Warum fühle ich mich hier diskriminiert?

  • Ich bin Pixelpeeper. :thumbsup: Das ist ein schweres Los :wallbash:




    Ich bin Ingenieur und hatte beruflich nie etwas mit Film oder Video zu tun. Wenn, dann wäre ich Kameramann geworden. Weil mich die Technik in Form des Zusammenspiels von Elektronik, Optik, Licht und Physiologie interessiert. Ich wäre kein Drehbuchschreiber, Regisseur oder Producer geworden.



    Aber hier: ständig wird mir subtil oder direkt nahegebracht, dass nur der Filminhalt zählt, dass das Problem hinter der Kamera steht und nicht die Cam selber ist, dass ein guter Film schlechte Technik kompensiert aber niemals umgekehrt. Deshalb zählt gute Technik gar nicht sondern nur die gute Story.



    Lauter solche Platitüden, Vereinfachungen und Allgemeinplätze muss ich mir ständig anhören. Ok, ich muss es ja nicht lesen. :wallbash:



    Aber ich lese es ja trotzdem, weil ich hier ja auch immer wieder - oft sogar gehaltvolle - Diskussionen auch zu technischen Fragen und Equipment finde.


    Wenn die Missionare hier weiterhin aus mir einen perfekten Filmemacher machen wollen, so gut wie sie selber sind, dann wird das nichts. Der bin ich nicht!



    Schon alleine deshalb, weil es für mich hier ums Hobby geht, nicht um das todernste Leben.



    So, jetzt habe ich das mal gesagt. Jetzt geht es mir besser! :beer:


    Gruß und weiterhin immer gute Filme (inhaltlich und technisch)!


    Jürgen

  • Du bist doch hier mit anderen eine klare Mehrheit. Es werden nur sehr wenig Videos gezeigt, die allermeisten Debatten drehen sich um technische Fragen und als Gipfel kommt noch, etwas polemisch gesagt, die Feststellung: Meine Kamera ist aber, wg 4K, Dynamikumfang, oder Testergebnis in XY-Heft usw. die beste.


    Und selbst in meinem Beitrag "Emotionen mit Objektiven erzeugen" geht es um den Zusammenhang von technischen Parametern, hier Bildwinkel" und Gefühl.


    Ist doch für einen Pixelpeeper alles bestens.


    Beste Grüße, Uli

  • Die Geschichtenerzähler, die Naturfilmer und die Technikenthusiasten wirst du nie unter einen Hut bringen. Maximal eine kleine Schnittmenge wirst du finden.


    Dazu sind die Generationen und ihre Erwartungshaltungen zu unterschiedlich. Die einen ordne ich mal von Super8, Video, Hi8/SuperVHS kommend ein mit ehr handwerklichem/filmischem Hintergrund. Die anderen sind ehr die Actioncamfilmer und HD Pixelzähler, die lieber das Bild pixelscharf haben als sich um die Bildaufteilung oder theoretische Bildfolgen Totale/Halbtotale/Detail zu kümmern oder andersherum. Hauptsache die Familie/der Urlaub ist abgelichtet.


    Jedem nach seinem Anspruch und Können.

  • :yes::yes:

    Lieben Gruß,
    Wolfgang


    Grüne Kommentare sind aus der Admin-Funktion geschrieben
    Der Rest ist meine Privatmeinung

  • Ich finde beides interessant - die Technik und auch die erzählerische, gestalterische Seite beim Filme machen.


    Dabei komme ich eigentlich rein eher von der technischen Seite (Kameraassistenz), bin dann über das handwerkliche wie Bildkadrierung usw. immer mehr in das Thema des Geschichten erzählen reingekommen. Wobei "Geschichten erzählen" eher der falsche Ausdruck ist, es ist eher die Möglichkeit den Zuschauer zu beeinflussen, bei ihm Emotionen auszulösen.


