Dies ist eine ausgelagert Diskussion aus dem Thread "Künstliche Intelligenz (KI) für Filmer?", da sie grundsätzliche Fragen der KI betrifft.
Beste Grüße, Uli
Künstliche Intelligenz (KI) für Filmer?
Künstliche Intelligenz (KI) war lange Zeit nur ein Schlagwort.
Aber leider nicht nur ein Schlagwort, sondern auch - grade durch Werbung - eine oft völlig missverstandene "Einrichtung".
Das, was uns da meist als "AI / KI" vorgesetzt wird, insbesondere die Fliter und ähnliche Werkzeuge sind in aller Regel keine künstliche intelligenz. Denn eine echte KI müsste selbständig "lernen" können, sich also von alleine weiterentwickeln und eigene "Verknüpfungen" erstellen.
Außerdem würde eine KI permanent auf einem eigenen Rechnersystem laufen ("leben") und müsste dort von außerehalb, also z.B. über Internet, angesprochen werden. Insoweit kommt z.B. Chat GPT dem zwar schon nahe, verwaltet aber eben auch nur vorhandene Daten.
Diese in jetzt unseren Programmen geschaffenen "KI-basierenden" Filter und Werkzeuge tun/können das aber eben nicht. Es sind sind einfach nur sehr stark verbesserte Rechenalgorithmen, die bestimmte Faktoren in die Berechnungen einbeziehen, bzw. auf Grund (vorgegebener) Optionen "Entscheidungen" treffen..
Und das ist schon ein erheblicher Fortschritt und bringt auch durchaus sehr viele Vorteile und Möglichkeiten.
Aber es ist eben nicht so, dass da eine tatsächliche Intelligenz irgendwelche Gedanken machen würde und uns - quasi als beauftragte Fachkraft - Arbeiten abnehmen könnte. Doch genau das scheinen einige halt zu erwarten, wenn sie "KI" hören. Aber man benötigt halt eigenes Wissen, um die richtigen Einstellungen zuzunehmen.
Bisher setzte ich "KI" hauptsächlich in der Audiobearbeitung ein. Dafür verwende ich als Basis die Programme Cubase, WaveLab und insbes. das für KI-gestütztes Audioprocessing entwickelte SpectraLayers. Alle jeweils in der umfassend ausgestatteten Pro-Version.
Grade SpectraLayer liefert auch wirklich erstaunliche Ergebnisse, was die "Bereinigung" von Audiomaterial betrifft.
Also bei Hallreduzierungen, Entfernung von Rauschen oder Störgeräuschen, und ähnlichen bisher nur meist sehr schwer behebbaren Problemen in einer Aufnahme.
Und natürlich gibt es da auch Möglichkeiten in einer Audioaufnahme bestimmte "Trennungen" von Sprache/Gesang und Instrumenten, bzw. sogar von unterschiedlichen Sprechern vorzunehmen.
Nur ist es eben nicht so, dass man da nur einen Knopf drücken muss, und die KI macht das allein. Sondern es gehört halt immer noch eine manuelle Anpassung/Eingriffe, und damit - wie schon gesagt - eigene Erfahrung dazu, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.
Hier mal ein kurzes Hörbeispiel, was damit so möglich ist:
Dass ich hingegen absolut kein Freund von den leider so beliebt gewordenen Sprachgeneratoren bin, dürfte ja hinlänglich bekannt sein. Brauch ich also hier wohl nicht dazu sagen.
Im Bereich Video verwende ich eine ältere Version von Topaz Video AI (eher selten) und Edius.
Edius 11 bringt jetzt halt einige verbesserte Voraussetzungen für die Einbindung KI-basierter Prozesse mit. Hier erwarte ich in der Zukunft noch durchaus interessante Entwicklungen. Zunächst soll ja - wohl noch dieses Jahr - ein KI basierter Farbkorrekturfilter kommen.
Und Topaz ist halt im Bereich Deinterlacing und Upscalling schon sehr gut.
Was mir bisher als KI-basierende Filten nicht so gefällt, sind Dinge, wie der proDAD Picture Enhanzer, der (meine Meinung) eher quietschbunte Bilderchen erzeugt und nur geringe Steuerungsmöglichkeiten anbietet. Mal sehen, was dann der schon genannte Edius-Filter leisten wird.
Aber auch beim Videoschnitt wird uns die KI durchaus sehr gute Hilfe leisten können, bzw. macht das ja in einigen Bereichen schon jetzt.
Nur, auch wenn eben offenbar diese Erwartung weit verbreitet ist, KI heißt eben nicht, dass da man da ohne sich weitere Gedanken machen zu müssen. Solche "Träume", wie, "ich lade meine Aufnahmen rauf und die KI macht mir daraus dann einen hollywoodreifen Film à la Spielberg", werden sich (hoffentlich) nie erfüllen.
Selber denken ist nicht gesundheitsschädlich !!! und hat bisher auch nur in den seltesten Fällen geschadet.
Gruß
Peter