Beiträge von Sucjher

    Starke Bässe sind oft etwas problematisch. Sie werden halt auch außerhalb des meist hörbaren Bereichs noch wahrgenommen. Und es kommt da halt auch immer auf das Mikrofon an.

    Ich räume ein, dass die Bässe den gewünschten "O-Ton" hier tlw. stark beeinträchtigen.

    Im konkreten Film werden diese Bässe (Trommelschläge) jedoch mehrfach deutlich sichtbar plausibilisiert, auch wenn diese gerade einmal nicht direkt im Bild sind. Wird doch beim L- und J-Schnitt sogar als Effekt angewendet, um die Chronologie über den harten Schnitt hinweg aufrechtzuhalten.


    Aber der Brummton gleich zu Beginn stört wirklich, weil es dafür keine (optische) Erklärung gibt. Dieser ließe sich mit einem einfachen Equalizer beheben.

    Das Reparieren würde sich vermutlich lohnen.... Diese Bandmaschinen sind zwischenzeitlich richtig viel Geld wert, teilweise mehrere tausende Euros....

    Es existiert ein hervorragendes Forum über Tonbandmaschinen et al, dem ich vor Kauf beigetreten bin und sehr viel wertvolle Infos sammeln konnte; ein Blick dorthin lohnt sich für Interessenten vergangener Technik allemal.


    LG, Franz

    [...] meine AKAI GX-625 stammt aus 1980 und funktioniert (teilweise) noch.

    Ich lief etwa 1981 eine ReVox A77 zu, mit der ich meine Super-8 Filme vertonte, aber auch eine Vielzahl klassischer Chorkonzerte aufgenommen hatte, denn Film war dafür viel zu teuer.

    Leider ist diese Maschine etwa 2006 infolge der vielen Transporte in Kirchen, Konzertsäle etc. irreparabel über den Jordan gegangen - Chassisdefekt.


    Von ihr werde ich mich nie trennen, zuviele Erinnerungen an meine Klub-DJ Zeit in den 80ern.

    Kann ich sehr gut nachvollziehen.

    Meine ca. 30 Bänder (26,5 cm Reels) hatten jetzt 20 Jahre Pause, erst letzte Woche hab' ich mir wieder eine toll restaurierte A77 Bj. 1972 geholt, und meine Bänder aus dem Zeitraum 1981 bis ca. 2006 klingen überaschend phantastisch.


    Aktuell wird die Maschine aus mehreren Varianten der A77 (Mk. I bis Mk. IV) gemodded, die Studevox - Spulen sind noch am Postweg....


    GlG, Franz


    2026-03-12 ReVox A77 getuned, resized.jpg

    Sagt Euch das vielleicht noch etwas: Windows 2 oder auch GEM? DAS waren noch richtige Abenteuer.

    Meine erste Windows Installation lautete auf 3.0, meine erste MS-DOS Installation auf 2.11, und mein erster Arbeitsplatz-Rechner - ein 286er mit 8 Mhz, EGA-Grafik und AST-RAMPage Speichererweiterung wies 2 MB RAM (!) auf. Die Speicherchips dafür kaufte ich bei Bacher Electronics einzeln und musste diese erst einzeln in Stecksockel der AST-RAMPage stecken.


    Es war der erste PC, der in der österreichischen Honeywell - Niederlassung in Wien 1987 in Betrieb ging. Bis dato gab's pro Abteilung nur ein Honeywell-Bull Terminal, ähnliche kann ich heute im Technischen Museum bewundern....

    Der überwiegende Teil der Bergaufnahmen entstand mit einer kleinen Bauer Compact IIIXL Kamera. In etwa so groß wie eine Handfläche. Ausgerüstet mit nur einem 3-fach Zoom. Der Einfachgreifer war jetzt auch keine Garantie für einen ruhigen Bildstand. Die starken Temperaturschwankungen sorgten wohl auch dafür, dass die Mechanik nicht immer so funktionierte, wie sie sollte.

