Flohmarkt in Beijing

  • Hallo liebe Videofreunde,


    bin jetzt wieder zurück zu meinem Filmmaterial aus China vom Oktober 2024. Da ist noch einiges zu verarbeiten.


    Hier ein kurzes Video über den Besuch des größten Flohmarkts in Beijing. Viel Spass beim Anschauen.


    PS; Da ich eigentlich gar nicht filmen wollte, hatte ich nur das iPhone dabei. Also alles mit Handy gefilmt.



    Grüße


    Berthold

  • Schon beeindruckend die Ähnlichkeit mit anderen Flohmärkten und andererseits der sehr eigene Charakter diese Marktes.

  • Die Qualität ist auch beeindruckend. Filme auch nur noch im Urlaub mit dem iPhone.

    Schöne Grüsse nach Burglinster aus, fast um die Ecke, Newel. :thumbsup:

  • Obwohl Du nur mit dem Telefon gefilmt hast, ist der Film dennoch gut geworden. Schöne Bilder, auch mit einigen Nah-/Detailaufnahmen und in sich schlüssig. Es ist Dir gelungen, die Marktatmosphäre gut rüberzubringen. :thumbsup::thumbsup:

  • Hi,


    war auch für mich wieder interessant und ein guter Einblick in ein mir unbekanntes Land.


    Eine Aufnahme mit der Insta360 wäre vielleicht schön gewesen.

    Also ich vermisse die nicht.

    Was ich so bisher an Aufnahmen aus 360 Grad Kameras gesehen habe, hat mir eher nicht gefallen.

    Und Du gehörst definitiv auch zu den Leuten, die Wissen in welche Richtung sie das Objektiv halten müssen.




    Gruß

    Peter

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  • Hallo liebe Videofreunde


    vor einiger Zeit hat mir Uli ("rod") in einer privaten Konversation einen alternativen Kommentar vorgeschlagen, viel persönlicher, subjektiver. Fand ich sehr interessant. Sollte diskutiert werden. Uli hat nun vorgeschlagen, diesen etwas anderen Kommentar hier reinzukopieren. Was ich hiermit tue. Eure Meinung dazu?


    1. Szene – Ankommen am Markt

    Original:

    „Der Panjia Yuan-Markt ist der größte Flohmarkt in Beijing. Er wirkt authentisch. Man sieht viele Chinesen, kaum Touristen.“

    Alternative:

    „Als ich an diesem Morgen in Panjiayuan ankam, fühlte ich mich sofort wie ein Fremder in einer Welt, die nicht für mich gemacht war. Keine Touristen - und es ist der größte Flohmarkt in Beijing. Nur Stimmen, die ineinanderflossen, Staub, Geschichte. Ich spürte: Hier suche ich nichts Bestimmtes – und genau deshalb vielleicht alles.“


    2. Szene – Alte Münzen, Mao-Zeit, Sammler

    Original:

    „Alte Münzen finden hier ihre Liebhaber. Sammler stöbern nach Kunstwerken und Büchern aus der Mao-Zeit. Sowohl Repliken als auch authentische Dokumente sind zu finden. Doch auch westliche Comics wechseln den Besitzer.“

    Alternative:

    „Zwischen alten Münzen und vergilbten Mao-Büchern suche ich Gesichter. Die Sammler hier jagen nicht nur nach Dingen – sie jagen nach Beweisen. Beweisen, dass etwas echt war. Oder echt sein könnte. Ich frage mich: Wie oft greifen wir nach Kopien und hoffen, dass sie uns wie Wahrheit fühlen lassen?“


    3. Szene – Verkäufer im Alltag

    Original:

    „Die Verkäufer fühlen sich wie zu Hause. Sie essen, schauen aufs Handy oder arbeiten an ihrer Schönheit.“


    Alternative:

    „Die Händler wirken, als lebten sie hier. Eine löffelt Reis, eine tippt stumm auf seinem Handy. Für mich ist das der schönste Kontrast: Während Käufer nach Geschichte suchen, leben die Verkäufer einfach ihr Heute.“


    4. Szene – Kleine Mitbringsel, Verpackungen

    Original:

    „Auch kleine Mitbringsel kann man für wenig Geld kaufen. Schachteln gibt es in allen Farben und Größen. In China werden Geschenke traditionell aufwendig verpackt. Die Verpackung ist ebenso wichtig wie der Inhalt.“

