Fakten und Emotionen in einer Dokumentation / Reisefilm

  • Warum fühlen sich viele Reisefilme an wie eine Geographiestunde am Montagmorgen? Weil wir den Zuschauer wie einen Touristen behandeln, nicht wie einen Gast.



    Vorbemerkung: Ich beziehe mich bei den Beispielen auf Bertholds (befe) Film „Roadmovie“ Diskussion HIER


    Mein Vorschläge gehen von einem Zuschauer aus, der weder Berthold noch die Reise kennt. Also kein Forumsmitglied, der guckt, weil er wissen, was Berthold gemacht hat. Oder ein Mitreisender, der ein paar Bilder braucht, um seinen eigenen Film im Kopf ablaufen zu lassen.



    Meine steile These: Fakten ohne Emotionen sind Ballast. Fakten eingebettet in eine Geschichte sind ein Anker.


    Dramatischer: Wenn ein Voice Over Text nur reine Fakten aufzählt und ansonsten das „erklärt“, was man ohnehin im Bild sieht, dann ist das ein Klotz am Bein des Zuschauers. So macht man ihn zum Touristen, der passiv aus dem Busfenster starrt.


    Beispiel zu Fakt: Erhöht man den Fakt „150 Kilometer weiter südlich wird Kakao angebaut“ um 50 % und sagt: „225 Kilometer weiter südlich wird Kakao angebaut“, dann reagieren vermutlich 90 % der Zuschauer nicht darauf.


    Ihr könnt das anhand eurer Filme testen: Erhöht oder erniedrigt faktische Zahlen oder allgemeine Größen- oder Mengenangaben um 50 %. Die wenigsten Zuschauer würden das bemerkenswert finden. Die Daten sagen ihnen meist nichts, denn sie sind viel zu weit weg vom eigenen Erleben.



    Vorschlag: Emotionen machen Fakten „erlebbar“, binden den Zuschauer


    Um den Zuschauern die Fakten begreiflich zu machen, muss man Nähe erzeugen.


    Drastischer: Du willst keine Distanz schaffen („Schau mal, wie exotisch Kolumbien ist“), sondern du willst die Grenzen im Kopf einreißen. Du willst, dass der Zuschauer den Schweiß der Fischer riecht und die Bitterkeit des Kakaos auf der Zunge spürt.


    Um diese Nähe und Direktheit zu erzeugen sage ich per Voice Over nicht WAS ich im Film zeige, sondern WARUM ich es zeige.


    „Das WAS ist: ‚Hier ist eine Brücke in Honda.‘ Das WARUM ist: ‚Diese Brücke war früher das Tor zum Gold des Landes – heute ist sie ein Weg in die Stille.‘


    Die Verschiebung von der reinen Beschreibung WAS sehe ich zur Frage, WARUM zum Teufel zeige ich das eigentlich? bringt dem Zuschauer den Film näher. Dem Zuschauer wird erfahrbar gemacht, wie es sich anfühlt den Rio Magdalena zu befahren.



    BEISPIELE

    ACHTUNG: Es geht mir nicht um genau diese Texte, die ich zur Demonstration ein wenig „farbiger“ gemacht habe. Kein Mensch soll das so wörtlich übernehmen. Ich will damit lediglich die Vorgehensweise Fakten durch Emotionen vermitteln zeigen. Jeder muss seine Texte aus seinem Erleben formulieren!


    Szene: Kakaobohnen / Rösten

    Roadmovie“:

    6:10 - „150 Kilometer weiter südlich wird Kakao angebaut. Über Anbau und Verarbeitung erfahren wir viel interessantes. … Die kleine Produzenten machen dann alles mit der Hand. Größere Produzenten von Kakao haben natürlich Geräte. … Wenn wir ein Schote aufmachen, dann holen sie die Kakaobohnen heraus. Vor der Röstung und nach der Röstung. Das andere kann man beißen, aber…


    Vorschlag:

    In den Bergen von Tolima beginnt eine Geschichte, die wir in Europa meist erst am Ende kennen. 95 Prozent des kolumbianischen Kakaos stammen von kleinen Farmen wie dieser. Es ist Handarbeit, die gegen die Anonymität des Weltmarkts steht. Bevor die Bohne zur süßen Versuchung wird, ist sie eine bittere Ernte - und ich merke, wenn ich die Schokolade später im Supermarkt kaufe, habe ich keine Ahnung, wie viel Schweiß in dieser einen Bohne steckt.