    Oder anders ausgedrückt, ich habe mich mit der Zeit immer mehr dafür interessiert wie man mit Filmbildern beim Zuschauer Emotionen wecken kann. Da gehört das gute Bild mit dazu, aber andere Aspekte sind genauso beteiligt, technisch-handwerkliche wie das Licht setzen oder die Wirkung verschiedener Brennweiten genauso wie erzählerische Dinge.


    Wobei mein Herz ehrlicherweise immer noch ziemlich an der Kamerarbeit hängt.... ;)


    Betreffend Bildqualität - ein Film der in SD nicht funktioniert wird nicht super gut funktionieren nur weil die Bilder auf einmal in 4K und "brilliant" sind. Anders rum wird ein Film der in SD schon gut funktioniert mit brillianten Bildern in 4K noch besser funktionieren. Das ist das was ich meine mit "Bildqualität ist nicht das A und O" - wenn die Bilder ansich langweilig sind bringt es auch nichts wenn sie in 4K und Top Qualität gedreht sind....


    Oft bekomme ich zu hören bzw. lese das man als normaler Filmautor ja gar nicht auf alle Parameter einen Einfluss hat, man nicht so agieren kann wie bei einem Spielfilm, man keinen Einfluss auf Licht, auf die Umgebung, auf den Handlungsablauf hat. Das stimmt schon, auch Fernsehprofis haben oftmals bei Reportagen oder Berichten keinen Einfluss (außer es wird scripted Reality gemacht) auf viele dieser Punkte, genausowenig wie der Urlaubsfilmer.


    Aber trotzdem schadet es nicht ein gewisses "Wissen" zur Filmgestaltung im Hinterkopf zu haben, zu wissen wie man den Zuschauer zumindest bis zu einem gewissen Grad lenken kann - oder eher könnte wenn es denn ginge ;).


    Das geht zumindest mir so, bei anderen mag das völlig anders sein...

    Als Moderator verfasste Beiträge durch grüne Schrift erkennbar

  • Du sprichst mir mit deinem Beitrag wirklich aus dem Herzen Jürgen!

    Aber hier: ständig wird mir subtil oder direkt nahegebracht, dass nur der Filminhalt zählt, dass das Problem hinter der Kamera steht und nicht die Cam selber ist, dass ein guter Film schlechte Technik kompensiert aber niemals umgekehrt. Deshalb zählt gute Technik gar nicht sondern nur die gute Story.

    Ähnliches habe ich ja auch schon häufiger gelesen - ob nun als Teil der Kritik an Videos von mir oder anderen.


    Gerade in der aktuellen Diskussion um diesen anscheinend sich selbst zerlegenden Filmerverband kam ja mal wieder dieses (für mich) Nonsensargument, mit dem der größte Dilettantismus entschuldigt werden sollte. Ich weiß Jürgen, da wir uns schon länger aus dem Heimkinoforum kennen (letztlich habe ich dich ja als wertvolles neues Mitglied hierhin gelockt), dass uns daran liegt, filmische Inhalte optimal zu präsentieren. Hauptsächlich geht es da um Spielfilme. Da schaut man sich auch nur die an, die einen interessieren. Das möchten wir aber unter möglichst optimalen Bedingungen machen. Bei eigenen oder fremden Videos ist das nicht anders.


    Natürlich muss einem in erster Linie der Inhalt interessieren (was andere vereinfacht als gute Story bezeichnen). Das möchte ich aber auch unter guten Bedingungen sehen. Was ich da über die BDFA-Wettbewerbe gelesen habe, da dreht sich mir als Heimkinoenthusiast der Magen um. Das wäre so als müsste ich mir bei YT zur Strafe etwas in 360p ansehen und das auf einem großen TV. Im Regelfall bin ich dort in Sekundenschnelle wieder weg - genau wie bei den unseligen Hochkantvideos.


    Ich muss allerdings zugeben, dass ich bei letzterem mal eine Ausnahme gemacht und sogar an ein Video von mir angehängt habe, weil das echt eine große Überraschung und auch nur sehr kurz war. Ansonsten sage ich immer wie seinerzeit im HK-Forum: Augenkrebs - nein danke!