    Alternative:

    „Ich bleibe vor einem Stand voller Schachteln stehen – rot, grün, gold. In China zählt nicht nur, was du schenkst, sondern wie du es einhüllst. Und ich denke: Vielleicht gilt das auch für uns selbst. Wir verpacken uns in Rollen, in Fassaden. Aber was bleibt übrig, wenn das Papier einmal fällt?“



    5. Szene – Schmuck, rote Schachteln, Glück

    Original:

    „Manche Armbänder gibt es in roten Schachteln. Rot bringt in China Glück und Reichtum. So wird aus dem Schmuck ein passendes Geschenk.“

    Alternative:

    „Ein Armband, eingepackt in Rot. In China ist das ein Versprechen auf Glück und Reichtum. Ich halte es in der Hand und frage mich: Kann man Glück wirklich kaufen? Oder ist es nur eine Farbe, die wir uns gegenseitig schenken?“


    6. Szene – Pinsel & Kalligraphie

    Original:

    „Auch Pinsel zum Zeichnen oder für Kalligraphie sind im Angebot. In jeder Größe. Kalligraphie hat hier schließlich eine sehr lange Tradition. Wer will, kann es probieren. Dabei sieht es leichter aus, als es in Wirklichkeit ist.“

    Alternative:

    „Ein Händler legt mir einen Pinsel in die Hand. ‚Probier es‘, sagt er. Ich ziehe die erste Linie – sie verläuft schief, bricht ab. Alle lachen. Und doch: Für einen Moment spüre ich, was Jahrhunderte von Übung bedeuten. Dass Kunst nicht Perfektion ist, sondern der Versuch, Bedeutung in eine Linie zu legen.“


    7. Szene – Moderne Bezahlung

    Original:

    „Bezahlt wird fast ausschließlich per Handy-App.“

    Alternative:

    „Am Ende, egal ob Pinsel oder Jade, landet alles im selben digitalen Fenster. Ein Klick, und Geschichte verwandelt sich in einen QR-Code. Vielleicht ist das der größte Kontrast von Panjiayuan: Zwischen Tradition und Zukunft – wir zahlen mit der einen Hand, während wir mit der anderen nach Erinnerung greifen.“

  • Also mir gefällt Dein Kommentar in der jetztigen Form durchaus.


    Sicherlich könnte man da auch etwas anders oder "lockerer" gestalten/formulieren. Aber ich würde trotzdem darauf achten, dass es textlich nicht zu überladen wird. Oder um es böse auszudrücken kein "ständiges Blabla..".


    Dein Alternativvorschläge sind mir in der hier gezeigten Ausführung dann eben eher etwas zu lang und kommen mir teilw. auch so vor, wie frisch aus dem Schulaufsatz "Mein schönstes Ferienerlebnis". Würde mich insoweit nicht mehr im Film "halten", sondern eher zum Abschalten reizen. Ist aber halt auch Sache der persönlichen Ansicht.


    Mir gefallen halt Off-Kommentare eher in der etwas neutraleren Richtung, wie sie auch in bestimmten TV-Dokumentationen zu sehen sind. Für mich hat das auch nichts mit Wikipedia zu tun.

    "Persönliche" Kommentare halte ich dann gut, wenn der Sprecher auch im Bild zu sehen ist. Nur ist das nachträglich eben nicht zu leisten, bedarf also vorheriger Planung.


    Dazu als Beispiel:

    • statt dem vorgeschlagenen Off-Kommentar: "Als ich an diesem Morgen in Panjiayuan ankam, fühlte ich mich sofort wie ein Fremder in einer Welt, die nicht für mich gemacht war....:sleeping:"
    • Bild zeigt Dich auf dem Markt, Du sprichst direkt in die Kamera "Ich (Wir) sind hier in Panjiayuan, dem größten Flohmarkt in Beijing."
    • dann Bilder vom Markt, bei denen Du ab und zu auch zu sehen bist, mit Off-Kommentaren wie "Offenbar bin ich hier der einzige Tourist und fühle mich wie in einer fremden Welt..."

    Nur ist sowas halt nicht aus dem Stehgreif zu realisieren und nachträglich eben auch nicht erzeugbar.

    Man müsste also zumindest schon bei der Aufnahme ein (oder besser zwei???) gewisse(s) "fertiges" Konzept im Kopf haben um dentsprechende Aufnahmen zu machen.



