Glidecam/Schwebestativ: wer hat es drauf und kann Tipps geben?

  • Ich habe mir ein Schwebestativ gekauft. Ich wusste, dass es nicht einfach einzustellen und zu bedienen ist und habe auch diverse Videos geschaut, wie es richtig geht, aber das es so schwer sein würde, habe ich nicht gedacht!

    Schon das Ausbalancieren ist ja heftigst kompliziert und ich würde sagen, ich habe es noch kein einziges Mal wirklich 100% richtig hinbekommen.

    Und die Handhabung ist auch heftig. Das eiert und schaukelt meistens ganz nett durch die Gegend. Grundsetzlich kann ich den Effekt schon erkennen,

    aber wer hat es drauf und kann mal berichten, wie man so ein Biest gezähmt bekommt?

  • Ich finde das ist das beste Video dazu wie mans lernt. Er zeigt das Einstellen und die Grundlagen. Dann muss man einfach üben, jeden Tag. Das üben ist das wichtigste.

    Ich habe auch so ein Ding aber zu wenig geübt um es gescheit zu können.

    Aber sicherlich gibt es hier Leute die es beherrschen. Und evtl. mehr Tips geben können.


    https://www.youtube.com/watch?v=93WBrA7ys-g&t

  • Aber sicherlich gibt es hier Leute die es beherrschen.

    Vermutlich werden die meisten, die an "Schwebeaufnahmen" interessiert sind, heute eher einen Gimbal benutzen.


    Was mich bei den meisten dieser mechanischen, handgehaltenen Schwebestativen stört, ist die Lage des Schwerpunkt in Relation zur tragenden Hand. Da der Schwerpunkt nicht über der Hand ist, sondern davor, kommt zu dem Gewicht an sich noch ein Drehmoment dazu, was das Handgelenk zusätzlich belastet.

    Greetings,
    ro_max


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  • Vermutlich werden die meisten, die an "Schwebeaufnahmen" interessiert sind, heute eher einen Gimbal benutzen.

    Sehe ich auch so, für Urlaubsfilmer ist zB die Osmo Pocket mit integrierten Gimbal schon ideal. Schwebeaufnahmen mit Schwebestativ ist was für Profis die damit tagtäglich arbeiten. Ich kriege schon einen Krampf beim hinschauen.

  • Da der Schwerpunkt nicht über der Hand ist, sondern davor,

    Wär das nicht eigentlich viel gescheiter, wenn der Schwerpunkt (Kamera und Schwebestativ) dann unterhalb der Hand läge ??

    kurt

    WIN-10/64 PRO, Mercalli, NeatVideo, NB ChromaKeyPro, Audacity, Adobe PS, Movavi VideoConverter

  • Wär das nicht eigentlich viel gescheiter, wenn der Schwerpunkt (Kamera und Schwebestativ) dann unterhalb der Hand läge ??

    Im Idealfall ist der untere Teil des Pendels aus Stativ und Kamera geringfügig schwerer als der obere; das versucht man ja durch Ausbalancieren zu erreichen.


    Aber das ist nicht mein Punkt: mir geht es um das Kippmoment durch den Griff. Z.B. bei dem linken Stativ wirkt die Kraft direkt senkrecht auf die tragende Faust, die den Griff umschließt; beim rechten liegt das Gewicht nicht direkt über der Hand, sondern davor, so dass eine zusätzliche Hebelwirkung entsteht. (Bei Profischebestativen nimmt normalerweise ein elastischer Arm diese Hebelkräfte auf.)

    CMR_Stabilizer.jpgStabilizer.jpg

    Greetings,
    ro_max


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  • Im Idealfall ist der untere Teil des Pendels aus Stativ und Kamera geringfügig schwerer als der obere;

    Das ist es, was mich nachdenklich machte.

    Ich hätte erwartet, dass der untere Teil "signifikant" schwerer sein sollte:

    Wenn der Schwerpunkt:

    Oberhalb der Hand liegt ==> labile Situation.

    Unterhalb der Hand liegt ==> stabile Situation.

    "In" der Hand liegt ==> indifferente Situation.

    Offensichtlich kommt es bei diesen Geräten eher darauf an, eine indifferente Situation zu erreichen.


    // Ich habe noch nie so ein Gerät getestet, daher meine Fragen.

    // Das mit dem "vor der Hand" ist mir klar.