    Szene: Ankunft in Honda / Brücken

    Roadmovie“:

    7:07 - "Märkte, wie hier im Örtchen Honda, bieten viele Früchte, die uns völlig unbekannt sind. Schaut euch das an. Kann man mit dem Löffel rauslöffeln…"


    Vorschlag:

    Wir erreichen Honda. Man nennt sie die Stadt der Brücken – mehr als 40 davon spannen sich über das Wasser. Einst war dieser Ort der strategische Knotenpunkt, an dem die Reichtümer des Landes auf die Schiffe umgeladen wurden. Heute ist Honda ein ‚Pueblo Patrimonio‘, ein geschütztes Erbe. Aber hinter den prächtigen Fassaden der Kolonialzeit stellt sich mir die Frage: Wie viel Zukunft verträgt so viel Vergangenheit?


    Szene: Fischer mit Wurfnetz

    Roadmovie“:

    8:47 - „Ein Fischer zeigt uns die traditionelle Technik des Fischfangs mit Wurfnetzen


    Vorschlag:

    Die Fischer von Honda bewahren NOCH ein Handwerk, das so alt ist wie der Fluss selbst. Es sieht toll aus im Sucher meiner Kamera. Aber für den Fischer ist es kein Kunstwerk, sondern die einzige Chance, heute Abend den Teller voll zu kriege. Doch, die Fischbestände sinken, das Ökosystem steht unter Druck. Das Wurfnetz ist kein Souvenir – es ist das letzte Werkzeug einer bedrohten Lebensgrundlage. Der Fischer wird vielleicht satt, aber kaum von seinem Fang leben können, wovon dann?


    Szene: Gruppenfoto / „Es wird gefilmt

    Roadmovie

    9:34 - „Und endlich gibt es ein Gruppenfoto. Aber das ist Film. Es wird gefilmt.“


    Vorschlag:

    Wir machen ein Foto. Wir dokumentieren unsere Anwesenheit in einer Welt, die uns eigentlich fremd ist. Aber indem wir filmen, indem wir hinschauen, fangen wir an, die Grenzen in unseren Köpfen aufzulösen. Kolumbien ist nicht weit weg. Es ist genau hier, in diesem Moment der Begegnung. Und das ist keine Information aus dem Lexikon – das ist der Kern unserer Reise.“


    ——


    Zusammenfassung:


    Die Fakten sind das als Fundament: Die „95% Kleinfarmen“, die „70% BIP“, die „40 Brücken“ sind drin. Aber sie fühlen sich nicht als Lern-Beispiele an. Sie geben dem Zuschauer die nötige Erdung, ohne den poetischen Fluss zu unterbrechen.


    Von Fakten zum Fühlen: Ich erkläre nicht nur, dass Honda ein „Pueblo Patrimonio“ ist, ich frage, was das für die Menschen bedeutet. Das ist der Sprung vom Touristen zum Architekten der eigenen Perspektive.


    Die Brücke nach Europa: Indem wir den Kontrast zwischen „unserem Supermarkt“ und der „bitteren Ernte“ holen wir den europäischen Zuschauer dort ab, wo er steht.


    Vielleicht ist einigen aufgefallen, dass ich wieder mit Widerspruchspaaren gearbeitet habe. Wenn’s interessiert, kann ich kurz beschreiben, wie ich da vorgegangen bin.


    Beste Grüße, Uli

  • Lieber Uli, ich bin hier zwar meist nur stiller Mitleser, finde aber deine Beiträge absolut Klasse. Der Kommentar im Film ist wie die Musik ein wesentlicher Aspekt der Gestaltung unserer Filme und oft ist eben so, dass irgendwelche Fakten genannt werden. Das mache ich leider auch häufig so. Aber wie auch bei Führungen in Städten oder Gebäuden rauschen die Zahlen an einem vorbei, es bleibt da nichts hängen.

    Wir wollen mit dem Kommentar unseren Film ja noch interessanter machen. Deinen Ansatzpunkt mit dem "WARUM ZEIGE ICH DIESE BILDER" bringt oft neue Sichtweisen auf eine bestimmte Szene. Das erregt letztlich auch das Interesse des Zuschauers.


    Mir bringen deine Beiträge sehr viel! Vielen Dank dafür, mach bitte weiter so!


    Gruß! Gerd

  • Wow, eine Rückmeldung und dann auch noch eine positive. Herzlichen Dank, freut mich.