    Gruß

    Peter

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  • Als reine Textfassungen finde ich den alternativen Kommentar von Uli in den meisten der Beispiele überaus interessant - er ist nicht weniger informativ als Deine, Berthods, Vorschläge, aber er bezieht immer den Sprecher / Filmer / Moderator mit ein.
    Ob das immer auch so gut zu den Bildern passt, muss im konkreten entschieden werden (Beispiel Pinsel & Kalligraphie).
    Aber auf jeden Fall eine Bereicherung!!

  • Zum Hintergrund: Mein Vorschlag ist ein Rohfassung. Ich hatte damals wenig Zeit und habe sie deshalb Berthold direkt zugeschickt.


    Und weil es ein erster Entwurf ohne Feinschliff ist die Frage: Wie würdet ihr den Text weiter entwickeln? Persönlicher? Persönlicher aber im Ton geschlossener? Ganz andere Sichtweise des Sprechers? Wie könnte das aussehen, sich anhören? Wie sonst?


    Wenn man die VO nicht aus einer persönlichen Sicht sprechen will, dann kann man mit Gegensatzpaaren wie in meinen beiden letzten Filmen "Museumsinsel (klick) und "Schlössernacht" (klick) arbeiten. Auch hier gern andere Ansätze, wie man VO spannender machen kann.


    Von VO-Texten wie "Ich (Wir) sind hier in Panjiayuan, dem größten Flohmarkt in Beijing." will ich weg. Das kann auch ein Automat als Information vermitteln, dazu braucht es keine menschliche Stimme. Bau Google Lens (klick) für Videos um, und man hat genau diese Art von Informationsvermittlung.


    Nebenbei, wer viel fotografiert und sich manchmal nicht sicher ist, welche Kirche, Pflanze usw. das ist, Google Lens hat mittlerweile eine relativ hohe Treffsicherheit. Meine Frau benutzt es bei unbekannten Pflanzen, Architektur usw. mit großem Erfolg.


    Und danke für den Kommentar Matthes!


    Beste Grüße, Uli

  • Frage: Wie würdet ihr den Text weiter entwickeln? Persönlicher? Persönlicher aber im Ton geschlossener? Ganz andere Sichtweise des Sprechers? Wie könnte das aussehen, sich anhören? Wie sonst?

    Wie schon geschrieben. auf alle Fälle kürzer, weniger (aus meiner Sicht) BlaBla.


    Wenn ein persönlicher Bezug erstellt werden soll, dann muss sich das auch möglichst bildinhaltlich spiegeln.

    Also zumindest eine bestimmte Person immer wieder mal (aber auch nicht ständig) im Bild auftauchen. Evtl. halt den Zuschauer direkt ansprechen.

    Wie sowas gut gemacht wird, gibt es auch in einigen TV-Dokumentation zu sehen.

    Im Idealfall kommen auch andere zu Wort, sei es ein Interview, oder zumindest ein kurzes Statement.


    Aber das erfordert halt vorherige Planung und eine gewisse Gestaltung der Aufnahmen. Das ist z.B. im Rahmen einer Urlaubsreise eher schlecht zu machen. Insbesondere wenn dann auch noch der selbsterzeugte oder aus der Gruppe entstehende Druck hinzukommt.

    Bei dem von mir genannten Beispiel „Wir sind hier auf dem größten Flohmarkt von Beijing“ geht es doch grade darum eine Verbindung zu dem da im Bild sichtbaren Sprecher zu schaffen. Die Information selbst steht da doch auch nicht unbedingt im Vordergrund.

    Aber trotzdem ist es doch wichtig auch eine (hier räumliche) Orientierung zu geben. Insoweit werden halt solche Aussagen immer auf die eine oder andere kommen. Und ich denke, werden auch erwartet.


    „Gegensatzpaare“ kann man natürlich auch einflechten, wann es denn passt. Diese aber jetzt zur besonders anzustrebenden und vor allem ständig verwendeten „Form“ zu stilisieren, halte ich für falsch und spätestens nach einiger Zeit für langweilig/nervig. Insbesondere wenn diese vielleicht nicht mal so, oder zumindest in dem Außmaß bestehen.


    Was sich halt immer lohnt, sind bestimmte neue/ungewöhliche Ansätze zu finden. Aber das ist halt vom jeweiligen „Projekt“ abhängig.

