Gibt's noch Regeln beim Filmen ???

  • Bisher dachte ich tatsächlich es gibt gewisse Grundregeln die man beim Filmen einhalten sollte, aber scheinbar löst sich das alles in Luft auf und Filmen wird gerade neu erfunden :gruebel:


    Hat gestern zufällig jemand den Krimi auf ZDF gesehen? "Kommisarin Lukas" ...


    Wie sie am Gericht mit ihrem neuen Kollegen spricht, da wurde doch die Grundregel des Achsensprunges verletzt und das nicht nur 1 x (was auf einen Fehler hätte schließen lassen) sondern gleich 4-5 mal hintereinander. Die beiden Darsteller haben mitten im Dialog die Seiten gewechselt, das es eine "Freude" war. Ist das passiert oder war das Absicht :gruebel:

  • Morgen,


    ich nehme mal an, bewusst.


    Es gibt Regieseure, die sich bewusst nicht an alle Regeln halten um den Zuschauer zu täuschen. Besonders bei Filmen wo das Ende meist unklar ist und man sich selbst ein Ende ausdenken kann.


    MfG

  • Lieber Klaus,


    deine Frage habe ich mir auch schon oft gestellt. Letzthin bei einem Tatort: kein Stativ, nur Gewackle, selbst bei Dialogszenen oder Teleaufnahmen. Dazu wird ständig um die Leute rumgefahren.
    Ruhige Kameraführung: Fehlanzeige.


    Und auch wenn sich der Regisseur dabei was gedacht hat (was ich bezweifle): Wackeln, Achsensprünge, schlechte Ausleuchtung etc. erhöhen nicht die Spannung. Jedenfalls nicht bei mir! Da schalte ich lieber um.


    Gruß
    KDS

  • Na da will ich doch am Sonntags-Stammtisch auch was beitragen:


    Wir werden einfach zu alt!


    Gewackel, schnelle Schnitte kurze Pointen. Wer zwischen Werbepausen, SMS und und gleichzeitigem Email Check hin und her zappt, dem fehlt nach einiger Zeit jegliche Konzentrationsfähigkeit. Dann wird die Welt einfach unruhig, wackelig und Achsensprünge fallen nicht mehr auf.


    Immer wenn wir typische werbepausenverseuchte Film- und Serienfans bei unsd zu Besuch haben zappeln diese nach ca. 20 Minuten rum und müssen "unbedingt" aufs WC, was zum drinken holen usw. Uns fällt das auf, weil wir nur werbefrei in den TV glotzen, dank Premiere und ARD und ZDF.

  • Habe neulich einen Werbespot gesehen, bei dem diese Grundfehler bewusst eingesetzt wurden: ca. 5 maliger krasser Achsensprung hintereinander verbunden mit permanentem Ein- und Auszoomen verbunden mit Schärfepumpen.
    Kein Witz sondern wirklich gesehen und eigentlich recht witzig gemacht, halt mal was ganz anderes und professionell durchgezogen.

  • :shake:
    Es geht halt nur noch darum, unsere Aufmerksamkeit mit ALLEN Mitteln zu erzwingen: Gewackel, dass einem schlecht wird, Loudness-Maximierung in der Werbung, viele animierte Grafiken auf der Website, spannende Musikuntermalung während der Nachrichten ... Dem allen kann man sich kaum entziehen. Dass man aber freiwillig darauf verzichtet, das Handy einmal auszuschalten, dass man email-Pushdienste nutzt, dass man ständig in einem online-Messenger verfügbar ist, wo man sogar noch seine Abwesenheit rechtfertigt - das alles verstehe ich mit meinen 38 Jahren nicht mehr.


    Die Fernsehsendungen, welche sich nicht immer zurecht als Filme bezeichnen, laufen eben in einem kostenlosen, weil werbefinanzierten TV-System. Die Werbung hat bis heute nicht erkannt, dass speziell in Deutschland nicht nur 15 - 20jährige rumlaufen. Sie meint aber, sich ausschließlich auf diese Zielgruppe konzentrieren zu müssen. Und dann soll bitteschön das Fernsehprogramm auch genau diese Klientel ansprechen.


    Selbst in einem Werbespot für Medikamente gegen Blasenschwäche werden die etwa 70jährigen Protagonisten so sportlich und belastungsfähig wie 18jährige dargestellt.


