mein Workflow

  • Beim Workflow des Filmeschneidens gibt es kein richtig oder falsch. Aber es gibt zweckmässig und weniger zielführend.


    Hier stelle ich meinen Workflow vor, der sich für mich als schlüssig herausgestellt hat. Vielleicht ist er ja für den einen oder anderen eine kleine Anregung.


    Der Vortrag wurde beim Magix Usertreffen in Dresden 2021 gehalten.


    LG


    Berthold


    PS: die Datei ist eine PDF Datei. Also das bmp entfernen.

    Workflow öff2pptx.pdf.bmp

  • Danke für die gute - wirklich praxisbezogene - Übersicht deiner Arbeitsweise. Ähnelt auch sehr meiner Vorgehensweise, wobei ich jedoch mit Vegas Pro schneide.
    Eine Frage noch:
    Mit welchen Monitoren arbeitest du? Scheint mir ein Ultra-Wide Format zu sein.

    Schöne Grüße, Walter

  • Meine Erfahrung ist das der Workflow bereits vor der Aufnahme beginnt indem man versucht sich Gedanken zu machen welche Bilder man benötigt um bspw. ein Reiseziel im Film gut abarbeiten zu können - inclusive den Bildern die man etwas abfällig "Schnittbilder" nennt und mit denen man dann in der Nachbearbeitung so einige Fehlstellen kitten bzw. verstecken kann...also nette Details, Nahaufnahmen usw.


    Wie intensiv man diese Vorbereitung macht bzw. machen kann kommt immer auf die Situation an, manchmal geht das gut, manchmal gar nicht....


    Aber wenn man die Möglichkeit hatte sich so vorzubereiten und dadurch die richtigen Bilder mitbringen kann dann spart man sich im Schnitt auf jeden Fall viel Zeit mit sichten und aussortieren von Material - und ist froh wenn man das eine oder andere Schnittbild hat das einem den Hintern rettet.... ;)


    Die Arbeit danach am Schnittplatz ist übrigens meiner Meinung nach unabhängig von verwendeter Hard- und Software - das A und O ist der Ablauf und die Organisation. Ist die okay ist der Rest eher Nebensache, wobei auch klar ist das es sich daheim an einem ordentlichen Tisch, mit mehreren großen Monitoren, mit guter Audio-Abhöre und bequemen Stuhl besser arbeiten lässt als in Zentral-Timbuktu mit einem 12"-Laptop auf den Knien im Überlandbus.... :D

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  • ...das A und O ist der Ablauf und die Organisation. Ist die okay ist der Rest eher Nebensache,..

    :thumbsup: kann ich nur unterstreichen (doppelt!!!) :yes:

  • "Schnittbilder"

    Nur mal so zum Verständnis: Das ist andernorts auch als "B-Roll" bekannt, richtig?

    Gruß aus dem Ahrtal! Michael

  • Nur mal so zum Verständnis: Das ist andernorts auch als "B-Roll" bekannt, richtig?


    Richtig. B-Roll ist der neuere Ausdruck.

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  • Hallo Berthold

    eine Super Ausarbeitung, Kompliment!

  • Wenn ich die Darstellung des Workflows richtig interpretiere, scheint mir der Regelfall die chronologische Verwendung der Takes zu sein?


    Wie handhabst Du es, wenn das mal komplett anders sein soll? Beim Reisefilm wird das ja (oft) passen, aber wenn man ein Projekt aus Material macht, welches über Jahre (!) entstanden ist, dann bedarf es m.E. einen umfassenderen Ansatz zur Auswahl des geeigneten Materials. Erfahrungen dazu?


    Ich überlege mir gerade, mich hier mit Mync mehr zu befassen - aber (natürlich) ist der Anfang in Irrsinn. Man muss die Clips von Jahren katalogisieren und entsprechend auswählbar machen (was aber natürlich damit zu tun hat, dass man das Material eh sichten muss). Es gibt eben nichts gratis.

    Lieben Gruß,
    Wolfgang


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  • Das ist für mich ein Grund alle Daten in Jahresordner zu haben. Das ist mein mehrfach gesichertes Archiv und geht fotografisch bis in die 60er Jahre und filmisch geht es ab 73 los (Super8 natürlich) und ab 1986 Video, VHS und ab 2003 DV Kassetten usw.

    In den Jahren sind dann Ordner für die Events des Jahres.