    Das "Emotionale" ist ja kein nix künstliches, auf die Tränen drückendes oder aufgeplustert dramatisches..



    Ich schlage ganz sachlich zwei Schritte vor.


    1. 50 % Check: Erhöht oder erniedrigt in euren Filmen Fakten um 50 % und schaut, ob das beim Zuschauer mehr Eindruck hinterlässt als die ursprüngliche Angabe.


    2. Oder ihr sagt beim Voice Over nicht was ihr zeigt, sondern warum ihr es zeigt. Das warum stellt immer einen Zusammenhang her. Und da hat man die Chance das Bild mit Erfahrungen der Zuschauer zu verbinden:


    "In den Bergen von Tolima beginnt eine Geschichte, die wir in Europa meist erst am Ende kennen. 95 Prozent des kolumbianischen Kakaos stammen von kleinen Farmen wie dieser. (...) Bevor die Bohne zur süßen Versuchung wird, ist sie eine bittere Ernte - und ich merke, wenn ich die Schokolade später im Supermarkt kaufe, habe ich keine Ahnung, wie viel Schweiß in dieser einen Bohne steckt.


    Dass 95 % des kolumbianischen Kakaos aus kleinen Farmen kommen, ist faktisch interessant. Uns hätte es aber auch nicht weniger beeindruckt (50 % Check) wenn es nur 47,5 % wären. Denn, wir haben keine emotionale Beziehung zu diesen abstrakten Daten.


    Verbinde ich die Kakaoproduktion jedoch mit dem Kauf einer Schokolade im heimischen Supermarkt, dann verbindet jeder was emotionales damit: Man freut sich schon im Markt, dass man sie gleich in sich reinstopft, obwohl man den Kindern genau das Gegenteil predigt. "Immer nur ein Stück, den Rest gibt es morgen...


    Beste Grüße, Uli

  • Eine Rückmeldung ist: alles verständlich, alles begründet.

    Wer was "mit Medien" machen will, insbesondere sich an Filmen versucht, für den ist es eine Erstsemestervorlesung.

    Man kann sich auch mal Sendungen vor Mara TV runterladen und das mal untersuchen - Schnittabfolge und Text - da kann man viel rausziehen.

    Ein anderes Beispiel ist ein Film den ich vor geraumer Zeit über den Abschnitts des Rheines zwischen Rüdesheim un der Lorelei gemacht habe. Dazu gibt es einen Film in der gleichen Gegend mit Judith Rakers. Welten liegen dazwischen und die kann ich nicht besser nie erreichen.

    Für meine Filme muss ich nehmen was ich habe...

  • Hallo hallo,


    also ich habe mir noch mal Walters schönen Film über den romantischen Rhein angesehen. Finde den immer noch klasse. Bin sehr froh, dass Walter in seiner trockenen norddeutschen Art kommentiert. Da vermisse ich nichts. "Hoch am Berg ist die Burg Kaub. Vermutlich 1220 als Reichsburg erbaut. Sie wurde auch belagert, ließ sich aber nie einnehmen. Daher gabe ihr Ludwig, der Friedfertige von der Pfalz, den Namen Burg Gutenfels."


    Zum Glück sagt Walter nicht: "diese Burg zeige ich, weil mir so ein Monument der Geschichte zu Hause in Pinneberg fehlt. Aber ich denke auch an den unendlichen Schweiss der Arbeiter, die diese Burg errichten mussten. Ihr Leid spüre ich in jeder Ritze der Burg."


    Habe mir auch den Film von Judith Rakers über den Rheinstieg angesehen, den Walter anspricht. Finde da den Kommentar nicht besser, eher schlechter. Die Aufnahmen sind natürlich viel besser, aber da ist ja auch ein ganzes professionelles Team dran. Als Text hat sie viele andere Leute, die was sagen. Das ist sehr locker und unterhaltsam, aber als Amateur habe ich das halt nicht. Rakers' Text ist mir zu schwülstig: "Der Rheinsteig. Spektakulärer Wanderweg mit einer der größten Burgendichte Europas. Sagenhaft schön und märchenhaft."


    Naja, ich bin da aufgewachsen und kenne die Ecke recht gut. Ist ganz nett, aber nicht spektakulärer als anderswo. Und in keiner Weise märchenhaft.


    Soviel meine 5 Cent zum Thema.