    Die Filmemacher müssen sich halt fragen, ob sie ihre Beiträge für die werbende Industrie machen wollen (dann eben Gewackel, 0,5sek.-Szenen, ständig Musik...), oder ob sie - und damit wieder zum Thema - ihre eigenen Regeln machen und befolgen wollen. Dann eben zu dem Preis, dass ihre Beiträge eher für 3sat, arte,... interessant sind.


    Einweiteres Ärgernis sind die Bauchbinden "breaking news": Schwere Katastrofe in Chine: Ein Sack Reis ist umgefllen!.


    Ja, ich weiß dass da Rechtschreibfehler drin sind, aber ich wollte es eben möglichst realitätsnah wiedergeben. :D


    Schönen Sonntag zusammen.

  • Ich bin dann mal so frei und bring ein Totschlag-Argument in die andere Richtung:


    "Genial sein heißt Regeln brechen!"


    Wenn es nicht hin und wieder Leute gäbe, die althergebrachte Normen brächen, säßen wir immer noch ohne Feuer und Werkzeuge in der Höhle!


    Speziell Achsensprünge haben mich noch nie gestört. Und Kamera-Gewackel als Stilmittel - wenn man das bewusst einsetzt, kann das durchaus wirken. Ästhetik ändert sich eben. Das heißt nicht, dass mir alles gefällt, was heutzutage so gemacht wird. Ich filme selber ja auch eher ruhig und bring Dynamik mittels Schnitt rein.


    Die Sache mit der kürzeren Aufmerksamkeitsspanne heutzutage: Naja, vielleicht ist da was dran, vielleicht ist das aber auch nur gewisser Kulturpessimismus. In jedem Fall ein weites Feld.

  • Was hast Du so recht !!!
    Die Industrie wird erst aufwachen wenn es zu spät ist.
    In meinem langen Leben, als Geschäftführer eines großen Unternehmens habe ich in den letzeten 40 Jahren alles Höhen und Tiefen erlebt.
    Auch die sogenannte Erfolgsstratategie.
    Gezeigt hat, immer der Kunde bzw Verbraucher bestimmt die Richtung, nur ist dies noch nicht begriffen worden, leider.
    Man will uns einreden was Richtig oder falsch oder was wir tun oder Glauben müssen.
    Na ja. Schauen wir mal. Es wird Zeit , aufzuwachen.
    Die Auto Industrie merkt es gerade, aufwachen, wenn überhaupt werden die erst nächste Jahr.
    Aber dies ist ein anderes Thema und gehört nicht hier hin

    3 Mal editiert, zuletzt von HWerner ()

  • Zitat

    Original von duffypuffy
    :pop:


    So gehts abr nicht :motz: Sich einfach an uns ab-amusementieren :D

  • Ich denke bei vielen Fernsehproduktionen spielen die Kosten auch eine große Rolle. Es ist einfach günstiger, eine Wackelcam einzusetzen als ein Dollysystem vielleicht auch noch auf Schienen. Da kommt es halt gerade recht, dass Wackelaufnahmen modern sind.

  • Zitat

    Original von Hans-Jürgen
    Ich denke bei vielen Fernsehproduktionen spielen die Kosten auch eine große Rolle. Es ist einfach günstiger, eine Wackelcam einzusetzen als ein Dollysystem vielleicht auch noch auf Schienen. Da kommt es halt gerade recht, dass Wackelaufnahmen modern sind.


    Das würde ich ja noch verstehen bei so Dokus auf FOX wie z.B. "Goodbye Deutschland" oder "auf und davon - Mein Auslandstagebuch". Da halten die Kameraleute wohl einfach drauf und versuchen nix zu verpassen, da bleibt kaum Zeit für gestalterische Momente. Aber in diesem Fall geht's um einen Krimi beim ZDF! Sollte man also doch meinen das sei keine billigsdorfer 0815-Produktion!

  • Zitat

    Original von CIS
    Speziell Achsensprünge haben mich noch nie gestört.


    Als Antifußballer wäre ich auch sehr dafür, die Kameras auf beiden Seiten des Fußballfeldes aufzustellen. Dann müsste man nämlich anhand der Dressen immer erst analysieren, welche Mannschaft gerade den Ball in Welche Richtung schießt. So wäre das Ganze dann wenigstens ein wenig spannend...

  • Hi,


    natürlich gibt es Regeln. Und wer sie kennt, darf sie auch brechen. Aber auch das muß gekonnt sein. Wer darin gut ist, schafft neue Sehgewohnheiten und neue Standards.
    Man schaue sich dazu mal die vielen guten US Serien derzeit an. Und wenn man deren "Vorgaben" eben nicht gut "übersetzt", dann kommt die Wackelei im deutschen Fernsehen zustande.