  • Wenn man das in einzelne Argumentationsstränge aufdröselt:


    Aber hier: ständig wird mir subtil oder direkt nahegebracht, dass nur der Filminhalt zählt,

    Es wird nicht subtil sondern sehr direkt argumentiert. Der Filminhalt spielt die zentrale Rolle (nicht: es ist das Einzige das zählt! Fundamentaler Unterschied zwischen "das Einzige" und "zentrale Rolle"). Auch meine Position, können wir drüber diskutieren.


    Deshalb zählt gute Technik gar nicht sondern nur die gute Story.

    Hier liegt, meine ich, der zentrale Trugschluss: "Deshalb zählt gute Technik gar nicht ..." (Unterstreichung und fett von mir)


    Gute Technik zählt "gar nicht" ??


    Das wird, zumindest von mir, so überhaupt nicht gesagt. Ich argumentiere, dass die Technik die Geschichte maximal unterstützen muss, im Dienste der Geschichte stehen muss, sich der Story unterordnen muss. Gut, das mag einem technisch orientierten Filmer quer im Hals liegen, können wir aber an Filmbeispielen diskutieren.


    Grundsätzlich: Wenn zur Erzeugung eines bestimmten Inhalts Greenscreen, 8K, CGI oder sonstwas technisch raffiniertes nötig ist, dann her mit der neuen Technik. Da spielt sie eine zentrale Rolle - zur Umsetzung einer Story.


    Beispiele:


    Nehmt "Bary Lyndon" (1975) von Stanley Kubrick. Ohne die höchst lichtempfindliche f0,7-Zeiss-Optik hätte Kubrick seine subtilen Bilder nicht erzeugen können. Aber am eigentlichen Inhalt, änderte sie nichts.


    Oder "Avatar" (2009) von James Cameron. Dort spielte neueste Computertechnik eine herausragende Rolle. Ohne sie wäre der Film weder inhaltlich und ästhetisch so machbar gewesen. Sie hat hier die Geschichte maximal unterstützt, aber nicht ersetzt.


    Beste Grüße, Uli

  • Da es in diesem Forum für ganz lange Zeit fast ausschließlich um Technik (Pixelpeeping) ging, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, wie sich hier ein Technikbegeisterter (um nicht zu sagen Pixelpeeper) diskriminiert fühlen kann.
    Er hat doch ungezählte Möglichkeiten sich hier auszutoben.


    Ich selber gehe davon aus, dass beides, also die Technik und der Inhalt, ein bestimmtes Niveau haben sollte, um ein Video öffentlich zu zeigen.
    Wenn jemand das nicht erreicht, auch kein Problem, man kann dann ja darüber diskutieren und über Verbesserungsmöglichkeiten nachdenken.
    Genau dazu ist so ein Forum ja da.

    Gruß


    Hans-Jürgen

  • Ich finde es kommt immer darauf an.

    In Punkto Reisfilm finde ich so manchen technisch gut gemachten Film mit eng getackteten visuellen Highlights eines Landes ohne Story (meist auf Youtube zu sehen) spannender als die meisten nach alter Tradition handwerklich einwandfrei gemachten Reportagen mit Story und Kommentar, meist auf dem Sender Phönix zu betrachten. Wenn es da nicht etwas außergewöhnlich Spannendes zu berichten gibt, werden solche Reportagen schnell ermüdend. Wir haben schon zu viel auch sehr Gutes gesehen, so dass uns kaum noch was wirklich vom Hocker reißt. Und was mich vom Hocker reißt sind dann Natur Filme von BBC oder National Geographic aus Regionen, wo unsereins schwer hinkommt, geschweige die erforderliche Aufenthaltszeit vor Ort für solche Projekte hat.


    Um gute Kurz-Spielfilme zu drehen brauchts ein Fundus talentierter Darsteller und viel Zeit. Aber kaum jemand aus dem Forum dürfte auf einer Filmhochschule sein, um auf die erforderlichen -Ressourcen. die für einen Spielfilm erforderlich sind, zurückgreifen zu können.