    Ciao


    Berthold

  • Ein anderes Beispiel ist ein Film den ich vor geraumer Zeit über den Abschnitts des Rheines zwischen Rüdesheim un der Lorelei gemacht habe. Dazu gibt es einen Film in der gleichen Gegend mit Judith Rakers. Welten liegen dazwischen und die kann ich nicht besser nie erreichen.

    Hallo Wabu, hier sind einige der Mitwirkenden von Judith Rakers Film.

    So was können wir uns nicht leisten, deshalb sollen wir nie unsere Filme damit vergleichen aber man kann viel dabei lernen!

    • Autor & Regie: Andreas Schlosser.
    • Redaktion: Margit Höh (WDR) und Marcus Hansel (NDR).
    • Produktion: Bavaria Entertainment GmbH im Auftrag des WDR
    • Kamera: Matthias Martinez, Andréa D. Conrad
    • Ton: Tim Bornemann
    • Schnitt: Andréa D. Conrad

  • Hm, hier wurden schon mehrfach öffentlich-rechtliche, also professionelle Produktionen als Vergleich herangezogen. Meist mir dem Argument, sowas könne man nie erreichen.


    Mich wundert das, denn diese Produktionen arbeiten unter völlig anderen Bedingungen als wir Amateure. Sie haben eine Redaktion, in diesem Fall auch eine Sprecherin, die als Reisereporterin unterwegs ist und von einem Kamera- und Tonmann begleitet wird. Und vor allem, sie haben einen Produzenten mit Fixern, die alle konkreten Schwierigkeiten aus dem Weg räumen. Davon können wir Amateure nur träumen.


    Das Einzige, das ich im Vergleich zu professionellen Produktionen immer sage: Seht sie euch an und schaut, was ihr davon "klauen" könnt. Nicht mehr und nicht weniger.


    Mit geht es in diesem Thread nur um die Verschiebung von der Frage WAS zeige ich zu der Frage WARUM ZEIGE ICH ES? Dazu braucht man keine professionelle Produktion.


    Interessehalber, kann mir jemand den Link zu dem Film von Rakers geben?


    Beste Grüße, Uli

  • Der Rheinsteig - Wandern im Mittelrheintal zwischen Koblenz und Rüdesheim | Wunderschön | ARD Reisen


    Worum es mir geht: Du nimmst einen Film und kommentierst ihn um.

    Wenn Befe so kommentieren würde - es wäre nicht sein Film, wie ich ihn kenne. Jeder hat seine Erzählweise.

    Die von Befe ist ja den interessierten bekannt. Er schildert sein Erleben bei seinen Reisen. Seine Eindrücke sind seine eigenen und genau die teilt er mit.

  • Worum es mir geht: Du nimmst einen Film und kommentierst ihn um.

    Wenn Befe so kommentieren würde - es wäre nicht sein Film, wie ich ihn kenne. Jeder hat seine Erzählweise.

    Nun, das ist doch die Vorgehensweise bei einer Filmkritik. Ich kann die Katze nicht waschen ohne sie nass zu machen.


    Ich will ihm nicht seine Erzählweise nehmen. Ich denke aber, dass von dem was er sagt, nicht wie er es sagt, Luft nach oben ist. Das sieht er anders, was völlig ok ist.


    Und das ich seinen Text praktisch "umkommentiere" ist mein praktisches Beispiel, wie man es anders machen könnte rpt könnte. Sonst kommt wieder der Vorwurf, meine Argumentation sei zu theoretisch.


    Ich habe das Thema in einen extra Thread ausgelagert, weil es mir auch grundsätzlich um das Verhältnis von Fakten zu Emotionen ging.


    Danke für den Rakers Link.


    Beste Grüße, Uli

  • Als Text hat sie viele andere Leute, die was sagen. Das ist sehr locker und unterhaltsam, aber als Amateur habe ich das halt nicht.

    Das ist m.E. ein durchaus wichtiger Punkt. Solche "Livekommentare" können einen Film halt sehr stark beleben.


    Leider ist es allerdings wirklich recht schwer jemanden zu finden, der bereit ist da auch vor der Kamera zu agieren. Selbst wenn jemand bereit ist sich (bei irgendeiner Tätigkeit) filmen zu lassen, wollen diese eher nichts sagen. Das ist ja auch irgendwie verständlich, grade wenn dann plötzlich eine "Meute" Touristen von irgendwo herbeistürmt.