    Eine pauschale „Regel“ dafür wird man kaum sinnvoll aufstellen können.


    Gruß

    Peter

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  • Eine pauschale „Regel“ dafür wird man kaum sinnvoll aufstellen können.

    Nun, ich habe ja ausdrücklich nicht nach Regeln gefragt, sondern nach Entwicklungsmöglichkeiten. Das sollte hoffentlich klar geworden sein.


    Und die "Gegensatzpaare" sind universell, seit man Geschichten erzählt. Hast du keine Gegensatzpaare in deiner Geschichte (Film), bewegt sich nichts. Achtung: Gegesatzpaare sind nicht Streit!


    Ach ja, es gibt eine pauschale Regel, an der ich immer scheitere: Langweile nicht.


    Bester Grüße, Uli

  • Eure Meinung dazu?

    Beide Texte (Original: faktisch, informativ, sachlich. Gut geeignet, um Inhalte klar zu transportieren; Alternative: persönlich, reflektiert, literarisch-poetisch. Verwandelt Beobachtungen in kleine Geschichten und Gedanken) haben ihre Stärken. Original wirkt wie ein dokumentarischer Kommentar. Alternative wie ein persönlicher Reise-Essay oder fast schon ein literarischer Text mit Reflexionen.


    Mein Vorschlag lautet daher:

    • Vom Original übernehmen: Klarheit, Informationsdichte, Verständlichkeit.

    • Von der Alternative übernehmen: Atmosphäre, Subjektivität, kleine Reflexionen, die berühren.

      👉 Das Ergebnis solte ein Text sein, der gleichzeitig informiert und emotional anspricht – also „dokumentarisch-poetisch“.

    • Jede Szene sollte zuerst ein konkretes Bild oder eine Info geben (damit man sich orientiert).

    • Danach darf ein subjektiver Gedanke oder eine Reflexion kommen (für Tiefe und Emotion).

    • Der Ton sollte so sein, dass er „zum Zuhören einlädt“, nicht nur zum Wissen aufnehmen.

    Habe die beiden Varianten zusammengespielt, der die Stärken beider Varianten vereint:

    Szene 1 – Ankommen am Markt

    „Der Panjiayuan-Markt ist der größte Flohmarkt Beijings. Kaum Touristen verirren sich hier – fast nur Einheimische. Als ich ankam, fühlte ich mich sofort wie ein Fremder in einer Welt, die nicht für mich gemacht war. Stimmen, die ineinanderflossen, Staub, Geschichte. Und ich spürte: vielleicht suche ich hier nichts Bestimmtes – und finde genau deshalb alles.“

    ➡️ Erst Info, dann Stimmung.

    Szene 2 – Alte Münzen, Mao-Zeit, Sammler

    „Alte Münzen, Kunstwerke und Bücher aus der Mao-Zeit ziehen Sammler an. Es gibt Repliken und Originale – und sogar westliche Comics wechseln hier die Besitzer. Während ich zwischen den Ständen gehe, wird mir klar: Die Sammler suchen nicht nur nach Dingen. Sie suchen nach Beweisen – dafür, dass etwas echt war. Und vielleicht greifen wir alle manchmal nach Kopien, in der Hoffnung, dass sie sich wie Wahrheit anfühlen.“

    ➡️ Erst Info, dann Reflexion.

    Szene 3 – Verkäufer im Alltag

    „Die Händler verbringen hier fast den ganzen Tag – und wirken, als lebten sie direkt zwischen ihren Waren. Einer isst Reis, eine andere tippt still auf dem Handy. Für mich entsteht ein Kontrast: während die Käufer Geschichte jagen, leben die Verkäufer einfach ihr Heute.“

    ➡️ Beobachtung + Deutung.

    Szene 4 – Verpackungen

    „Kleine Mitbringsel und bunte Schachteln findet man an vielen Ständen – rot, grün, gold, in allen Größen. In China ist die Verpackung ebenso wichtig wie das Geschenk selbst. Ich bleibe stehen und denke: Vielleicht gilt das auch für uns. Wir hüllen uns in Rollen und Fassaden. Aber was bleibt, wenn das Papier einmal fällt?“

    ➡️ Kulturelle Erklärung + persönliche Ebene.

