solche Testzwecke stehen kurze mpeg-2 Datein hier im Forum zur Verfügung, die nachweislich 0..255 Helligkeitsumfang beinhalten. Einfach damit eine DVD brennen, und den standalone DVD player plus den TV damit austesten. Diese mpeg-2 Datei findet sich HIER - LINK (im 4. Beitrag von oben als Attachement).


    2. Installation des Codecs

    Es wird in Folge davon ausgegangen, daß sich entweder der Mainconcept-DV-codec, oder der Codec von Canopus im System installiert befindet. Ersterer ist als Demo-Version von der Mainconcept Homepage erhältlich - und dort kann man ihn auch kaufen. Zweiterer wird von Canopus in deren Produkten vertrieben, etwa in LetsEdit 2 oder auch Edius. Da man den codec normalerweise nur mit diesen Produkten bekommt, ist diese Variante teuer als die Lösung über Mainconcept.


    3. Verwalten der Codecs
    Besonders wenn man mehrere DV-codecs am System installiert hat, dann macht es Sinn, wenn man sich mit der Verwaltung der codecs beschäftigt. Man muß dazu wissen, daß codecs durch die sogenannten 4cc´s im System identifiziert werden. Es kann jeweils nur ein codec mit spezifischen 4cc´s im System installiert sein. Installiert man daher ohne besondere Vorkehrung einen anderen DV-codec im System, so überschreibt der neue DV codec einen bereits früher installierten. Der Microsoft-DV-codec stellt hier insoferne eine Ausnahme dar, als er weder überschrieben, noch vom System mit den hier gezeigten Mitteln entfernt werden kann.

    DV-codecs installieren sich typischerweise unter den 4ccs "DVSD" oder auch "CDVC".

    Das kleine Freeware Tool vcswap ermöglicht dies, und ist hier gratis erhältlich.

    Ist beispielsweise der Mainconcept DV codec installiert, dann wird der in der Liste der aktiven codecs geführt "dvsd Mainconcept DV codec" - und unter den inaktiven befinden sich andere codecs, die im System installiert sind (hier etwa noch der Matrox DV codec, der auch dvsd als 4ccs hat).

    Weil es mehr als einen DVSD codec im System gibt, wird dieser auch gleich mit rot markiert - um auf dieses Moment hinzuweisen.



    Bild 0

    Mit einem rechten Mausklick auf die entspechende Zeile kann man diesen codec auch in vcswap konfigurieren:


    Bild 1

    Im Fall des Mainconcept DV codecs sollte man sowohl im Encoder wie auch im Decoder Teil Hackerln bei "RGB 16..235" machen - das erhält später den vollen Helligkeitsumfang:


    Bild 2

    Man kann nun einfach mit der Maus den aktiven codec packen und nach unten ziehen - und etwa einen anderen codec aktivieren. Oder man macht auf die Zeile einen Doppelklick.


    Bild 3

    Ach ja, überprüfbar, welcher codec gerade aktiv ist, kann man auch in der Systemsteuerung/System/Hardware/Gerätemanager - und dort Videocodecs und Eigenschaften auswählen. Hier werden die gerade aktiven codecs aufgelistet - die von vcswap versteckten sieht man hier nicht. Hier sieht man etwa nur den Mainconcept-DV-codec, aber nicht den Matrox codec, der gerade inaktiviert war:


    Bild 4


    Bild 5


    Der Microsoft-DV-codec wird hier übrigens nicht angezeigt, und ist permanent im System aktiv. Das ist wichtig zu wissen, den das bedeutet, daß man in seinen Applikationen den alternativen MC-DV-codec extra anwählen muß - um nicht versehentlich den MS-DV-codec zu erwischen. Manche Programme bieten einem diese Wahl gar nicht - dann muß man tiefer in das System eingreifen. Im Falle vom MSP ist dies aber nicht nötig, wie wir sehen werden.


    4. Capturen

    Sie sollten nun den Mainconcept DV-codec am System installiert haben, zumindest in der Trial Version von der Mainconcept Homepage. Ab Version 2.1 beherrscht der codec den vollen Farbraumumfang 0...255. Zum Zeitpunkt dieses Tests liegt auf der Homepage die Version 2.4.16.

