Ein Lidschlag, ein Schnitt

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    • Ein Lidschlag, ein Schnitt

      Ich habe ja das Buch von Walter Murch - "Filmmontage: ein Lidschlag, ein Schnitt" - schon geraume Zeit. Über die Feiertage habe ich mir dieses Buch mal wieder her genommen, und es nochmals gelesen - ist ja nur ein Büchlein.

      Animiert hatte mich eine kürzliche Diskussion hier im Forum, wo jemand nach guten Schnittaneleitungen gefragt hatte. Und wo wir mal wieder die typischen Bücher als Die Videoschnitt-Schule von Rogge gepostet hatten. Aber was mich an all diesen Antworten immer wieder irritiert ist der Punkt, dass all diese Anleitungen eigentlich kaum eine praktische Anleitung geben; kaum einem verraten, wie eigentlich ein Schnitt gesetzt wird - warum dort und warum nicht später.

      Das kleine Büchlein von Murch gibt darauf interessante Antworten. Etwas versteckt findet sich das Schlüsselkapitel "Keine Angst, es ist nur ein Film" ab Seite 57, und Murch stelle auch die interessante Frage warum den Schnitt eigentlich überhaupt funktioniert. Die Feststellung, dass wir doch permanente unsere Umgebung erleben, wird thematisiert - und so banal das klingt, er stellt die fundamentale Frage, wieso der Schnitt trotzdem funktioniert. Ein Schlüsselsatz findet sich in auf Seite 61, und lautet:


      Ein Lidschlag erfolgt dort, wo ein Schnitt hätte erfolgen können, wenn dieses Gespräch gefilt worden wäre. Und nich ein einziges Bild früher oder später.


      Richtig, seine Argumentation warum Schnitt überhaupt funktioniert, ist, dass wir unsere Umgebung eben in Wirklichkeit NICHT kontinuierlich wahr nehmen - sondern auch wir "schneiden" die Wirklichkeit durch Lidschläge unserer Augenlider. Und genau aus diesem Grund funktioniert der Schnitt überhaupt.

      Was kann man daraus lernen? Nun, man kann beim Filmen damit anfangen, sich die Details einer Einstellung anzusehen. Solange man mit der Aufnahme des gezeigten Bildes befasst sind, würde es demnach nicht zu einem Lidschlag kommen. Sobald wir aber den Wunsch in uns merken, einen Lidschlag zu machen, könnte das der richtige Zeitpunkt sein um etwa einen Take bei der Aufnahme zu beenden.

      Und beim Schnitt ist es analog zu sehen - sobald wir einen Clip in der Timeline haben, diesen Abspielen, und sobald wir den Wunsch merken einen Lidschlag zu machen, dürfte ein Punkt erreicht worden sein wo ein Schnitt "richtig" setzbar ist.

      An einer anderen Stelle im Buch erwähnt Murch auch, wie er als Profi überhaupt schneidet - er schaut sich das Material in Echtzeit an, und drückt auf seine entsprechende Schnitttaste. Und er macht so diese Übung öfters, und schaut sich an wie weit voneinander die Schnitt gesetzt sind. Auch eine interessante praxisnahe Anleitung, wie man vorgehen kann.

      Ich halte das für eine der interessantesten Hinweise, die ich kenne - nämlich wie man den Schnitt tatsächlich setzt. Klar gibt es auch Anhaltspunkte darüber, dass eine komplexere Szene längere Zeit braucht als eine einfachere - und eine Szene mit Bewegung und Aktivität mehr Zeit benötigt als ein einfaches Standbild. Aber auch da düfte die Eigenbeobachtung, wann wir einen Lidschlag machen, hilfreich sein.

      Wie seht ist das - wie setzt ihr eigentlich Schnittpunkte?
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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    • Nachdem die Szenen in der Timeline in der richtigen Reihenfolge stehen versuche ich die Schnittpunkte unsichtbar zu setzen. Also bei verschiednen Einstellgrößen dass Bewegungen fortgeführt werden. Zu lange Szenen unterbreche ich durch Zwischenschnitte (oder sind das Inserts) an dem Punkt an dem ich das Gefühl habe, dass die Einstellung sonst langweilig wird (der Originalton läuft weiter).