    Wenn man etwas mehr Zeit findet und mit den Leuten zunächst (ohne Kamera) ins Gespräch kommt, bieten sich da doch manchmal Gelegenheiten. Nur dazu braucht es Geduld und halt Zeit, die man oft nicht hat.


    Wobei Du sowas ja in Deinem Film über die Flussfahrt auf dem Rio Magdalena durchaus auch an mehrere Stellen (4:35 / 6:15 / ab 7:19) verwendet hast. Zumindest also bei den Tourguides funktioniert es also auch als "Amateur".



    Das Einzige, das ich im Vergleich zu professionellen Produktionen immer sage: Seht sie euch an und schaut, was ihr davon "klauen" könnt. Nicht mehr und nicht weniger.

    Da stimmen wir absolut überein.


    Man kann sich da durchaus Anregungen holen, wie dort grundsätzlich vorgegangen wurde.

    Dazu dann die Überlegung auf welche Weise man mit eigenen Mitteln ähnliches erreichen, bzw. dort gewonnene Ideen für sich umsetzen kann.


    Auch sehe ich da eher nicht unbedingt die unbestritten vorhandene "Manpower" und ausgeklügelte Organisationsstruktur einer professionellen Produktionsfirma als ausschlaggebenden Vorteile. Ich denke, eher der Zeitfaktor ist da entscheidend.


    Urlaubsreisen, insbes. wenn "organisiert", sind nun aber mal zeitlich sehr beschränkt. Und man will ja sicherlich in erster Linie Urlaub machen, und nicht einen Film "drehen". Aber man sollte sich doch vielleicht mehr auf das Filmen einlassen, und es nicht als notwendiges "Nebenbei" betreiben, sondern bewußt auch daran Freude finden. Was sich m.E. durchaus auch auf das Urlaubserlebnis ansich positiv auswirkt.


    Vergleicht doch in der Hinsicht auch mal die hier im Forum eingestellten Filme. Also was auf irgendwelchen Urlaubsreisen enstanden ist, mit "Reportagen" die offenbar in der näherern Umgebung des Einstellers gedreht wurden. Ich denke, auch da sieht man (i.d.R.) durchaus Unterschiede.




    Gruß

    Peter

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  • Wenn Befe so kommentieren würde - es wäre nicht sein Film, wie ich ihn kenne. Jeder hat seine Erzählweise.


    Das gilt auch für Walters Videos. Er hat die trockene nordeutsche Art, die viele schätzen. Würde er anders kommentieren, würden sich viele abwenden.


    Siehe #5


    Mir scheint, wir haben Ulis Anliegen jetzt begriffen. Nun würde mich ein Video in diesem Stil interessieren, am Besten von ihm.


    Grüße

    Berthold

  • Mich wundert das, denn diese Produktionen arbeiten unter völlig anderen Bedingungen als wir Amateure. Sie haben eine Redaktion, in diesem Fall auch eine Sprecherin, die als Reisereporterin unterwegs ist und von einem Kamera- und Tonmann begleitet wird. Und vor allem, sie haben einen Produzenten mit Fixern, die alle konkreten Schwierigkeiten aus dem Weg räumen. Davon können wir Amateure nur träumen.


    Jein....


    Klar, es steht eine Redaktion hinter dem Team vor Ort. Aber vieles macht der Filmautor selbst, von der ersten Recherche bis hin zum Konzept welches dann von der (Chef-)Redaktion freigegeben wird über die Arbeit im Vorfeld und den Dreh selbst bis hin zum Text schreiben und den Schnitt begleiten.


    Nicht immer arbeitet da 24/7 ein großes Team im Hintergrund....


    Ein wesentlicher Vorteil ist das mehrere Leute zusammenarbeiten, ggfs. jeder seine Ideen mit beisteuert und die Arbeit daher leichter fällt bzw. bessser wird wie wenn ein Einzelkämpfer am Werk ist - dazu haben Profis i.d.R. die nötige Übung und Erfahrung um effizient zu arbeiten. Und auch die nötige Ausbildung und Schulung.


    Zudem ist es halt immens effizient und erleichtert vieles wenn der Redakteur bzw. Filmautor bspw. bei einem Interview ein Vorgespräch mit seinem Protagonisten führen kann während der Kamera- und der Ton-Mann die Technik aufbauen, ggfs. das Bild ausleuchten usw. - und während kleiner Pausen während des Interviews der Kameramann selbstständig Schnittbilder dreht usw.