    Gruß kurt

    WIN-10/64 PRO, Mercalli, NeatVideo, NB ChromaKeyPro, Audacity, Adobe PS, Movavi VideoConverter

  • Unterhalb der Hand liegt ==> stabile Situation.

    Das ist nur solange "stabil", wie man sich nicht z.B. vorwärts bewegt/geht. Dann gerät das Pendel in Schwingungen und mit der "Stabilisierung" ist Essig. Ich habe mir mal vor Jahren das linke Stativ zugelegt, bin damit aber auch nicht so recht glücklich bzw. warm geworden. Das Balancieren war ein Krampf.


    Die Gimbals sind ja nicht umsonst so populär geworden (nur gab es die seinerzeit nicht in guter Qualität und zu vertretbaren Preisen).

    Greetings,
    ro_max


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  • Dann gerät das Pendel in Schwingungen und mit der "Stabilisierung" ist Essig.

    Alles klar!

    Danke für Deine Info - kurt

    WIN-10/64 PRO, Mercalli, NeatVideo, NB ChromaKeyPro, Audacity, Adobe PS, Movavi VideoConverter

  • Dann gerät das Pendel in Schwingungen und mit der "Stabilisierung" ist Essig.

    Deshalb fängt man diese ja mit den Fingerspitzen der anderen ab, damit es nicht unkontrolliert herum eiert.

  • Beitrag von FilmZeichner ()

    Dieser Beitrag wurde von ro_max aus folgendem Grund gelöscht: Doppelter Post. ().
  • Hi,


    ich durfte ja den Umgang mit Steadicam richtig lernen und dabei natürlich auch das richtige Einstellen.


    Aaalso:


    Der Schwerpunkt des Ganzen soll knapp unterhalb des Gimbals, also knapp unterhalb des Kardangelenks sein.


    Wenn der Schwerpunkt tiefer liegt, fängt das Ding an zu pendeln.


    Der Richtwert für die Einstellung ist die sog. Drop-Time.

    Das ist die Zeit, die das Ding aus horizontaler Lage bis in die Vertikale braucht.

    Also ... Du nimmst das Ding, ziehst es am unteren Gewicht bis die Stange (der sog. Post) horizontal ist wartest einen kurzen Moment und lässt es dann los. Dann sollte es so sein, dass die Stange nach 2-3 Sekunden das erste Mal vertikal ist.


    Ist es schneller, dann ist der Schwerpunkt zu tief, ist es langsamer dann ist der Schwerpunkt zu hoch.


    Dies ist aber nur eine der Einstellungen, auf die man achten muss.


    Die zweite Einstellung ist seitlich. Schließlich muss die Kamera ja auch seitlich gerade stehen.


    Dann kommt die abschließende Probe:


    Der Schwerpunkt muss nicht nur in der Höhe passen, sondern ganz wichtig: Er muss auch in der Achse liegen.

    Genauer: Die gedachte Linie von Schwerpunkt der Kamera zum Schwerpunkt des Gegengewichts muss in der Stange verlaufen. Sowohl in vorne/hinten als auch in rechts/links Ausrichtung.


    Um dies zu prüfen, hälst Du das Schwebestativ in "Betriebsposition" und bringst die Kamera dann zum Drehen. Du schubst sie also mit der Hand an, sodaß sie sich um die Hochachse dreht.


    Wenn nun die Schwerpunktachse nicht entlang der Stange liegt, dann fängt das Ding an zu taumeln.


    Das ist eine Falscheinstellung, die man sehr häufig findet.


    Das passiert z.B. wenn der Schwerpunkt der Kamera nicht über dem Gelenk liegt, sondern davor und man dies dann versucht durch Verschieben des Gegengewichts nach hinten auszugleichen.


    Wenn Du dann die Kamera in Drehung versetzt, dann zieht der Kameraschwerpunkt (der ja "oben" vor der Achse liegt) nach vorne, der Gegengewichtschwerpunkt (der ja "unten" hinter der Achse liegt) nach hinten und das ganze Ding fängt an zu taumeln.



    Du machst die Einstellung des Schwebestativs also folgendermaßen:


    - Du hängst das Ding mit dem Handgriff auf ein Lampenstativ oder ähnliches, sodaß es frei schwingend hängt.

    - Du entfernst alle untere Gegengewichte

    - Du montierst die Kamera oben auf das Schwebestativ und zwar genau so, wie Du sie dann auch benutzen willst. Also Monitor ausgeklappt, Objektiv auf die gewünschte Brennweite gestellt - bei Fotoobjektiven auch den Fokus beachten, da die Verschiebung der Linsen im Objektiv eine Schwerpunktänderung bedeutet.