      Das Buch "Filmmontage: ein Lidschlag, ein Schnitt" habe ich bestellt.
      vg Ian
    • Meistens muss ich die Schnitte dort setzen, wo das Material nicht mehr mitspielt (verwackelt, AF läuft aus dem Ruder, etc.). Es ist also eher ein Wegschneiden technisch schlechter Aufnahmen, als ein Schnitt im "klassischen" Sinne.

      Ich kenne zwar auch das Buch von Murch "In the Blink of an Eye" und sowie die (empfehlenswerte) Schnittdoku auf der Bullit-BD (in der er auch zur Sprache kommt), aber diese Vorgehensweise erscheint mehr eher für den szenischen Film geeignet, als für die Dinge, die ich üblicherweise filme.

      Mit einer Ausnahme habe ich bisher auch immer nur mit einer Cam gleichzeitig gedreht. Wenn man also einen kontinuierlichen Vorgang (wie z.B. eine Glückwunschrede) filmt, kann man in der Zeit kein Material für Gegenschnitte drehen. Früher oder später gedrehtes Material geht auch nicht immer (dann hätte man z.B. Aufnahmen von Gästen, die sich angeregt unterhalten, zum in die Rede schneiden. Dadurch wird ein völlig falscher Eindruck erweckt (=Rede langweilig, Gäste unterhalten sich lieber, statt zuzuhören)).

      "Neutrales" Material für Zwischenschnitte ist (bis auf wenige Ausnahmen bzw. Glückfälle) auch schwierig, weil dann Bild und Ton nicht mehr zusammenpassen.

      Bei nicht kontinuierlichen Aufnahmen, wo man die Einstellungslänge und die Reihenfolge der Szenen ändern kann, ohne dass es dem Betrachter auffällt, ist die ganze Sache schon einfacher.;)
      Greetings,
      ro_max

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      ------------ Meine CGI-Tests auf Vimeo und YouTube. -------------
    • Ich habe für mich festgestellt, dass eine Szenenlänge von unter 3-4 Sekunden eine künstliche Hektik erzeugt. Das kann gewünscht sein, ich mag es aber eher nicht. Ich achte beim drehen (dokumentarisch) darauf, dass Ein- und Ausstieg während einer Unterhaltung zu sinnvollen Satzanfängen und Satzenden erfolgen. Ebenso verfahre ich bei Körperbewegungen von Menschen, Tieren und Fahrzeugen. Da ich auch nur mit einer Kamera filme, fange ich als Schnittbilder oft Close-Ups von z.B. einer Hand auf dem Tisch ein, oder wie jemand mit den Füßen wippt, oder den Hund streichelt, etc.
      Dadurch bekomme ich bewegte Schnittbilder für die erwähnten langen Szenen, wenn jemand sozusagen einen Monolog hält, der inhaltlich aber wichtig ist.
      Ich mach das aber alles aus meinem Gefühl raus, ein Buch darüber hab ich nie gelesen.
      Meine Quintessenz: Beim Filmen immer ans Schneiden denken.
    • Bei mir funktioniert die Liedschlagtechnik nur, wenn ich Material habe, dass schon bei der Aufnahme szenisch angelegt war. Bei reinen Urlaubsgeschichten, die so nebenher gefilmt wurden, ist es - logischerweise - deutlich schwieriger.

      Idealerweise schneide ich dann, wenn die Erwartung an die thematische Entwicklung der Szene hoch ist, wenn sich der Zuschauer unbewusst fragt: wie geht's weiter? Dann ist der Schniit und der Szenenwechsel logisch und wird als solcher nicht wahrgenommen.

      Ich habe Murch so verstanden, dass mit Liedschlag nicht das normale Benetzen der Augenoberfläche gemeint ist, sondern ein - tja - Spannungsliedschlag. Schnitt dann, wenn vor Aufregung, Anspannung ein Liedschlag entsteht. Praktisch als Trigger für die Fortsetzung der Handlung.

      Beste Grüße, Rod

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rod ()

    • Ja, es ist eine Art "Spannungslidschlag" und nicht eine zeitlich halbwegs normierbare Dauer zur Benetzung der Augen - das wird im Buch sehr klar gesagt. Mit gefällt dieser Begriff sehr sehr gut - weil er es mehr auf den Punkt bringt, dass es hier darum geht die Spannung aufrecht zu erhalten - und darum, wenn die Spannung abfällt. So wie ich das verstehe ist gerade der Spannungslidschlag ist dadurch kennzeichnet, dass man den Inhalt des gerade gezeigten Clips in sich aufgenommen hat, das Material nichts Neues mehr liefert - und damit die Spannung absinkt.