    Bei Gefallen kann man den codec dort auch kaufen:mainconcept.de/products.shtml

    Das Capturen wollen wir mal im ScenalyzerLive machen. Eine Testversion des ScenalzyerLives findet man hier..

    Beim Capturen wird ja bekanntlich nur die Videoaufzeichnung auf die Festplatte kopiert -wobei in die erstellte DV-avi Datei aber gleich der Header des im System aktiven DV-codecs geschrieben wird. Soll der Header gleich richtig geschrieben werden, dann muß der Mainconcept-DV-codec im System aktiv sein - und man stellt in den Optionen auf "Type 2 DV-avi Files (Premiere etc.)"


    Bild 6

    Bitte darauf zu achten, daß der ScLi bei diesen Einstellungen die DV-avi Datei in 2 GB Stücke zerlegen (muß). Bei den typischen Einzelszenen vieler Filme macht dies natürlich nicht viel aus, bei einem langen Filmstück ohne Szenenwechsel kann das schon lästig werden.

    Capturen Sie nun einige Szene - die wir für die weitere Verarbeitung verwenden wollen.

    Nach dem Capturen überprüfen wir, als was diese Datein in verschiedenen Tools erkannt werden.

    Im AVIHeader Viewer etwa wird die Datei als "DV Type 2" erkannt, im Videoformat Mainconcept DV Codec:


    Bild 7

    Auch im MSP 7 wird der clip als Mainconcept DV codec Open DML Datei erkannt, Typ2:


    Bild 8


    Allerdings muß man darauf hinweisen, daß die gleiche Datei etwa als Canopus DV Datei erkannt wird, wenn man den mainconcept DV codec deaktiviert - und den canopus dvsd codec aktiviert.

    Überprüft man mit einer NLE, welche den Helligkeitsumfang analysieren kann, das aufgezeichnete Video, so findet man im Superweiß-Bereich 235..255 Helligkeitsinformationen. Im Superschwarzbereich findet sich nichts - was ok ist, da die consumer Camcorder dort nichts aufzeichnen. Für diese Analyse wurde hier auf Vegas-5 zurückgegriffen, da der MSP auch in Version 7 noch keine Vectoscope oder Historgram enthält:


    Bild 9


    Wir können aber zusammen fassen, daß beim Capturen nach Typ2 der Header des codecs richtig geschrieben worden sein dürfte, da die Datein immerhin richtig erkannt werden - und der volle Helligkeitsumfang erhalten geblieben ist. Um letzteres ist es uns hier ja gegangen.


    5. Erzeugen einer Projektschablone im MSP-7

    Öffnet man den MSP7, so gelangt man zuächst in ein Menü, aus dem man die zu verwendende Projektschablone auswählen soll. Normalerweise würde man hier wohl DV (PAL...) verwenden, aber in unserem Fall wollen wir nun eine geeignete Projektschablone für den Mainconcept-DV-codec anlegen. Dazu gehen wir auf den Punkt "Erstellen", und füllen die 3 Reiter wie folgt aus:


    Bild 10


    Bild 11


    Bild 12


    Bild 13

    Anmerkung: es wurde darauf hingewiesen, daß man gerade im Audioteil der Schablone eigentlich auch sinnvollerweise PCM-Audio verwenden könnte. Das ist durchaus sinnvoll, da dies ein unkomprimiertes Audiosignal ist - und üblicherweise direkt in dem Material nach dem Capturen vorliegt. Hier wurde DV-Audio verwendet, da diese Schablonen möglichst an die im MSP 7 mitgelieferten Schablonen angelehnt sind, die ebenfalls DV-Audio verwenden.

    Falls man noch nicht auf die Version 7.2 des MSP upgedated hat, hier natürlich "Feld A" wählen.

    Alternativ könnte man hier auch gleich Typ-1 einstellen - um die Rückspielbarkeit auf DV-Band zu gewährleisten. Dies kann man aber auch erst bei der Ausgabe machen. Persönlich bevorzuge ich es, die Projekteinstellungen so einzustellen, wie das Quellmaterial aussieht.