    Die Kurzfilme auf BDFA-Wettbewerben hatten mich nicht wirklich berührt, technisch gut gemachte Werbe-Videos z.B. von DJI schon deutlich mehr.

    :computer::wallbash::thumbsup::stolz:

  • Hallo Jürgen,


    ich kann deine Klage, dich als Pixelpeeper hier im Forum nicht richtig wohl zu fühlen, nicht nachvollziehen.


    Nun gehöre ich selbst bestimmt nicht zu den Pixelpeepern, aber als Macher von Videos für mich und zunächst noch Fremde, die ich bei verschiedenen Sportarten und Reisen kennenlerne und für die ich/wir Videos von unseren Aktivitäten produzieren bis hin zum Erlernen der Sportart unter Videounterstützung finde ich im Forum wertvolle technische Hinweise und anregende Diskussionen unter Fachleuten. Dass hier auch "Geschwätz" bis hin zu grauer Theorie zu finden ist, sehe ich nicht als Grund, mich hier nicht wohl zu fühlen.

    Als Beispiel möchte ich dazu einige der ersten Kommentare im Forum nennen, in denen nach Sonys Vorstellung der a6400, nach meiner Auffassung, stellenweise unqualifizierten Blödsinn (z.B. fehlender IBIS als Totschlagargument) geschrieben wurde. Nun hatte mich genau dieses Verhalten dazu motiviert, die Sony a6400 persönlich unter die Lupe zu nehmen.

    Ergebnis: Nach gründlicher Erprobung einer Testkamera beim Händler unseres Vertrauens haben wir in unserer Sportgruppe 2 Exemplare angeschafft und sind mit den Arbeitsergebnissen sehr zufrieden. Wir trauern nicht um den fehlenden Stabilisator im Gehäuse, weil dieses Feature für unsere Arbeit nicht besonders wichtig ist.

    Auch der OsmoPocket wäre mir als intensiver Anwender der Hero 7 Black nicht besonders aufgefallen, wenn Udo nicht eine intensive und motivierende Diskussion in Gang gebracht hätte. Gerade die zahlreichen "Pixelpeeper-Kommentare" haben mich neugierig gemacht, das kleine Gerät auszuprobieren und es fortan gern in für mich geeigneter Weise zu nutzen.


    Diese Forum empfinde ich als angenehm und bereichernd für jeden, der sich fürs Videofilmen interessiert, egal mit welchem Schwerpunkt.


    Viel Grüße


    Hansi

  • Hallo Jürgen,


    ich kann deine Klage, dich als Pixelpeeper hier im Forum nicht richtig wohl zu fühlen, nicht nachvollziehen.


    Ich fühle mich hier nicht wirklich unwohl und ich kann auch als Pixelpeeper hier sehr viel Interessantes finden!:thumbsup:


    Auch der Meinung, dass ein gutes Video stark von seiner Aussage in einer interessanten Story geprägt wird, stimme ich zu.


    Mitte des Jahres waren - für mich gefühlt - sehr viele Posts zu lesen, die alle in ständiger Wiederholung daruf hingewiesen haben, wie viel wichtiger die Story als alles andere ist. Das ist ja z.T. bestimmt auch richtig, aber mich fing das an, etwas zu nerven.


    Ich habe mich aber sehr gefreut, dass hier für einen Pixelpeeper echt Tröstliches gepostet wurde. Danke! :beer:


    Gruß Jürgen


    ps: ich mache auch Videos mit Inhalt. Ich versuche es zumindest...

  • Es geht vielleicht um das zusammenwirken von Technik und Inhalt

    Bis 2010 habe ich in SD gefilmt- eher schlechtes SD. Da fehlten mir u.a. Technische Informationen.

    Seit 2010 beschäftige ich mich intensiver mit Video.

    Das hat meiner Technik gut getan

    Aber auch inhaltlich sehr ich durchaus ein Entwicklung bei mir