    - Dann stellt Du die Position der Kamera (vorne / hinten sowie links / rechts) so ein, dass sie ohne Gegengewicht fast von alleine gerade bleibt. Dadurch hast Du den Schwerpunkt der Kamera genau über das kardanische Gelenk gelegt.


    - Nun baust Du das Gegengewicht unten an, mitsamt aller Akkus, Monitore usw. wie Du es benutzen willst.

    - Du stellst dann das Gegengewicht in der Höhe so ein, wie es Dir für die Arbeit mit dem Ding angenehm ist.

    - Du baust dann die Mengen an Gewichten so an das Gegengewicht, dass der Schwerpunkt schon möglichst nahe an den gewünschten Punkt kommt. -> Drop-Time!

    - Du stellst dann die Position des Gegengewichtes vorne/hinten und rechts/links so ein, dass das ganze Ding gerade steht.

    Die Position der Kamera wird dabei NICHT mehr verändert.

    - Du verschiebst jetzt die Höhe des Gegengewichts leicht nach oben oder unten als Feineinstellung, bis Du die optimale Drop-Time erreicht hast.

    Zu guter Letzt noch ein wenig Feineinstellung vorne/hinten und rechts/links des Gegengewichts.


    Bedenke: Änderung der Brennweite oder des Fokus bei Fotoobjektiven ändert den Schwerpunkt der Kamera. Du musst dann also ggfs. nachjustieren. Wenn die Erstjustage sauber war, kann Du dies dann durch Verschieben der Kamera wieder korrigieren. Damit bringst Du dann den Schwerpunkt wieder über das Gelenk.


    Bedenke weiter: Das ganze funktioniert durch Trägheit. Je schwerer die Kamera ist, umso besser klappt das Ganze. Bei leichten Kameras ist es empfehlenswert eine Stahlplatte als zusätzliches Gewicht unter die Kamera zu montieren.


    Und nicht verzagen: Eine geübter und ausgebildeter Steadicam-Operator kalkuliert etwa eine Stunde Rüstzeit um eine Kamera das erste Mal auf das Steadicam zu montieren.


    Dann darfst Du beim ersten Mal ruhig einen ganzen Tag brauchen, um das Ding mal richtig eingestellt zu haben. :-)


    Bei der Benutzung:

    Den Höhenausgleich, der bei einem vollständigen Steadicam durch die Federarme erreicht wird, machst Du mit Deinem Arm.

    Du hälst das Ding so, dass Dein Oberarm parallel zum Oberörper ist (also nach unten ausgerichtet ist) und den Unterarm im rechten Winkel dazu nach vorne ausgerichtet. Der Unterarm übernimmt dann die Funktion des Federarms und sorgt für die Höhenberuhigung.


    Wenn Du Rechtshänder bist, dann hält Deine linke Hand den Handgriff des Schwebestativs (der Linke Arm trägt das Ding also) mit der rechten Hand (bzw. nur zwei Fingern ganz zart) steuerst Du den sog. Post, also die Stange, um die Rotation der Kamera zu kontrollieren.

    Die Höhe der Kamera wählst Du (möglichst) so, dass die Kamera etwas über Schulterhöhe ist. so kannst Du die Kamera auch in der sog. "Don-Juan" Stellung benutzen, das heisst, die Kamera schaut dir über die Schulter nach hinten. Du kannst also jemanden von vorne Filmen und trotzdem vorwärst laufen.

    Mit einer leichten Umjustierung, indem Du einfach nur den Gimbal (also das kardanische Gelenk) auf der Achse etwas verschiebst, kannst Du das Ding dann für den sog. Low-Mode umstellen. Dabei drehst Du das Ding dann einfach auf den Kopf, sodaß die Kamera unten ist und Gegengewicht oben. Interessant um z.b. die Füßen von einem Jogger aufzunehmen, kleiner Tiere aus deren Augenhöhe usw. und trotzdem dabei gehen bzw. rennen zu können.



    Und lass Dir blos nicht diesen Quatsch mit "Katzengang" und sowas aufquatschen.

    "Katzengang" bedeutet: Schleichen wie eine Katze. Wenn jemand was davon rumblubbert: Konsequent ignorieren! :-)

    Das ist absolut kontraproduktiv.

    Gehe aufrecht, sauber und gleichmäßig mit ganz normalen Schritten.