      Ich würde vermuten: wir reden hier von menschlicher Wahrnehmung, von Wahrnehmungspsychologie. Und ob es nun ein Urlaubsfilm ist oder anderes Material, grundsätzlich sollte der Schnitt erfolgen wenn der Betrachter das gerade gezeigte Material ich sich aufgenommen hat - und da wäre der Spannungslidschlag wohl ein guter Indikator.

      Ein Indikator aber, den wir bewußt beim Schnitt trainieren müssen. Es hat mich immer etwas unruhig gemacht, wenn ich mich an meine ersten Schnitterfahrungen erinnere, und ich nicht so genau gewußt habe, nach welcher Zeit ich nun schneiden soll. Auch ich habe mir da versucht so generelle Richtlinien fest zu legen - dass dies je nach Motiv unterschiedlich lange dauern kann, je nach enthaltenen Details, etwa auch je nachdem ob es ein Schwenk ist, eine Rede oder ein statisches Motiv. Ich war damit nur nie wirklich zufrieden, weil diese Richtlinien eben nur sehr grob sein können. Der Spannungslidschlag könnte hier ein sinnvollder Indikator sein. Wir passen ja auch die Dauer einer Überschrift der Länge der Länge der Überschrift an - wie lange jemand braucht um das zu lesen und aufzunehmen.

      Ich glaube, man sollte nicht zwangsweise meinen, dass wir damit alle 3-4 Sekunden und unter allen Umständen schneiden sollten. Ein zu schneller Schnitt kann auch hektisch wirken, das stimmt auf jeden Fall. Ich glaube es braucht eine gewisse Erfahrung und eine gewisse Ruhe und Selbstbeobachtung der eigenen Reaktionen, des eigenen Lidschlages, um sich auch darauf einzulassen, wann man einen Schnitt setzt. Der Hinweis, so einen Film in Echtzeit zu betrachten und dann im laufenden Filme zu schneiden, den halte ich einfach nur für gut.

      Klar sollte man Strategien entwickeln, wann etwas zu lange und zu fad wird - und dann etwa mit Insetschnitts arbeiten, oder einen Wechsel von Totaler auf Halbtotaler oder Großaufnahme machen - wenn möglich. Inserts können oft helfen, wenn man die halt nur irgendwie machen kann, da bin ich bei Ian. Und natürlich den Ton dabei weiter laufen lassen, was mit unseren NLEs ja kein Problem ist.

      Beim Filmen immer ans Schneiden zu denken ist zweifelsohne gut - weil es die Sache unendlich erleichtern kann. Für mich heißt das aber auch für Zwischenmaterial zu sorgen wo es nur geht, Insertschnitte zuzulassen - die Perspektive zu wechseln oder eben das Spiel zwischen Totaler und Großaufnahme zu suchen.

      Dass mißlungene Aufnahmen meist ohnedies rausfliegen, sollte ja eigentlich selbstredend sein. Auch eine z.B. Laudatio könnte man vielleicht dadurch aufzulockern, dassman etwa Bilder einblendet, also Inserts macht, das Publikum zeigt usw. Man muss halt dafür Material besorgen, was halt ein Mehraufwand ist aber oft doch möglich sein dürfte.

      Für mich wird die interessante Frage die sein: ich habe Material etwa von Weihnachten, oder auch von meinem Ausflug in den Hamburger Raum - und ich werde mal versuchen mehr und bewußter auf das erkannte Prinzip des "Spannungslidschlages" beim Schnitt zu achten. Jetzt muss ich nur noch zum Schneiden kommen! :D
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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    • Murch hat mir wirklich ein wenig auf die Sprünge geholfen. Irgendwann hatte ich mich beim Schneiden gefragt: Was machst du da eigentlich? Ausser: Na ja, halt so nach dem Bauchgefühl schnibbeln - was ja so schlecht nicht ist - ist mir nix eingefallen. Durch Murch bekommt man schon ein Vorstellung, worums geht. Allerdings ist man noch meilenweit weit davon entfernt, das dann auch umsetzen zu können.

