Experiment: Klassikkonzert+Kunst

  • Videolink

    https://youtu.be/cFUXe_5MZqU

    Ein junger Musikstudent hat hier ein aussergewöhnliches Video zu einem Klassikkonzert vor einer riesigen Zeichnung erstellt. Das Video wirkt anders als die üblichen Konzertvideos ausserordenlich dynamisch und emotional.

    Der Aufwand war allerdings erheblich.

    Zuerst wurde der Ton im Studio erstellt. dann die Videos vor dem Bild mit 5 Kameras und mehreren Durchläufen. Zuletzt alles gemischt aus 17 Spuren.

    Auch wenn nicht so großer Aufwand sein muß, aber die Machart ist auch für uns schon interessant.

    Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen. Ich habe nur 3 Kameras zur Verfügung gestellt und war dann der Assistent beim filmen.

    Dirk

  • Das Video wirkt durch die vielen Detailaufnahmen sehr dynamisch und auch anders als viele Konzertmitschnitte wo man nur selten so nah an die Musiker herankommt.


    Und natürlich der ungewohnte Hintergrund welcher ebenfalls zu einem völlig anderen Seheindruck beiträgt.


    Der Aufwand mag gigantisch erscheinen, ist aber bei einer "normalen" Konzertaufzeichnung mit mehreren Kamerapositionen nicht wesentlich geringer, zumindest was den Aufwand für den Bildschnitt angeht.


    Das der Ton vorher aufwendig im Tonstudio quasi vorproduziert wird und die Priótagonisten dann "nur noch" Playback spielen mag dem Qualitätsanspruch an die Tonaufzeichnung geschuldet sein. Wobei das für die Protagonisten sicherlich auch nicht einfach ist Playback zu spielen. Oder gar ohne Playback nochmals "live" genau die gleiche Geschwindigkeit zu treffen wie bei der Studioaufzeichnung vorher. Hut ab vor dem Können der Musiker.


    Man kann auch - den nötigen Aufwand an Technik vorausgesetzt - den Ton live in relativ guter Qualität aufzeichnen. Nicht so ideal wie im Studio, aber in passabler Qualität. Das setzt jedoch einen akustisch entsprechend geeigneten Aufnahmeraum voraus und eben entsprechend Mikrofonierung sowie Aufzeichnung und Abmischung und man wird dann fast immer je nach Instrument Mikrofone im Bild haben. Und ganz klar, mit dem eingebauten Kameramikro oder einem einfachen Aufsteckmikrofon ist das ganze von vorne herein zum scheitern verurteilt, gerade bei klassischer Musik und einem hohen Qualitätsstandard.


    In so ein "kurzes" Video können sehr schnell etliche Arbeitsstunden verschwinden, gerade was den sauberen Ton angeht. Der Kameraschnitt ist wenn es einen Multikameramodus im NLE gibt dann eine reine Übungssache und im Ende nichts anderes als eine Liveregie.

    Als Moderator verfasste Beiträge durch grüne Schrift erkennbar

  • Beeindruckender Film:

    - Wunderbare klassische Musik (ich liebe Cello)

    - Die beiden Musiker sind nicht ohne! Paganini spielt man wohl ja auch nicht mal so nebenbei.

    - Und wenn die beiden das dann wirklich Playback gespielt haben - alle Achtung.


    Gruß kurt

    WIN-10/64 PRO, Mercalli, NeatVideo, NB ChromaKeyPro, Audacity, Adobe PS, Movavi VideoConverter

  • Sie haben nicht nur 1mal playback gespielt, sondern 3 volle Durchgänge und mehrere Einzelstellen. Die beiden sind Eliteschüler von Prof Tilmann Wick, einem der international gesuchtesten Celloausbilder. Bei Ihm werden die Stars von morgen zur Reife gebracht. Sören ist übrigens der einzige Deutsche, der es in seine Klasse gebracht hat - die Konkurrenz ist extrem.