    So übst Du das Ganze. Mit einem bisschen Übung kannst Du dann auch Treppen laufen, rennen usw. und es gibt immer noch saubere Aufnahmen.

    Mit einem "Katzengang" behinderst Du Dich nur selber und bringst damit unschöne Höhenbewegung in die Aufnahme, weil der Katzengang gegen das Trägheitsprinzip arbeitet, es also schwerer macht, den Höhenausgleich im Oberarm vorzunehmen.


    So, und nun wünsche ich Dir viel Spaß mit dem Schwebestativ.

    Richtig eingestellt und mit einem bisschen Übung hast Du damit deutlich mehr Freude und Möglichkeiten als mit einem aktiven Gimbal. :-)


    Viele Grüße

    Peter

  • Top erklärt. Auch ohne Bilder nachvollziehbar. :yes:

  • Deshalb fängt man diese ja mit den Fingerspitzen der anderen ab, damit es nicht unkontrolliert herum eiert.

    Das ist aber eigentlich nicht die Aufgabe der Fingerspitzen der anderen Hand... Unkontrolliert herum eiern sollte ein ausbalanciertes System nicht.

    Und um die Richtung der Kamera zu bestimmen, fasst man nahe unterhalb des Kardangelenks an.

    Greetings,
    ro_max


    Grüne Kommentare sind als Mod, der Rest als User geschrieben.
    ----------------------- Meine CGI-Tests auf YouTube. ------------------------

  • So, und nun wünsche ich Dir viel Spaß mit dem Schwebestativ.

    Richtig eingestellt und mit einem bisschen Übung hast Du damit deutlich mehr Freude und Möglichkeiten als mit einem aktiven Gimbal. :-)


    Viele Grüße

    Peter


    Super erklärt!


    Ich hatte mir vor einem Jahr auch so ein Teil beschafft. Ich konnte es irgendwann balancieren, aber nicht perfekt. Peters Erklärung hätte mir besser geholfen als die Videotutorials. Man merkt, dass er es kann.


    Allerdings habe ich dann das Gerät nicht mehr verwendet. Ich bin zwar durchaus kräftig gebaut, aber es war für mich wirklich sehr anstrengend, das Gewicht mit nur einer Hand über mehr als ganz wenige Minuten unverkrampft zu halten.


    Das kann sich natürlich mit Training verbessern.


    Gruß Jürgen

  • Danke für die zahlreichen und sehr guten Erklärungen. Was habe ich mir da nur wieder angetan ;) Ein aktives Gimbal habe ich mir mal selber gebaut oder besser gesagt von meinem Copter genommen und mit Karbongedönse ein Gestell gebaut, das man halbwegs in der Hand halten kann. Ging für die Actioncam sogar richtig gut...wie am Copter halt auch. Na ja, egal, anderes Thema. Dann werde ich wohl üben müssen.

  • Wie gut, dass ich mir kein Schwebestativ gekauft habe, sondern einen Gimbal.

    Sieht alles mit dem Schwebestativ auf youtube so easy aus.

    :computer::wallbash::thumbsup::stolz:

  • Wie gut, dass ich mir kein Schwebestativ gekauft habe, sondern einen Gimbal.

    Sieht alles mit dem Schwebestativ auf youtube so easy aus.


    Ein Gimbal sollte ja schon gut austariert werden damit die Motoren möglichst wenig Moment aufbringen müssen und es nicht zu Rucklern usw. kommt .


    Bei einem rein mechanischen Schwebestativ gilt das um so mehr, hier muss wirklich zu 150% genau gearbeitet werden. Das macht schon das austarieren des Schwebestatives deutlich komplexer wie das austarieren eines Gimbals.

    Als Moderator verfasste Beiträge durch grüne Schrift erkennbar

  • Meine Hand und mein Arm sind schon durch mit dem Thema, wenn ich nur halbwegs brauchbar eingestellt habe ;) Da man die Kamera aber wieder abmachen muss, um damit loszuziehen, muss man draußen wieder von vorne anfangen...uff. Würde gerne mal ausprobieren, wie schwer das mit einem Motor-Gimbal ist. Leider kostet so ein Teil zuviel, um es einfach mal eben so zum Ausprobieren zu kaufen.

  • Meine Hand und mein Arm sind schon durch mit dem Thema, wenn ich nur halbwegs brauchbar eingestellt habe ;)

    Ohne Sch.... probiere mal die Osmo Pocket.