    Ein weiterer Punkt ist das alleine das Wort "Fernsehsender" ein hervorragender Türöffner ist um überhaupt Zugang zu bestimmten Themen und/oder Motiven bzw. Drehorten zu bekommen, sei es bei Organisationen, bei Behörden oder Firmen usw. - da wo der kleine Filmamateur eben keine Drehgenehmigung bekommt kann das TV-Team oftmals trotzdem drehen.


    Wenn ich bspw. als Amateurfilmer einen Film über einen Kurort drehen möchte und die Behandlungsmethoden der örtlichen Kurklinik vorstellen will werde ich vermutlich zwar eine nette Antwort bekommen und vielleicht etwas Infomaterial oder den Hinweis auf den klinikeigenen Werbefilm im Netz - klopft ein Fernsehsender an so darf der in der Klinik drehen und der Pressesprecher der Klinik oder der Chefarzt werden ggfs. für ein Statement oder Interview zur Verfügung stehen.


    Das ist zumindest meine Erfahrung....

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  • Ein weiterer Punkt ist das alleine das Wort "Fernsehsender" ein hervorragender Türöffner ist um überhaupt Zugang zu bestimmten Themen und/oder Motiven bzw. Drehorten zu bekommen, sei es bei Organisationen, bei Behörden oder Firmen usw. - da wo der kleine Filmamateur eben keine Drehgenehmigung bekommt kann das TV-Team oftmals trotzdem drehen.

    Das ist einfach so. Wer als filmender Tourist kommt, wird erst mal in die Schublade "wer sind die eigentlich (die nerven)?" geschoben. Vor allem, wenn man was spontan unterwegs organisieren will.


    Gerade als Amateur muss man Interviews, Zugangsberechtigungen, Dreherlaubnis, Freigaben usw. weit vor der Reise sauber abklären. Was völlig unserer Art zu reisen widerspricht.



    Mir scheint, wir haben Ulis Anliegen jetzt begriffen. Nun würde mich ein Video in diesem Stil interessieren, am Besten von ihm.

    Du meinst, wer gackert soll auch ein Ei legen. Bin an meinen ersten Versuchen dran, dauert aber noch einige Zeit.


    Du kannst ja vorweg in mein umstrittenes Video "200 Jahre Berliner Museumsinsel" schauen. Da habe ich versucht, vom Wikipedia-Erklär-Stil wegzukommen. KLICK


    Beste Grüße, Uli

  • Das ist einfach so. Wer als filmender Tourist kommt, wird erst mal in die Schublade "wer sind die eigentlich (die nerven)?" geschoben. Vor allem, wenn man was spontan unterwegs organisieren will.


    Natürlich ist das Wort "Fernsehproduktion" oder "TV-Sender" bzw. "Presse" allgemein auch kein universeller Türöffner, aber oftmals geht damit das ganze deutlich leichter.


    Wobei heutzutage auch schon darauf geachtet wird ob man sich einfach nur so bezeichnet weil man eben einen Youtubekanal hat und Influenza ist....


    Gerade als Amateur muss man Interviews, Zugangsberechtigungen, Dreherlaubnis, Freigaben usw. weit vor der Reise sauber abklären. Was völlig unserer Art zu reisen widerspricht.


    Nicht immer, teilweise kann man auch solche Dinge vor Ort recherieren bzw. organisieren. Natürlich ist ein gewisser Vorlauf immer von Vorteil, wenn ich eine, zwei Wochen "vor Ort" bin ist das für Recherche usw. natürlich besser als wie wenn ich nur einen oder zwei Tage vor Ort bin.


    Auch tut man sich als Einzelreisender natürlich deutlich leichter wie als Teilnehmer einer Reisegruppe...


    Natürlich ist das Aufwand, Natürlich kostet das vor allem Zeit (und manchmal auch Geld) und die Frage ist ob man das überhaupt möchte oder ob einem der Urlaub lieber ist....


    Ich habe das Thema in einen extra Thread ausgelagert, weil es mir auch grundsätzlich um das Verhältnis von Fakten zu Emotionen ging.


    Ein guter Weg weg von reinem ZDF - Zahlen, Daten, Fakten welche wie aus Wikipedia oder einem Reiseführer vorgelesen klingen sich einfach vorzustellen wie man diese Informationen (welche ja auch tlw. ganz interessant sind) einem Freund der nicht auf der Reise dabei war am Abend in der Kneipe erzählen würde.


    Da wird man auch keinen Wikipedia-Erzählstil nutzen. Sondern eher auf emotionaler Basis erzählen.


