Kamera top - Kameramann flop?

  • Im Forum haben wir schon öfters - z. B. hier und hier- diskutiert, ob sich das Bild moderner Kameras noch groß unterscheidet.


    Aus meiner Sicht hat sich die Bild-Qualität so weit angenähert, dass mehr und mehr das Können des Kameramannes entscheidet, ob ein Film top oder ein Flop ist. Die Technik ist nicht mehr der begrenzende Faktor. Provokanter: Unsere Kamera ist besser als unsere Filme.


    Das gilt ab Kameras wie Blackmagic Pocket 4K/6K, Canon R6/5, Fuji X-T4, Panasonic S1/S1h/S5, Sony A7S III. Also all den 10-Bit-Modellen und mit leichten Einschränkungen für die 8-Bit-Modelle davor. Bei den Smartphones sind noch größere Unterschiede zu sehen, aber auch hier nähert sich die Bildqualität immer mehr an.


    Das heißt nicht, dass sich die Kamera technisch nicht mehr unterscheiden. Jeder kann noch seine Geschmacksrichtung wählen, doch die Unterschiede werden immer geringer.


    Was unsere Filme wirklich besser macht, sind Themen,wie sie hier im Unterforum "Wie und Wo filmen wir? Regie ab!" diskutiert werden.


    Schlaglichtartig,oder exemplarisch ist mir das bei folgendem Filmer aufgefallen. Hier sieht man, dass er mit einer Canon R5, Sony A7S III oder einer Panasonic S5 sehr ähnliche und in der Farbabstimmung und im Filmaufbau konsistente Videos macht. Seine Übung ist entscheidend für die Qualität seiner Filme.


    DSI Pictures


    ACHTUNG: Er ist kein Superstar oder jemand, an de man sich orientieren sollte. Er ist einfach ein Filmer, der sein Handwerk versteht. Und, es geht mir weder um seinen Stil, noch um sein Grading, da kann sich jeder nach seinen Vorlieben entscheiden.


    Beste Grüße, Uli

  • Die Kameras mögen sich von der Bildqualität stark angenähert haben, aber es gibt gerade in der Handhabung immer noch große Unterschiede.

    Als ich z.B. von Sony auf meine BM umgestiegen bin hatte ich das Gefühl zum ersten mal eine richte Filmkamera in der Hand zu haben, einfach aus dem Grund, weil alles da platziert war, wo man es gebrauchen kann. Also eine Kamera gemacht für Praktiker.

    Ähnlich erging es mir beim Kauf eines Cine-Objektives, da passte alles von der Handhabung und man kann die Schärfe damit ziehen, wie ich es bei keinem Fotoobjektiv vorher erlebt habe.

    Das ermöglicht in der Praxis dann ganz andere Dinge zu verwirklichen, weil es von der Handhabung einfach möglich wird.

    Allerdings muss man erst einmal lernen damit umzugehen.

    Das sind im fertigen Film dann vermutlich nur Kleinigkeiten, aber um aus einem guten Film einen sehr guten zu machen, bedarf es meiner Meinung nach dieser Kleinigkeiten.

    Gruß


    Hans-Jürgen

  • Hans-Jürgen :"aber es gibt gerade in der Handhabung immer noch große Unterschiede."


    "Handhabung": Das ist immer mehr eines der größten Unterscheidungsmerkmale und wird es auch noch länger bleiben.


    Deshalb schrieb ich auch "... jeder kann noch seine Geschmacksrichtung wählen". Dem einen liegt dieses besser, dem andere was anderes.


    Trotzdem, an der gebotenen Bildqualität liegt es heute nicht mehr, wenn mein Video so lala ist.


    Beste Grüße, Uli

  • Anders formuliert:

    • 100 % Energieseinsatz in den Kauf und lernen neuer Technik bringt uns generell ca. 20 % weiter. Grob: 20 % bessere Videos.
    • 100 % Energieeinsatz in das lernen z. B. von Bildkomposition, was kann ich mit welcher Kamerabewegung aussagen, was ist eine Totale und wo verwende ich sie? usw. bringen uns 80 % weiter. Grob: 80 % bessere Videos.