      Jetzt muss ich nur noch zum Schneiden kommen!


      Wem sagst du das, wem sagst du das. Wir sind umgezogen, unglaublich viel Arbeit i. d. Firma, "hängen" seit Sommer in einer Zwischenwohnung, 85 % der Möbel und allem eingelagert und der Bau (Baugemeinschaft) geht jetzt durch den 2. harten Winter. Wir hoffen, dass wir Ende April endlich umziehen können und bis zum Sommer sollten wir mit dem Gröbsten durch sein. Eigentlich hatte ich gehofft, demnächst wieder ein wenig mehr aufnehmen zu können ... Na, schaun mer mal.

      Beste Grüße, Rod

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rod ()

    • Ich habe in der Zwischenzeit auch eine Unmenge an diversen Büchern daheim herumstehen, nur was hilft es mir das Zeug's zu lesen, wenn dann keine Zeit ist das Gelesene auch umzusetzen. Ich lese diese Bücher meist am Abend vor dem Einschlafen und da kommen mir dann auch oft wundervolle Ideen, nur am nächsten Morgen hat mich der brutale Berufsalltag wieder und meine Ideen landen in der Schublade :(

      Ich verstehe also Rod nur zu gut und bei mir stehen neben dem Job heuer auch wieder Arbeiten in meinem Haus an. Es ist wirklich ein Jammer und ich beneide alle, die schon ihre Pension genießen können und ENDLICH wirklich Zeit haben diesem Hobby zu nachzugehen.
    • Übung macht den Meister gilt auch hier. Alle Theorie ist grau. Die Umsetzung des Wissens ist beim Schneiden und Filmen schwierig.
      vg Ian

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ian ()

    • Original von ro_max
      Meistens muss ich die Schnitte dort setzen, wo das Material nicht mehr mitspielt (verwackelt, AF läuft aus dem Ruder, etc.). Es ist also eher ein Wegschneiden technisch schlechter Aufnahmen, als ein Schnitt im "klassischen" Sinne.

      Deshalb erfolgt bei mir das Schneiden in grob 4 Stufen:
      1. Rohschnitt - technisch schlechtes Material raus, Szenenabfolge ordnen (roter Faden der Story), überlange Szenen vorkürzen ....
      2. Erste Fassung - Recherche (wenn nötig), Filmkommentar erstellen (mit Word), notwendige Ergänzungen dazu im Film vornehmen. Den Text sprechen und unter den Film legen.
      3. Zweite Fassung - Film und Text in Einklang bringen - notwendige Kürzungen / Ergänzungen (Zwischenschnitte, Stills ....)
      4. Hintergrundmusik auswählen und einbringen. Film, Text und Musik anpassen. Kontrolle des Gesamtfilms - vorläufige Endfassung erstellen.

      Ansonsten sehe ich das auch so wie einsiedler - die wichtigste Maxime beim Filmen (die sehr oft nicht beherzigt wird):

      Original von einsiedler
      Meine Quintessenz: Beim Filmen immer ans Schneiden denken.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von kowi ()

    • Klar, wir machen das ja nur als Hobby, aber gerade weil ich es als Hobby mache will ich nicht nur Spaß dabei haben, sondern mich auch verbessern.

      Bei mir ist es so, dass ich trotz knapper Zeit die Dinge versuche umzusetzen - in der Zeit die ich halt habe. Ich sehe das wie Jochen, natürlich ist der eigentliche Schnitt ein umfangreicherer Prozess - hier aber mit dem Schwerpunkt wie man tatsächlich die Schnitte setzt.

      Den "roten Faden in die Story" bringen macht man ja einerseits über die Szenenanordnung, aber auch andererseits über den Schnitt dieser Szenen. Jetzt haben wir zwar im Regelfall nie soviel Material wie bei Blockbuster, wo ja enorme Materialmengen anfalllen - und das Generieren des roten Fadens eine Hauptaufgaben der Cutter ist. Aber in unseren kleineren Produktionen soll man das auch nicht unterschätzen.