    So konnte ich Lebenslauf Filme meiner Kinder relativ leicht erstellen. In einigen Fällen kopiere ich mir Medien für ein Projekt vorab in dafür angelegte Ordner.

    Andererseits beneide ich Berthold um seine saubere Struktur, denn gerade das Beiwerk eines Films, wie Musik, Grafiken gehen mir leicht verloren, da ich da über die Jahre vieles neu strukturiert habe.

    Bei Bild/Videomaterial habe ich ein sehr gutes Gedächtnis - da erinnere ich schnell, wo ich was gesehen habe = gefilmt/fotografiert.

    Dadurch brauche ich keine Kataloge/Alben als Datenbank anlegen

  • Wie handhabst Du es, wenn das mal komplett anders sein soll?



    Hi,


    die Bin meiner Projekte ist nach einer gleichbleibenden aber flexiblen Struktur aufgebaut und besteht aus Ordnern und Unterordnern (ggf. mit Unter-Unterordnern) mit einer vorangestellten Indexzahl. Also z.B.

    • Ordner: 0 - Sequenzen / 1 - Clips / 2 - Animationen / 3 - Standbild / 4 - Titel /.....
    • Unterordner: 11 - Name (z.B. Sequenzname, Drehort, Aufnahmedatum, oder was im Projekt eben zur Unterscheidung dienlich ist) / 12 - Name /....
    • weitere Unterordner: 111 - Name / 112 - Name / ...

    So habe ich im Projekt immer eine ordentliche und übersichtliche Baumstruktur.

    Die importierten oder im Projekt erzeugten (Titel, Matte, etc.) Clips werden entsprechend in diese einsortiert und sind damit leicht auffindbar.


    Des Weiteren arbeite ich sehr konsequent mit verschachtelten (nested) Sequenzen. Dabei bildet mindestens jeder "Abschnitt" des Filmes eine eigene Sequenz (auch mit Index). Also bei einem

    • Urlaubsvideo z.B. eine Location, oder ein Tag;
    • Konzert ein einzelnes Musikstück;
    • Vortrag ein Redner, oder Thema.
    • etc.

    Diese Sequenzen ergeben dann auf der Mastersequenz zusammengesetzt halt den Film.

    Auch innerhalb einer dieser Sequenzen kann es für komplizierte TL-Konstrukte weitere Untersequenzen geben, wie z.B. einem mehrspurigen Titel. So wird dieser Bereich vor unbeabsichtigten Veränderungen geschützt.



    Da ich sowieso streng projektbezogen arbeite und das Verschieben / Archivieren von Projekten bei Eidius am reibungslosesten funktioniert, wenn alle Quelldateien sich im Projektordner (bzw. dessen Unterordner) befindet, habe ich auch kein "Clip-Archiv" und kann deshalb mit MYNC, oder ähnlichem nicht viel anfangen.

    Will ich später mal eine neue Version schneiden, dann eröffne ich halt das Projekt wieder, oder speichere eine "Kopie" unter anderem Namen im gleichem Projektordner mit der ich dann arbeiten kann.

    Benötige ich wirklich mal einen Clip aus einem anderen Projekt als dem aktuellen (was bei mir nur sehr selten vorkommt), dann kopiere ich diese Quelldatei halt in das aktuelle Projekt hinein.



    Das ist eine Arbeitsweise, die ich mir schon unter Liquid angewöhnt und bei meinem Umstieg auf Edius nur leicht angepasst und verfeinert habe.



    Gruß

    Peter

  • Jahresordner habe ich in der Form zwar nicht - aber all meine Projekte tragen im Namen eine Jahreszahl. Ok, die meisten Projekte zumindest. Theoretisch lassen sich die somit nach Jahren zusammen fassen.


    Allerdings ist das weniger mein Punkt. Sondern eher der, dass ich beim Beispiel des Lebenslaufes von Kindern oder wem auch immer in die verschiedensten Projektverzeichnisse hineingreifen muss. Und da wird die Suche nach dem richtigen Material zur Qual. Noch dazu, weil sich bei manchen moderneren UHD log Formaten die Vorschaubilder extrem langsam oder auch gar nicht aufbauen.