    Wichtig ist auch beim Kommentar einfache, kurze Sätze zu bauen. Keine langen Sätze, keine komplizierten Formulierungen. Einmal weil sich solche einfachen Sätze leichter verstehen lassen und zweitens weil solche Sätze auch deutlich einfacher zu sprechen sind.

    also ich habe mir noch mal Walters schönen Film über den romantischen Rhein angesehen. Finde den immer noch klasse. Bin sehr froh, dass Walter in seiner trockenen norddeutschen Art kommentiert. Da vermisse ich nichts. "Hoch am Berg ist die Burg Kaub. Vermutlich 1220 als Reichsburg erbaut. Sie wurde auch belagert, ließ sich aber nie einnehmen. Daher gabe ihr Ludwig, der Friedfertige von der Pfalz, den Namen Burg Gutenfels."


    Zum Glück sagt Walter nicht: "diese Burg zeige ich, weil mir so ein Monument der Geschichte zu Hause in Pinneberg fehlt. Aber ich denke auch an den unendlichen Schweiss der Arbeiter, die diese Burg errichten mussten. Ihr Leid spüre ich in jeder Ritze der Burg.


    Der Kommentar ist ansich schon ganz in Ordnung, aber ich würde das anders formulieren:


    Die Burg Kaub. Ihr genaues Alter lässt sich nicht mehr feststellen. Vermutlich wurde sie 1220 als Reichsburg erbaut. Oft belagert wurde sie aber nie eingenommen. Burg Gutenfels. Diesen Namen gab ihr daher Ludwig, der Friedfertige von der Pfalz. Heute ist sie ein stummer Zeitzeuge, hoch oben am Berg.

    Wobei man den letzten Satz natürlich auch weglassen könnte, denn die Bilder zeigen ja die Lage der Burg....


    Solche Formulierungen sind die künsterlische Freiheit des Autors - und ganz klar, jeder vermag da etwas anderes zu erzählen.


    Wichtig finde ich halt das gerade trockene Informationen, egal wie interessant, unterhaltsam und kurzweilig rübergebracht werden. Wenn ich Größenangaben habe, warum nicht neben der reinen Zahlenangabe bspw. die Abmessungen in Länge, Breite oder Fläche eines Fußballfeldes vergleichen - oder Gewichte mit Kleinwagen oder Elefanten - oder Geschwindigkeiten mit vergleichbaren Werten anderer Transportmittel usw. - klar, da muss man ein kleinwenig recherchieren, aber mit etwas Witz in der Stimme lockert das eine Präsentation ganz gut auf....

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  • Natürlich ist das Aufwand, Natürlich kostet das vor allem Zeit (und manchmal auch Geld)

    Hierzu mal ein Beispiel -

    für meinen Film über die Altstadt Spandau benötigte ich eine Drehgenehmigung für das Museum und die Ausstellungen im Gotischen Haus, welches dem Kulturamt des Bezirks Spandau untersteht.

    Hier zeigte man sich sehr sogar entgegenkommend. Da ich mit dem Film keine Einnahmen erzeugte, wurde mir die Drehgenehmigung sogar ohne irgendwelche Gebühren erteilt (die sonst angefallen wären). Einziges Manko war, dass der "Vorgang" beim Amt trotz beharrlicher Nachfragen etwa ein Jahr in Anspruch nahm.


    Aber es sind ja auch nicht immer Berliner Ämter involviert.

    Ich habe jedenfalls bei derartigen Gelegenheiten festgestellt, dass wenn man die Leute zunächst einmal freundlich anspricht, ihnen erklärt worum es einen geht und höflich fragt, diese dann oft auch einwilligen. Manche freuen sich dann sogar.


    Und sowas klappt auch im Urlaub. Man darf halt nur nicht "übergriffig" sein und gleich mit der gezückten Kamera heranstürmen.

    Das ist auch Teil von dem "Zeit nehmen", welches ich für wichtig empfinde.



    Gruß

    Peter

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    Rest ist private Meinung

  • Rakers' Text ist mir zu schwülstig: "Der Rheinsteig. Spektakulärer Wanderweg mit einer der größten Burgendichte Europas. Sagenhaft schön und märchenhaft."


    Solche Formulierungen sind die künsterlische Freiheit des Autors - und ganz klar, jeder vermag da etwas anderes zu erzählen.