      Auch ich schaffe mir im Film eine idealisierte Abfolge - auch wenn das Material in einer ganz anderen Reihenfolge gedreht worden sein mag wirds notfalls umgruppiert und besser sortiert. Da habe ich etwa das Hotelzimmer am ersten Tag kurz gefilmt - und das Hotel von außen erst in den Folgetagen. Sowas drehe ich um, weil man ja eher den Eindruck bekommen soll dass man das Hotel erst von außen sieht, dann betritt und dann das Innere sieht. Auch ich ordne mir die Szenenabfolge daher passend an.

      Nur: das Setzen der Schnittpunkte ist auch wesentlich für den roten Faden, weil es die Handlung voran treiben kann, weil es Emotionen vermittelt, weil es Spannung aufrecht erhält.

      Beim filmen immer ans Schneiden denken - das ist sehr wichtig, aber geht halt auch erst dann wenn man schon etwas Schnitterfahrung hat. Ich versuche etwa die Länge einer Einstellung in etwa an die spätere Länge nach dem Schnitt anzupassen. Etwa, wenn ich das als Beispiel genannte Hotel filme. Wie lange muss das sein? Als statisches Bild wohl maximal einige Sekunden. Ich filme das Hotel vielleicht noch aus einer zweiten Perspektive - um dann entscheiden zu können welche besser wirkt. Aber das ist es dann auch schon.
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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    • Original von wolfgang
      Ich versuche die Länge einer Einstellung in etwa an die spätere Länge nach dem Schnitt anzupassen. Etwa, wenn ich das als Beispiel genannte Hotel filme. Wie lange muss das sein? Als statisches Bild wohl maximal einige Sekunden.

      Meine Grundregel aus der bisherigen Erfahrung dazu:
      Minimaldauer einer kurzen Szene (z.B. dein Hotel) 3-4 sek.
      Normalszene (z.B. eine schöne Nahaufnahme) 8-10 sek.
      Dynamische Aufnahmen (bewegte Objekte, langsamer Zoom oder Schwenk) entsprechend der Dauer des Vorgangs.
      Wichtig, bei allen Szenen vorne und hinten mindestens 2 sek "Fleisch".
      Im allgemeinen sind meine Clips mindestens ca. 8-10 sek lang. So hat man genügend Spielraum.
    • Es ist eben die Frage, wie diese Grundregeln (auch ich habe solche) mit der Idee des Spannungslidschlages zusammen passen. Natürlich läßt man hinten und vorne Fleisch beim Filmen - aber hier reden wir ja von der Dauer im fertigen Produkt.

      Ich bin mir etwa nicht sicher, ob man eine schöne Nahaufnahme immer 8-10 Sekunden stehen lassen muss. Dürfte auch auf die Menge der Bildinformationen ankommen. 8-10 Sekunden kann ganz schön lange sein, wenn man die Bildinformation viel rascher erfassen kann - oder es kann auch passen, wenn es viel zu im gezeigten Ausschnitt zu sehen gibt. Ich vermute, dass man das daher daher anpassen könnte..

      Murch hat etwa auch darauf hingewiesen, dass das Werbefernsehen beträchtlich schneller geschnitten hat, verglichen zu früheren Produktionen - einfach weil die Sendezeit halt viel kostet. Da gibt es also offenbar ganz schön viel Spielraum.

      Klar liegt man mit einer längeren Aufnahmezeit auf der sicheren Seite. Und mit ein wenig Vor- und Nachlauf umgeht man auch leichte Wackler beim An- und Abschalten. Aber wie wäre es, wenn es uns mit ein Wenig Übung gelingen würde, bereits beim Filmen rasch zu erkennen, ob nicht eine geringere Aufnahmezeit auch reicht? Das würde den späteren Schnitt auch erleichtern, weil ich dann nahezu die Originalclips so verwenden könnte wie sie sind. Ich weiß, das ist der Idealfall - der Schnitt bei der Aufnahme. Aber schlecht finde ich die Idee trotzdem nicht.
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von wolfgang ()

    • Original von wolfgang
      Ich bin mir etwa nicht sicher, ob man eine schöne Nahaufnahme immer 8-10 Sekunden stehen lassen muss.
      ... müssen schon gar nicht! Also im Endeffekt entscheide ich die Plazierung des Schnitts entsprechend dem Inhalt (Informationsmenge), dem Spannungsbogen und ..... letztlich nach dem Gefühl.
      Entweder man hat's, oder man hat's nicht. Da helfen auch keine Grundregeln.
    • ich fragte ja nach büchern...

      nun irgendwie wollte ich auch eine bestätigung lesen was ich in den letzten 2 jahren selbst gelernt/bemerkt habe beim und mit dem schneiden...............von wegen lidschlag als allgem. stichwort mit all seinen div. facetten ....die ihr alle oben allseitig bereits zum besten gabt.....