    So einfach ist das;-))


    Gruß


    Lutz

    Seminare rund um Film auf hd-filmschule.de und 4k-filmschule.de.

  • Zitat

    Original von Lutz Dieckmann
    natürlich gibt es Regeln. Und wer sie kennt, darf sie auch brechen. Aber auch das muß gekonnt sein.


    Genau das ist meiner Meinung nach der Punkt. Ich denke, viele Hobbyfilmer kennen die Regeln gar nicht und filmen einfach darauf los. Deshalb kommt auch so wenig gutes dabei heraus.

  • Ich sehe das wie Lutz - das gezielte Brechen von "Regeln" als Mittel zum besonderen Zweck ist schon reizvoll - man sieht oft dass ja das genaue Gegenteil von dem, was als Regel beschrieben wird, auch gut funktioniert.


    Aber dazu muss man mal die Regeln können - und wissen was man macht.

    Lieben Gruß,
    Wolfgang


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    Der Rest ist meine Privatmeinung

  • Lutz, Hans-Jürgen und Wolfgang: Ihr bringt es auf den Punkt.
    Kleiner Vergleich: Gitarrist steht bei mir im Studio und spielt seine Takes ein. Da er nicht in der Lage ist, selbstbewusst seine erlernte Rhythmik zu spielen, wartet er immer, bis das Playback ihm seinen Einsatz gibt - und schon isses zu spät. Er sagt dann: Oh, das war wohl ein bisschen zuviel "laid back". Dann sag ich: Nein, laid back spielt man absichtlich, das war einfach nur zu spät.


    Wer die Regeln kennt darf, nein soll sie sogar brechen, wenn er damit bewusst etwas bewirken kann, seinen eigenen Stil einbringt,...
    Oft wird mit dieser sogenanten künstlerischen Freiheit leider nur Unwissen und Faulheit entschuldigt. Und das funktioniert auch beim Durchschnittspublikum. Kollegen und Fachleute entlarven so etwas dann eben als peinlich.


    Und danke für diesen Thread. Auf sowas aufmerksam zu machen und darüber zu diskutieren ist so viel interessanter als die Technikdiskussionen auf allerhöchstem Niveau.


    Schöne Arbeitswoche zusammen.

    Einmal editiert, zuletzt von einsiedler ()

  • Ich glaube allerdings, rund 80% (geschätzt) fällt es gar nicht auf, wenn das Bild und/oder die Bildführung völlig daneben sind. Die sehen sich auch stundenlang diesen Dschungelmist und diese Serie über das Verleihen von Babys an zu testende Elternpaare an - Hauptsache, es ist total daneben und schrill. Und ich glaube nicht, dass diesem Personenkreis überhaupt (noch) auffällt, was ein Achsensprung ist oder wenn ständig das gesamte Bild wild umherzoomt und dabei in allen Achsen wackelt.


    Ich finde hier ganz schnell den Ausschalter - egal ab beabsichtigt oder einfach wegen fehlender handwerklicher Fähigkeiten produziert... :tanz:


    In Zeiten, wo es so einfach ist wie nie zuvor, auf einen Kameraauslöser zu drücken und deshalb jeder meint, es nun auch tun zu müssen und dabei bergeweise Bildermüll produziert, muss man einfach hart und gnadenlos selektieren, sonst erstickt man in dieser Flut von teils mittelmäßigen bis schrottigen Bildern. So schlecht war das damals eigentlich gar nicht, als Filmen noch so richtig Geld kostete... :teufel:

  • Zitat

    Und ich glaube nicht, dass diesem Personenkreis überhaupt (noch) auffällt, was ein Achsensprung ist oder wenn ständig das gesamte Bild wild umherzoomt und dabei in allen Achsen wackelt.


    Stimmt Lothar!
    Und weil es ja auch noch so oft im Fernsehn zu sehen ist, muss es ja "professionell" und "normal" sein.
    Und das führt dann dazu, dass der brave (biedere, langweilige, öde,...) Filmer, der sich an althergebrachte (überholte, unsinnige, reaktionäre...) Regeln hält, keinen Blumentopf mehr gewinnen kann. Im wörtlichen Sinne. Denn solche Filme haben auf Festivals ja kaum noch eine Chance.


    Gruß
    KDS