    Die Materialorganisation innerhalb eines Projektes ist natürlich vorbildlich. Gar keine Frage. Da bin ich viel simpler unterwegs. Meist schaut das bei mir nur so aus - und das liegt in einem Verzeichnis:

    - clips

    - Projektdatein (werden von V1 bis Vx durchnummeriert. Auch mit der Info, mit welcher Vegas Version die generiert worden sind)

    - Audiofiles

    - Output


    Meist reicht mir das für ein Projekt - vor allem, wenn ich die clips chronologisch gefilmt und auch chronologisch verwendet worden sind. Bei einem Projekt mit mehreren Kameras gibts unter "clips" noch ein Verzeichnis für Kamera 1 und Kamera 2. Aber das wars dann auch schon.


    Solange das chronologisch verwendet wird, ergibt sich das wunderbar, indem ich die clips einfach in die timeline ziehe. Geht halt bei solchen Privatvideos. Blöd wird es, wenn man aus umfangreicheren Bildmaterial dann ein highlight Video schneiden will. Denn dazu musst das ganze Material sichten, die highlights identifizieren, um sie zu verwenden.


    Und mein triviales System kollabiert dann, wenn ich ÜBER ein Projekt hinaus gehe. Dann suchst unendlich lang (und dann mache ich das nicht mehr, weil mir da meist die Zeit fehlt).


    Ein anderes Thema können die verschiedensten Formate sein. Aber das ist meist noch zuordenbar, mit welcher Kamera was geschossen worden ist.

    Lieben Gruß,
    Wolfgang


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  • Zur Datensicherung: "jeden abend Kopie des Filmmaterials auf externe Festplatte".


    DAs ist löblich. Aber ganz ehrlich, ich halte das nicht durch. Ist mir zu aufwendig, kostet eher viel Zeit - und was ich da alles mitschleppen müsste. Ich schreibe nicht mal auf zwei verschiedene Speichermedien. Auch wenn es schade ums Material wäre.

    Lieben Gruß,
    Wolfgang


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  • Hallo


    danke für die vielen interessanten Kommentare. Hier ein paar Bemerkungen:


    Zur Chronologie: wie man es eben gelernt hat, versuche ich eine chronologische Abfolge der Clips zu vermeiden, auch bei Reisefilmen. In Apulien, dessen Film ich gerade ins Forum gestellt habe, sind wir zum Beispiel in einer ganz anderen Reihenfolge zu den Spots gefahren.


    Das ist in meinem Workflow kein Problem, vielleicht hätte ich diesen wichtigen Aspekt noch erwähnen sollen. Nach dem Rohschnitt sind alle Clips noch in chronologischer Reihenfolge. Im Feinschnitt überlege ich mir genau, welche Clips besser später kommen und welche Clips früher erscheinen sollten. Das Verschieben ist in Magix ProX sehr einfach, in anderen NLEs bestimmt auch.


    Zudem kann man in ProX mehrere Reiter in der Timeline setzen, um verschiedene Aspekte zu trennen. So habe ich beispielsweise im Apulienfilm 8 Reiter aufgebaut, also Hotel, Alberobello, Bari, Trani, Lecce etc. Zu Beginn des Feinschnitts habe ich überlegt, in welcher Reihenfolge die Episoden am Besten kommen sollen und das entsprechend arrangiert.


    Einen Film über mehrere Jahre mache ich selten. Vor zwei Jahren habe ich mal Kreta aus sieben Jahren Sommerbesuche gemacht, war aber kein Problem. Und selbstverständlich nicht chronologisch geordnet, sondern geographisch.


    Ordner: Die Ordner mit den Filmclips haben bei mir auch Monat und Jahr im Namen, siehe Bild.

    Footage Ordnernamen.jpg


    Datensicherung: Das geht jeden Abend mit syncbackfree in 10 Minuten. Vor dem Abendessen, während meine Frau sich schminkt. Kein Zeitverlust. Und das Notebook wiegt unter 2 kg, sehr leicht.


    LG


    Berthold

  • Ich war gerade 5 Tage auf Helgoland und habe dort alles gefilmt, was mit Natur im Zusammenhang stand.

    Dabei sind 250gb herausgekommen. Nun bin ich gerade dabei die Clips zu trennen, also alles, was unbrauchbar ist, wegzuschneiden (per Smartrendern mit Resolve, damit keine Verluste entstehen).

    Das dauert schon seine Zeit und ich benötigen dazu einen großen TV, um die Clips wirklich beurteilen zu können.

    Ich hätte das auch schon unterwegs mit einem Laptop machen können, aber an dem kleinen Display kann ich nicht wirklich erkennen, was gut ist und damit aufbewahrt werden soll.


    So auf Platte gespeichert habe ich nun Helgoland in 4 Reisen und werde aus dem Material einen Film machen.