    Zur Klarstellung: Es geht mir hier nicht um die Art des Vortrages. Das kann nordisch trocken wie bei Wabu, nüchtern wie befe, schwülstig wie bei Rakers, oder, wenn's passt, auch schwäbisch sein.


    Mir geht es um die Funktion der Texte:

    Weg von der reinen Erklärung WAS ich sehe -->> hin zu der Frage, WARUM habe ich das aufgenommen. Und mit dem WARUM habe ich immer die Chance, die aufgenommenen Bilder mit Erfahrungen der Zuschauer zu verbinden. Das ist der Knackpunkt.


    Auch hier muss jeder entscheiden wie er das macht, das ist sein "Markenzeichen / Branding: "Ah, ein typischer befe, oh ein Wabu", oder von ganz anders.


    Beste Grüße, Uli

  • Es kommt imme auf den Zuschauer,Zuhörer an- dessen Geschmack und Vorlieben und die sind nun mal verschieden, deshalb ja auch so unterschiedliche Bewertungen.

    Uli hat schon recht, wir müssen die emotionale Seite des Zuschauer treffen, aber der Eine liebt es trocken, sachlich, der Andere romantisch usw.

    Ich persönlich haben an vielen professionellen Dokus eine Menge auszusetzen -sie langweilen mich häufig, weil sie nach einem Standardmuster gedreht wurden - kein Wunder bei dem knappen Zeitbudget und den Vorgaben. Daher auch der Trend zum streamen statt klassischem Fernsehen. Filme sehe ich da schon eher als Vorbild und da gibt es ja auch beliebige Genres aus den man auswählen kann.

    Aber Uli sagt das Wesentliche, wenn man seine Filme auch zeigen will: da muss schon etwas pep hinein, sonst schlafen die Zuschauer schnell ein.

    Dirk

  • Mir geht es um die Funktion der Texte:

    Weg von der reinen Erklärung WAS ich sehe -->> hin zu der Frage, WARUM habe ich das aufgenommen. Und mit dem WARUM habe ich immer die Chance, die aufgenommenen Bilder mit Erfahrungen der Zuschauer zu verbinden. Das ist der Knackpunkt.


    Dieses WARUM muss nicht mal unbedingt sein, es kann aber eine Möglichkeit sein.


    Wichtig ist m.E. nach vor allem keinen Film für Blinde, sprich einen Film mit akustischer Bildbeschreibung zu erstellen.


    Ein Beispiel dazu: Tag der offenen Tür auf dem Wertstoffhof, die einzelnen Fahrzeuge der Müllabfuhr stehen nebeneinander ausgestellt. Das Bild zeigt diese Ausstellung in einer Totalen.


    Der Off-Text dazu sollte nicht "Hier sind die Müllfahrzeuge ausgestellt" (Das zeigt das Bild ja...) sondern lieber "Zur Abfallensorgung wird ein ganz schön großer Fuhrpark benötigt"


    Das klingt bedeutend besser....

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  • Uli hat schon recht, wir müssen die emotionale Seite des Zuschauer treffen, aber der Eine liebt es trocken, sachlich, der Andere romantisch usw.

    Die emotionale Seite kann auch durch eine sachliche Darstellung angesprochen werden. Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass man eine Verbindung von dem selbst erlebten, das man gefilmt hat zu dem Zuschauer herstellt.


    Macht man das rein faktisch: "Hier der Breslauer Dom, der in den Jahren 1244 bis 1341 im Stil der Gotik errichtete wurde. Seine zwei Türme sind 98 Meter hoch". Dann geht das zum einen Ohr rein und fällt aus dem anderen wieder raus.


    Wichtig ist m.E. nach vor allem keinen Film für Blinde, sprich einen Film mit akustischer Bildbeschreibung zu erstellen.

    ich nenne das "begleitendes Sehen".


    Beste Grüße, Uli

  • Hallo


    habe mir jetzt noch mal den Film von Uli über die Berliner Museumsinsel angesehen. Toller Kommentar, schöner Text, informativ und leicht ironisch. Sowas lese ich sehr gern in der Zeit oder der Wochenendausgabe der Süddeutschen oder FAZ.


    Allerdings brauche ich mir dazu nicht das Video ansehen. Der Bezug zwischen Video und Text ist gering. So schöne Texte lese ich lieber, da kann ich die Lesegeschwindigkeit kontrollieren.


    Aber das ist ja alles Ansichtssache, dem einen so, dem andern so.


    Grüße


    Berthold