    Ich bin 1981, zunächst mit der Super-8 Kamera meines Vaters, einer Yashica, zum Filmen gekommen. Es dauerte nicht lang, und ich konnte mir eine gebrauchte Beaulieu 5008 S mit dem Schneider Macro Optivaron 6-66 mm leisten, bald folgte ein gebrauchter Elmo GS1200 M&O (der Einzige mit 200 Watt Halogenlampe). Die damit erzielbare Bildqualität reichte aus, um im Pfarrsaal auf 2,20 m Leinwandbreite zu projizieren, und auch im Filmclub konnte ich mit der Aufnahmequalität punkten.


    Ich habe längst schon alle mir wertvollen Super-8 Filme bei Berola mittels Wet-Scan Verfahren digitalisieren lassen, einzelne Szenen aus unserem damaligen Spielfilmprojekt mit Topaz Video AI ins HD-Format gebracht, z.T. neu geschnitten, vertont und gegradet und sehe mir in manch melancholischen Augenblicken immer wieder gerne einmal solche Filmszenen aus den frühen 80ern an.


    Eine Beaulieu 5008 war deutlich größer als eine Bauer Compact XL, hatte aber auch nur einen Einfach-Greifer (wie sämtliche Super-8 Kameras auch), aber der Bildstand war schon wesentlich besser als die hier gezeigten Aufnahmen. Ich vermute eher, dass die Kälte auf 3.500 m zu zittrigen Händen geführt hatte, was nicht nur den Bildstand beeinträchtigte.....


    Ich vermute weiters, die Videoaufnahmen sind durch schlichtes Abfilmen von der Leinwand entstanden, weil vertikale Interferenzen (durchs Bild laufende Helligkeitsstreifen) sichtbar sind, die ich mir als Helligkeitsinterferenzen von 18 x 3 = 54 Bildfolgen (bedingt durch die Dreiflügel-Umlaufblende) zur Aufnahmefrequenz Deiner Videokamera (50p?) erkläre.


    Wenngleich die Bildqualität auf YouTube mit 2.160p abrufbar ist, dürfte das Quellmataterial geschätzt nicht weit über die damalige EGA-Qualität [1] von 640 x 350 Pixel hinauskommen; dies ist wohl ebenfalls auf die vermutete, minderwertige Digitalisierungsmethode - wie schlichtes Abfilmen - zurückzuführen.


    Es überrascht mich, Manfred, dass Dir Deine Schätzchen nicht mehr Wert sind - und Du Dich mit den hier gezeigten Ergebnissen zufrieden gibst; dies insbesonders in Kenntnis Deiner sonstigen, forumsweit anerkannten Detailverliebtheit Deiner heutigen Produktionen, welche hier bereits zahlreich Lob und Anerkennung fanden.


    Auch wenn Du uns bereits vorwarntest ....

    Die Bildqualität ist eher schlecht. Macht aber nichts, was zählt sind die persönlichen Erinnerungen.

    ...finde ich es schade, sich mit persönlichen Erninnerungen in derlei Qualität abzufinden. Oldtimerfreaks pflegen doch auch ihre Schätzchen,:pop:


    meint Franz.

    --

    [1] EGA stand für Enhanced Graphic Adapter aus den PC-Ursprungszeitraum von ca. 1984, durch VGA [2] etwa 1987 abgelöst.

    [2] VGA stand für Video Graphic Array mit 640 x 480 Pixel stellte den Quasi-Standard der IBM-PS/2 Computerserie dar, welcher auflösungsbezogen dem PAL-System des Fernsehens mit 720 x 576 vergleichbar war.

    Von meiner Seite aus kann ich nur sagen, dass ich mit dem Monitor auch wirklich sehr zufrieden bin.

    Das sei dir von Herzen gegönnt, Peter!


    Vermutlich hatte ich ein sprichtwörtliches "Montagsgerät" ergattert und bin froh, dieses durch einen BM Video Assist 12G ersetzt zu haben; neben dessen Aufzeichnungsmöglichkeit - u.a. in BRAW - sind meine vorbeschriebenen Mängel allesamt beseitigt, und ich bin mit dieser Produktwahl ebenfalls wirklich sehr zufrieden.