    Dazu werden die Clips mit dem Storyboard von Premiere Pro nach Themen getrennt und dann nach und nach in einzelnen Sequenzen geschnitten. Passen dazu wird dann ein Kommentar erstellt und mit dem Rohschnitt sauber angepasst.


    Erst wenn das fertig ist erfolgt die erste Farbkorrektur, um alle Clips aneinander anzupassen.

    Anschließend wird noch an der Schärfe gedreht.

    Sollte dann der Look noch nicht stimmen wird auch daran noch gedreht.


    Dieser Workflow hat sich bei mir bewährt.

    Vielleicht lade ich in den nächsten Tagen mal einen kurzen Trailer meiner Helgolanderlebnisse hoch.

  • Zur Chronologie: wie man es eben gelernt hat, versuche ich eine chronologische Abfolge der Clips zu vermeiden, auch bei Reisefilmen. In Apulien, dessen Film ich gerade ins Forum gestellt habe, sind wir zum Beispiel in einer ganz anderen Reihenfolge zu den Spots gefahren.

    Hängt ja vom Ziel ab. Es lassen sich schon ganz andere Spannungen aufbauen, wenn man nicht chronologisch arbeitet. Die andere Möglichkeit ist halt bewußt die Chronologische Erzählung. Aber da gibts halt nicht unbedingt richtig oder falsch.


    Einen Film über mehrere Jahre mache ich selten.

    Ich bisher auch nicht - aber gerade eben hätte ich so ein Projekt.


    Ich hätte das auch schon unterwegs mit einem Laptop machen können, aber an dem kleinen Display kann ich nicht wirklich erkennen, was gut ist und damit aufbewahrt werden soll.

    Schwierig das auf einem Laptop zu erkennen, vor allem wenns dann noch log Material ist wie bei mir. Also nehme ich das auch nach Hause mit, zum Schnittsystem. Schon, weil ein Laptop nicht das Abspielverhalten hätte welches ich mir bei meinem Material wie BRAW wünschen würde.


    Erst wenn das fertig ist erfolgt die erste Farbkorrektur, um alle Clips aneinander anzupassen.

    Ja klar - bevor der Roh- und Feinschnitt nicht steht, ist das Color Grading vergebliche Liebesmühe. Sehe ich auch so.

    Lieben Gruß,
    Wolfgang


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    Der Rest ist meine Privatmeinung

  • Sondern eher der, dass ich beim Beispiel des Lebenslaufes von Kindern oder wem auch immer in die verschiedensten Projektverzeichnisse hineingreifen muss. Und da wird die Suche nach dem richtigen Material zur Qual.

    Das ist sehr gut nachvollziehbar. Gilt für alle Projekte, die nicht nur aus aktuellem Material bestehen, sondern Archivaufnahmen erfordern. Deshalb machen Jahresordner so gut wie keinen Sinn, eher wären Themenordner nützlich. Also zB Natur, Urlaub, Astro, usw mit Unterordnern. Aber dafür ist eine genaue Schlagwortliste nötig, und bereitet auch Probleme, wenn das jeweilige Material zu verschiedenen Themen passt.

    Zum Erfüllen solcher Bedarfe ist eine Stichwort-Hinterlegung für einzelne Clips und/oder Projekte zum Archivieren wesentlich sinnvoller. Das funktioniert mit Lightroom nicht nur für Fotos, oder auch für Video ziemlich gut. Damit können einem Clip und/oder Projekt mehrere verschiedene Stichwörter zugeordnet werden. Mit ein paar Mausclicks lassen dann leicht komplette Sammlungen zum gewünschten Thema erstellen - egal, an welchem physikalischen Ort die Clips oder die Projekte sich befinden. Eine Ablagestruktur ist damit nicht erforderlich. Eine laufende Nummerierung - evtl. mit Datum - zur eindeutigen Identifikation könnte man machen, ist aber nicht zwingend.

  • Einen Film über mehrere Jahre mache ich selten. Vor zwei Jahren habe ich mal Kreta aus sieben Jahren Sommerbesuche gemacht, war aber kein Problem. Und selbstverständlich nicht chronologisch geordnet, sondern geographisch.


    Ordner: Die Ordner mit den Filmclips haben bei mir auch Monat und Jahr im Namen, siehe Bild.

    Footage Ordnernamen.jpg

    So eine (Themen-) Ordnung ist sicher sinnvoller, als eine chronologische.