    Szene 5 – Schmuck

    „Manche Armbänder liegen in roten Schachteln – Rot, die Farbe für Glück und Reichtum. Ein perfektes Geschenk, sagt man. Ich halte eines in der Hand und frage mich: Kann man Glück eigentlich kaufen – oder ist es nur eine Farbe, die wir einander schenken?“

    ➡️ Fakt + offene Frage.

    Szene 6 – Kalligraphie

    „Auch Kalligraphiepinsel in allen Größen werden angeboten. Die Tradition ist uralt – und doch wirkt sie lebendig. Ein Händler drückt mir einen Pinsel in die Hand: ‚Probier es‘. Meine Linie verläuft schief, alle lachen. Für einen Moment spüre ich: Kunst ist weniger Perfektion – sondern der Versuch, Bedeutung in eine Linie zu legen.“

    ➡️ Kontext + kleine persönliche Geschichte.

    Szene 7 – Moderne Bezahlung

    „Am Ende, egal ob Pinsel oder Jade – bezahlt wird fast nur noch per Handy-App. Ein Klick, und Geschichte verwandelt sich in einen QR-Code. Vielleicht ist das der größte Kontrast von Panjiayuan: Zwischen Vergangenheit und Zukunft zahlen wir mit der einen Hand – während wir mit der anderen nach Erinnerung greifen.“

    ➡️ Fakt + Bild + Reflexion.


    Damit bekommst Du einen Text, der nicht nur dokumentiert, sondern auch einen persönlichen Erzählbogen aufbaut.


    Ich denke, mit diesem Vorschlag ist beiden Interessen gedient - Berthold's Intention zu informieren, und Ulrichs Intendion als "boring detector" :respekt:

    LG, Franz

    "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!" - "Ein Film sagt mehr als tausend Bilder!"

  • Oh, welche Überraschung, großartig, eine Weiterentwicklung. :respekt::servus::servus::servus:


    Vorausgeschickt: Die sachliche Info muss zur Orientierung des Zuschauers drin bleiben, da sind wir einer Meinung.


    Ich würde an diesem Teil des Vorschlags noch arbeiten:

    1. „Jede Szene sollte zuerst ein konkretes Bild oder eine Info geben (damit man sich orientiert).
    2. Danach darf ein subjektiver Gedanke oder eine Reflexion kommen (für Tiefe und Emotion).“

    Grundsatz::

    1. Zuerst die Info -->
    2. und dann die dazu gehörige Stimmung / Reflexion / Deutung / persönliche Ebene / offene Frage / kleine persönliche Geschichte

    Problem:

    1. Diese Trennung Info --> Emotion lässt Berthold zum "emotionalen Erklärer" und nicht zum "emotionalen Erzähler" werden. Die Emotion wird auf die Sache (Info) im Nachhinein aufgesattelt.

      Der Zuschauer: Ah, das ist der größte Markt <-> und so kann man (Berthold) sich dort fühlen. Das kann auch leicht ins belehren des Zuschauers gehen, auch wenn man es überhaupt nicht beabsichtigt.

      Wenn ich per Voice Over den Zuschauer in den Film hineinziehen will, muss die sachliche Information und die Emotion aus einem Guß sein, sonst wirkt sie leicht unglaubwürdig.
    2. Es kommt noch ein Rhythmus-Problem hinzu. Ist jede Szene so aufgebaut, dann erwartet der Zuschauer die Trennung Info-Emotion instinktiv über den ganzen Film. Wenn man Pech hat, konzentriert er sich nur auf einen Teil, weil z, B, die Emotionen immer nach der Info kommen. Da rutscht er in eine Art Trott.

      Deshalb vermeide ich es auch, Musik durchgehend auf Takt zu schneiden. Ist jeder Schnitt sekundengenau erwartbar, dusselt der Zuschauer kopfnickend ein - übertrieben gesagt.


    Ich verstehe, dass der Zuschauer immer orientiert werden muss - "um was gehts hier?" Das kommt bei meinem Alternativtext zu kurz.


    Mir ist wichtig, dass der Zuschauer beim Voice-Over-Text mitgehen kann, dass ich ihn emotional anspreche, Dass er wissen will, was erlebt der Kerl als nächstes?


    Drei Beispiele, wo die Emotion - aus meiner Sicht - auf die Info aufgesattelt werden und dadurch Brüche in der Erzählung (Voice Over) entstehen.