    Speichern Sie die Schablone ab, damit diese Ihnen in Zukunft immer zur Verfügung steht.


    Bild 14


    6. Arbeiten im MSP 7 mit dem Mainconcept DV codec


    Öffnen Sie nun ein Projekt mit der soeben erstellten neuen Projekschablone:


    Bild 15


    Importieren Sie nun einige der vorher mit dem ScenalyzerLive überspielten Datei in das Storyboard - und erzeugen Sie einige Übergangseffekte. An den grünen Markierungen oberhalb der clips erkennen Sie, daß das Mainconcept-DV-Material nicht gerendert werden muß - da das Material mit den Projekteinstellungen übereinstimmt.


    Bild 16


    Bild 17

    Erzeugen Sie nun mit Datei/Erstellen/Videodatei eine DV-avi Datei, die sie aus der Timeline des Projekts ausgeben:


    Bild 18

    Gehen Sie sicher, daß unter Komprimierung der Mainconcept DV Codec Typ-2 sowie Audio als DV Audio PAL eingestellt sind


    Bild 19

    Man erkennt das auch unter den Speicheroptionen, die links unten dargestellt sind:


    Bild 20

    Geben Sie die Datei aus. Importiert man diese Testdatei zu Prüfzwecken in Vegas, so erkennt man, daß der volle Helligkeitsumfang des Orginalmaterials im Superweiß-Bereich erhalten geblieben ist (235..255).


    Bild 21

    Anmerkung: man kann diese Tests auch mit Testbildern wie "Hello World" durchführen, um auch direkt im MSP sehen zu können, daß der Luminanzbereich vollständig erhalten worden ist (da ja der MSP kein Vectoscope hat). Dieses Bild ist so gestaltet, daß man die Schrift nur lesen kann, wenn der codec die Bereiche Superschwarz und Superweiß korrekt darstellen kann - was ja beim Microsoft-DV-codec nicht der Fall ist.


    Bild 22

    Hier eine Datei, vermessen in Vegas, wo man den Helligkeitsumfang im Testbild "Hello World" klar erkennen kann. Die Datei wurde wie beschrieben aus dem MSP-7 ausgegeben, und in Vegas nur vermessen:


    Bild 23

    Will man eine Typ 1 Datei herstellen, etwa um die Rückspielbarkeit auf einen DV-camcorder mit Typ 1 zu ermöglichen, so stellt man einfach in der Ausgabe unter Kompression auf Typ 1 um:


    Bild 24


    7. Encoden zu mpeg-2


    Will man nun das Material zu mpeg-2 ausgeben, etwa, um eine DVD zu brennen, dann ist das Encoden mit dem MSP internen Mainconcept-mepg-Encoder sinnvoll. Grundsätzlich kann dieser Encoder den vollen Helligkeitsumfang erhalten - wissen wir etwa daher, daß der gleiche Encoder dies in Vegas ja auch kann. Dies ist nicht selbstverständlich - der mpeg-Encoder in Adobe Premiere Pro etwa schränkt den Helligkeitsumfang auf 16..235 ein.

    Also, kann der mpeg-Encoder den Helligkeitsumfang im MSP-7 erhalten?

    Dazu wird wieder eine Testdatei erstellt, die das Bild "Hello World" in der Timeline hat. Der Mainconcept-DV-codec muß dazu natürlich aktiv sein. Mit Datei/Erstellen/Videodatei erfolgt die Ausgabe, wobei hier einfach die vorhandene Schablone "PAL DVD" verwendet worden ist. Die Projekteinstellungen können hierbei übrigens Wahlweise auf DV-avi Typ 1 oder 2 eingestellt sein - das macht keinen Unterschied.