      90% filmte ich leute auf einem haufen wo ich nie wusste wie und wohin sie sich bewegen würden und was da so alles gesprochen wird schlussendlich um mich herum..............

      ebenso sind und waren die filme erinnerungsstücke (eine art interne reportage ) für jene die dabei waren , also kommt so manches hinein was sonst nimmer gezeigt / verwendet würde optisch wie akustisch (man sieht und hört sich gerne) , L-schnitt kommt so fast nicht zur anwendung da im nächsten clip was ganz anderes hörenswertes gesprochen wird bei anderen gezeigten köpfen..........auch ein grund warum ich etwas am o-ton hänge.....

      zudem habe ich schon sehr früh gelesen wie wichtig es ist (genügend) "füllmaterial" zu haben ob das nun detailaufnahmen sind oder sonst was.........einerseits nehme ichs zum auflockern anstelle nur immer leute zu zeigen smileeeeee oder auch als eine art übergänge...................und möglichst div. standorte/blickwinkel für`s selbe objekt.......kann dann schon mal vorkommen, dass ich halt die 180° regel etwas missachte, aber, wenn sich das geschehen mehrheitlich um/auf einem platz mit winkel und ecken abspielt....

      die cliplängen beim schnitt sind bis anhin auch eher automatisch nicht zu lange geraten öööhm....da ich erst diesen sommer ein richtiges 3-beinstativ benütze 2-3mal.........beim stativmaterial hatte ich jetzt schon fast mühe den richtigen "augenschlag" zu finden zu gut geraten fand ich die clips...smileee......
      .

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von chrigi ()

    • Original von wolfgang
      Klar liegt man mit einer längeren Aufnahmezeit auf der sicheren Seite. Und mit ein wenig Vor- und Nachlauf umgeht man auch leichte Wackler beim An- und Abschalten. Aber wie wäre es, wenn es uns mit ein Wenig Übung gelingen würde, bereits beim Filmen rasch zu erkennen, ob nicht eine geringere Aufnahmezeit auch reicht? Das würde den späteren Schnitt auch erleichtern, weil ich dann nahezu die Originalclips so verwenden könnte wie sie sind. Ich weiß, das ist der Idealfall - der Schnitt bei der Aufnahme. Aber schlecht finde ich die Idee trotzdem nicht.


      Ich nehme lieber etwas mehr auf. Leider schleichen sich auch manchmal Tonfehler in eine Aufnahme wie z.B. Knapp neben mir beginnt jemand zu sprechen oder ein anderes Tonereignis sticht kurzzeitig stark heraus. Bei der Aufnahme fällt mir das meistens nicht auf.
      vg Ian
    • Ich versuchte bei den letzten Aufnahmen, mal möglichst exakt abzuschneiden um den Schnitt zu vereinfachen - mit dem Erfolg dass ich gesehen habe, dass die Panasonic 750 ein wenig Nachlauf hat. Man beendet die Aufnahme und senkt die Kamera - und durch den Nachlauf hat man das Absenken der Kamera noch oft drauf. Ok, ich muss mit dem Absenken warten.

      Der Punkt ist eher der, dass hier auch unser Amateurequipment seine Eigenarten durchschlagen läßt. Aber ohne Schnitt kommt man eh nicht aus, auch wenn ich weiß dass viele Leute dies gar nicht machen (aber für die ist dieses Thema ohnedies völlig überflüssig).

      Und damit ist es halt ein gewisser Vor- und ein gewisser Nachlauf.