    Danke für's Feedback! Franz

    [...] Beim Monitor handelt es sich übrigens um den Feelword LUT7.

    Du hast schon des Öfteren diesen Field-Monitor lobend erwähnt. Diesmal komme ich nicht umhin, hier meine ausgesprochen negativen Erfahrungen mit diesem Gerät darzustellen.


    Es freut mich, dass Du, Peter, damit augenscheinlich sehr zufrieden zu sein scheinst; mein typengleiches Modell (den Siebenzöller) hatte ich nach kaum zwei, drei Einsätzen in der freien Natur in der Donau versenken wollen, und dies trotz ausgiebigen Tests zu Hause und vorherigem Vertrautmachen mit dessen Bedienung, Befestigung etc.


    Was mich bereits von Anfang an gestört hatte, war die seitliche Bügelbefestigung aus Kunststoff, die zu erheblichem Wippen des Monitors führte; ich habe diesen langen Befestigungswinkel umgehend durch einen Smallrig Kamera Monitor Mount (mit Kaltschuhadapter) ersetzt, weil der "Wackeldackel - Monitor" vollkommen unbrauchbar war.


    Zweiter Grund meines Sinneswandels war dann die unbrauchbare Batterieanzeige, die mir stets vollständig geladene Akkus vorgaukelte, die sich dann aber oft - oder eher: meist rasch und UNVORHERSEHBAR verabschiedeten, und zwar dann, wenn man dies garnicht brauchen kann (also während der laufenden Aufnahme)!


    So toll 2.200 nits in der prallen Sonne auch sind, bei unvorhersehbar plötzlichem Abschlalten des Monitors wegen fehlender oder fehlinterpretierter Akkuladung (ich verwendete stets frisch geladene FP970er!) verfehlt der Monitor eindeutig seinem vorgesehenen Zweck.


    Da ich leider auch noch über stets fettige Haut verfüge, war der Touch-Screen sehr bald unansehlich. Der Menüaufruf über unsichtbare Bedienfelder, die erst nach Berührung (ja, wo denn genau?) auf dem inzwischen verschmierten Bildschirm erschienen sind, waren dann nur noch der Tropfen, der das Fass zu Überlaufen brachte - und meinen Monitor in "die Bucht" führte.


    Ob und wer damit glücklich geworden ist, kann mir heute ja egal sein, aber was mich das China-Produkt lehrte, war die Bestätigung des Ausspruches "wer billig kauft, kauft teuer!"


    Meine Überaschung kann ich nicht länger für mich behalten, das Du offenbar damit ausgesprochen zufrieden wirkst...


    LG, Franz

    Sucjher

    Manfred K


    [Zufriedenheit mit NX800]

    Ich interessiere mich für eine Nachfolgekamera für meine Sony X70.

    Die X70 war auch meine Vorgänger-Kamera. Beim Vergleich der Aufnahmen fiel mir auf, dass ich fast nie mehr Ausschuss-Material nach Hause zum Rechner bringe. Das war bei der X70 doch häufig der Fall. :wallbash:


    Warum?


    Dies ist erstmal auf den hervorragenden Autofokus der NX800 zurückzuführen. Der AF der X70 war ja.... nunja, ich hab' eh meistens manuell fokusiert.


    Dann würde ich die hervorragenden Scopes bzw. Kontrollmöglichkeiten am Monitor nennen, die eine perfekte Kontrolle der wichtigen Einstellungen erlauben und somit Fehlaufnahmen vermeiden helfen.


    Man merkt, dass diese Kamera für EB-Teams oder Einzelkämpfer entwickelt wurde, die allenfalls mit sendefähigem Material zurück zum Sender kommen müssen.


    Nicht so sehr das Gewicht als die Größe der Kamera machte mir anfänglich etwas zu schaffen, besonders wenn sie in der passenden CamRade - Tasche verstaut ist. Dort ist zwar dann auch noch Platz für ein Sennheiser im montierten Zustand, Reserveakkus, meinen Field-Monitor VideoAssist 5" sowie das Hollyland - Lark Mark2 Combo Set (Funkmikros).