    Dirk

  • Sehr schöne Idee, drei Ebenen in dem Film zu verweben: Spieler, Grafik und Musik. Durch die Multikameraführung werden das Ganze, wie die einzelnen Elemente des Stücks gut herausgearbeitet. Vor allem, wenn die Handkamera dem Spiel folgt und den Fluss der Musik nachzuempfinden versucht. Hut ab.


    Gemessen an dem Können der Musiker sehe ich in zwei Punkten noch Luft nach oben:


    Szenenbild


    Die große Zeichnung bringt eine neue Dimension in das Video. Sie ist auch gut im Zentrum des Bildes.


    Aber, links ist noch das Fenster eines, tja, Schulraumes zu sehen und rechts eine weiße Wand. Vor allem, beide Flächen sind meist sogar heller ausgeleuchtet als das Zentrum des Bildes, wo die Musik spielt.


    Das Auge des Zuschauers gleitet zu oft in die hellen Nebenbereiche ab und wird durch filmische Mittel nicht ins Zentrum des Geschehens gelenkt. Das Szenenbild ist inhomogen.


    Bei der Aufnahmen hätte man schwarzem Karton von der Umrandung der Zeichnung nach rechts und links fortführen können. Dadurch wären die hellen Seitenteile verschwunden und das Auge des Zuschauers wäre auf das Zentrum gelenkt worden.


    Ob man das in der Post noch machen kann, hm, ist vermutlich aufwendig



    Ausleuchtung und Farbtemperatur:


    Das Bild (siehe 00:13) ist nicht gleichmäßig ausgeleuchtet, nach rechts fällt die Helligkeit ab.


    Was mehr auffällt, die Scheinwerfer unterscheiden sich deutlich in der Farbtemperatur. Z. B. 00:13: Die Zeichnung und Stühle haben einen Stich ins Rosa, dagegen haben die abgeschatteten Bereiche – z. B. direkt unter dem Buchstabe „M“ - eine höheren Blauanteil.


    Das zieht sich logischerweise durch den ganzen Film. Die Gesichter der Musiker bekommen dadurch einen etwas – für meinen Geschmack – zu geschönten Ausdruck.


    Verbessern in der Post? Tja, das wäre Aufwendig.



    Noch eine Sache aus dem Bauch heraus: Ihr habt fünf Kameras eingesetzt, dadurch wird die Bildführung dynamisch. Nach meinem Gefühl hätte man weniger, vielleicht nur eine bewegte Handkamera verwenden sollen. Dafür hätten dann die Kamerabewegungen viel genauer choreografiert werden können. Motto: Wie kann die Kamerabewegung die Musik unterstützen. Ihr habt ja mehrere Wiederholungen gemacht.


    Über die knapp zehn Minuten habe ich manchmal den Eindruck, dass vor allem die Handkamera öfters nach dem Ausdruck sucht, als ihn findet. Aber wie gesagt, das ist mein Eindruck.



    Beispielhaft ein paar Bemerkungen:


    0046 Ungünstige Kadrierung

    0125 – 0130 Ungünstige Kadrierung

    0133 Beispiel für eine leicht umherirrende Handkamera, die Musik spricht für sich, die Kamera muss nicht bewegt werden.

    0147 Schärfeverlagerung zu schnell, das wirkt gemessen an der Musik unharmonisch

    0151 Ungünstige Kadrierung

    0153 umherirrende Handkamera

    0223 umherirrende Handkamera


    Jetzt werden viele sagen, aber das sind doch Amateuraufnahmen, da muss (soll) man keine so hohen Anforderungen stellen.


    Wie gesagt, meine Bemerkungen orientieren sich am sehr hohen Niveau der Musiker.


    Beste Grüße, Uli

  • Uli, du hast mit Deinem scharfen Auge natürlich sofort noch viele Verbesserungsmöglichkeiten entdeckt.