    Darunter habe ich auf die Schnelle jeweils einen Vorschlag geschrieben, wie man den Infoanteil erhöhen könnte, ohne den Text in zwei Teile aufzutrennen..


    Sind leider nur drei Beispiele, denn wir bekommen übers Wochenende Besuch und müssen noch vorbereiten.



    1. Szene

    Der Panjiayuan-Markt ist der größte Flohmarkt Beijings. Kaum Touristen verirren sich hier – fast nur Einheimische. Als ich ankam, fühlte ich mich sofort wie ein Fremder in einer Welt, die nicht für mich gemacht war.

    Stimmen, die ineinanderflossen, Staub, Geschichte. Und ich spürte: vielleicht suche ich hier nichts Bestimmtes – und finde genau deshalb alles.


    Alternative:

    „Als ich an diesem Morgen auf dem größten Flohmarkt Beijings ankam, fühlte ich mich sofort wie ein Fremder in einer Welt, die nicht für mich gemacht war. Es schien, als seien wir die einzigen Touristen auf dem Panjiayuan-Markt. Fremde Stimmen fließen ineinander, Staub, Geschichte. Ich spürte: Hier suche ich nichts Bestimmtes – und genau deshalb vielleicht alles.“



    2. Szene

    "Alte Münzen, Kunstwerke und Bücher aus der Mao-Zeit ziehen Sammler an. Es gibt Repliken und Originale – und sogar westliche Comics wechseln hier die Besitzer. Während ich zwischen den Ständen gehe, wird mir klar: Die Sammler suchen nicht nur nach Dingen. Sie suchen nach Beweisen – dafür, dass etwas echt war.(...)"


    Alternative:

    „Die Einheimischen kramen nach alten Münzen und vergilbten Büchern aus der Mao-Zeit. Sogar westliche Comics finden sie hier. Doch die Sammler jagen nicht nur nach Dingen – sie jagen nach Beweisen. Beweisen, dass etwas echt war. Oder - echt sein könnte. Ich frage mich: Wie oft greifen wir nach Kopien und hoffen, dass sie uns wie Wahrheit fühlen lassen?“



    3. Szene

    "Die Händler verbringen hier fast den ganzen Tag – und wirken, als lebten sie direkt zwischen ihren Waren. Einer isst Reis, eine andere tippt still auf dem Handy. Für mich entsteht ein Kontrast: während die Käufer Geschichte jagen, leben die Verkäufer einfach ihr Heute.“


    Alternative

    „Die Händler wirken, als lebten sie hier - als sei der Markt ihr Zuhause. Eine löffelt Reis, einer tippt stumm auf seinem Handy. Für mich ist das der schönste Kontrast: Während Käufer nach Geschichte suchen, leben die Verkäufer einfach ihr Heute.“


    Wie würdet ihr die Voice-Over-Stimme weiter entwickeln?


    Wie gesagt, wegen Besuch nur drei Beispiele.


    Und an Franz ( Sucjher ) nochmals herzlichen Dank für deine Mühe. Deine Ideen und Vorschläge führen weiter, klasse! :thumbup:


    Beste Grüße, Uli



  • Ist schon eine interessante Diskussion hier.


    Kleiner Einwand: nicht jedem liegt das Emotionale so. Am Schluss muss der Text ja von mir kommen, nicht aufgesetzt. Werde aber in Zukunft schauen, ob ich solche persönlichen Bemerkungen einbauen kann.


    Zweiter kleiner Einwand: der Text wird sehr lang. Da müsste ich noch zusätzliches footage finden.


    Danke jedenfalls


    Grüße aus Rotterdam


    Berthold

  • Ich denke das hier passt ganz gut dazu:


    VIDEOAKTIV-Workshop in Stuttgart und München: Von der Idee zum Film

    Joachim Sauer in Action, zeigt auch seine Reichenau Video-Dokumentation.

  • [...] nicht jedem liegt das Emotionale so.

    Das war auch meine Befürchtung.


    Wir krallen uns hier deinen Text, gestalten um, bringen neue (akustische) Aspekte ein, aber: es bleibt dein Film, dein Ton, deine Stimme, dein Andenken. Wie du vollkommen richtig festsstellst, muß der Text letzlich schon von dir kommen, und soll keinesfalls aufgesetzt wirken, was sehr leicht passiert, wenn du dich damit nicht persönlich identifizieren kannst oder magst.