    Zu guter Letzt bin ich vom > 20 Jahre alten Manfrotto MV 525 auf ein Sachtler-Stativ umgestiegen, damit das Super-Objektiv auch in extremer Tele-Stellung gesichert ruhig geführt werden kann.


    Die neue Kamera war letztlich Anlass für umfassende Erneuerung bzw. Verbesserung meiner vorhandenen Ausrüstung, die ja technologisch bereits als "deutlich veraltet" einzustufen war.


    Und ehrlich gesagt, könnte ich mich heute - mit den großartigen Erfahrungen der NX800 - mit dem Vorgängermodell X70 nicht mehr zufrieden geben.


    Alles in allem eine klare Kaufempfehlung von meiner Seite, wenngleich ich Dein bevorzugtes Einsatzgebiet nicht kenne.


    LG, Franz

    [...] Benno hat mir gestern bei der Weihnachtsfeier des AFC Wiens, wo ich ihn getroffen habe, angekündigt, dass du für ihn sein Werk hier posten wirst. [...]

    Interessant! Ich war zwischen 1981 und ca. 1983 dort eingetragenes, aktives Mitglied und fast jeden Dienstag abend in der Barichgasse 14. Lang, lang ists her...:servus:


    LG, Franz

    Ich habe mal den Speed Editor abgestaubt. [...]

    Aber das Teil ist unverändert hilfreich.

    Auch ich arbeite sehr gerne damit, hauptsächlich in der Cut-Page zum Sichten des Rohmaterials sowie für den Rohschnitt, hier spielt er seine Stärken aus, sobald man die häufigsten Tasten blind bedienen kann.


    Unter Edius war mir das Contour-Shuttle II längst nicht so beliebt, vmtl. weil ich die Maus nicht aus der Hand ließ und das Shuttle nicht linkshändig bedienen wollte/konnte.


    Letzteres ist beim Speed-Editor problemlos möglich, da wesentlich mehr Funktionen quasi "auf Knopfdruck" erledigt werden können.


    Aber auch hier gilt: practice makes perfect!


    LG, Franz


    Ach ja, hier mein Favorit zum SE:

    [...]

    Zumal man sich auch die Frage stellen muss: wie rechtskräftig und rechtsbindend ist so eine rein mündliche Zusage. Um das am Ende juristisch wasserdicht zu haben, müsste man ja schon fast jede einzelne Person ein Formblatt unterschreiben lassen, mit deren Unterschrift sie sich bereiterklärt, evtl. an irgendeiner Stelle des Films evtl. in Bild & Ton aufzutauchen.

    Als Filmer klassischer Chor- und Orchesterkonzerte kann ich ein Lied davon singen!


    Normaler Weise stelle ich mit dem "Chef" des Chors / Orchesters das Einvernehmen her, dass die gesamte Veranstaltung aufgezeichnet wird; die Erlaubnis dafür erkaufe ich meist mit der Zusicherung, dass alle Beteiligten (Solisten, Chor- und Orchestermitglieder, und natürlich deren "Chef") eine Kopie der Aufzeichnung zu sehen bzw. einen Link zum Streaming erhalten.


    Diese Vorgangsweise lasse ich mir immer schriftlich durch den Dirigenten bestätigen, dabei verpfliche ich mich gleichzeitig, die Aufnahmen nicht eigennützig anderweitig als vereinbart zu verwerten (Stichwort "Unterlassungserklärung").


    Diese Vorgangsweise erspart mir, mich mit jedem einzelnen Chor- und Orchestermitglied persönlich zu einigen, und damit einen bis zu 50fach höheren Verwaltungsaufwand zu betreiben.


    Mein Credo lautet daher also: "Wer mit der Aufzeichnung nicht einverstanden ist, möge dies gefälligst vorab mit dem Dirigenten (dieser ist meist zugleich der Veranstalter) klären, widrigenfalls er halt nicht mitsingen oder mitspielen darf!"


    Trotz schriftlich fixierten Rechten und Pflichten kam es immer wieder einmal vor, dass z.B. einzelne Solisten - oft erst Jahre nach der Veranstaltung - plötzlich auf die Idee kamen, die Aufnahme oder deren Veröffentlichung auf der WEB-Seite des Chores / Orchesters zu beinspruchen, oder aber ihre namentliche Nennung (z.B. im Abspann) untersagen zu wollen.


