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Ich habe das als Einzelkämpfer gemacht, meine Frau hat mitgeholfen. Es ist an der Grenze dessen, was ich noch hinbekomme. Da sieht man, dass es die Fernsehleute mit Team und Equipment und zentraler Regie doch leichter haben.
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Hallo Jürgen,
auch von meiner Seite eine ausgesprochene Hochachtung zu dieser Leistung! Das soll Dir erst einmal jemand (mit Amateurequipment) nachmachen!
Ich habe an ähnlichen Events in verschiedenen Aufgaben mitgewirkt und kann daher sehr gut beurteilen, welcher Aufwand dahinter steckt - und hatte mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, wie Du!
Da ich sehr guten Zugang zu Klassischer Chormusik finde, habe ich Deine Aufnahme genau analysiert und festgestellt, dass die Kamera7 (Deine Sony PXW-X70) zwar demonstrativ am Reisestativ ausgerichtet auf den Dirigenten zeigt, jedoch NIE ins Bild kam! Deine obige Erklärung - drei bevorzugte Rosstuhlfahrer - erklärt diesen Umstand natürlich.
Dies wäre auch mein erster Krititkpunkt gewesen, denn der Dirigent kam für mein Gefühlt viel zu selten bzw. garnicht bildfüllend vor; dieser Kritikpunkt ist somit bereits hinfällig, das fällt unter "höhere Gewalt"!
Bei einer meiner Konzertaufnahmen hat sich der Dirigent die Zeit genommen, mit mir gemeinsam den Muktikameraschnitt vorzunehmen, und dafür zwei ganze Sonntage (!) geopfert... Wir profitierten davon beide: er kam immer ins Bild, wenn ihm dies aus künstlerischer Sicht wichtig erschien, und ich lernte von ihm, auf die Besonderheiten seiner Interpretationen einzugehen, sprich: er konnte jeden Schnitt nicht nur anordnen, sondern diesen auf musikalisch begründen! Ich empfand dies als Gratisunterricht und willkommene Schnitthilfe.
So kam es denn auch, dass der Multikameraschnitt mit drei Kameras (zwei bemannte, eine PTZ-Kamera nur für den Dirigenten) und externem Tontechniker (der seine WAV-Dateien brav ablieferte) insgesamt rd. 190 Arbeitsstunden in Anspruch nahm, ein Ausmaß, das sich Unbedarfte kaum vorstellen können....
Meine Video- und Audiofiles wurden ebenfalls nach optischer Waveform synchronisiert und dann mit Adobe Premiere und Soundbooth (die damalige CS4) bis zur DVD-Renderung in SD (!) fertiggestellt.
Als Kamerastandorte durfte ich nach Rücksprache mit dem Pfarrer ebenfalls die Kanzel benutzen, die zweite Kamera mit Bedienung platzerten wir genau darunter - was den Vorteil brachte, dass wir uns über wechselseitig angespöpselte geschlossenen Kopfhörer über die kamera-internen Mikrofone austauschen konnen: mein Kollege schilderte im Flüsterton, was und wen er gerade im Bild hatte, ich orientierte mich vorrangig an weitwinkeligeren Übersichtsaufnahmen und mein Kollege erfasste die Solisten im Detail.
A propos Solisten: ein Kritikpunkt, der jedoch nicht auf Deine Kameraarbeit eingeht und mich extrem überraschte: die vier Solisten in Deinem Konzert stehen NICHT in Sichtkontakt mit dem Dirigenten! So etwas habe ich bis dato in keinem Klassik-Konzert erlebt. Wie überhaupt das gesamte Orchester und die Chorsänger aus meiner Erfahrung heraus viel zu nahe direkt vor den Kirchenbänken plaziert sind, während der gesamte Hochaltarraum in gähnende Leere gehüllt bleibt! Dies dürfte aus meiner Einschätzung jedoch erst "last minute" - also kurz vor Konzertbeginn - dahingehend geändert worden sein, denn bei genauer Betrachtung Deiner Empore-Kamera stellt man verblüfft fest, dass die obere Bildhälfte (jedenfalls das obere bilddrittel) stets leer blieb; die Ausrichtung der Kamera war offenbar nicht mehr "last minute" auf den geänderten Standort zu korrigieren....
Die künstliche Beleuchtung von riesigen Kirchenschiffen stellt für Amateure wohl ein unlösbares Problem dar, dem de facto nur mittels ausgesprochen lichtstarken (Vollformat-)kameras begegnet werden kann - dies jedoch unter Inkaufnahme anderweitiger Nachteile, die MacMedia bereits in Preply #2 dargestellt hatte. Ein Objektivwechsel kommt während solcher Aufnahmen kaum in Frage, und die hierbei nötigen extremen Zoombereiche liefern fast nur noch kleinformatige, einzöllige Camcorder, deren Lichtstärke wiederum einen Pferdefuß darstellt.
Ich konnte einmal den ORF bei Generalproben aus der gleichen Kirche beobachten, in der ich früher und auch später selber Kameramann oder Produzent war; die installierten gesamt rd. 25 kW (!) an HDI-Leuchten, deren Schienensysteme mit LKW's angeliefert wurden, und deren Stromversorgung nicht vom Einspeise-Schaltschrank der Kirche, sondern aus der benachbarten Hofburg abgezapft wurde....
Deinem befreundeten Tontechniker kann man nur gratulieren, denn die Vielzahl an Neumann's U87 sowie AKG's C414 u.a. sind mir sofort aufgefallen; auch deren professionelle Verortung (jeweils Stützmikrofone an allen wesentlichen Orchestergruppen, sowie Gesangsmikros in XY-Technik) zeigen, dass hier ein Profi am Werk war - und das Ergebnis überzeugt!
Es verwundert mich daher garnicht, dass MacMedia solche Aufträge als Einzelkämpfer a priori ablehnt - genauso würde ich dies halten! Wie er in #2 bereits schrieb, sind für solche Großveranstaltungen mindestens zwei, besser drei oder vier bemannte Kameras unabdingbar, und zusätzlich können fernbediente PTZ-Kameras eine willkommene Abwechslung bieten bzw. Großaufnahmen einzelner Musiker, Solisten und dem Dirigenten beistellen, um etwas Abwechslung für den Zuschauer zu leisten.
Mein Kompliment gilt nicht nur Dir für das erstklassige und vor allem FEHLERFREIE Ergebnis, sondern auch Deiner Frau, die sich als Kamerafrau sichtlich bewährt hat: Glückwunsch zum gelungenen Ergebnis von
Franz