    Ich befürchtete bereits Deinen Vorwurf der Anmaßung wegen dieses Vorgehens, bis mich deine explizite Aufforderung zur Diskussion hierorts dazu (siehe # 7) ermutigte.

    vor einiger Zeit hat mir Uli ("rod") in einer privaten Konversation einen alternativen Kommentar vorgeschlagen [...] Fand ich sehr interessant. Sollte diskutiert werden. Uli hat nun vorgeschlagen, diesen etwas anderen Kommentar hier reinzukopieren. Was ich hiermit tue. Eure Meinung dazu?

    Nun, es liegen ja mehrere Vorschläge bzw. Alternativtexte vor. Wie ist denn deine Sicht dazu, möchtest du diese (vielleicht nur versuchsweise) als alternatives Voice-Over einsprechen, um die visuelle Wirkung im Film zu erproben?


    Mein Abstraktionsvermögen reicht nicht so weit, um die Wirkung der Alternativtexte zu beurteilen, wie Ulrich befürchtet: "Das kann auch leicht ins belehren des Zuschauers gehen, auch wenn man es überhaupt nicht beabsichtigt."


    Dabei wäre so nebenbei auch leicht festzustellen, ob die Texte nicht viel zu lang sind.


    Nötigenfalls müßtest du halt zum Nachdreh neuerlich nach Beijing reisen...:ruder:

    meint scherzend,


    Franz

    "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!" - "Ein Film sagt mehr als tausend Bilder!"

  • Kleiner Einwand: nicht jedem liegt das Emotionale so. Am Schluss muss der Text ja von mir kommen, nicht aufgesetzt.

    :thumbsup: Berthold, genau darum ging es mir.


    Sicherlich kann man sich Rat und Ideen als Anregungen einholen.

    Aber letztlich sollte (nicht nur beim Kommentar) immer die eigene Meinung, der eigene Geschmack zählen. Denn auch nur dann wirkt es überzeugend und "ehrlich".




    Zweiter kleiner Einwand: der Text wird sehr lang. Da müsste ich noch zusätzliches footage finden.

    Dabei wäre so nebenbei auch leicht festzustellen, ob die Texte nicht viel zu lang sind.

    Und wen die zu lang sind (wovon ich absolut überzeugt bin) sollten die Texte gekürzt und nicht der Film verlängert werden.


    Genau wie beim Bild gilt halt auch bei Texten = unwichtiges sollte wegfallen.

    Kommentare / Dialoge sollen kurz, prägnant und "führend" sein.



    Gruß

    Peter

    Als Moderator verfasste Beiträge sind durch grüne Schrift erkennbar.

    Rest ist private Meinung

  • Also ich finde die Diskussion hier schon anregend und es stört mich überhaupt nicht, wenn alternative Voice over vorgeschlagen werden.


    Mein Text ist ja nicht die bibel. Bibeln sind mir eh fremd, egal welche

  • Den Text, den wir jetzt diskutieren, habe ich für einen fiktiven Berthold geschrieben. Wie schon gesagt, ich habe ja keine Ahnung, wie er die Situation in Peking tatsächlich empfunden hat.


    Den Text sollte Berthold auf keinen Fall eins zu eins übernehmen. Es ist eine Anregung, wie man Voice Over aus einem anderen Blickwinkel angehen kann. Wie viel Sachlichkeit bis Emotion jeder reinpackt, ist immer seine Entscheidung.


    Insofern ist die Frage, ob das jetzt zu lang oder zu kurz ist, nicht so wichtig. Es ist ein Ausprobieren, wie man es machen könnte. Jeder muss seinen Voice Over Text selber schreiben, weil es seine Stimme ist.


    Als Anregung liegen auf dem Tisch:

    • Die sachliche Art: "Hier steht die Kirche von ... dahinten seht ihr den berühmten ...
    • Die Entwicklungsgeschichte zum Bespiel der Museumsinsel als Gegensatzpaare zu erzählen
    • Den Zuschauer auf eine persönliche Erlebnisreise mitnehmen.
    • Weitere Ideen???

    Nach ersten Versuchen, z. B. in Reiseforen, ist die Reaktion auf Entwicklungsgeschichten um ein Vielfaches höher als auf die sachliche Erzählung


    Beste Grüße, Uli