    Mit meinem schriftlich vereinbarten Lasten- und Pflichtenheft konnte ich mich bis dato vor jeglicher nachträglichen, individuellen und unvorhersehbaren Aufforderung zur Nachbearbeitung (etwa "Herausschneiden" einzelner Protagonisten, Revidierung des Abspanntextes, etc.) außer Obligo halten.


    Die Argumente der nach Änderung fordernden Solisten sind meist ebenso unglaublich ("...seit meiner Scheidung singe/spiele ich nie wieder") wie nachdrücklich ("...übergebe die Angelegenheit meiner Rechtschutzversicherung").


    Geläutert aus solchen Erfahrungen kann ich nur die Empfehlung aussprechen: vorweg schriftlich vereinbaren, was jeweils erlaubt/ gewünscht/ gemacht bzw. unterlassen werden soll. Motto: wer schreibt, bleibt!


    LG, Franz

    [...] Alles aus der Hand gefilmt! [...]

    Hallo Paul, Danke fürs Zeigen, die Bilder sind echt sehr schön! Was mir - besonders bei 1'48" (Holzscheiter frontal) auffällt, ist ein leichtes Wobbeln, das ich so ähnlich von Mercalli's Bildstabilisator kenne: wurden die Bilder nachträglich stabilisiert, oder findet dies bereits in der Cam (Handy) statt?


    Interessant sind die leichten, bläulichen Lens flares, vmtl. ist der Anamorphot bläulich vergütet?


    Da ich selber das S21FE verwende (aber kaum zum Filmen), machst du mich direkt neugierig...:anbet:


    LG, Franz

    [...] nicht jedem liegt das Emotionale so.

    Das war auch meine Befürchtung.


    Wir krallen uns hier deinen Text, gestalten um, bringen neue (akustische) Aspekte ein, aber: es bleibt dein Film, dein Ton, deine Stimme, dein Andenken. Wie du vollkommen richtig festsstellst, muß der Text letzlich schon von dir kommen, und soll keinesfalls aufgesetzt wirken, was sehr leicht passiert, wenn du dich damit nicht persönlich identifizieren kannst oder magst.


    Ich befürchtete bereits Deinen Vorwurf der Anmaßung wegen dieses Vorgehens, bis mich deine explizite Aufforderung zur Diskussion hierorts dazu (siehe # 7) ermutigte.

    vor einiger Zeit hat mir Uli ("rod") in einer privaten Konversation einen alternativen Kommentar vorgeschlagen [...] Fand ich sehr interessant. Sollte diskutiert werden. Uli hat nun vorgeschlagen, diesen etwas anderen Kommentar hier reinzukopieren. Was ich hiermit tue. Eure Meinung dazu?

    Nun, es liegen ja mehrere Vorschläge bzw. Alternativtexte vor. Wie ist denn deine Sicht dazu, möchtest du diese (vielleicht nur versuchsweise) als alternatives Voice-Over einsprechen, um die visuelle Wirkung im Film zu erproben?


    Mein Abstraktionsvermögen reicht nicht so weit, um die Wirkung der Alternativtexte zu beurteilen, wie Ulrich befürchtet: "Das kann auch leicht ins belehren des Zuschauers gehen, auch wenn man es überhaupt nicht beabsichtigt."


    Dabei wäre so nebenbei auch leicht festzustellen, ob die Texte nicht viel zu lang sind.


    Nötigenfalls müßtest du halt zum Nachdreh neuerlich nach Beijing reisen...:ruder:

    meint scherzend,


    Franz

    Eure Meinung dazu?

    Beide Texte (Original: faktisch, informativ, sachlich. Gut geeignet, um Inhalte klar zu transportieren; Alternative: persönlich, reflektiert, literarisch-poetisch. Verwandelt Beobachtungen in kleine Geschichten und Gedanken) haben ihre Stärken. Original wirkt wie ein dokumentarischer Kommentar. Alternative wie ein persönlicher Reise-Essay oder fast schon ein literarischer Text mit Reflexionen.


