Die DaVinci Resolve European Live Tour fand am 20.06.2024 im Motorwerk in Berlin statt. Weitere Termine waren zuvor in Madrid und in Amsterdam, hier also die einzige Veranstaltung im deutschsprachigen Raum.
Obwohl vorher angekündigt wurde, dass die Veranstaltung „wenn möglich“ auf deutsch stattfindet waren doch gefühlt 90% der Vorträge auf Englisch und auch das beratende und kontrollierende Personal sprach eher nicht deutsch.
Im Foyer waren reichlich Rechner mit DaVinci Resolve aufgebaut (immer die neueste Beta 19) und man konnte mit so ziemlich allen Steuerungsgeräten die Blackmagic zur Verfügung hatte herumspielen. Dabei wurde man vom extrem freundlichen und kompetenten Personal gut beraten. Mit ein paar Kameras von Blackmagic konnte man auch herumspielen, das war aber eher untergeordnet. Zudem gab es ein paar Stände von Partnerfirmen (z.B. AMD) die aber eher wenig ergiebig waren (zumindest für mich).
Die Vorträge teilten sich in 3 Gruppen, die weitgehend parallel liefen, man musste sich also entscheiden, was man sehen bzw. hören möchte. Im großen Saal berichteten Profis (z.T. aus Hollywood) über ihre Arbeit an Filmprojekten. Das war eher allgemein ausgerichtet und hatte mit DVR nur am Rande zu tun, deshalb habe ich lieber die anderen Veranstaltungen besucht (obwohl das grundsätzlich sicher auch interessant gewesen wäre).
Im „Certified Training Theatre“ wurden Kurse von professionellen Lehrern zu bestimmten Themen (Grading, Fairlight, Fusion, Social Media, etc) durchgeführt. Dazu standen 20 Plätze mit Laptop bereit. Hier zeigte sich ein grundsätzliches Problem der Veranstaltung: Viel zu viele Teilnehmer (geschätzt über 500) für die Räumlichkeiten und die Ausstattung. Man durfte nur an einem dieser Kurse teilnehmen und musste (sehr) schnell sein, um einen Platz zu ergattern. Das ist mir gelungen bei „Grade: Essential Compositing Techniques for Editors“. Leider wurde der Kurs in atemberaubender Geschwindigkeit durchgezogen und im Prinzip vorausgesetzt, dass man schon genau weiß, wie das alles funktioniert. Deshalb war ich schon nach kurzer Zeit „draußen“, und konnte somit das, was der Kursleiter (auf Englisch) vortrug nicht am Rechner nachvollziehen und habe schließlich nur noch zugehört. Immerhin war es faszinierend zu sehen, welche Möglichkeiten es in DVR (vor allem im Color-Modus) gibt, um Bereiche freizustellen, diese Flächen im Film zu verfolgen und dann zu bearbeiten. Im konkreten Fall wurde z.B. eine Drohne, die einen Rennwagen verfolgt hat aus der Aufnahme entfernt. Die neuen AI-Funktionen scheinen da die Arbeit wirklich zu erleichtern.
Der dritte Vortragsbereich, „Seminar Theatre“ war für mich am interessantesten, in 30-minütigen Vorträgen wurden spezielle Themen zu DVR vorgestellt. Leider war der Andrang für den kleinen Raum auch hier viel zu groß. Damit die vielen draußen Wartenden auch eine Chance haben, durfte man nach einem Vortrag nicht sitzen bleiben und musste den Saal verlassen, damit konnte man nur maximal jeden 2. Vortrag besuchen (teilweise nur stehend). Diese waren aber sehr kompetent vorgetragen, mit guter Technik ausgestattet (professionelles Video- und Audiosystem), nur einer der von mir besuchten war auf deutsch.
Ein paar Erkenntnisse:
Die Version 19 (aktuell noch in Beta) bringt viele interessante Neuerungen:
„Edit“-Bereich: Mit „Auto Transcription“ können automatisch Untertitel erstellt werden. Außerdem ist es möglich verschiedene Sprecher in verschiedene Spuren zu separieren. Mit „fixed Playhead“ ist es möglich beim Abspielen die aktuelle Position stets in der Mitte der Timeline zu haben. Beim Trimmen kann man per Doppelklick eine deutlich übersichtlichere Darstellung des Trim-Bereiches bekommen.
Im „Color“-Bereich gibt es jetzt die „Colorslice“-Darstellung. Damit können 6 Farben (incl. „Skin“) per Wheel und Slider separat eingestellt werden. Das sah nach einer deutlich verfeinerten Kontrolle als bisher aus. Mit „Intellitrack“ kann man mit AI-Hilfe Objekte sehr gut verfolgen. Mit „Ultra NR“ gibt es jetzt eine deutlich verbesserte, AI-unterstützte Rauschreduzierung. Zudem gibt es eine verbesserte Reduktion von Bewegungsunschärfe. Im RGB-Mixer gibt es einen neuen „Auto-Normalize“-Schalter und es gibt den neuen Effekt „Film Look Creator“.