    Beste Grüße, Uli

  • 100 % Energieeinsatz in das lernen z. B. von Bildkomposition, was kann ich mit welcher Kamerabewegung aussagen, was ist eine Totale und wo verwende ich sie? usw. bringen uns 80 % weiter. Grob: 80 % bessere Videos.

    da bin ich mit Dir 200% einig Uli:yes::yes:

    Gruß Paul

  • Da vermutlich wieder keiner geguckt hat, vergleicht mal die Aufnahmen der Innenstadt von Perth (Australien) der:


    Panasonic S5 ab 0:31 schon eingestellt, nur noch Enter drücken, mundgerecht!

    Canon R5 ab 0:32 (dito)

    Sony A7S III ab 0:30 (dito)


    Ich finde die unterschiedlichen Kameras sind gut eingestellt und das Material ist sehr angenehm gegradet. Persönliche Vorlieben können natürlich abweichen.


    Die Lichtstimmung war natürlich immer etwas anders. Aber, insgesamt könnte man das Material zusammenschneiden.


    Beste Grüße, Uli

    • Bildkomposition, was kann ich mit welcher Kamerabewegung aussagen, was ist eine Totale und wo verwende ich sie? usw. bringen uns 80 % weiter. Grob: 80 % bessere Videos.

    Beste Grüße, Uli

    Hallo,

    dein verlinktes Beispiel hat mir gefallen, aus dem deutlich hervorgeht, wie man z.B. ein Video über eine "Stadtbesichtigung" kompositorisch interessant gestaltet und nachträglich vertont. Aktuelle Kameras zum Filmen sind in Bezug auf ihre Qualität für Hobby-Filmer überwiegend gut bis sehr gut. Die Fachzeitschrift Videoaktiv kommt übrigens auch zu diesem Schluss.


    Demzufolge möchte hier auf einen Punkt eingehen, der auch viele Filmer (als Kameramann) beschäftigt, nämlich ihr persönliches Hobby filmisch zu verarbeiten, und zwar mit "guter Ausrüstung":

    Wir hatten in diesem Sommer erheblich weniger Windsurfer zu betreuen und demzufolge Zeit, uns selbst beim Sport zu filmen.

    Dabei sind wir, sofern es die Wetterverhältnisse bei unserer Natursportart zuließen, genauso, wie du es hervorhebst, vorgegangen.

    Im Ergebnis haben wir dann auch feststellen müssen, dass die Aufnahmen während der zuweilen extremen Windstärken so spektakulär ausfielen, dass nicht die Bildkomposition die Qualität dominiert, sondern das Sujet. Also die unerlässliche Anpassung der zur Verfügung stehenden Kameras an die herrschenden Verhältnisse. Wir nutzten also drei GoPro 8 auf dem Wasser und eine GH5 vom Strand mit Teleobjektiv.

    Zum Thema beste zurzeit bezahlbare Kamera erwerben: Für uns kein Interesse am Neukauf; Fokusprobleme mit der GH5 sind zwar nicht erfreulich, aber eigentlich kein Problem, weil beim Schnitt zu beseitigen. Der gute Stabilisator der GH5 reicht uns vor Ort bei den Aufnahmen.

    Die "Kamerabewegung" im Ganzen gestalteten wir mit der unterschiedlichen Positionierung der Kameras am Windsurfbrett und am Körper des Sportlers. Also hier galt "Kamera top" = Anpassung an die realen Verhältnisse der Aufnahmesituation.


    Am Ende resultierte das "bessere" Video aus der Arbeit beim Schnitt (Bildkomposition) und dabei deutlich nachvollziehbar aus der Einbindung des O-Tones, gemischt/gestaltet mit dem nachträglichen.

    Die Arbeit am Ton hat nach meiner Erfahrung eine ernorme Bedeutung für ein gutes Video.

    Also Ton-Equipment für die (neue) Kamera nicht übersehen und dessen adäquate Anwendung zu beherrschen lernen.


    Viele Grüße

    Hansi