    Mein Vorschlag lautet daher:

    • Vom Original übernehmen: Klarheit, Informationsdichte, Verständlichkeit.

    • Von der Alternative übernehmen: Atmosphäre, Subjektivität, kleine Reflexionen, die berühren.

      👉 Das Ergebnis solte ein Text sein, der gleichzeitig informiert und emotional anspricht – also „dokumentarisch-poetisch“.

    • Jede Szene sollte zuerst ein konkretes Bild oder eine Info geben (damit man sich orientiert).

    • Danach darf ein subjektiver Gedanke oder eine Reflexion kommen (für Tiefe und Emotion).

    • Der Ton sollte so sein, dass er „zum Zuhören einlädt“, nicht nur zum Wissen aufnehmen.

    Habe die beiden Varianten zusammengespielt, der die Stärken beider Varianten vereint:

    Szene 1 – Ankommen am Markt

    „Der Panjiayuan-Markt ist der größte Flohmarkt Beijings. Kaum Touristen verirren sich hier – fast nur Einheimische. Als ich ankam, fühlte ich mich sofort wie ein Fremder in einer Welt, die nicht für mich gemacht war. Stimmen, die ineinanderflossen, Staub, Geschichte. Und ich spürte: vielleicht suche ich hier nichts Bestimmtes – und finde genau deshalb alles.“

    ➡️ Erst Info, dann Stimmung.

    Szene 2 – Alte Münzen, Mao-Zeit, Sammler

    „Alte Münzen, Kunstwerke und Bücher aus der Mao-Zeit ziehen Sammler an. Es gibt Repliken und Originale – und sogar westliche Comics wechseln hier die Besitzer. Während ich zwischen den Ständen gehe, wird mir klar: Die Sammler suchen nicht nur nach Dingen. Sie suchen nach Beweisen – dafür, dass etwas echt war. Und vielleicht greifen wir alle manchmal nach Kopien, in der Hoffnung, dass sie sich wie Wahrheit anfühlen.“

    ➡️ Erst Info, dann Reflexion.

    Szene 3 – Verkäufer im Alltag

    „Die Händler verbringen hier fast den ganzen Tag – und wirken, als lebten sie direkt zwischen ihren Waren. Einer isst Reis, eine andere tippt still auf dem Handy. Für mich entsteht ein Kontrast: während die Käufer Geschichte jagen, leben die Verkäufer einfach ihr Heute.“

    ➡️ Beobachtung + Deutung.

    Szene 4 – Verpackungen

    „Kleine Mitbringsel und bunte Schachteln findet man an vielen Ständen – rot, grün, gold, in allen Größen. In China ist die Verpackung ebenso wichtig wie das Geschenk selbst. Ich bleibe stehen und denke: Vielleicht gilt das auch für uns. Wir hüllen uns in Rollen und Fassaden. Aber was bleibt, wenn das Papier einmal fällt?“

    ➡️ Kulturelle Erklärung + persönliche Ebene.

    Szene 5 – Schmuck

    „Manche Armbänder liegen in roten Schachteln – Rot, die Farbe für Glück und Reichtum. Ein perfektes Geschenk, sagt man. Ich halte eines in der Hand und frage mich: Kann man Glück eigentlich kaufen – oder ist es nur eine Farbe, die wir einander schenken?“

    ➡️ Fakt + offene Frage.

    Szene 6 – Kalligraphie

    „Auch Kalligraphiepinsel in allen Größen werden angeboten. Die Tradition ist uralt – und doch wirkt sie lebendig. Ein Händler drückt mir einen Pinsel in die Hand: ‚Probier es‘. Meine Linie verläuft schief, alle lachen. Für einen Moment spüre ich: Kunst ist weniger Perfektion – sondern der Versuch, Bedeutung in eine Linie zu legen.“

    ➡️ Kontext + kleine persönliche Geschichte.