In Fairlight gibt es auch mehr AI: Music Separator kann in einem Musikstück Instrumente und Sänger separieren, Dialogue Separator kann stark verbessert Hintergrundgeräusche oder auch verschiedene Sprecher separieren. Die Beispiele waren echt beeindruckend. Zudem gibt es eine Option, die anhand einer Videoaufnahme einen künstlichen Stereoeffekt erzielen kann. Im Beispiel flog hier ein Flugzeug durchs Bild und der ursprüngliche Mono-Ton folgte ihm.
Im Vortrag „Smart Creating (fast)“ wurde u.a. gezeigt, was man im „Cut“-Modus (den ich kaum benutze) so alles machen kann. Der Import von Medien ist einfach, die Arbeit mit Aufnahmen von vielen Kameras funktioniert überraschend übersichtlich, die Synchronisation der Spuren sah sehr einfach aus. Außerdem gezeigt wurde die praktische Einbindung von Titeln und der Quick Export. Was mir allerdings am „Cut“-Modus nach wie vor nicht gefällt ist, dass man die Höhe der Spuren in der Timeline nicht verändern kann.
Unter „AI: Neural Engine“ wurden die Vorzüge der neuen AI-Funktionen nochmal ausführlicher gezeigt.
Im Edit-Bereich gibt es z.B. verbesserte Audio-Funktionen, voice isolation und de-hall. In „Color“ wurde das intelligente Freistellen von Objekten mit anschließendem Tracking gezeigt. Mit der „Depth Map“ kann man das Bild in unterschiedlichen Graustufen nach (errechneter) Tiefe darstellen. Damit kann man dann auch Objekte, die sich vorne oder hinten im Bild befinden freistellen. Mit „Relight“ kann man im Bild eine künstliche Lichtquelle hinzufügen. Die Effekte „Speedwarp“ (Geschwindigkeit ändern) und „Superscale“ (Auflösung erhöhen) wurden wohl auch mit AI-Hilfe verbessert.
Der Vortrag „DaVinci Colour Management vs. ACES“ kam zu dem Schluss, dass ACES einfacher in der Handhabung ist, Vorteile durch open source hat und z.B. bei Netflix gefordert wird, aber DaVinci Wide Gammut die etwas besseren Ergebnisse liefert. Es wurde gezeigt, wie man ACES-Material im DaVinci Farbraum bearbeiten und dann wieder als ACES ausgeben kann. Wenn man das mal eingerichtet hat, kann man es als LUT abspeichern.
Im Vortrag „Fix it in the Post“ wurden mehrere Beispiele gezeigt, wie man Aufnahmen in DVR retten oder zumindest verbessern kann, z.B. per Voice Isolation, Object Removal, Noise Reduction, Deband (Banding entfernen), Face Refinement (Gesichter optimieren), Defocus Background, Relight (mit AI die Helligkeit korrigieren, auch bei extrem überstrahlten oder sehr dunklen Aufnahmen), Frame Replacement (fehlerhafte Frames werden per AI durch berechnete ersetzt), Super Scale (Auflösung erhöhen).
Im abschließenden Vortrag zu Fairlight (welches ich noch nie benutzt habe) wurde gezeigt wie mächtig auch dieses Audio-Tool innerhalb von DVR ist. Man kann in Teilen einer Tonspur die Geschwindigkeit blitzschnell verändern ohne Schneiden zu müssen, z.B. um bei einer (schlechten) Nachvertonung Lippensynchronität zu erreichen. In der „Layers“-Einstellung werden nicht wie sonst alle Tonspuren miteinander abgespielt, sondern nur die oberste (also so, wie bei den Videospuren auch). Mit „Transient Detection“ kann man den Rhythmus eines Musikstücks erkennen und bei der Weiterbearbeitung berücksichtigen (schien mir sehr kompliziert). Bei vielen Tonspuren kann man mehrere in einen sogenannten „Bus“ gruppieren, also z.B. alle Spuren mit Musik, alle mit gesprochenem Text usw. Diesen „Bus“ kann man dann wie eine einzelne Tonspur bearbeiten, z.B. entrauschen, Lautstärke ändern etc. oder auch mit Effekten versehen (z.B. reverb). Zudem gibt es im Delivery-Bereich in Version 19 unter „Audio Normalization“ jetzt die Möglichkeit den Gesamtton intelligent z.B. YouTube-konform zu machen.
Insgesamt für mich ein gelungener Tag, schließlich habe ich sehr viel gelernt, war aber auch sehr anstrengend. DaVinci Resolve ist eine unglaublich mächtige Software und Blackmagic Design hat sich wirklich sehr viel Mühe gegeben, das ihren Kunden und potentiellen Kunden zu vermitteln.