Hi,
der Ton spielt in Filmen/Videos gleich welcher Art ebenfalls eine große Rolle. Er kann nicht nur die gezeigte Handlung unterstützen, sondern sogar zum tragenden Teil werden.
Aus meiner Sicht wird aber von uns „Hobbyfilmern“ dem Bereich Audio oft nur wenig, oder keine Beachtung geschenkt. Während versucht wird auch noch „das letzte Pixel“ aus dem Bildmaterial zu holen, wird beim Ton nicht selten einfach irgendetwas „hingewurstelt“. So nach dem Motto: „passt schon“.
Wobei ich fairerweise auch sagen muss, dass es bei den im Forum vorgestellten Videos durchaus positive Beispiele gibt, bei denen sich auch im Audiobereich große Mühe gegeben wurde.
Um das das vielfältige Thema Audio mal grundsätzlich anzustoßen, will ich deshalb hier den Anfang machen. Ich hoffe aber darauf, dass auch andere Teilnehmer Anregungen, Erfahrungsberichte und Fragen einbringen, damit daraus eine rege Diskussion entsteht.
Aus Gründen der Übersichtlichkeit und späteren Wiederauffindbarkeit sollten aber vielleicht nicht direkt zusammengehörige Dinge in jeweils eigenen Themen besprochen werden.
Zunächst möchte ich einige Grundlagen erklären. Wobei ich versuchen werde diese möglichst (ver-)einfach(t) und verständlich darzustellen.
Für den einen oder anderen mag das ja „ein alter Hut“ sein, doch scheint es mir aus meiner Erfahrung heraus da oft auch Missverständnisse oder falsche Vorstellungen zu geben, die ich hoffe, so ausräumen/ klären zu können. Und vielleicht kann man ja doch noch das eine oder andere daraus mitnehmen, was man vielleicht so nicht kennt.
Soweit die Vorrede...
Abtastrate (Samplerate) und Bittiefe
Die Abtast- oder Samplerate wird in Hertz (Hz.) bzw. kHz. angegeben. Sie sagt nicht nur aus wie oft pro Sekunde das Signal abgetastet wird (also grob vergleichbar mit den fps beim Bild), sondern bestimmt auch bis zu welcher Frequenzhöhe dies möglich ist.
Da der Schall eine Sinuswelle ist muss die Abtastrate mehr als doppelt so groß sein, wie die höchste Frequenz des abzutastenden Signals.
Die Bittiefe bezieht sich auf die Anzahl der Bits pro Sample, also den für jedes einzelne Sample zur Verfügung stehenden Informationsgehalt.
Hohe Sampleraten und Bittiefen „verfeinern“ aber nicht nur den Informationsgehalt einer Aufnahme, sondern erleichtern auch die digitale Bearbeitung des Audiomaterials.
Im Musik-Bereich gilt auch heute noch für die Wiedergabe der „Audio-CD- Standard“ von 44.100 Hz. = 44,1 kHz bei 16 Bit.
Diesen Standard wird man deshalb nicht nur bei Dateien antreffen, sondern auch als „Default-Einstellung“ bei Audio-Bearbeitungsprogrammen, Soundkarten und Audio-Interfaces.
Im unserem Fernseh-/Video-Bereich sind jedoch 48.000 Hz = 48 kHz.16 Bit üblich.
Bei einem „Mischen“ von 44,1 kHz mit 48 kHz Material kann es zu Asynchronitäten und anderen Problemen kommen. Deshalb macht es Sinn sein 44,1 kHz-Material vorher durch ein Audiobearbeitungsprogramm auf 48 kHz resamplen zu lassen. Das geht sehr schnell und spart Nerven.
Ein weiterer wichtiger Schritt wäre zu prüfen, ob das Audio-Gerät des Schnittrechners auf 48 kHz eingestellt ist. Evtl. kann das Programm das Gerät automatisch steuern (ASIO), doch in den meisten Fällen (grade bei OnBoardSound) muss dies manuell erledigt werden.
Für eigene Aufnahmen (Kamera, Audio-Recorder, oder Voice-Over am Schnittrechner) würde ich zu 48 kHz 24 Bit als unkomprimierte Audiodatei (WAV, AIFF, s.u.) raten, da dies eben in der Nachbearbeitung Vorteile bringt. Die finale Ausgabe kann dann auch gern in nur 16 Bit erfolgen.
Eine höhere Bittiefe oder Abtastrate (z.B. 96 kHz) scheitert meist allein schon an den Möglichkeiten des vorhandenen Audio-Gerätes. Für den „Hausgebrauch“ sind aber 48 kHz 24 Bit auch völlig ausreichend. Wer im Musiksektor unterwegs sein sollte, könnte auch mit höheren Abtastraten (dann einem Vielfachen von 48, also 96 oder 192 Bit) und höheren Bittiefen arbeiten. Benötigt dazu dann aber auch die entsprechenden Geräte und Programme.
Audiodateien
AIFF (Apple) und WAV (Windows) enthalten i.d.R. unkomprimierte (L)PCM-Audiodateien.
Mit diesen bekommt man also nicht nur eine sehr hohe mögliche Qualität, sondern auch eine gute Be- und Verarbeitbarkeit des Audios. Daher würde ich für die Erstellung eigener Aufnahmen immer zu einem unkomprimierte Verfahren raten, auch wenn die Dateien natürlich deutlich größer sind. Bei den heutigen Speichermedien und im Vergleich zu den im Videobereich üblichen Dateigrößen, dürfte dies aber eine untergeordnete Rolle spielen,
AAC, MP3, u.a. sind hingegen komprimierte = verlustbehaftete Dateiformate.
Die Dateien sind deutlich kleiner als PCM, wobei die Komprimierungsstufe aus der angegebenen Bitrate ersichtlich ist. Je geringer die Bitrate, desto höher die Komprimierung und schlechter die Qualität.
Für eine Stereodatei sollten es hier schon mindestens 192 kbit/s sein.
Auch wenn diese Dateien sich vorgeblich „gut“ anhören sollten, so gehen bei der Komprimierung sehr viele (wichtige) Daten verloren, z.B. hohe Frequenzen, oder es gibt eine „Entfeinerung“ minderwichtiger Frequenzanteile. Das mag jetzt vielleicht nicht immer gleich hörbar sein, aber spätestens bei einer Bearbeitung der Datei macht sich das dann schnell bemerkbar. Und auch bei diesen Dateien ist zusätzlich auf die Samplingrate zu achten.
Deshalb würde ich solches Quellmaterial möglichst meiden.
- wegen Überlänge weiter im 2. Teil -