    Szene 7 – Moderne Bezahlung

    „Am Ende, egal ob Pinsel oder Jade – bezahlt wird fast nur noch per Handy-App. Ein Klick, und Geschichte verwandelt sich in einen QR-Code. Vielleicht ist das der größte Kontrast von Panjiayuan: Zwischen Vergangenheit und Zukunft zahlen wir mit der einen Hand – während wir mit der anderen nach Erinnerung greifen.“

    ➡️ Fakt + Bild + Reflexion.


    Damit bekommst Du einen Text, der nicht nur dokumentiert, sondern auch einen persönlichen Erzählbogen aufbaut.


    Ich denke, mit diesem Vorschlag ist beiden Interessen gedient - Berthold's Intention zu informieren, und Ulrichs Intendion als "boring detector" :respekt:

    LG, Franz

    Zu dem Inhalt: Wie siehst du diese Art von Voice Over? Hält dich das eher im Film?

    Man sagt ja allgemein, dass der Ton bereits zu mind. 80 % den Film bestimmt.


    In deinem Fall sind es wohl 95, wenn nicht sogar 99 Prozent, würde ich meinen!

    Es führt recht gut durch den Film, aber ich würde nicht sagen, dass der Kommentar mich jetzt (zusätzlich) besonders im Film halten würde.

    Mir ging's genau andersrum: betrachtet man den Film ohne Ton, ist er vollkommen nichtssagend, eine Aneinanderreihung statischer Aufnahmen, nicht einmal besonders fotogen, mit weitwinkeliger Festbrennweite gefilmt, kaum ein optischer Leckerbissen enthalten.


    Hört man den Ton allein (oder stellt sich diesen als Rundfunkbeitrag vor), bekommt man die gesamte Geschichte erzählt, und die kommt verdammt gut herüber, weil du dies in außergewöhnlichem Maße beherrscht, Ulrich!


    Kompliment hoch³ !


    Warum? Aus meiner Sicht aus mehrerlei Gründen:

    • Stilistische Merkmale:

    Der Text wirkt essayistisch, erzählerisch und pointiert, wie ein frei gesprochener Kommentar, daher sehr gut passend für ein Voice-Over.


    Typisch sind kurze, knackige Sätze, rhetorische Fragen („Größenwahn oder Geniestreich?“) und Vergleiche („als hätte jemand die Antike auf Diät gesetzt“).


    Das ist kein klassischer Wikipedia- oder Pressetext-Stil, sondern klar subjektiv, mit Humor - und mit Wertungen.

    • Struktur:

    Erzählt wird in chronologischen Abschnitten: 1825 → 1945 → 2019 → Gegenwart. Jahreszahlangaben als Überschrift, das kommt sehr gut rüber, weil selten, neu - und ausgesprochen erfrischend!


    Jeder Abschnitt endet mit einer pointe-artigen Beobachtung („Genau, dachte Chipperfield vermutlich.“).

    Das ist eher dramaturgisch als lexikalisch — und typisch für einen originären Kommentar.

    • Wortwahl:

    Bildhafte Sprache („Badewanne aus Granit“, „Antike auf Diät“, „altes Fotoalbum mit Tesafilm geklebt“).

    Solche Metaphern sind individuelle Stilentscheidungen, die auf Wikipedia wohl niemals zu finden wären.

    • Inhaltliche Ebene:

    Die Fakten sind bekannt (Schinkel, Friedrich Wilhelm III., Einschusslöcher, Nofretete, Chipperfield), aber:


    Die Verknüpfung und Deutung („Pannen, die zur Poesie wurden“; "Das ist vielleicht die Kunst, zu wissen, wann man leise sein muss") ist nicht bloßes "Voice over", sondern bereits Poesie, und zwar in Reinkultur.

    Das kann nicht jeder. Dafür muss man begabt sein, glaube ich. [...] Aber man muss das formulieren können. Das ist eine Latte, die sehr hoch hängt.

    Richtig, dieses Zitat bestätigt wohl meine Analyse.


    Dein Film lebt fast ausschließlich vom Kommentar, denn dieses Genre beherrscht du großartig! Davon können wir nur lernen, und dafür sage ich Danke, Ulrich!


    GlG, Franz