    Dazu vielleicht etwas zur Produktion des Videos:

    Während die Ausstellung auf Grund der Coronabeschränkungen bereits geschlossen war, haben wir uns praktisch noch mal kurz reingeschlichen und mit den vorhandenen Mitteln der Ausstellung innerhalb von 2 Stunden unter den Bedingungen der Coronasicherheit das Video gedreht. Da ging nichts mehr mit Perfektionierung - alles mußte, wie vorhanden - akzeptiert werden.

    Ich fand es großartig, wie dieser junge Musiker gleichzeitig als Filmer das gemanagt hat und mich berührt die Emotionalität dieses Videos immer noch, und das ist für mich das Besondere an diesem Video.

    Dirk

  • Jetzt werden viele sagen, aber das sind doch Amateuraufnahmen, da muss (soll) man keine so hohen Anforderungen stellen.


    Wie gesagt, meine Bemerkungen orientieren sich am sehr hohen Niveau der Musiker.


    Beste Grüße, Uli


    Das ist ein sehr sehr gutes Musikvideo. Das ist keine Amateuraufnahme (auch wenn die Aktiven keine Berufsfilmer sind) sondern auf sehr hohem Niveau.


    Deshalb finde ich die sachlichen Anmerkungen von Rod auch interessant. Diese empfinde ich als second Opinion Hinweise, nicht als Kritik.


    Solche superguten Nachwuchsmusiker haben oft auch breitere Begabungen. Hier im Videobereich. Finde ich beeindruckend.


    Gruß Jürgen

  • Dirk-1 :"Während die Ausstellung auf Grund der Coronabeschränkungen bereits geschlossen war, haben wir uns praktisch noch mal kurz reingeschlichen und mit den vorhandenen Mitteln der Ausstellung innerhalb von 2 Stunden unter den Bedingungen der Coronasicherheit das Video gedreht. Da ging nichts mehr mit Perfektionierung - alles mußte, wie vorhanden - akzeptiert werden."


    Dann ist erstaunlich, dass ihr das alles so prima hinbekommen habt. :yes: Klar, unter diesen Umständen ist nichts mit austesten verschiedener Kameraführungen usw. Da ist man froh, überhaupt mit einem kompletten Satz Bildern rauszukommen. Hut ab. :servus:


    Sind auch eher Überlegungen für künftige Projekt. Kandidaten und Räume hättet ihr ja, vermute ich.



    HJS :"Deshalb finde ich die sachlichen Anmerkungen von Rod auch interessant. Diese empfinde ich als second Opinion Hinweise, nicht als Kritik."


    So sind sie auch gemeint. Kritik krankt vor allem daran, dass sie meist im Sinne von Beanstandung oder Missbilligung, kurz, Beleidigung gelesen wird.


    Dass eine Kritik auch als Besprechung, Beurteilung, Einschätzung gelesen werden kann, die einen weiterbringt, geht oft völlig unter.


    Beste Grüße, Uli

  • Uli, du weisst ja, wie sehr ich Deine klugen Anmerkungen schätze. Ich wollte nur noch bewußt zeigen, dass unter den ungünstigsten Umständen auch noch gute Filme möglich sind und das der Inhalt mehr zählt als die technische Perfektion, so sehr auch diese anzustreben ist.

    Dirk

  • Dirk-1 :"Ich wollte nur noch bewußt zeigen, dass unter den ungünstigsten Umständen auch noch gute Filme möglich sind und das der Inhalt mehr zählt als die technische Perfektion, so sehr auch diese anzustreben ist."


    Ja, sehe ich ebenso. Nachdem du gesagt hattest, unter welchen Bedingungen und in welcher Zeit ihr das gedreht habt, war ich echt beeindruckt. Ich brauche für viel kleine Projekte immer ewig.


    Beste Grüße, Uli

  • Ich wollte nur noch bewußt zeigen, dass unter den ungünstigsten Umständen auch noch gute Filme möglich sind und das der Inhalt mehr zählt als die technische Perfektion, so sehr auch diese anzustreben ist.

    Dirk

    Finde Deinen Film gut. :yes:

    Beste Grüsse;
    Es kommt darauf an wie kreativ man mit der Kamera umgeht, nicht wie teuer sie ist...