    Bild 25

    Legt man die so erhaltene mepg-Datei in die Timeline, erkennt man, daß die Schrift lesbar ist:


    Bild 26

    Über diesen Punkt wäre ich fast drüber gefallen - den sicherheitshalber soll man so ein Bild immer mit mehreren Instrumenten vermessen. Daher habe ich die mpeg-2 aus dem MSP auch noch in Vegas-5 importiert, und mal dort einen Blick auf den Helligkeitsumfang geworfen. Und da sah das Ergebnis leider nicht toll aus:


    Bild 27

    Hier sieht man nämlich, daß die mepg-2 Datei einen gestauchten Helligkeitsumfang aufweist - das Testbild "Hello World" wurde einfach von 0...255 mal auf 16...235 gestaucht. Das ist natürlich nicht wirklich sinnvoll, genau genommen absurd. Man wird nicht mit einem zusätzlichen DV-codec arbeiten, um dann erst die mpeg-2 Datei im Helligkeitsumfang einzuschränken!

    Damit ist leider belegt, daß der mpeg-Mainconcept-Encoder im MSP7 nicht in der Lage ist, den vollen Helligkeitsumfang zu erhalten. Wer also den hier dargelegten Richtlinien beim Arbeiten folgen will, der wird die DV-avi Datei extra auf die Festplatte ausgeben müssen - und einen anderen mpeg-Encoder verwenden müssen. Alternativ kann man halt auch noch mit Frameservern arbeiten, will man die zusätzliche Rendergeneration vermeiden.

    Schlußfolgerung: ich habe Ihnen hier gezeigt, wie sich der volle Helligkeitsumfang Ihres Filmmaterials bei der Bearbeitung im MSP erhalten läßt, wie man alternative DV-codecs verwaltet, und daß man die Ausgabe dieses Materials aus dem MSP nur zu DV-avi machen kann. Den die mpeg-2 Datein lassen sich nicht im vollen Helligkeitsumfang erstellen, leider.

    Auf die Frage, welche Encoder da geeignet sein könnten, komme ich nach weiteren Tests in den Diskussionen zurück.

    Viel Spaß dabei!


    Nachtrag: eine Datei "Hello World" befindet sich in einer vom MSP lesbaren Form hier im Attachement - für die eigenen Testzwecke.

    Wer sich vertiefen will, der schaue sich folgende Artikel an:

    Der Canopus Unterschied

    Umrechnungsfehler bei DV codecs

    Der Matrox DV codec

    Superweiß und Superschwarz im AP Pro

    Helligkeitsverluste beim MSP

    Streifenbildung im MC-DV-codec 2.4.4.

    Falsche Halbbildfolge mit dem Matrox DV codec in Vegas

    Streifenbildung im Mainconcept DV codec

    In diesem Thread hier sieht man Vergleichsbilder, die mal bei Blumenaufnahmen zeigen, wie massiv der Unterschied mit und ohne Verwendung des Superweiß-Bereiches rüberkommen kann:
    Thread mit Beispielbildern
    Lieben Gruß,
    Wolfgang

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  • Der Thread hier wird geschlossen - bitte Anmerkungen dazu HIER posten.

    Eine weitere Diskussion dazu läuft HIER.
    Dateien
    • 601_for MSP.zip

      (50,52 kB, 80 mal heruntergeladen, zuletzt: )
    Lieben Gruß,
    Wolfgang

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  • So, hier mal auf Wunsch nochmals ein einzelnes mpeg-Frame - vom Testbild "Hello world".

    Zweck davon: man kann diese kleinen Datei auf DVD brennen - achtung, ohne neu zu encoden! - und damit einen TV oder ein anderes Sichtgerät austesten, ob man den Buchstabenzug "Hello World" lesen kann. Kann man diesen Schriftzug lesen, dann kann das getestete Sichtgerät Superweiss und/oder Superschwarz darstellen.

    Aber bitte nicht neu encoden - dabei kann genau diese Bildinformation verloren gehen. Die Datei ist mit Vegas erstellt und ausgetestet - und hat definitiv im Superweiss- und Superschwarz-Bereich Bildinformation.

    Ach ja, bitte sich von der geringen Größe der Datei nicht täuschen lassen - der Testfilm ist immerhin knappe 5 Sekunden lang.
    Dateien
    • 601 mpg.zip

      (117,03 kB, 134 mal heruntergeladen, zuletzt: )
    Lieben Gruß,
    Wolfgang

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  • Link zu den Blumenbildern - weil der Originallink oben nicht mehr geht:

    Diskussion zum Tutorial: Voller Helligkeitsumfang im MSP
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    Wolfgang

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