      Zum O-Ton von Chrigi - das ist ja wie bei einem Interview, da kannst auch nicht mitten in den Satz hineinschneiden ohne dass das ungut wird. Da ist die Schnitt- und Kürzungsmöglichkeit halt vor einem neuen Satz, oder am Ende eines Satzes. Fallweise - in wenigen Fällen - nutze ich die hier extrem guten Eigenschaften von Wegs, und versuche auch in Sätze zu schneiden um diese etwa zu kürzen - je nachdem, ob die Tonlagen und die Satzmelodik stimmen, geht das oder geht das auch nicht. Da ist halt die Infomenge eher über die auf der Tonspur transportiere Information geregelt - was auch gut ist. Wir sollten nicht vergessen, dass wir im Regelfall nicht Stummfilme machen, sondern der Schnitt ausTon- wie auch der Bildschnitt besteht.
      Lieben Gruß,
      Wolfgang

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    • Original von wolfgang
      Ich versuchte bei den letzten Aufnahmen, mal möglichst exakt abzuschneiden um den Schnitt zu vereinfachen - mit dem Erfolg dass ich gesehen habe, dass die Panasonic 750 ein wenig Nachlauf hat. Man beendet die Aufnahme und senkt die Kamera - und durch den Nachlauf hat man das Absenken der Kamera noch oft drauf. Ok, ich muss mit dem Absenken warten.


      Vielleicht wird die GOP fertig geschrieben. Besser als ein fehlerhafter Abschluß.
      vg Ian
    • Man beendet die Aufnahme und senkt die Kamera - und durch den Nachlauf hat man das Absenken der Kamera noch oft drauf. Ok, ich muss mit dem Absenken warten.


      Oft ist es auch nur das ganz feine Ruckeln bei der Betätigung des Auslösers, das man in den letzten Frames noch sieht. Auch das stört ungemein. Ich überdrehe beinahe jede Szene und bei Schwenks beginne ich gerne mit einer Standszene und am Ende endet sie meist ebenso - denn es könnte sein, dass ich den Schwenk später gar nicht möchte oder weil er misslingt oder einfach nicht reinpasst.

      Zur Zeit schneide ich an einem längeren Reisefilm herum. Dabei gehe ich für den Schnitt immer und wieder in das Projekt, mal hinten, mal vorne - wo ich gerade "Lust" habe, daran zu schneiden. Nach ca. 200 Stunden Feinschnitt (auch deswegen so viel, weil einiges dabei schief ging und ich mir erst einen vernünftigen Workflow mit 1080p50 aufbauen musste) renderte ich gestern zum ersten Mal nach 1080p50 und sah mir das am TV an. Dabei zeigte es sich, dass nicht jede Farbveränderung in meinem Sinne war, manche Szenen kamen immer noch doppelt (in ihrem Wesen) und dann hakt mal wieder die Kamera. Insgesamt will ich auch noch etwas in der Zeit herunter. Also notiere ich mir das aus dem gerenderten Film und schneide weiter. Je öfters ich das sehe, umso mehr Gefühl bekomme ich für den Gesamtfilm. Und da, wo es nach ein paar Mal Ansehen selbst mich schon nervt, muss ich etwas ändern... sei es in der Länge, sei es unter Verzicht dieser "ewig doofen Szene" oder sei es aus technischem Mangel, denn ich nicht habe abfangen können.

      Erst dann geht es weiter mit Routen (Reisefilm --> Reiseroute), mit Musik (die wird bei mir immer weniger, statt dessen immer mehr Liveton) und erst ganz am Schluss kommt das lockere Erzählen hinzu - kein Aufzählen von Jahreszahlen, wenn möglich, ein paar Geschichtchen (sofern greifbar) und ein paar interessante Fakten. Und dann wird erst der Pegel abgemischt.

      Szenenlänge: Sie ergibt sich meist von selbst. Man muss einen Bildinhalt oder einen Vorgang erfassen können und sehen, was da passiert. Und das richtet sich nach dem Interessantheitsgrad, dem Detailreichtum und wie sehr ich den Inhalt in den Zuschauer reindrücken will - also eine Stimmmung damit erzeugen möchte. In einem Sonnenuntergang sind z.B. rel. wenig Details enthalten - ihn aber nach 4 Sekunden abzuwürgen, würde seine Wirkung vernichten.

      Bücher hierüber zu lesen, ist sicher nützlich. Aber wem das Gefühl hierfür fehlt, der kann eine ganze Bibliothek aufsaugen - und dennoch keine besseren Filme hinbekommen. Ein Klavierspieler, der zwei linke Hände hat und Dur nicht von Moll unterscheiden kann, wird vermutlich niemals zum Konzertpianisten aufsteigen.